Heute ging es von Cataviña zur Laguna Ojo je Liebre. Zunächst ging es rund 160 km entlang der MEX-1. Erst noch hügelig durch Kakteenwälder. Nach rund 20 Kilometern weitete sich die Landschaft. Wir waren auf ca. 850 Metern Höhe, es waren keine Menschen und zeitweise auch keine Kakteen mehr zu sehen. Die Straße schlängelte sich so durch die Landschaft. Mal gab es schnurgerade kilometerlange Stücke, dann wieder großzügig kurvige Teile. Man konnte sehr weit sehen, was gut war, denn die Straße war streckenweise in erbärmlichem Zustand. Man musste großen Schlaglöchern ausweichen und manchmal übersah man doch einen oder es kam Gegenverkehr und dann war man schon mit lautem Getöse ins Loch gefahren. Und dann war die Straße auch noch ziemlich eng, links und rechts gab es keine Bankette, sondern es fiel ganz schön steil in den Sand ab. Ein Abkommen von der Straße wäre hier dramatisch gewesen. Immer wenn LKW´s entgegen kamen, habe zumindest ich ganz schön ausgeatmet, als ob uns das schmaler gemacht hätte. Und dann kam das Unvermeidliche, ein entgegenkommender LKW war zum Teil auf unserer Spur, blinkte noch kurz auf, es tat einen ordentlichen Schlag und dann war unser Außenspiegel weg. Nur die Halterung war noch in Teilen da. Das passierte kurz vor der Grenze zwischen den Provinzen Baja Norte und Baja Sur. Gott sei Dank gab es hier entgegen unserer Annahme Handy-Empfang. Ein kurzer Anruf bei Patrick, unserem Reiseleiter. Er wartete im nächsten Ort, Guerrero Negro auf uns. Und er kannte einen Glaser, der Maß nahm und uns für 200 Pesos (10 Dollar) mit Duck-Tape einen wunderbaren und funktionierenden Rückspiegel montiert hat. Das hat uns natürlich gefallen, wie selbstverständlich und praktisch man hier „Probleme“ lösen kann. Und Danke Patrick für Deine Hilfe.
Nach einem Beruhigungs-Cappuccino und einem Kuchen ging es zur Laguna Ojo de Liebre. Hier handelt es sich um eine Lagune, in die jedes Jahr bis zu 2000 Grauwale aus der Beringsee kommen, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen und zeitweise großzuziehen, bis sie den Sommer über wieder im Norden sind. Grauwale können bis zu 34 Tonnen schwer, bis 14 Meter lang und 60 Jahre alt werden. Um zu diesem Ort zu kommen, muss man von der Nationalstraße 1 abbiegen und noch einmal 25 km über eine geschotterte Straße durch ein Gebiet voller Wasserbecken zur Salzgewinnung fahren, bis man an einem Strand ankommt, der an die Lagune grenzt. Ein sehr schöner Ort, wo wir nun ohne weitere Versorgung stehen, dafür aber in vollem Mondlicht und unter einem schönen Sternenhimmel. Und der Coyote, der an unserem Lagerfeuer vorbeilief, störte sich auch nicht an uns und wir, unsere Reisegruppe auch nicht an ihm.
Monat: Januar 2018
Ein Kaktus in der Wüste
Von Vicente Guerrero ging es heute nach Catavinia zur Rancho Santa Inez. Man fährt zunächst die Nationalstraße 1 ziemlich parallel am Pazifik entlang. Allerdings so weit im Land, dass man das Meer nur dann und wann von weitem sieht. Die Ortschaften, durch die die Nationalstraße führt sind wie gestern meist klein und staubig. Dazwischen gibt es Landwirtschaft im großen Maßstab. Auf vielen Feldern sieht man Erntekolonnen, die zu ihren wechselnden Arbeitsstätten mit ausgedienten alten amerikanischen Schulbussen gefahren werden. Ähnlich wie in Spanien sieht man auch hier große Anpflanzungen unter mit Plastikplanen bespannten Gewächshäusern. Das sieht landschaftlich nicht gerade vorteilhaft aus und trägt auch mit zur Vermüllung der Umgebung bei. Bei El Consuelo, nach den großen Dünen, die rechter Hand am Meer liegen, steigt die MEX-1 in die Berge nach El Rosario auf.
