{"id":1969,"date":"2017-10-21T18:30:04","date_gmt":"2017-10-21T17:30:04","guid":{"rendered":"http:\/\/1024a.de\/?p=1969"},"modified":"2017-10-22T13:30:21","modified_gmt":"2017-10-22T12:30:21","slug":"dies-und-das","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/1024a.de\/?p=1969","title":{"rendered":"Dies und Das"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wen man so trifft<\/strong><br \/>\nAm 2.102017 sind wir gegen 16.00 Uhr in Meat Cove angekommen. Ein winziges Dorf, man k\u00f6nnte auch sagen, ein Kaff am Ende der Welt. Auf dem Campground, der zugegeben eine atemberaubende Aussicht auf den Atlantik bietet, kein Mensch. Aber in der kleinen, sp\u00e4rlich beleuchteten H\u00fctte des Empfangs sa\u00df ein junger Mann, der Host, und bot uns alle Pl\u00e4tze zur Auswahl an. Es regnete leicht, war sehr windig und mit 9 Grad Celsius auch kalt, aber er harrte in seiner H\u00fctte aus, als ob er off Season und bei schlechtem Wetter noch viele Reisende erwartete. Am Ende, als es dunkel wurde, waren mit uns drei Camper auf dem Platz und in eine H\u00fctte war ein junges Paar gefl\u00fcchtet, das den Plan zu zelten angesichts der steifen Brise aufgegeben hatte. Das Warten hatte sich f\u00fcr ihn gelohnt.<\/p>\n<p>Als wir um die Ecke auf den MacLeod\u00b4s Beach Campsite einbogen, bot sich uns eine beeindruckende Aussicht. Vor dem tiefblauen Meer bei bestem Oktobersonnenschein standen auf einer gr\u00fcnen Wiese die dortigen Camper, in lockeren Reihen angeordnet. Ein Klingeln am Office und nach einiger Zeit erschien der Host, Typ Schotte. Bei n\u00e4herem Hinsehen gab es auch noch sch\u00f6ne Pl\u00e4tze oceanfront, aber angesichts des Gewichts unseres Fahrzeuges, konnte er uns nur einen befestigten Platz in einer der hinteren Reihen anbieten. Geht ja auch, auch von dort kann man zum Meer laufen.<br \/>\nOkay und neben wem standen wir nun? Neben der Dauercamper-Gang, die sich bei Musik, Bier und dem Spiel \u201egro\u00dfe Unterlegscheiben in einen Kasten werfen\u201c entspannten. Kanadier begegneten uns im allgemeinen sehr offen und diese taten es auch. Also durften wir mitspielen und zu sp\u00e4terer Stunde auch mittrinken. Dabei erf\u00e4hrt man zum Beispiel, dass alle Camper den Sommer zum Teil seit Jahrzehnten auf diesem Platz verbringen. Alle wohnten und arbeiteten auf der Insel Cape Breton. Und ihre Wochenenden und Urlaube verbrachten Sie auf der anderen Seite von Cape Breton. Ist das nun Bequemlichkeit, Patriotismus oder Nationalismus?<\/p>\n<p>Das f\u00fchrt zu einer Begegnung auf einer Stra\u00dfenbaustelle. Oft wartet man vor einem lebendigen Stra\u00dfenschild. Zu einem dieser Stra\u00dfenschilder kam ein Bauleiter vorbei, der unser auff\u00e4lliges Auto schon von weitem gesehen hatte. Es stellte sich heraus, dass er aus England stammte und seit einiger Zeit in Kanada arbeitete. Nachdem wir ein paar freundliche Worte ausgetauscht hatten, kam doch dieser bemerkenswerte Satz: Er findet, dass Kanada ein gro\u00dfartiges Land ist. Aber er findet auch, dass alle Kanadier und alle Amerikaner vom Staat verpflichtet werden sollten, einmal im Leben ihr Land zu verlassen. Um einmal festzustellen, dass es au\u00dfer ihrem Land auch noch andere L\u00e4nder, Sichtweisen, Gedanken, Sprachen und Menschen gibt. Das w\u00fcrde aus seiner Sicht, Kanada wirklich great und nicht, wie er es im kleinen empfindet, manchmal kleinkariert machen. Auch eine Ansicht.