Was kann man fotografieren, wenn es sonst weiter nichts gibt? Den Himmel. Der ist weit und hoch und ist mal stahlblau, mal steingrau. Aber ab und zu gab es auch wirklich schöne Wolken. Und dann fängt man an zu träumen – und muss sich zusammenreißen und weiter auf die Straße konzentrieren. Saskatchewan hat uns wirklich gut gefallen, weil es so anders war, als das was wir bisher von Kanada gesehen haben.
Saskatchewan 2014
off Hwy 1
Nachdem wir so über Stunden dahingerollt sind, wollten wir doch wissen, wohin die Sandpisten führen, die im 90 Grad Winkel vom Highway abgehen. Und ja wohin? Ins Nirgendwo. Auch diese Pisten führen ewig über Hügel und Hügel und Hügel immer weiter durch die Prärie. Ab und zu sieht man am Horizont einen Truck, der eine kilometerlange Staubwolke hinter sich herzieht. That´s it.
Farming & Grass Land
Ein See zum Baden war nicht in Sicht, also gingen wir wieder auf den Highway. Kanada möchte schließlich irgendwann durchquert sein. Saskatchewan kennt hauptsächlich zwei Landschaftsformen. Entweder riesige Weizenfelder, die sich im Wind bewegen und wenn man lange genug gefahren ist, wird einem ganz blümerant. Also immer wieder auf die Straße schauen. Unterbrochen wird das Einerlei durch Kornspeicher im Industrieformat, Eisenbahnen mit Dutzenden Anhängern für Schüttgut und Tankstellen. Oder aber Orten, an denen der Landmann alles von John Deere und Caterpillar, Ford Pick up, Dodge Ram und Home Supplies bekommt.
Die andere Landschaftsform sind die Graslands. Prärie sozusagen. Leicht hügelig in den unterschiedlichsten Tönen von gelb bis braun. Darauf stehen vereinzelt Rinderherden. Der Horizont ist leicht dunstig. Und John Wayne und Sitting Bull sind am Horizont zu erkennen. Weiter auf die Straße konzentrieren. Es war so heiß, dass ich nun weiß, dass Reiten durch die Prärie mit einer Satteltasche Wasser und einer Flasche Feuerwasser kein Spaß gewesen sein kann. Auch wenn es immer wieder Wasserlöcher gab, nein hier ist der Western ungenau. Und so heiß wie es sein kann, so stark kann es auch regnen. Und es gibt wirklich keinen Baum und keinen Strauch zum Unterstellen.
Regina und Moose Jaw, SK
Der Tag versprach ganz schön heiß zu werden. So begannen wir mit der MacKenzie Art Gallery. Der Skulpturengarten war überschaubar, aber lud zu einem Spaziergang durch die schattigen Wascana-Gärten zum Saskatchewan Legislative Building. Dort steht hoch zu Ross auf ihrem Lieblingspferd, dessen Namen ich vergessen habe, Queen Elisabeth und lässt den Blick in die Ferne schweifen. Ein Reiterstandbild mit Frau, damit kann man doch leben. Die Innenstadt von Regina ist unspektakulär. Es gibt allerdings viele nett aussehende Bierkneipen, was mit großer Wahrscheinlichkeit mit dem großen Campus der University von Regina korreliert. Also liebe Studenten, nur durch ein Austauschsemester lässt sich diese These überprüfen. Und der Tag wurde immer heißer.
Also ab nach Moose Jaw. Ein Nest mit großer Vergangenheit. Von hier organisierte Al Capone während der Prohibition den Schnapshandel in die USA. Und so sieht die Stadt auch aus. Das leicht runtergekommene Image wird gepflegt und es würde wirklich nicht wundern, wenn um die nächste Ecke ein Gangsterfilm gedreht würde. Leider war es so heiß, dass wir uns die Besichtigung der unzähligen Wandmalereien gespart haben.
Wolseley, SK
Irgendwann aber braucht man auch Zivilisation. Da die Ortschaften vom Highway nicht direkt auszumachen sind, fuhren wir in den Ort Wolseley. Die Mischung von alten Backsteingebäuden, hübschen Einfamilienhäusern und einer Hängebrücke wirkte auf uns wie aus alten Lassy-Filmen. Aber es gab das empfehlenswerte Café „Tilli-Beans Bakery & Coffee Shop“. Dies als besondere Empfehlung für Margot und Claus Carsten für den nächsten Sonntagsausflug in Saskatchewan. Und es gab einen sehenswerten Laden von Liz Frizwell fürs Quilten, mit dem netten Namen Tiger Lily Quilts. Die Werke, die dort zu bestaunen waren, lassen auf lange und kalte Winterabende schließen. Heute sind wir in Regina und wir lassen euch morgen wissen, was es dort zu sehen gibt. 

Saskatchewan – 6. Provinz unserer Kanadareise
Brandon in Manitoba haben wir dann auch links liegen lassen und haben uns auf einem holprigen Highway schnell der Provinz Saskatchewan genähert. Ohne besonders viel von Manitoba gesehen zu haben, hat uns die industriemäßige Landwirtschaft, der kerzengerade Highway und das Nichts dazwischen nicht allzu sehr gefallen. Irgendwie fühlten wir uns an alte DDR-Autobahnen nach Berlin (West) erinnert. Wäre ein Intershop aufgetaucht, wir hätten uns nicht gewundert.
Wie in Kanada immer an Werktagen stand zu Beginn einer Baustelle mit wechselndem Verkehr nicht eine Ampel, sondern eine ein Stoppschild schwenkende Person. Wir nutzten die Pause zu einem kleine Schnack. Wie lange er denn hier stände, wollten wir wissen. „So 16 Stunden“, war seine Antwort. Aber er beruhigte uns, dass der Job ja nicht zu schlecht sei. Immerhin habe er alle zwei Stunden eine Pause von 15 Minuten. Ein Klappstuhl und eine Kühlbox sei ja auch in Reichweite. Wir finden, der Typ sah ganz entspannt aus. Das Jammern liegt den Kanadiern irgendwie nicht.
In Saskatchewan sah die Landschaft gleich anders aus. Viele Kanadier und viele Reiseführer warnten vor der Ödnis der Landschaft. Wir fanden es hier aber netter und in vielerlei Hinsicht ähnlich wie auf dem Weg von Heide nach St. Peter-Ording. Weiden, Kühe, Rinder, kleine schilfumwachsene blaue Teiche, Getreidefelder (natürlich größer als in Schleswig-Holstein), aber irgendwie angenehm für das Auge. Völlig anders waren da nur die riesigen Getreidesilos, die wie Kathedralen in der Landschaft auftauchen.
Trucks – nur für Männer
Die Prärie in Saskatchewan bietet nur begrenzte Abwechslung. Als Beifahrer (!) durfte ich heute auch einige LKWs fotografieren, die in Saskatchewan auch als “double bed” (mit zwei Aufliegern) mit 110 km/h unterwegs sind. Dem geneigten Betrachter werden sich die Unterschiede der Fahrzeuge schnell erschliessen.
Kommentare sind willkommen!






























