Die Straße ist über beide Spuren gefühlte 5 Meter breit, mit reichlich aufgeplatztem Teer und abfallendem Bankett. Bei jedem entgegen kommenden LKW spielen wir „Chicken“: möglichst lang links fahren um im letzten Moment auf die eigene Spur zu gehen – nur so hat man genug Platz. Mal sehen wie es funktioniert.
El Rosario ist eine mexikanische Kleinstadt, die wie eine typische mexikanische Kleinstadt eben aussieht. Bekannt ist wohl das Restaurant „Mama Espinosa’s“. Hier sollen sich in den Anfängen der Off Road Rally Baja 1000 die Reichen und Schönen aus Film, Funk und Fernsehen getroffen haben. Neben dem Restaurant, das spanische Hausmannskost serviert, gibt es einen Souvenirshop, wo man allerhand Dinge kaufen kann, die mit der Baja 1000 in Verbindung stehen. Das Restaurant selbst ist mit vielen Fotos erfolgreicher Teilnehmer und berühmter Gäste dekoriert. Die nächste Rally findet übrigens vom 13.-18.11.2018 statt. Wir haben hier nett mit Vibeke und Kristen eine Mittagspause eingelegt und sind dann weiter durch die leere Zentralwüste der Baja gefahren.
Die Straßenführung ist ziemlich kurvig und so nach und nach kommt man immer höher. An den Hängen sieht man viele verschiedenartige Kakteen in manchmal beachtenswerten Größen. Die sogenannten Catons, die aussehen wie die klassische Lucky Luke Kakteen, können sehr alt werden. Sie entwickeln die ersten Seitenarme nach 70 bis 100 Jahren. Diese Kakteen können bis zu 18 Meter hoch werden und sind dann auch mehrere 100 Jahre alt. Eine andere Pflanze, die wie ein behaarter Telefonmast aussieht, ist der Boojum-Baum. Er ist keine Kaktee und kann ebenfalls sehr hoch werden. Inzwischen wurde es ganz schön warm. Bis zu 36 Grad. Und das am 30. Januar. Kurz vor Cataviña ändert sich die Landschaft noch einmal. Es tauchen die sogenannten Boulder Fields auf, die im Calle de Los Cirios liegen. Das sind ziemlich große Granitblöcke, die in der Landschaft liegen, umgeben weiterhin von einer großen Auswahl an Kakteen. Eine irgendwie unwirkliche Landschaft, die ihre ganz eigene Reize hat.
In Cataviña stehen wir nun auf einem Platz ohne alles auf der Rancho Santa Inez. Es gibt dort ein kleines Lokal, wo wir heute Tacos und Enchilladas gegessen haben. Für 100 Pesos (ungefähr 5,80 Dollar) gab es das Essen, für 20 Pesos (1,17 Dollar) eine Büchse Bier dazu. Ansonsten stehen hier noch eine Gruppe Kanadier und ein paar Amerikaner. Ein paar Pferde und ein Stier laufen frei umher. Alles ziemlich lässig. Der Sonnenuntergang war sehenswert, wir haben nun Vollmond und nach einem weiteren Bier bei einem gemeinsamen Lagerfeuer freuen wir uns nun auf den nächsten Tag.
Colonia Vicente Guerrero
Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz des Weingutes L.A. Cetto ging es weiter entlang der Ruta del Vino. Ein Weingut kommt nach dem anderen. Encuentro Guadalupe, Casa Pedro Domeco, Monte Xanic und Mogor Badán, um nur einige zu nennen. Besonders die supermoderne Architektur von Encuentro Guadalupe hat uns besonders gefallen.
Unser nächstes Tagesziel war Ensenada. Die drittgrößte Stadt der Baja California ist eine Hafenstadt mit einer netten Hafenpromenade und und einem touristisch geprägten Ausgehviertel. Das haben wir aber heute links liegen gelassen und haben den Chapultepec Hill Mirador erklommen. Erklommen ist wohl das richtige Wort, denn es ging supersteil hoch über die Stadt. Von dort hat man einen guten Überblick über den Hafen und Ensenada. Hier oben gibt es Gated Communities und schicke Häuser, weiter darunter wird es eher ärmlich.
