San Diego

Heute morgen war noch ein bisschen Zeit und so bin ich an der Bucht, an die der Campground Mission Bay grenzt spazieren gegangen. Und was soll ich sagen? Nicht alles in Kalifornien glänzt und glitzert. Neben dem Campground gab es einen aufgelassenen Mobil-Home-Park. Die Mobilhomes stammten alle aus den 1960er und 1970er Jahren. Viele Details und Ornamente dieser Bauzeit waren zu bestaunen. Und gleichzeitig war es eine Geisterstadt, die nur auf die Abrissbirne wartete. An einem Schild war zu lesen, dass dieses Grundstück der Stadt San Diego gehöre und das Betreten verboten sei. Auf dem Campground erzählte man uns, dass die Grundstücke von Mobilhome-Parks oft nur gemietet sind. Und da wurde das schöne Grundstück mit der fabelhaften Aussicht auf die Bay eben leergezogen, um es neu, schick und teuerer verkaufen zu können. Logisch aus der Sicht der immer nach Geld suchenden Kämmerer. Aber mit ein wenig Wemut kann man auch dem Verlust eines Stücks des alten Kaliforniens nachtrauern.

Wir machten uns dann auf den Weg, eine Haftpflichtversicherung unseres Baja-California-Trips zu besorgen. Wir nahmen die letzte Ausfahrt vor dem Grenzübergang Tijuana, um bei einem der dort ansässigen Büros eine Versicherung abzuschließen. Zurück konnten wir den Andrang beobachten, der am Ende der Interstate Richtung Grenze herrscht.
Wir aber fuhren zurück nach Coronado. Im dortigen Coronado-Hotel, das in einem Zuckerbäckerstil errichtet wurde. Mehrere Gebäudeteile gruppieren sich um einen Pool und besonders schön ist die rot gehaltene Dachkonstruktion. In diesem Hotel haben wir zu Mittag gegessen. Die Terrasse ist zum Meer hin mit Panomora-Scheiben vor dem Wind geschützt. Wir kamen uns vor wie in St. Peter-Ording. Die Temperaturen waren heute auch vergleichbar mit einem durchschnittlichen Sommertag dort, 16 Grad Celsius und Wind. Es war also ein wenig frisch.
Nach einem kleinen Spaziergang durch den Ort Coronado ging es dann zum Silver Strand State Beach RV Campground. Hier steht man hinter einer Düne direkt am Meer. Als wir heute Nachmittag hier ankamen, bin ich ein wenig am Strand entlanggelaufen. Denn ich war neugierig. Schon zum zweiten Mal konnten wir bei einer Strandhochzeit zusehen. Mit blumengeschmückten Bogen und weißen Holzstühlen für die Gäste. Ach wie romantisch.

San Diego und Cuisine americano

Heute morgen hatten wir leichten Wind und einen ziemlichen Wellengang. Nett war es, die Surfer in ihren Neopren-Anzügen zu beobachten, die wie die Wale auf ihren Brettern auf die beste Welle warteten. Danach ging es für uns zum Shoppen nach Carlsbad. Wir brauchten noch Wasser und Kaffee und ein bisschen Notration (Nudeln und Tomatensoße), falls es auf unserer Tour durch die Baja California mal nichts geben sollte, wovon wir allerdings nicht ausgehen. Völlig erschöpft von unseren Einkäufen gab es ein frühes Mittagessen im Bistro „Saint Tropez“. Völlig überraschend boten die eine Auswahl an leckeren Tarts und Croissants an. Denn ein französischer Name allein gilt in den USA nicht unbedingt als Garant für gutes Essen.

