Packen – und Tschüss

Als wir am 26. September 2017 in Halifax gelandet sind, lag ein halbes Jahr wie ein riesiger Zeitteppich vor uns. Und nun, genau sechs Monate später können wir es kaum fassen, dass heute Packen und Putzen auf dem Plan stand. Morgen müssen wir um 8.30 Uhr in Baltimore am Hafen sein, um den White Elefant dort abzugeben. Das dauert ein wenig und danach fahren wir nach Washington, wo wir noch eine Nacht im Hotel schlafen. Und am Mittwoch fliegen wir über Island zurück nach Hamburg.
Es war eine tolle Zeit. Und ja, wir sind noch verheiratet.

Auch die Frage, was uns am besten gefallen hat, können wir nicht eindeutig beantworten. Zunächst haben uns die Begegnungen mit den Menschen gefallen. Wir haben wirklich interessante, freundliche und warmherzige Menschen kennengelernt. Ein paar wenige nicht so tolle waren auch darunter, aber an die erinnern wir uns gar nicht mehr. Echte Highlights waren die Tage in Athens, GA, u.a. mit dem Essen an Thanksgiving mit den Ecks und Browns und die Gruppe in Mexico.
Aber auch Orte wie Meat Cove, Fogo Island, St. John’s auf Neufundland, das Campen am Straßenrand in der Einsamkeit von Labrador, der Grand Canyon, Santa Fe, die Kakteenwüste auf der Baja, die Begegnung mit den Grauwalen in Ojo de Liebre, der Schnee auf dem Donnerpass und die vielen schönen Sternenhimmel in den lichtarmen Stateparks.
Immer werden wir uns daran erinnern und uns freuen, dass wir dieses Projekt wahr machen konnten. Aber wir haben auch gesehen, dass wir Europäer, Deutsche und Hamburger sind und dass es uns zu Hause auch sehr gut gefällt und wir uns freuen, bald wieder zu Hause zu sein und einen „normalen“ Alltag zu leben.

Washington, wir kommen

Sonntagmorgen, Sonnenschein, leider nur 2 Grad Celsius. Heute wollen wir uns die Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika ansehen. Auch wenn ich mir gestern genau angehört habe, wie man mit Bus und U-Bahn nach downtown kommt und wir das im November vergangenen Jahres schon einmal gemacht haben, entschieden wir uns heute für die bequeme Variante und bestellten ein Uber Taxi. Binnen weniger Minuten war unsere Fahrerin da, die zwar wenig plauderte, dafür aber angenehme Musik laufen hatte. Unser Ziel war das Hirshhorn Museum and Sculpture Garden. Auch an der National Mall gelegen und auch unter der Organisation der Smithonian Gesellschaft. Diese Gesellschaft ist eine amerikanische Forschungs- und Bildungseinrichtung die alle Museen an der Mall betreibt. Die Gründung geht auf den britischen Wissenschaftler James Smithon zurück, der 1843 sein Vermögen „zur Mehrung und Verbreitung des Wissens“ der Hauptstadt der USA vermachte. Er selbst hat die USA nie gesehen.
Wie auch immer, alle Museen an der Mall kosten keinen Eintritt. Darunter findet man das National Museum of American History oder das Natural Museum of Natural History. Und natürlich das relativ neue und absolut sehenswerte National Museum of African American History and Culture, das wir schon im Herbst besucht haben und das bis August ausverkauft ist. Im Hirshhorn Museum kann man zeitgenössische und moderne Kunst hauptsächlich der letzten 30 Jahre bestaunen. Es ist nicht sehr groß, ein kreisrunder zweistöckiger Bau, den man gut erschlendern kann.
Danach ging es auf die Mall in Richtung des Obelisken. Das Wohnzimmer der USA erinnert in seiner Größe und Anlage ein wenig an das Forum Romanum. Seine Strenge wurde ihm aber heute genommen, indem auf den Rasenanlagen junge Leute Softball und eine Art Mini-Football spielten. Außerdem waren am Rand noch von der gestrigen Veranstaltung „March for our Lives“ hunderte von Dixie-Klos in Reihe aufgebaut.
Den Obelisken kann man nicht betreten. Er ist bis auf unbestimmte Zeit wegen Renovierung geschlossen. Aber ich wollte auf alle Fälle den Reflecting Pool dahinter sehen, der bis zum Lincoln Memorial reicht. Hier hielt Martin Luther King seine berühmte „Dream-Rede“ und hier sprach auch Forest Gump anlässlich seiner Auszeichnung im Vietnam Krieg.
Jetzt hatten wir langsam Hunger und wir machten uns auf den Weg in ein Café. Dutzende von Food Trucks säumen zwar die National Mall, aber so richtig lecker sah da nichts aus. Gut gestärkt bei Paul`s ging es dann zu unserem letzen Programmpunkt, dem White House. Vorbei noch am Trump Hotel in der alten Post erreichten wir den enorm abgesicherten Sitz des Präsidenten. Er war wohl vor Ort, denn die Fahnen wehten auf dem Dach, gesehen haben wir ihn aber nicht. Es ging ziemlich ruhig dort zu. Ein paar Leute demonstrierten gegen und für allerlei Dinge. Eine Rentercrew ließ sich vor dem White House fotografieren, ebenso wie ein paar Aktivisten der gestrigen Großdemo. Und dann warteten noch zwei Fernsehcrews etwas gelangweilt wahrscheinlich auf den nächsten dämlichen Tweet. Wir nicht, wir fuhren mit Uber wieder zum Campground zurück.
Heute gab es noch einmal ein Flap-Steak, ein flaches, grobfaseriges Stück Fleisch aus der unteren Lende, fettmarmoriert. Oberlecker und zart. Mit einem leckeren Sößchen und ein paar Kartöffelchen. Hmm.