Da es mit dem Internet hier nicht so weit her ist, war Starbucks heute unser nächstes Ziel. Auch hier wie überall überwiegen die WLAN-Jäger die Kaffeeliebhaber.
Gut gestärkt ging es dann zu unserem noch ca. 150 Kilometer entfernten Tagesziel: Vicente Guerrero.
Die von Norden nach Süden führende Staatsstraße 1 ist mal gut ausgebaut, mal sehr schmal. Sie führt durch Orte wie Santo Tomás, San Vicente, Colonet, Camalú bis nach Colonia Vicente. Wie soll man diese Orte beschreiben? Von der geteerten Straße fällt es links und rechts staubig ab zu den vielleicht 10 Meter entfernten Häuserreihen. Staub überall. Es gibt überall Stände mit Tacos, Pollo asado, kleine Lebensmittelgeschäfte, Autowerkstätten, Frisöre und weitere Buden aller Art. Man sieht viele Menschen auf der Straße, die Autos fahren links und rechts auf und von der Straße. Ein Gewimmel. Vieles macht einen ärmlichen Eindruck.
Wenn man die Orte verlässt, wechselt die Landschaft von flach bis bergig. Mal sieht man grüne Ackerflächen, mal Weiden. Immer aber sieht man am Wegesrand sehr viel Müll. Bei den Ackerflächen fanden wir besonders bemerkenswert diejenigen, auf denen Ohrenkakteen angepflanzt werden. Im Supermarkt haben wir heute in der Gemüseabteilung einen Angestellten gesehen, der die Stacheln der einzelnen „Ohren“ entfernte und dann die handgroßen Blätter in kleine Streifen geschnitten hat. Das konnte man dann in Tüten kaufen. Von Patrick haben wir erfahren, dass die Kakteen kurz blanchiert werden und dann als Salat mit einer Vinaigrette gegessen oder wie Bohnen mit Speck und Zwiebeln gegessen werden. Heute Abend hatten wir ein gemeinsames Essen mit unserer überaus netten Reisegruppe. Ich hatte ein Steak, das auf einem gebratenen Ohrenkaktusblatt lag. Also ich fand, es hatte einen leicht zitronig-sauren Geschmack. Da kann man bestimmt noch mehr draus machen.
Einen Militärposten haben wir auch passiert. Mitten im Nichts ist ein fester Posten aufgebaut. Ein freundlicher Soldat wollte wissen, woher wir kommen und wohin wir wollten. Manchmal wird auch das Auto inspiziert. Das hatten wir heute aber nicht.
Wir stehen nun auf einem Campingplatz in Colonia Vicente Guerrero. Er ist einfach und staubig, bietet aber Wasser, Strom und Dumping und hat ein angeschlossenes Lokal. Es scheint nicht mehr viele Campingtouristen auf der Baja California zu geben, denn besonders viele Plätze gibt es nicht. Wahrscheinlich fehlen auch die Kunden, denn für viele Amerikaner wohnt das Grauen gleich hinter der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Was für ein Unsinn.
Grenzübertritt und Weingut L.A. Cetto
Vom Silver Strand State Beach Park aus starteten wir heute zur Baja California. Wir nahmen den kleinen Grenzübergang Tecate, der von San Diego aus in einer guten Stunde erreichbar ist. Hier war wirklich wenig los. Und da wir uns für die Baja einer Reisegruppe angeschlossen haben, wartete am Grenzübergang schon unser Guide Patrick. Die Erledigung der Grenzformalitäten ist eher ein lässiger Akt. Bei einem Beamten füllt man ein Einreiseformular aus. Er hat vor sich zweierlei Chilisoßen und Honig aufgebaut, damit man schon einmal zu überlegen kann, ob man etwas davon braucht. Nun muss man das Gebäude verlassen und bei einer überaus netten Beamtin knapp 30 Dollar pro Person Gebühren bezahlen. Danach geht es wieder ins Gebäude zu dem Chili-Honig Mann, der mit ebenfalls bester Laune die Papiere abstempelt und die Vorzüge seiner Produkte beschreibt. Wir haben uns für eine Chili-Soße entschieden, die unser Abendessen nicht unwesentlich aufgepeppt hat. Nun muss man durch den amerikanischen Grenzposten zurück zum Wohnmobil, das ja noch auf amerikanischen Boden steht. Man fährt nun nach Mexiko ein. Hier inspizierte ein Grenzbeamter recht wohlwollend unser Auto, schaute in den Kühlschrank und fragte nach Biervorräten. Als ihm alles richtig erschien, konnten wir nach Tecate fahren.