Übrigens Essen. Wir sind ja nun in Californien und von hier kam ja schon der ein oder andere Ernährungstrend, der uns alle einfach nur gesund, fit und hübsch halten soll. Im Augenblick scheinen viele Leute sich von Kale (Grünkohl) zu ernähren. Hierbei werden die Grünkohlblätter leicht blanchiert und dann gerne im Salat verwendet. Aber es gibt sie auch gefriergetrocknet als Chips, natürlich im Smootie und als Bestandteil von Brot. Bei einer Unterhaltung mit einer jungen Amerikanerin erzählten wir, dass Grünkohl in Norddeutschland ein traditionelles Gericht ist. Und dass Grünkohl hier lange gekocht und zusammen mit süßen Kartoffeln und eher fetten Würsten verzehrt wird. Daher braucht man nach dem Essen auf alle Fälle einen Schnaps, am besten mehrere. Vor allem die Sache mit dem Schnaps fand sie bemerkenswert.
Und dann gibt es das zweite „In-Gemüse“: Rosenkohl. Nein, natürlich nicht mit Speck und im ganzen. Nein, die Blätter werden abgezupft und dann in der gesunden Form wieder blanchiert und mit einer Vinaigrette übergossen. Um den Gesundheitsgedanken noch zu verstärken, findet man dann auch noch Gojibeeren und/oder Cranberries, auf alle Fälle aber ein paar ohne Fett geröstete Mandelsplitter im Rosenkohlsalat. Schmeckt nicht so schlecht, wie es klingt. Besser gefiel mir dann schon die Variante, als Rosenkohlblätter in Öl ausgebacken in einer kleinen Schüssel mit Parmesan überbacken/bestreut als Beilage serviert wurde.
Wie auch immer, kohlgestärkt geht es dann auf die Bahn zum Joggen, Radeln oder Surfen. Besonders nett finde ich immer die Einlagen, wenn Treppen bewältigt werden. Nein, Treppen werden nicht einfach hochgelaufen. Entweder wird die Treppe mehrmals bewältigt oder aber auf jeder Stufe wird ein Bein nach hinten, nach oben oder zur Seite geworfen. Gerne auch unterstützt von intensiver Armarbeit. Treppenballett sozusagen.

Wir stehen nun in San Diego. Wir hatten nette Gespräche über dies und das mit unseren Nachbarn. Internet gibt es leider nur sehr schlechtes, da Freitag Abend und voller Platz. Da möchte jeder eben gerne seine Lieblingsserie sehen. Also ist morgen früh als erstes Starbucks angesagt.

Carlsbad

„It never rains in Southern California“ ist nicht richtig. Heute waren die Berge über Malibu Wolkenverhangen und es nieselte leicht. Keine Sonne, eher grau. Das war dann die Aufforderung für uns, weiter zu ziehen. Unser Grobziel war San Diego und rein theoretisch müsste man die Entfernung Los Angeles – San Diego in gut zwei Stunden schaffen. Praktisch ist das aber unmöglich, da der Verkehr grauenvoll ist. Und wir waren über die Mittagszeit unterwegs. Die Fotos sind so zwischen 12.00 Uhr und 14.00 entstanden. Wir sind den größten Teil über die I-405 gefahren, die dann an der Küste, kurz vor San Clemente zur I-5 wird. Hier fährt man immer mit Sicht auf das Meer, das von einer Eisenbahnlinie und militärischen Militärgelände von der Interstate getrennt liegt. Man sieht Übungsgebäude für den Häuserkampf, Millitärcamps und Hubschrauberplätze. Bei Oceanside haben wir dann die I-5 verlassen, um der S-21 direkt am Beach zu folgen. Hier reihen sich Ortschaft an Ortschaft aneinander, die Straße ist gesäumt von Palmen und dahinter liegen die üblichen Restaurants, Microbrauereien, Surf- und Bikinigeschäfte und Hotels. Wir stehen nun in Carlsbad auf einem State-Campground hoch über dem Meer an der Kante der Steilküste und hören das Meer laut und deutlich, denn der Wind hat aufgefrischt. Das hat den Vorteil, dass man die Generatoren der umliegenden Wohnmobile nicht hört. Dieser Platz hat, was ziemlich unüblich ist, keine Strom- und Wasseranschlüsse. Das bedeutet für amerikanische Wohnmobile im allgemeinen, dass man ohne Generator nicht überleben kann, denn der Fernseher braucht nun mal Strom.