Beobachtungen

Washington wartet. Wir verließen den Misty Mountain Camp Resort und machten uns auf die letzte Etappe von 240 Kilometern bis nach Washington, bzw. zum Cherry Hill Park in College Park bei Washington. Der Highway 29 führte uns durch eine schöne gepflegte bäuerlich geprägte Landschaft. Ab und an sah man durch noch lichte Büsche und Bäume hindurch schöne Antebellum Häuser. Auf der Höhe von Madison überlegten wir kurz, ob wir uns noch einmal eine Einheit Südstaatenhäuser geben sollten. Aber irgendwie ist es jetzt gut. Schilder wiesen auf die eine oder andere Winery hin und es gab hübsche Countrystores, wo man lokales Obst und Gemüse hätte kaufen können. Normalerweise war das immer ein Punkt, an dem wir hielten, aber da wir bis Montag Abend unseren Kühlschrank leer gegessen haben müssen, verzichteten wir. Nicht ganz. Bei einem, von einer lokalen Meierei betriebenen Eisgeschäft namens „Moo Thru“ in Remington hielten wir, um ein Eis zu essen. Besonders die Sorte „Holstein“ machte uns neugierig. Hier handelte es sich um ein Vanilleeis mit großen Schokoladenstücken. Die Verkäuferin meinte, dass es an die Schwarzbunten erinnern soll, die die Milch für das Eis geben. Und es schmeckte wirklich gut.
Am Nachmittag waren wir dann in Washington, wo heute der „March for our Lives“ stattfand, wo amerikanische Schüler nach dem letzten Attentat in Florida, mit Nachdruck von der Regierung fordern, die Waffengesetze zu verschärfen.
Wir selbst fuhren auf den Campground Cherry Hill, wo wir schon im November einmal waren. Um 16.00 Uhr gab es eine Infoveranstaltung darüber, was man in Washington wo ansehen kann, wie man von hier in die Stadt kommt, was eine Fahrkarte für den Bus und die U-Bahn kostet, wie man eine Chipkarte für die U-Bahn mit Guthaben auflädt, wie man die U-Bahn benutzt und wo man den Busfahrplan findet. Selbstverständlichkeiten. Hier aber konnte man sehen, dass ÖPNV für viele Amerikaner echtes Neuland darstellt. Ein Abenteuer. Auf eine Frage, was man denn noch gerne wüsste, welche Dinge man noch gerne ansehen wolle, kam von einem älteren Herrn die Antwort „das Bible Museum“. Nicht die National Mall mit den vielen Museen, den Reflecting Pool oder das Lincoln Memorial interessierte ihn, sondern das Museum of the Bible.
Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass Amerika-Bashing hier nicht hilft, um das Land in seinen vielen Ausprägungen zu begreifen. Dem geneigten Leser lege ich Amerika! Von Geert Mak ans Herz, das ich gerade lese. Und das Buch „Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika“ von John Steinbeck. Steinbeck reiste 1962 durch die amerikanische Provinz und Mak fuhr die Tour 50 Jahre später nach, auch um herauszufinden, wie sich Amerika in dieser Zeit verändert hat. Und das Erstaunliche ist, dass sich für uns, noch einmal 5 Jahre später das Land noch anders und unverständlicher präsentiert. Ich glaube, wenn wir erst einmal wieder in Hamburg sind, werden uns noch viele Dinge einfallen, die wir unglaublich toll fanden und Dinge, bei denen wir nur noch den Kopf schütteln können.