Diese Stadt ist nicht unbedingt schön, aber schon so, wie ich mir eine mexikanische Grenzstadt vorgestellt habe. Rund um den ersten Supermarkt Soriana tobt das Leben. Es duftet nach Pollo assiado vom Imbiss gegenüber und auf der Verkehrsinsel stehen zwei als Indianer gekleidete Personen und tanzen zur Unterhaltung und für ein Trinkgeld vor den auf grün wartenden Autos. Bei Soriana haben wir uns erst einmal mit frischen Lebensmitteln eingedeckt, die hier doch einiges billiger sind als in Californien. Und dann ging es auf die Mex-3 (Ruta di Vino) bis zu unserem Tagesetappenziel, das Weingut L.A. Cetto. Hier hatten wir mit unserer Gruppe das Vergnügen mit dem Weingutmitarbeiter Adrian eine Führung durch das Weingut mit anschließender Weinprobe zu unternehmen. Adrian erzählte auf englisch und kundig über das Weingut, das italienische Wurzeln hat. Außerdem sei es klimatisch hier ähnlich wie in Italien, daher werden auch Trauben wir Nebiolo und Barbera angebaut. Adrian selbst hat Culinarian Art gelernt und macht nun eine Ausbildung zum Sommelier. Die Rot- und Weißweine, die wir probierten waren gut und machten vor allem gute Laune. So kauften wir wie die meisten aus der Gruppe ein paar Flaschen und werden nun alle ein gute Nacht auf dem Parkplatz des Weingutes, inmitten der auch hier noch (trotz des warmen Wetters) kahlen Rebflächen verbringen.
San Diego
Heute morgen war noch ein bisschen Zeit und so bin ich an der Bucht, an die der Campground Mission Bay grenzt spazieren gegangen. Und was soll ich sagen? Nicht alles in Kalifornien glänzt und glitzert. Neben dem Campground gab es einen aufgelassenen Mobil-Home-Park. Die Mobilhomes stammten alle aus den 1960er und 1970er Jahren. Viele Details und Ornamente dieser Bauzeit waren zu bestaunen. Und gleichzeitig war es eine Geisterstadt, die nur auf die Abrissbirne wartete. An einem Schild war zu lesen, dass dieses Grundstück der Stadt San Diego gehöre und das Betreten verboten sei. Auf dem Campground erzählte man uns, dass die Grundstücke von Mobilhome-Parks oft nur gemietet sind. Und da wurde das schöne Grundstück mit der fabelhaften Aussicht auf die Bay eben leergezogen, um es neu, schick und teuerer verkaufen zu können. Logisch aus der Sicht der immer nach Geld suchenden Kämmerer. Aber mit ein wenig Wemut kann man auch dem Verlust eines Stücks des alten Kaliforniens nachtrauern.
Wir machten uns dann auf den Weg, eine Haftpflichtversicherung unseres Baja-California-Trips zu besorgen. Wir nahmen die letzte Ausfahrt vor dem Grenzübergang Tijuana, um bei einem der dort ansässigen Büros eine Versicherung abzuschließen. Zurück konnten wir den Andrang beobachten, der am Ende der Interstate Richtung Grenze herrscht.
Wir aber fuhren zurück nach Coronado. Im dortigen Coronado-Hotel, das in einem Zuckerbäckerstil errichtet wurde. Mehrere Gebäudeteile gruppieren sich um einen Pool und besonders schön ist die rot gehaltene Dachkonstruktion. In diesem Hotel haben wir zu Mittag gegessen. Die Terrasse ist zum Meer hin mit Panomora-Scheiben vor dem Wind geschützt. Wir kamen uns vor wie in St. Peter-Ording. Die Temperaturen waren heute auch vergleichbar mit einem durchschnittlichen Sommertag dort, 16 Grad Celsius und Wind. Es war also ein wenig frisch.