Heute früh habe ich auf dem Campground in Malibu noch Bettwäsche gewaschen. Deshalb nun ein Exkurs in Sachen Waschen und außerdem ist Waschmaschinenkunde ja seit Tagen ein neues politisches Ding. Die heute von mir genutzte Maschine stammte von LG, war also ein südkoreanisches Produkt und war für amerikanische Verhältnisse supermodern, denn sie sah aus, wie ein Frontlader in Deutschland. Mit Bullauge. Trotzdem sind auch diese Maschinen amerikanisiert, denn sie waschen maximal 38 Minuten. Daher braucht man Waschmittel mit dem HE (High Efficiency) Zeichen. Die vom amerikanischen Hersteller Whirlpool vertriebenen Maschinen und die man meistens vorfindet, sehen anders aus. Toplader mit einer Art Quirl in der Mitte, der die Wäsche hin und her ruckelt. Auch hier dauert die Wäsche maximal 35 Minuten. Da es auch nur drei Programme gibt (heiß, warm und kalt) operieren viele Hausfrauen zusätzlich mit Bleiche, um ein einigermaßen zufrieden stellendes Waschergebnis zu erzielen. Sie wirken plump und gestrig, genießen aber ein großes Vertrauen. Und wenn es mal in einem Waschsalon konventionelle und neue Maschinen gibt, kann man sicher sein, dass die konventionellen eher belegt sind. Man hängt eben an dem, was man kennt. Das ist wohl universell.

Beverly Hills

Den Morgen haben wir ein bisschen vertrödelt, um dann mit dem geliehenen Auto, einen Tiguan, nach Beverly Hills zu fahren. Wir hatten uns einen Frisör ausgeguckt, auch auf dem Campground möchten wir einigermaßen gut aussehen, sprich keine Jogger und keine strähnigen Haare.
Nachdem wir frisch gestylt waren – danke David – ging es auf den Rodeo Drive. Also Maximilianstraße, Kö und neuer Wall im gepflegten Palmenstyle. Es wechseln sich Edelboutiquen, Uhrenläden, Flagshipstores aller wichtigen und teuren Designer, Juweliere und ganz wenige Restaurants ab. Alle hübsch anzuschauen, aber auch ein bisschen wie überall. Leider lief uns Julia Roberts nicht über den Weg, dafür aber konnten wir einen Blick in das Fensters des Juweliers werfen, von dem Richard Gere seinerseits das Collier für Julia ausgeliehen hatte und das der Portier des Hotels dann dem Juwelier zurückgeben sollte. Und ja, in den Fenstern dieses Schmuckgeschäfts namens Harry Winston, waren filmreife brillantbesetzte Colliers zu bewundern.
Auf dem Weg zurück nach Malibu fuhren wir am Pazifik entlang. Eine schöne Strecke, die mal direkt am Strand und mal an Strandhäusern (bekannt aus Two and a half man) vorbeiführt. In Pacific Palisades, kurz vor Malibu thront die Getty Villa, ein 1974 fertiggestellter Nachbau der Villa dei Papyri in Herkulaneum prominent über dem Meer.
Aber was man nicht unerwähnt lassen sollte, der Verkehr ist beachtlich und zumindest tagsüber übertönt der Straßenlärm das Rauschen des Meeres. Optisch schön ist es aber allemal.