Charlottesville

Geburtstag zu haben und nicht zu Hause zu sein, ist schon ein wenig komisch, aber wir haben heute einen schönen Tag in Charlottesville, Virginia, verbracht. Bei manchem mag dieser Ort ein „Geschmäckle“ haben, denn hier gab es vor knapp einem Jahr heftige Auseinandersetzungen zwischen rechten Reaktionären und bürgerlich-Linken, die sich an dem Abbau von einem Reiterstandbild von General Lee entzündeten. Dabei kam ein Mensch ums Leben und viele andere wurden verletzt. Besonders bedauerlich war dabei die Reaktion des Präsidenten Trump, der sich nicht klar und deutlich von den rechtsextremen Demonstranten distanzierte.

Aber Charlottesville hat Gott sei Dank auch ein anderes Gesicht. Nämlich das Gesicht einer schönen Universitätsstadt. Hier ist die renommierte University of Virginia beheimatet. Charlottesville ist fahrrad- und fußgängerfreundlich. So konnten wir gemütlich durch die autofreie Mainstreet spazieren. Es gibt schöne Buchläden, Papiergeschäfte, Boutiquen, die mal hübsche Kleidung verkaufen, Restaurants und Cafés. Und einen superchicken Laden namens Caspari, der Porzellan, Gläser und Tischdekorationen verkaufte. Mal unter casparionline.co angucken. Lohnt sich. Dieses Wochenende findet ein Buchfestival statt und so luden alle Buchhandlungen zu Lesungen und Workshops ein.
Wir aber mussten noch ein paar Mitbringsel kaufen und so statteten wir noch dem Virginia Shop einen Besuch ab.
Danach waren wir irgendwie müde und fuhren zurück zum Misty Mountain Campground. Dort saßen wir noch ein wenig in der Sonne und ich freute mich noch über zwei Kaffeetassen des Campgroundbesitzers, die dieser mir zum Geburtstag überreichte. Es war ein schöner, ruhiger Tag.

Virginia

Da unser letzter Campground Natural Bridge/Lexington Koa hieß, haben wir heute beide Orte besucht.
Natural Bridge war einmal in Privatbesitz und in älteren Reiseführern wird der heftige Eintritt von 20 Dollar bemängelt. Inzwischen ist es aber ein Statepark und der Eintritt kostet noch 8 Dollar. Das Empfangshaus vom Natural Bridge State Park muss man einfach beeindruckend finden. Weiße Säulen vor einem hohen Backsteingebäude. Weiß umrandete Fenster und Türen. Alles im Südstaatenflair. Hier in Virginia wirkt der Südstaatenchick sehr gediegen. Weiter im Süden kommt er oft morbider daher. Dann ging unsere kleine Wanderung los. Erst 150 Stufen nach unten zum Cedar Creek und dann zur Bridge. Hier hat sich im Laufe von vielen Jahren der Fluss durch den Kalkstein gearbeitet und einen 66 Meter hohen und 27 Meter breiten Steinbogen in luftiger Höhe gebildet. Im Sommer scheint dieser Bogen beleuchtet zu werden und man hat einige Bänke aufgestellt, um diesem Spektakel beiwohnen zu können. Der Weg führt dann weiter zu einer Höhle, wo früher Salpeter abgebaut wurde, das man für die Pulverherstellung brauchen konnte. Und noch weiter führt der hübsch angelegte Weg zu einem kleinen Wasserfall. Das war es. Eine Stunde später waren wir wieder bei unserem Auto. Ich weiß nicht ob es stimmt, aber angeblich kaufte Thomas Jefferson 1774 das Land mit der Brücke für 20 Shilling der englischen Krone ab. Jefferson war Landvermesser und hatte 25 Jahre zuvor die Natural Bridge erkundet.