Nach einem kleinen Spaziergang durch den Ort Coronado ging es dann zum Silver Strand State Beach RV Campground. Hier steht man hinter einer Düne direkt am Meer. Als wir heute Nachmittag hier ankamen, bin ich ein wenig am Strand entlanggelaufen. Denn ich war neugierig. Schon zum zweiten Mal konnten wir bei einer Strandhochzeit zusehen. Mit blumengeschmückten Bogen und weißen Holzstühlen für die Gäste. Ach wie romantisch.
westwärts
Die Reiseroute westwärts …
San Diego und Cuisine americano
Heute morgen hatten wir leichten Wind und einen ziemlichen Wellengang. Nett war es, die Surfer in ihren Neopren-Anzügen zu beobachten, die wie die Wale auf ihren Brettern auf die beste Welle warteten. Danach ging es für uns zum Shoppen nach Carlsbad. Wir brauchten noch Wasser und Kaffee und ein bisschen Notration (Nudeln und Tomatensoße), falls es auf unserer Tour durch die Baja California mal nichts geben sollte, wovon wir allerdings nicht ausgehen. Völlig erschöpft von unseren Einkäufen gab es ein frühes Mittagessen im Bistro „Saint Tropez“. Völlig überraschend boten die eine Auswahl an leckeren Tarts und Croissants an. Denn ein französischer Name allein gilt in den USA nicht unbedingt als Garant für gutes Essen.
Übrigens Essen. Wir sind ja nun in Californien und von hier kam ja schon der ein oder andere Ernährungstrend, der uns alle einfach nur gesund, fit und hübsch halten soll. Im Augenblick scheinen viele Leute sich von Kale (Grünkohl) zu ernähren. Hierbei werden die Grünkohlblätter leicht blanchiert und dann gerne im Salat verwendet. Aber es gibt sie auch gefriergetrocknet als Chips, natürlich im Smootie und als Bestandteil von Brot. Bei einer Unterhaltung mit einer jungen Amerikanerin erzählten wir, dass Grünkohl in Norddeutschland ein traditionelles Gericht ist. Und dass Grünkohl hier lange gekocht und zusammen mit süßen Kartoffeln und eher fetten Würsten verzehrt wird. Daher braucht man nach dem Essen auf alle Fälle einen Schnaps, am besten mehrere. Vor allem die Sache mit dem Schnaps fand sie bemerkenswert.
Und dann gibt es das zweite „In-Gemüse“: Rosenkohl. Nein, natürlich nicht mit Speck und im ganzen. Nein, die Blätter werden abgezupft und dann in der gesunden Form wieder blanchiert und mit einer Vinaigrette übergossen. Um den Gesundheitsgedanken noch zu verstärken, findet man dann auch noch Gojibeeren und/oder Cranberries, auf alle Fälle aber ein paar ohne Fett geröstete Mandelsplitter im Rosenkohlsalat. Schmeckt nicht so schlecht, wie es klingt. Besser gefiel mir dann schon die Variante, als Rosenkohlblätter in Öl ausgebacken in einer kleinen Schüssel mit Parmesan überbacken/bestreut als Beilage serviert wurde.
Wie auch immer, kohlgestärkt geht es dann auf die Bahn zum Joggen, Radeln oder Surfen. Besonders nett finde ich immer die Einlagen, wenn Treppen bewältigt werden. Nein, Treppen werden nicht einfach hochgelaufen. Entweder wird die Treppe mehrmals bewältigt oder aber auf jeder Stufe wird ein Bein nach hinten, nach oben oder zur Seite geworfen. Gerne auch unterstützt von intensiver Armarbeit. Treppenballett sozusagen.
Wir stehen nun in San Diego. Wir hatten nette Gespräche über dies und das mit unseren Nachbarn. Internet gibt es leider nur sehr schlechtes, da Freitag Abend und voller Platz. Da möchte jeder eben gerne seine Lieblingsserie sehen. Also ist morgen früh als erstes Starbucks angesagt.