LA: Hüte und Getty

Mit Blick auf den Pazifik zu frühstücken hat schon etwas. Martin hat heute morgen ein Auto gemietet und dann ging es los nach Venice. Dort wollten wir zu Nick Fouquet, einen weiteren Hutmacher, nach O`Farrell und Gladys Tamez. In einem hübschen Laden beriet uns Lotus, eine nette und lebhafte junge Frau, die sich bestens darauf verstand, die Vorzüge dieser wunderschönen Hüte hervorzuheben. Der kleine Laden war in warmen und angenehmen Farben eingerichtet, sodass die mit verschiedensten Hutbändern und Applikationen individualisierten Hüte bestens zur Geltung kamen. Man hätte alle kaufen können. Das Markenzeichen von Nick Fouquet Hüten ist übrigens ein Streichholz, das in jedem Hutband steckt.
Mit bester Laune und einem schönen Strohhut für Martin sind wir dann weitergezogen, um in Venice Beach etwas zu essen. Und was ist für Kalifornier wichtig? Richtig. Fitness und Gesundheit. Nach Yogastudio war uns heute nicht, also musste etwas Gesundes auf den Tisch. Neben Kale (Grünkohl) steht inzwischen Brussel Sprouts (Rosenkohl) auf jeder Speisekarte. Ich habe mich für einen Rosenkohlsalat erwärmen können. Die blanchierten Rosenkohlblätter waren gemischt mit Cranberries, Parmesan und gerösteten Mandeln. Angemischt mit einer Senf-Vinaigrette und dann lagen noch zwei hauchdünne Scheibchen Manchego und zwei ebenfalls hauchdünne, geröstete Scheibchen Brot am Rand. War lecker und auf alle Fälle gesund. Und kostete 15 Dollar. Musste also gesund sein.

Von Venice ging es über den Santa Monica Boulevard weiter in die Santa Monica Mountains zum Getty Center. Auf diesem Weg ist uns aufgefallen, dass sich Los Angeles erneuert hat. Als wir im Oktober 2014 hier waren, fanden wir große Teile von Venice etwas angeschmuddelt. Das ändert sich gerade und spätestens wenn man vom mondänen Santa Monica Boulevard in die Santa Monica Mountains fährt, bekommt man an wunderschönen Villen und Häusern und gepflegten Gärten vorbei. Schick. Und dann fährt man beim Getty Center in die Tiefgarage. Kostet ab 15 Uhr 10 Dollar und das ist dann gleichzeitig der Eintritt. Man fährt von dem Parkplatz aus mit einer privaten Straßenbahn den Berg hinauf zum Getty Center, das hoch über L.A. thront. Der Blick über Los Angeles ist wunderbar. Inmitten wirklich beeindruckender Gartenanlagen (von Robert Irvin) stehen einzelne Gebäudeteile und Pavillons, die mit Treppen, Gängen und Balkonen verbunden sind. Immer wieder gibt es neue und überraschende Sichtachsen. Für die Architektur steht Richard Meier. Das ganze Ensemble ist hell gehalten, teils mit Natursteinen verkleidet, teils hell verputzt. Schon der äußere Eindruck vermittelt, dass man mit Geld viele schöne Dinge machen kann. Die Getty Stiftung ist eine der reichsten Stiftungen der Welt und allein für den Ankauf der Kunstwerke werden jedes Jahr 200 Millionen Dollar ausgegeben. Nur 3 Prozent der Dinge, die der Getty Stiftung gehören, können ausgestellt werden. Daher gibt es wechselnde Ausstellungen. Wir haben uns eine Fotoausstellung angeschaut, die sich der Fotografie Argentiniens widmete. Daher stammen auch die Fotos über die Gauchos, die uns gut gefielen. Das Ghetty Center wurde 1997 fertig gestellt.