<\/p>\n<p><strong>Natur und?<\/strong><br \/>\nAls Reisender nach Kanada tr\u00e4umt man von intakter und gro\u00dfartiger Natur. Aber auch hier sieht man, dass alles mit allem zusammenh\u00e4ngt. Der Host des gro\u00dfartigen Campgrounds Meat Cove hatte vor sich Prospekte liegen, die versprachen, dass man von diesem Punkt aus mit 95 prozentiger Sicherheit Wale sehen k\u00f6nne. Oh, freut sich der Tourist aus Hamburg. Oh, meint der nette Host: Dieses Jahr haben wir leider noch nicht einen Wal sichten k\u00f6nnen. Wir wissen nicht warum: Meeresstr\u00f6mungen, zu wenig Nahrung hier, zu schmutzig, zu laut? SCHADE AUF ALLE F\u00c4LLE F\u00dcR ALLE, DIE WALE, DIE TOURISTEN, DIE LEUTE VOR ORT.<\/p>\n<p>Wir mussten ja bei Cape Breton Trailer Sales den Winterablauf des Wassertanks reparieren lassen.  Als alle gerichtet war, wollten wir gleich mal ein bisschen Wasser einlassen, um zu sehen, ob nun alles dicht war. Auf unsere Bitte an die Werkstatt ein wenig Wasser bunkern zu d\u00fcrfen, kam die Antwort, besser nicht, unser Wasser ist zu schlecht.<br \/>\nEinen Tag zuvor hatte uns der Host eines Campgrounds noch das Hohe Lied seines wunderbaren Wassers gesungen.<br \/>\nWasser ist also hier, wo es Wasser scheinbar im \u00dcberflu\u00df gibt, nicht gleich Wasser zu sein. Die Qualit\u00e4t ist h\u00f6chst unterschiedlich. Zu Hause haben wir nie dar\u00fcber nachgedacht, dass Wasser bei uns \u00fcberall bedenkenlos trinkbar ist. Was f\u00fcr ein Luxus.<\/p>\n<p><strong>Weihnachtsbr\u00e4uche?<\/strong><br \/>\nDa wir am 18.10.2017 in Labrador zum ersten Mal in diesem Herbst Schnee gesehen haben und der auch noch sch\u00f6n auf den B\u00e4umen liegen blieb und uns das an Weihnachten erinnert, k\u00f6nnen wir auch \u00fcber einen sch\u00f6nen Weihnachtsbrauch in Labrador berichten. Da die Orte ziemlich klein sind und man eh alles \u00fcber die anderen wei\u00df und seinen Nachbarn wahrscheinlich am Schritt erkennen kann, hat man sich etwas nettes ausgedacht. Man verkleidet sich und spricht nur mit eingezogenem Atem. \u00c4hnlich wie beim Paten. Und dann m\u00fcssen die anderen erraten, wer man ist. Wenn man richtig liegt, gibt es Kuchen. Bei Martin l\u00e4ge man also immer richtig. Daran erinnern auch kleine Figuren, die man hier kaufen kann. Sie tragen, wie fr\u00fcher, als man noch keine Kost\u00fcme fertig kaufen konnte, bunte T\u00fccher \u00fcber das Gesicht und sehen wirklich h\u00fcbsch aus. <\/p>\n<p><strong>Wo ist das Ende der Welt?<\/strong><br \/>\nManchmal kann man auch bei netten Unterhaltungen einfach mith\u00f6ren. Als wir auf der F\u00e4hre von Neufundland nach Labrador auf der Treppe warteten, um wieder in unser WoMo einsteigen zu k\u00f6nnen, unterhielten sich zwei Kanadier. Der eine wollte als passionierter Hobby-Ornithologe nach Labrador und fragte eine vor ihm stehende Frau, ob sie aus Labrador stamme. Sie verneinte und erkl\u00e4rte, dass sie aus Quebec komme. \u201eWo genau?