Jetzt hatten wir ein bisschen Hunger und so steuerten wir unser nächsten Ziel, Lexington an. Eine hübsche Mainstreet mit alten Backsteingebäuden und viel Südstaatenflair. Klein, mit knapp 9.000 Einwohnern ist die Stadt aber Sitz vom Virginia Military Institute und der Washington and Lee University. In einem hübschen Küchenladen, in dem wir ein bisschen stöberten, erzählte uns die Verkäuferin, dass es hier durch die Unis ein reiches kulturelles Leben gäbe. Viele Schriftsteller und Wissenschaftler, aber auch viele Politiker würden hierher zu Lesungen und Vorträgen kommen.
Beim sehr leckeren Mittagessen im Southern Inn Restaurant unterhielten wir uns mit zwei Frauen am Nebentisch. Mutter und Tochter. Die Mutter war Vertriebene aus dem Sudentenland, die von Frankfurt aus mit ihrem Mann in die USA emigrierte und noch sehr gut Deutsch sprach. Die Mutter war mit ihrer Tochter nach Lexington gekommen, um die Enkelin, die Studentin am Military Institute war, für die Springbreak abzuholen und mit nach Kentucky zu nehmen. Die Tochter, vielleicht etwas jünger als Martin und ich sprach aber kein Deutsch mehr. Sie war eine Südstaatenlady. Beten beim Mittagessen und Kinder auf der Militärakademie.
Wir fuhren weiter nach Misty Mountain, wo wir heute übernachten. Amüsiert bin ich über unsere Nachbarn. 5 Jungs mittleren Alters, ausgestattet mit Bier, Wein und Steaks übernachten heute als „Outdoorfreaks“ bei bis zu -2 Grad Celsius im Zelt, in der Hängematte und im Auto. Nur die Harten kommen in den Garten oder ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.

Roanoke

Ja, heute morgen lag Schnee. Nicht die fluffige Variante, die man mitten im Winter schön findet, sondern der schwere und nasse Schnee, der eigentlich nur stört, weil man schon Osterglocken, Tulpen und Narzissen im Sinn hat. Aber egal, unser Tagesziel war heute Roanoke. Eine mittelgroße Stadt, mit einem hübschen, aus Backsteinhäusern bestehendem Zentrum. Es gab eine Markthalle mit einigen Kiosken, an denen man chinesisches, amerikanisches und deutsches Essen (Frankfurter) holen konnte. Außerdem einen schönen Marktplatz, wo im Sommer die umliegenden Farmer ihr Obst und Gemüse verkaufen. Einige nette Bierkneipen und Mikrobrauereien rundeten das Angebot ab. Wir hatten ein leckeren Lunch bei Billy`s und wurden von einer sehr aufmerksamen jungen Frau bedient, die einen ziemlichen Südstaaten-Akzent drauf hatte.
Das Taubman Museum of Art, das in einem futuristischen Gebäude nach Plänen von Randalll Stout errichtet wurde, hatte heute aus unerfindlichen Grünen leider zu.
Wir waren zu früh da, um den Roanoke Star vom Mill Mountain leuchten zu sehen. Eine Erfindung vor Jahrzehnten von Geschäftsleuten zur Weihnachtszeit gestiftet, hat sich dieser große Stern inzwischen zur Touristenattraktion gemausert. Manchmal braucht man nur Ideen.
Heute stehen wir in Natural Bridge, die wir uns morgen, wenn das Wetter besser ist, auch ansehen werden.