Auf nach Malilbu

Heute morgen machten wir uns gerade fertig, als unser Nachbar aus Kanada über den Zaun schaute, ein kleines Gespräch anfing und am Ende eine Einladung zu abendlichen Cocktails aussprach. Vielen herzlichen Dank an Patrik und Jane, aber wir haben für heute Abend schon eine Reservierung in Malibu und ab Dienstag für zwei Tage ein Auto gemietet. Der Verkehr in Los Angeles ist so schrecklich, dass wir beschlossen haben, die Erkundung dieser Riesenstadt doch besser mit einem wendigen PKW vorzunehmen.
Und dann ging es zunächst nach Palm Desert. Gestern war ich noch im Palm Springs Art Museum, um mir eine Ausstellung von internationalen Glasbläserinnen anzuschauen. Es waren übrigens auch zwei deutsche Künstlerinnen ausgestellt. Zu dem Museum gehören noch zwei weitere Häuser und der Faye Sarkowsky Skulpturengarten in Palm Desert. Der war dann hinsichtlich der Skulpturen doch nicht so toll wie gedacht, aber die Gartenanlage als Wüstengarten nach einer Idee von Eric Johnson (1913-1999) war sehr schön. Mit Steinen, Kakteen, Wüstenpflanzen und unterschiedlichen Kieseln war dieser Platz überaus interessant. Da Wasser ja eher Mangelware ist, gab es einen kleinen Wasserplatz und der dazugehörige Wasserweg war imaginär gestaltet, indem blaue Glaspartikel in den Beton eingestreut waren. Sah auf alle Fälle gut aus.

So und dann brauchten wir noch ein paar Lebensmittel. Irgendwie waren wir an einigen Supermärkten schon vorbeigefahren und wir wollten verhindern, plötzlich auf der Autobahn zu sein, ohne unsere Vorräte aufgefüllt zu haben. Und was sahen wir: ALDI. Schon während unserer ganzen Reise sind wir mehrmals an Aldi-Geschäften vorbeigekommen, heute haben wir einen besucht. Die Besonderheit für die USA fängt schon damit an, dass man 25 Cent für den Einkaufswagen haben muss, und ihn, um das Geld wieder zu bekommen, nach dem Einkauf auch wieder zurückstellen muss. Ein echtes Novum. Das haben wir noch sonst nie hier gesehen. Aldi selbst ist aufgeteilt wir in Deutschland. Nach den für Amerika extrem günstigen Süßigkeiten, kommt die Abteilung Obst und Gemüse. Und es gab Schogetten und Gummibärchen. Das hat mir heute wirklich Freude gemacht. Im Eingangsbereich gibt es ähnlich wie bei uns auch ein Anzeigenblatt mit den Wochenangeboten. Einzig die Non-Food Abteilung ist kleiner als bei uns. Alles in allem, „fast wie daheim“.
Noch auf der Höhe von Palm Springs blickt man über eine palmengesäumte Straße hinauf auf die Berge, deren Spitzen leicht mit Schnee bedeckt sind. Das fanden wir bei 22 Grad ungewöhnlich. Aber so sind sie eben die Kalifornier.
So und nun waren noch gut 200 Kilometer nach Los Angeles/Malibu zu fahren. Gott sei Dank fuhren wir antizyklisch, so dass der Verkehr nur schrecklich und nicht wie auf der Gegenfahrbahn ganz schrecklich war. Einen Stopp haben wir noch bei Gladys Tamez gemacht. Ein Laden in einer echten Genickschussgegend. Es ist auch kein Laden, eher eine Mischung aus Showroom und Fabrikation. Sie haben tolle Hüte, die sie auch an Größen aus dem Showbusiness, wie zum Beispiel Lady Gaga verkaufen. Und heute an mich. Ich habe nun einen superschönen Strohhut, den ich in Mexiko sicher gut gebrauchen kann.
Gegen 18.30 Uhr waren wir dann in Malibu. Wir stehen oberhalb des Strandes und haben einen weiten Blick über das Meer. Wie schön.