\u201c insistierte der Vogelmann. \u201eOut in the boonies\u201c antwortete die Frau, was soviel bedeutet, wie \u201evom Arsch der Welt\u201c. Aha, und wie kommt man dorthin? Einmal in der Woche, nur mit dem Schiff. Das erschien auch Martin und mir weit drau\u00dfen. Sie meinte wohl solche Weiler wie La Tabati\u00e8re oder Baie-des-Ha!Ha!, die zu Quebec und nicht zu Labrador geh\u00f6ren. <\/p>\n<p><strong>Ureinwohner<\/strong><br \/>\nObwohl wir in keinem Interpretative Center f\u00fcr die Ureinwohner Labradors waren, wurde an eine Geschichte immer wieder erinnert. Die der Beothuk, das war ein Stamm der Ureinwohner Neufundlands, der inzwischen ausgestorben ist. Sie waren J\u00e4ger und Fischer und lebten mit ihren Familien in kleinen unabh\u00e4ngigen Gruppen. Von den Europ\u00e4ern hielten sie sich fern und lebten fortan mehr im Landesinneren. Wenn aber die Europ\u00e4er, die vor allem im Sommer an den K\u00fcsten lebten, ihre Lager im Winter verlie\u00dfen, dann kamen die Beothuk doch gerne vorbei und nahmen sich, was sie gebrauchen konnten. Das wiederum stie\u00df bei den Europ\u00e4ern nicht auf gro\u00dfe Liebe. Mit der Zeit eskalierte der Streit zwischen den Beothuk und den wei\u00dfen immer mehr und au\u00dferdem sch\u00fcrten die Europ\u00e4er den Streit zwischen den traditionell verfeindeten Beothuk und den Mi \u00b4kmaq, indem sie letztere auch mit Waffen ausr\u00fcsteten. Die Beothuk gerieten immer mehr in Bedr\u00e4ngnis und sie lebten immer isolierter und hungerten sehr. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es nur noch eine kleine Gruppe und auch diese wurde mit Gewalt dezimiert, obwohl 1810 die britische Regierung den Schutz der Indianer verf\u00fcgte. 1829 starben die letzten beiden Beothuk Frauen Mary March und Shanawdihit.<\/p>\n<p><strong>Statistik<\/strong><br \/>\nWieviel Menschen wohnen in NL? Ich meine Neufundland-Labrador und nicht Holland. Am 1. Juli 2016 wohnen in ganz Labrador und Neufundland 530.128 Menschen. F\u00fcr 2017 werden laut Labrador Statistics Agency 523.159 prognostiziert. Wobei im Gro\u00dfraum St. John\u2019s schon 197.000 Menschen wohnen und in St. John\u2019s selbst 106.000. In Labrador wohnen ca. 30.000 Menschen auf einer Fl\u00e4che von 295.000 Quadratkilometer. Das erkl\u00e4rt die weiten Gebiete, wo niemand wohnt und man 200 Kilometer und mehr f\u00e4hrt, ohne ein Haus zu sehen.<br \/>\nIn Labrador arbeiten die meisten in Churchill Falls und in Happy Valley Goose Bay in den jeweiligen Wasserkraftwerken und in Labrador City in den Minen. Der Sommer ist kurz, der Winer lang. Viel zu tun au\u00dfer Hunten, Fischen und Skidoofahren gibt es in der Freizeit nicht. Verdient wird gut, aber die Lebenshaltungskosten sind auch hoch. So ziehen die meisten, mit Beginn der Rente nach Neufundland, wo man au\u00dferhalb von St. John\u2019s noch g\u00fcnstig ein Haus kaufen kann. <\/p>\n<p><strong>Wie man so wohnt<\/strong><br \/>\nJede Verallgemeinerung ist falsch, dennoch der Versuch, ein durchschnittliches \u201eAnwesen\u201c in NL zu beschreiben.<\/p>\n<p>Das Haus selbst ist ein Mobile Home, d.h. ein fertiges Fertighaus. Meist aus zwei Teilen zusammengebaut sind diese Einheiten etwas netter als zu Martins Studienzeiten in den USA, aber doch als solche zu erkennen.