Wetterkapriolen

Es ist doch schon merkwürdig. Jetzt sind wir ein halbes Jahr unterwegs und hatten gefühlt fast immer gutes Wetter. Der Herbst war bunt und mild, Weihnachten war es in Florida auch eher warm, auf der Baja auch und von Florida bis hier in Virginia eher vorfrühlingshaft. Klar, es gab auch ein paar Ausreißer, besonders erinnere ich mich an die Herbstwinde in Nova Scotia und das Schneechaos am Donnerpass. Aber nun wird es leider noch einmal richtig schlecht. Gestern Abend saßen wir noch an unserem Lagerfeuer und heute regnet es bei 2 Grad Celsius, was vom Himmel kommt. Heute Nacht soll es schneiden. Na danke. Eine Vorbereitung auf zu Hause, wo, wie wir gelesen haben, der Frühling auch auf sich warten lässt.
Wir sind seit heute wieder in Virginia. Die Tourist Trap in Pigeon Falls haben wir hinter uns gelassen und haben uns auf den Weg nach Wytheville gemacht. Auf dem Weg nach Süden sind wir schon einmal durch Virginia (is for lovers) gekommen. Damals sind wir über den Blue Ridge Parkway gefahren. Aber heute war das Wetter zu schlecht, als dass es sich gelohnt hätte über den Bergrücken des Appalachen-Gebirges zu fahren. Also haben wir eine Pause am Besucherzentrum von Virginia gemacht und eine in Wytheville. Dort haben wir uns nett mit einem älteren Herrn unterhalten, der in den 50er Jahren mit der amerikanischen Armee in Würzburg stationiert war. Er erwähnte, dass er es damals schön gefunden habe, wie freundlich die Deutschen zu den Amerikanern gewesen wären. Da erzählte ihm Martin, dass seine Mutter noch heute von den Amerikanern und ihrer Hershey-Schokolade schwärmt. Da musste er lachen. Da er keinerlei Bezug zur Gegenwart herstellte, vermieden wir es aus Gründen der Höflichkeit, ihm zu sagen, dass man heute mit Hershey-Schokolade eher keine Freunde finden wird. Auch nicht mit Ednussbutter und nur partiell mit Whiskey. Vielleicht noch den einen oder anderen deutschen Zahnarzt mit einer Harley.
So, wir stehen jetzt in Max Meadows, kurz hinter Wytheville und hinter uns auf dem grünen Hügel steht eine Herde mit Schafen und wenn man sich das Meer dahinter vorstellt, glaubt man für ein paar Sekunden, man ist in Sankt Peter Ording. Das Wetter stimmt auf alle Fälle schon auf die Nordsee ein.

Dolly Parton

Es war frühlingshaft warm in Sevierville, Tennessee. Übrigens der Geburtsort von Dolly Parton, die inzwischen 82 ist. Aber davon später.
Wir beschlossen, noch einen Pausentag einzulegen. Und da uns der Platz Two Rivers RV Resort gut gefiel, fragten wir nach einer Verlängerung. Aber das Land, in dem jeder gegen jede Art von Diskriminierung vorgehen kann, hat uns heute schwer enttäuscht. Gestern hatte uns eine Angestellte einen Platz direkt Flußufer zugeteilt. Dafür bekam sie heute einen schweren Rüffel von ihrem Chef, dem Eigentümer des Platzes. Denn in der ersten Reihe dürfen nur Wohnmobile stehen, die mindestens 40 Fuß lang sind. Also unseres ist 28 Fuß und damit nicht würdig, am Fluss zu stehen. Wir könnten gerne einen Platz in der zweiten Reihe haben. Aber nicht vorne. So seien eben die Regeln auf diesem Platz. Da kann ich nur sagen: „Nö, Junge und Tschüß. Die Korinthe ist eben die kleinste alle Rosinen.“

Also sind wir weiter weiter in Richtung der Smokey Mountains gefahren. Der nächste Ort war Pigeon Forge. Ein durch und durch von Erlebnis-Tourismus geprägter Ort. Wobei Erlebnis hier nicht heißt Bergtouren oder Rafting oder Zippling. Nein, links und rechts einer sechsspurigen Straße durch den Ort findet man Gocart-Bahnen, „Geisterbahnen“ wie auf dem Rummel mit Namen wie Jurassic Park oder Alcatraz-Museum, Fotostudios, wo man sich wie zur Zeiten des wilden Westens fotografieren lassen kann, Eisbuden, Geschäfte aller Art, Hotels über Hotels, Restaurants und Kneipen für jeden Geldbeutel. Und dann gibt es noch einige Showbühnen, an denen allabendlich Comedy- oder Countryshows aufgeführt werden. Aber der Oberknaller sind die Etablisments, die den Namen von Dolly Parton tragen, als da wären Dollywood, Dolly Parton`s Dixie Stampede und Dolly Parton`s Smoky Mountain Adventures. Dolly Parton war immer eine erfolgreiche Country-Sängerin und wie man hier sieht, ist sie auch eine findige Geschäftsfrau. In einem Laden erzählte man uns, dass Pigeon Forge im Sommer sehr busy sei. Dann staut sich der Verkehr durch den Ort, und es dauert, um nach Gatlinburg und weiter zu den überaus beliebten Smokey Mountains zu kommen.
Wir fanden es schon heute ziemlich rummelig und so zogen wir uns bald zurück auf unsere Liegestühle im Pine Mountain RV-Park. Es war mild und angenehm draußen zu sitzen. Am Abend hat Martin noch ein Lagerfeuer entzündet und obwohl es nach den Rules und Regulations verboten ist, Alkohol öffentlich zu zeigen, saßen wir mit einem Glas Whisky draußen und haben den lauen Frühlingsabend genossen. Heute Nacht soll es regnen und ab morgen richtig kalt werden. Wir haben den Abend also richtig genutzt.