Palm Springs

Im Silverwood Lake State Park war es heute ganz schön frisch. Also Winter in den San Bernardino Mountains – aber Sonnenschein. Eigentlich wollten wir heute in den Joshua Tree National Park, um uns dort Kakteen anzuschauen. Aber dank Government Shutdown sind viele Staatsparks geschlossen. Die Angestellten dort müssen Zwangsurlaub nehmen. Und alles, weil sich Republikaner und Demokraten auf keinen Zwischenhaushalt einigen können. Ein überaus fragwürdiges System, aber für uns blieb als Fakt der Park heute geschlossen. So haben wir Palm Springs über eine anfangs kurvenreiche Straße und dann über eine kerzengerade Autobahn angefahren. Vor Palm Springs durchquert man einen Windpark mit Dutzenden von Windrädern. Und man sieht viele ewig lange Züge, die vorrangig mit Containern beladen sind. Überhaupt ist uns bei unserer Durchquerung von den USA aufgefallen, wie viele Güterzüge den Kontinent durchqueren.

Nun aber Palm Springs, eine schöne aufgeräumte Stadt und eine eher wohlhabende Gemeinde. Überall stehen Palmen in unterschiedlichen Ausführungen. Es gibt viele Steingärten, die überaus interessant gestaltet sind und sicherlich dem trockenen und heißen Klima hier geschuldet sind. Aber das Auge möchte auch etwas buntes sehen und so gibt es jetzt im Winter, wo es nicht so warm ist, die ein oder andere bunte Rabatte zu sehen, bepflanzt mit Geranien, Ranunkeln, Löwenmäulchen und Stiefmütterchen. Und das im Januar, wo es in Hamburg eher grau ist.
Unser Spaziergang führte uns über die Palm Canyon. Hier reiht sich ein Lokal ans andere, unterbrochen von Boutiquen und Hotels. Im Straßencafé zu sitzen und Maulaffen feil zu halten, war denn heute auch unsere Hauptaufgabe. Und dies mit wachsender Begeisterung. Da das Wetter einfach unschlagbar ist, sieht man hier viele ältere Snowbirds und von denen wiederum sind viele einfach ganz schön fit.
Heute Nacht stehen wir im RV Park Palm Springs. Hier handelt es ich um einen Park, bei dem die einzelnen Stellplätze in Privatbesitz sind und rund um einen Golfplatz angelegt sind, d.h. jeder Besitzer kann um sein Plätzchen wiederum ein Patio bauen und diesen mit einem Mäuerchen einfassen. Ganz nach Belieben und Geschmack. Und letzteren hat nicht jeder. Aber gut. Das Essen in der Pizzeria, die zum Resort gehört, war gut, leider aber hatte das Restaurant keine Alkohollizenz, daher gab es keinen Rotwein.

Peggy Sue’s Diner

Las Vegas war ziemlich beeindruckend und nachts überzeugt der „Strip“ wie nur wenige andere Straßen dieser Welt. Und im Glitzern dieser Spiel- und Amüsiermeile wachsen manche Träume in den Himmel. Der philippinische Taxifahrer, der uns gestern Abend zurück zu unserem Wohnmobil brachte, erzählte davon, dass er hinsichtlich des Spielens seine Lektion gelernt habe, um dann fortzufahren, was er mit einem großen, viele Millionen umfassenden Gewinn machen würde. Selbstverständlich würde er seinen Kindern etwas abgeben. Also eine Million für jedes Kind. Und dann hätte er selbstverständlich einen Bodyguard. Und in seiner Heimat, den Philippinen, würde er Gutes tun. Eine Schule finanzieren oder ähnliches. Er sah sich als Wohltäter und Philantroph. Das machte ihn ziemlich sympathisch. Seine Tagträume kreisten nicht um schnelle Autos und flotte Mädchen. Aber letzte Nacht musste er erst einmal seine Taxischicht beenden.