Carlsbad
„It never rains in Southern California“ ist nicht richtig. Heute waren die Berge über Malibu Wolkenverhangen und es nieselte leicht. Keine Sonne, eher grau. Das war dann die Aufforderung für uns, weiter zu ziehen. Unser Grobziel war San Diego und rein theoretisch müsste man die Entfernung Los Angeles – San Diego in gut zwei Stunden schaffen. Praktisch ist das aber unmöglich, da der Verkehr grauenvoll ist. Und wir waren über die Mittagszeit unterwegs. Die Fotos sind so zwischen 12.00 Uhr und 14.00 entstanden. Wir sind den größten Teil über die I-405 gefahren, die dann an der Küste, kurz vor San Clemente zur I-5 wird. Hier fährt man immer mit Sicht auf das Meer, das von einer Eisenbahnlinie und militärischen Militärgelände von der Interstate getrennt liegt. Man sieht Übungsgebäude für den Häuserkampf, Millitärcamps und Hubschrauberplätze. Bei Oceanside haben wir dann die I-5 verlassen, um der S-21 direkt am Beach zu folgen. Hier reihen sich Ortschaft an Ortschaft aneinander, die Straße ist gesäumt von Palmen und dahinter liegen die üblichen Restaurants, Microbrauereien, Surf- und Bikinigeschäfte und Hotels. Wir stehen nun in Carlsbad auf einem State-Campground hoch über dem Meer an der Kante der Steilküste und hören das Meer laut und deutlich, denn der Wind hat aufgefrischt. Das hat den Vorteil, dass man die Generatoren der umliegenden Wohnmobile nicht hört. Dieser Platz hat, was ziemlich unüblich ist, keine Strom- und Wasseranschlüsse. Das bedeutet für amerikanische Wohnmobile im allgemeinen, dass man ohne Generator nicht überleben kann, denn der Fernseher braucht nun mal Strom.
Heute früh habe ich auf dem Campground in Malibu noch Bettwäsche gewaschen. Deshalb nun ein Exkurs in Sachen Waschen und außerdem ist Waschmaschinenkunde ja seit Tagen ein neues politisches Ding. Die heute von mir genutzte Maschine stammte von LG, war also ein südkoreanisches Produkt und war für amerikanische Verhältnisse supermodern, denn sie sah aus, wie ein Frontlader in Deutschland. Mit Bullauge. Trotzdem sind auch diese Maschinen amerikanisiert, denn sie waschen maximal 38 Minuten. Daher braucht man Waschmittel mit dem HE (High Efficiency) Zeichen. Die vom amerikanischen Hersteller Whirlpool vertriebenen Maschinen und die man meistens vorfindet, sehen anders aus. Toplader mit einer Art Quirl in der Mitte, der die Wäsche hin und her ruckelt. Auch hier dauert die Wäsche maximal 35 Minuten. Da es auch nur drei Programme gibt (heiß, warm und kalt) operieren viele Hausfrauen zusätzlich mit Bleiche, um ein einigermaßen zufrieden stellendes Waschergebnis zu erzielen. Sie wirken plump und gestrig, genießen aber ein großes Vertrauen. Und wenn es mal in einem Waschsalon konventionelle und neue Maschinen gibt, kann man sicher sein, dass die konventionellen eher belegt sind. Man hängt eben an dem, was man kennt. Das ist wohl universell.
Beverly Hills
Den Morgen haben wir ein bisschen vertrödelt, um dann mit dem geliehenen Auto, einen Tiguan, nach Beverly Hills zu fahren. Wir hatten uns einen Frisör ausgeguckt, auch auf dem Campground möchten wir einigermaßen gut aussehen, sprich keine Jogger und keine strähnigen Haare.
Nachdem wir frisch gestylt waren – danke David – ging es auf den Rodeo Drive. Also Maximilianstraße, Kö und neuer Wall im gepflegten Palmenstyle. Es wechseln sich Edelboutiquen, Uhrenläden, Flagshipstores aller wichtigen und teuren Designer, Juweliere und ganz wenige Restaurants ab. Alle hübsch anzuschauen, aber auch ein bisschen wie überall. Leider lief uns Julia Roberts nicht über den Weg, dafür aber konnten wir einen Blick in das Fensters des Juweliers werfen, von dem Richard Gere seinerseits das Collier für Julia ausgeliehen hatte und das der Portier des Hotels dann dem Juwelier zurückgeben sollte. Und ja, in den Fenstern dieses Schmuckgeschäfts namens Harry Winston, waren filmreife brillantbesetzte Colliers zu bewundern.
