{"id":4333,"date":"2018-03-05T17:45:59","date_gmt":"2018-03-05T16:45:59","guid":{"rendered":"http:\/\/1024a.de\/?p=4333"},"modified":"2018-03-06T03:35:43","modified_gmt":"2018-03-06T02:35:43","slug":"bevor-ich-es-vergesse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/1024a.de\/?p=4333","title":{"rendered":"Bevor ich es vergesse"},"content":{"rendered":"<p><strong>Krankenkasse<\/strong><br \/>\nVor ein paar Tagen standen wir bei den Morro Dunes und hatten eine sch\u00f6ne Unterhaltung am Lagerfeuer mit Mike, Caroll und ihrem Freund George. Auch nach langen Autofahrten gingen mir einige Dinge nicht aus dem Kopf. Mike war ein pensionierter Feuerwehrmann und damit Inhaber eines guten Krankenversicherungsvertrages. Davon konnte seine Frau Caroll profitieren, die vor Jahren eine Brustkrebsbehandlung ertragen musste, die 300.000 Dollar kostete und die von dieser Krankenversicherung \u00fcbernommen wurde. Das sei nicht selbstverst\u00e4ndlich, wie George meinte. Denn wer kein Geld hat, wird nicht ausreichend behandelt. Ein gemeinsamer Bekannter von den Dreien litt an einem Magengeschw\u00fcr. Eine Behandlung, respektive Operation h\u00e4tte 30.000 Dollar gekostet. Hatte derjenige nicht. Also starb er. F\u00fcr uns in Deutschland schwer vorstellbar. Auch das Problem mit der Versorgung von alten Menschen ist hier viel schwieriger als bei uns. Da es keine richtige Rentenversicherung gibt, ist das Problem der Altersarmut noch viel gr\u00f6\u00dfer als in Deutschland. Und wir haben mehr als einmal alte Menschen auf g\u00fcnstigen Campgrounds getroffen, die uralte Wohnmobile ihr Home nannten und das ihr einziger Besitz war.<br \/>\nDie Idee einer Krankenkasse oder einer Rentenkasse, in die jeder einzahlt, aber nicht unbedingt das zur\u00fcckbekommt, was er eingezahlt hat, ist vielen vor allem j\u00fcngeren Amerikanern nicht eing\u00e4ngig. Den \u00e4lteren d\u00e4mmert dann aber schon, das diese Art der Absicherung schon ihre Reize h\u00e4tte. Von solchen Diskussionen ist es dann nicht mehr weit zur amerikanischen Steuerpolitik, von der auch viele Amerikaner meinen, dass sie den Einkommensst\u00e4rkeren hilft.<br \/>\nUnd in Kalifornien kommt dann noch ab und an, dass man sich f\u00fcr seinen Pr\u00e4sidenten entschuldigt. Was soll man da sagen?<\/p>\n<p><strong>Arbeitsnomaden<\/strong><br \/>\nEin anderer Mike f\u00e4llt mir auch immer wieder ein. Er war Online-Arbeiter-Nomade. Das hei\u00dft, er arbeitete als Selbstst\u00e4ndiger f\u00fcr Banken, um diese zu hacken und deren Sicherheitsl\u00fccken aufzudecken. Dies wohl weltweit, denn er arbeitete auf diese Art auch eine zeitlang in Europa und in Asien. Jetzt wohnte er in einem kleinen Wohnmobil und war sp\u00e4testens nach drei Wochen an einem anderen Ort. Ruhelos k\u00f6nnte man das auch nennen. Auf unsere Frage, ob er denn keine physische Adresse habe, meinte er, doch, ein winzig kleines Appartment in Las Vegas. Im Sillikon Valley, wo er beruflich eigentlich besser verdrahtet sei, w\u00fcrde eine vergleichbare Bleibe 3.400 Dollar pro Monat kosten. Das gute Geld, das er verdiene, w\u00fcrde dort gleich wieder versenkt. Nein danke. Dann lieber Nomade.<\/p>\n<p><strong>Geputzte Scheiben<\/strong><br \/>\nAm 5. M\u00e4rz las ich in der S\u00fcddeutschen Zeitung, dass es in der Apple-Zentrale im kalifornischen Cuppertino viele Verletzte g\u00e4be, die gegen die weitgehend reflexionsarmen und damit fast unsichtbaren Scheiben gelaufen seien, die in dem kreisrunden von Norman Foster entworfene B\u00fcrobau verbaut sind. Als wir letzte Woche das ebenfalls funkelnagelneue Besucherzentrum von Apple besucht hatten, war uns auch aufgefallen, dass die Scheiben des Besucherpavillons supersauber und klar waren. Und ohne jeden Aufkleber. Das fanden wir au\u00dfergew\u00f6hnlich, da normalerweise fast jede gl\u00e4serne Eingangst\u00fcr bei Starbucks so voller Schlieren ist, dass man sofort erkennt, hier ist ein Hinderniss. Nun wissen wir also was bei Apple los ist. <\/p>\n<p><strong>Lebenslange Garantie<\/strong><br \/>\nReligion und Unsterblichkeit h\u00e4ngen ja irgendwie zusammen. In Salt Lake City haben wir f\u00fcr Martin bei dem netten Start-Up f\u00fcr Outdoorkleidung namens Cotopaxi eine Daunenweste gekauft. Auf dem Begleitzettel entdeckten wir eine bemerkenswerte Garantie: 61 Guaranteed For Good.<br \/>\nF\u00fcr die Haltbarkeit dieser Daunenweste, die 150 Dollar gekostet hat, wird 61 Jahre lang garantiert. Warum 61 Jahre? Weil, wie uns dieser Zettel wissen l\u00e4sst, die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen in der entwickelten Welt 61 Jahre lang betr\u00e4gt. F\u00fcr Martin und mich ein zugleich erschreckender und tr\u00f6stlicher Gedanke: Halbzeit vorbei, aber wir k\u00f6nnen das gute St\u00fcck ja noch vererben. Und dem Startup w\u00fcnschen wir, dass es 61 Jahre durchh\u00e4lt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Krankenkasse Vor ein paar Tagen standen wir bei den Morro Dunes und hatten eine sch\u00f6ne Unterhaltung am Lagerfeuer mit Mike, Caroll und ihrem Freund George. Auch nach langen Autofahrten gingen mir einige Dinge nicht aus dem Kopf. 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