<br \/>\nDie H\u00e4user werden nicht ebenerdig gebaut, sondern, um der Schneeh\u00f6he Rechnung zu tragen, meist um ein halbes bis ein ganzes Stockwerk erh\u00f6ht. Zu jedem Eingang gibt es die entsprechend solide gebaute Holztreppe, bei vielen H\u00e4usern ausserdem eine rollstuhlgeeignete Rampe, die das Haus zwei bei dreimal quert, um die H\u00f6he zu erreichen.<br \/>\nVor dem Haus am Stra\u00dfenrand steht eine \u201ewildfeste\u201c Holzkiste f\u00fcr den M\u00fcll, die in unwahrscheinlich vielen Farben dekoriert und gestrichen sein kann. <\/p>\n<p>In jedem Haus gibt es eine Holzfeuerstelle, meist aus Stahl mit einigen wenigen Schamottesteinen ausgekleidet. Holz ist billig und au\u00dferdem gut f\u00fcr \u201ea guys weekend in the cabin\u201c, um selbiges zu holen. Vom Trocknen des Holzes h\u00e4lt man nur begrenzt viel, wodurch es mancherorts ziemlich nach Qualm riecht. <\/p>\n<p>Dem Thema Holz begegnet man \u00fcberall.  Es gibt eine schier unendliche Zahl an Holzlagerst\u00e4tten neben der Strasse. Mal sind diese mit dem Auto, mal nur mit dem ATV (all terrain vehicle &#8211; vulgo Quad) zu erreichen. Bei einer Vielzahl dieser Lagerpl\u00e4tze liegen auch Schlitten als Anh\u00e4nger, um das Holz im Winter holen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das erfordert nat\u00fcrlich einen entsprechenden Fuhrpark. Der Herr des Hauses hat nat\u00fcrlich seinen Truck. Vierradantrieb. Die Dame des Hauses f\u00e4hrt gern ein kleines SUV.<br \/>\nF\u00fcr die Jagd und sonstige Wildnis-orientierte T\u00e4tigkeiten gibt es das bereit erw\u00e4hnte ATV. Dies in Ausf\u00fchrungen vom Einsitzer, \u00fcber Zweisitzer (hintereinander) zu Zweisitzer (nebeneinander) mit \u00dcberrollk\u00e4fig bis hin zum Viersitzer. Gern auch mit kleiner Ladefl\u00e4che und Halter f\u00fcr das Gewehr. <\/p>\n<p>Nachdem es aber auch einen langen Winter gibt, ben\u00f6tigt man auch noch Ski-Doos: \u201eOh Yeah, every house has its 2-3 Ski-Doos\u201c.<\/p>\n<p>Dann braucht man nat\u00fcrlich noch einen Anh\u00e4nger f\u00fcr den ATV, das Ski-Doo (manchmal auch Sea-Doo) und sonstige Dinge. Und nat\u00fcrlich noch den obligatorischen Wohnwagen in Form eines Sattelaufliegers mit \u201esolide outs\u201c. Je nach Ordnungssinn des Hauseigent\u00fcmers steht alles verstreut auf dem Grundst\u00fcck oder gesammelt in einer gr\u00f6\u00dferen Scheune.<\/p>\n<p><strong>Internet<\/strong><br \/>\nIn den vergangenen drei Jahren hat sich die geographische Verbreitung dieses &#8220;Internets&#8221; deutlich gesteigert. Bei der echten Verf\u00fcgbarkeit, gemessen in Stabilit\u00e4t und Geschwindigkeit, f\u00fchlt man sich an die Zeiten von Boris Beckers AOL Werbung &#8220;Bin ich schon drin?&#8221; zur\u00fcck versetzt.<br \/>\nEine nette Mitarbeiterin verriet uns das Password Ihres Netzzugangs: &#8220;crappy internet &#8211; all lower case &#8211; but it probably won&#8217;t work&#8221;. Sie hatte Recht. Eine gute Zusammenfassung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wen man so trifft Am 2.102017 sind wir gegen 16.00 Uhr in Meat Cove angekommen. 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