Auf dem Weg zurück nach Malibu fuhren wir am Pazifik entlang. Eine schöne Strecke, die mal direkt am Strand und mal an Strandhäusern (bekannt aus Two and a half man) vorbeiführt. In Pacific Palisades, kurz vor Malibu thront die Getty Villa, ein 1974 fertiggestellter Nachbau der Villa dei Papyri in Herkulaneum prominent über dem Meer.
Aber was man nicht unerwähnt lassen sollte, der Verkehr ist beachtlich und zumindest tagsüber übertönt der Straßenlärm das Rauschen des Meeres. Optisch schön ist es aber allemal.
LA: Hüte und Getty
Mit Blick auf den Pazifik zu frühstücken hat schon etwas. Martin hat heute morgen ein Auto gemietet und dann ging es los nach Venice. Dort wollten wir zu Nick Fouquet, einen weiteren Hutmacher, nach O`Farrell und Gladys Tamez. In einem hübschen Laden beriet uns Lotus, eine nette und lebhafte junge Frau, die sich bestens darauf verstand, die Vorzüge dieser wunderschönen Hüte hervorzuheben. Der kleine Laden war in warmen und angenehmen Farben eingerichtet, sodass die mit verschiedensten Hutbändern und Applikationen individualisierten Hüte bestens zur Geltung kamen. Man hätte alle kaufen können. Das Markenzeichen von Nick Fouquet Hüten ist übrigens ein Streichholz, das in jedem Hutband steckt.
Mit bester Laune und einem schönen Strohhut für Martin sind wir dann weitergezogen, um in Venice Beach etwas zu essen. Und was ist für Kalifornier wichtig? Richtig. Fitness und Gesundheit. Nach Yogastudio war uns heute nicht, also musste etwas Gesundes auf den Tisch. Neben Kale (Grünkohl) steht inzwischen Brussel Sprouts (Rosenkohl) auf jeder Speisekarte. Ich habe mich für einen Rosenkohlsalat erwärmen können. Die blanchierten Rosenkohlblätter waren gemischt mit Cranberries, Parmesan und gerösteten Mandeln. Angemischt mit einer Senf-Vinaigrette und dann lagen noch zwei hauchdünne Scheibchen Manchego und zwei ebenfalls hauchdünne, geröstete Scheibchen Brot am Rand. War lecker und auf alle Fälle gesund. Und kostete 15 Dollar. Musste also gesund sein.
Von Venice ging es über den Santa Monica Boulevard weiter in die Santa Monica Mountains zum Getty Center. Auf diesem Weg ist uns aufgefallen, dass sich Los Angeles erneuert hat. Als wir im Oktober 2014 hier waren, fanden wir große Teile von Venice etwas angeschmuddelt. Das ändert sich gerade und spätestens wenn man vom mondänen Santa Monica Boulevard in die Santa Monica Mountains fährt, bekommt man an wunderschönen Villen und Häusern und gepflegten Gärten vorbei. Schick. Und dann fährt man beim Getty Center in die Tiefgarage. Kostet ab 15 Uhr 10 Dollar und das ist dann gleichzeitig der Eintritt. Man fährt von dem Parkplatz aus mit einer privaten Straßenbahn den Berg hinauf zum Getty Center, das hoch über L.A. thront. Der Blick über Los Angeles ist wunderbar. Inmitten wirklich beeindruckender Gartenanlagen (von Robert Irvin) stehen einzelne Gebäudeteile und Pavillons, die mit Treppen, Gängen und Balkonen verbunden sind. Immer wieder gibt es neue und überraschende Sichtachsen. Für die Architektur steht Richard Meier. Das ganze Ensemble ist hell gehalten, teils mit Natursteinen verkleidet, teils hell verputzt. Schon der äußere Eindruck vermittelt, dass man mit Geld viele schöne Dinge machen kann. Die Getty Stiftung ist eine der reichsten Stiftungen der Welt und allein für den Ankauf der Kunstwerke werden jedes Jahr 200 Millionen Dollar ausgegeben. Nur 3 Prozent der Dinge, die der Getty Stiftung gehören, können ausgestellt werden. Daher gibt es wechselnde Ausstellungen. Wir haben uns eine Fotoausstellung angeschaut, die sich der Fotografie Argentiniens widmete. Daher stammen auch die Fotos über die Gauchos, die uns gut gefielen. Das Ghetty Center wurde 1997 fertig gestellt.