Pause

Bye, bye Chattanooga und weiter gehts in die letzte Woche unserer sechsmonatigen Reise durch Kanada, USA und Mexiko. Noch 1000 Kilometer bis Baltimore. Dies sollte in einer Woche gut zu schaffen sein. Also ließen wir es langsam angehen. In Farragut, immer noch Tennessee, machten wir Pause. Ich musste einkaufen und hier, im Osten der USA sind wir wieder im PUBLIX-Land.
Weil meine Vorliebe für Forschungen im Supermarkt ungebrochen ist, machen wir es inzwischen so, dass Martin ein Päuschen im Wohnmobil macht, während ich zwischen den Ladenregalen verschwinde.
Es ist jedes Mal erstaunlich, was es für tolle Produkte gibt. Habe ich schon von den Ajax-ähnlichen Sprühflaschen, bedruckt mit Obst und Gemüse berichtet, die man jetzt kauft, um zu Hause das gekaufte Obst und Gemüse von Wachs, Chemikalien, Bakterien und sonstigem Schmutz zu befreien, bevor man es isst. Also abwaschen, wie es in Europa üblich ist, ist ganz schön old school.
Eine besondere Herausforderung ist jedes Mal der Fleischkauf. Hier gibt es meist dick geschnittenes und abgepacktes Rindfleisch, Schweinefleisch und Hühnerfleisch. Kalb gibt es ganz wenig. In den besseren Supermärkten kann man auch an eine Bedientheke gehen. Hier kann man dann seine Wünsche hinsichtlich Dicke und Gewicht äußern. Aber jedes Mal fragt der Verkäufer nach, wenn ich sage, dass ich ein halbes Pfund Rinderhackfleisch möchte. Der glaubt bestimmt, dass ist für meinen Chihuahua zu Hause. Hackfleisch gibt es in anderen Qualitäten als in Hamburg. Rindfleischhack mit 7 Prozent Fett oder 15 Prozent Fett. Kein Schweinehackfleisch, dafür aber Putenhackfleisch.
So, nachdem ich für heute Abend Schweineschnitzel gekauft habe, sind Martin und ich noch im nahegelegenen FirstWatch Café eingekehrt. Dort gab es leider keinen Cappuccino, dafür aber einen Salat, unter anderem mit Kale (Grünkohl), Mandeln und Cranberries. War ganz lecker, wobei der blanchierte Kale einfach ohne jede Eleganz im Mund daher kommt. Er ist für mich einfach ein Wintergemüse, das Fett braucht und nicht wie hier ein vermeintlicher Quell ewiger Jugend.
Wie wir so in der Sonne sitzen, kommt Rob aus Arizona vorbei, ein Händler für BMW und KTM Motorräder. Wir haben ein bisschen geplaudert und er hinterließ und seine Adresse, falls wir mal vor Ort wären. Danke Rob.
Und dann ging es weiter Richtung Knoxville. In Sevierville legten wir noch eine Stopp ein bei „The World`s largest Knife Showplace“. Hier gab eine bemerkenswerte Auswahl an Taschenmessern, Dolchen, Jadmessern, Kampfmessern und Küchenmessern in den Ausführungen schick, über zweckmäßig bis geschmacklos. Bei den Küchenmessern überwog die Auswahl aus Deutschland und der Schweiz und auf die Frage nach guten Steakmessern empfahl der Verkäufer ebenfalls ein deutsches Produkt. Wir verraten an dieser Stelle nicht sein unpatriotisches Tun.
Wir bleiben heute in Sevierville am Eingang zu den Great Smokey Montains. Hier am Fluss ist es nett und sonnig. Jetzt gibt es erst einmal einen Kaffee.