Heute morgen sind wir noch einmal über den Strip bei Sonnenschein gefahren. Kein Vergleicht mit der Nacht und trotzdem gut besucht, was bestimmt auch am Wochenende lag.
Die I-15 führte uns über Baker nach Barstow. Zwischen beiden Orten liegt Yermo und die Attraktion dort ist Peggy Sue`s Diner. Ein Diner aus den 50er Jahren und wie die Fotos an den Wänden zeigen, gab es wohl eine Petty Sue, denn sie ist mit vielen Größen aus Film und Fernsehen verewigt. Die Einrichtung mit der Theke und den Boths ist auch so, wie wir es aus Filmen kennen. Unsere Bedienung, seit 11 Jahren im Dienst, war ein Profi und empfahl uns Applepie mit Vanilleeis und Kaffee. Echt lecker. Und mit der Rechnung konnte man sich im nebenan liegenden Souveniershop noch ein Dankes-Bonbon abholen. Auch rührend. Und ich habe, wie viele andere auch noch ein paar Süßigkeiten dort gekauft. Auch geschäftstüchtig.
Der Gang auf die Damentoilette bereitete noch eine Überraschung hinsichtlich der Dekoration. Man bog um die Ecke und dort stand mit dem Rücken zum Eintretenden eine lebensgroße männliche Puppe in typischer Haltung vor einem an die Wand gemalten Pissoir. Im ersten Moment erschrickt man, vergewissert sich noch einmal, ob man die richtige Tür gewählt hat und muss dann doch lächeln.
Von dort ging es zum Silverwood Lake State Park in den San Bernardino Mountains, wo wir heute übernachten. Den Tipp haben wir dem Reiseführer entnommen.

von Kingman via Hoover Damm nach Las Vegas

Kingman haben wir hinter uns gelassen. Ein irgendwie interessanter Ort, mitten in der Wüste, helles, pastellfarbenes Licht.
Unser erster Anlaufpunkt auf dem Weg nach Las Vegas war Chloride, eine Ghost-Town. Für alle Reiseführer gilt, dass von Erkundungsreise bis zur Veröffentlichung und Verkauf eines Reiseführers einige Zeit vergeht. Also Chloride ist keinen Umweg wert, und wenn es nur 8 Meilen sind. Eine Ansammlung von heruntergekommenen Häusern, deren gewisser Charme darin liegt, dass sie windschief und umgeben von „Skulpturen“ sind, die aus dem geformt sind, was anderswo auf dem Werkstoffhof zu finden wäre.
Unser nächster Punkt war da schon aufregender. Der Hoover-Damm wurde ab 2001 neu auch hinsichtlich eines Besucherzentrums neu geplant. Und wie man Touristen unterhält, dass weiß man in diesem Land. Nachdem man eine Sicherheitsinspektion am Eingang absolviert hat, die auch einen Blick in das Innere des Wohnmobils umfasst, darf man auf eine Autobahnbrücken, von der man einen faszinierenden Blick in die Tiefe und auf den Hoover-Damm hat. Im Rücken brausen die LKW´s vorbei. Das treibt den Puls nach oben.
Anschließend sind wir über die Krone des Staudamms gefahren und haben uns die Anlage von Wasserhöhe aus angesehen. Wenn man gewollt hätte, hätte man sich auch die technischen Anlagen in einer Führung ansehen können, wollten wir aber nicht.
Wir wollten nach Las Vegas. Das Hotel Circus Circus unterhält einen RV-Platz, sodass man in Fußnähe zum „Strip“ steht. Wobei das mit der Fußnähe so eine Sache ist. Falls man wirklich vom Circus Circus den ganzen Strip erobern wollte, sind Wanderschuhe angesagt. So haben wir uns mit dem Taxi zum Bellagio fahren lassen, um uns die schöne und Musik untermalte Springbrunnenshow anzusehen. Danach waren wir im Bellagio. Dort waren die Indoor-Botanical Gardens zu bestaunen, die ganz im Motto des chinesischen Jahr des Hundes standen. In üppigen Blumenrabatten standen und sprangen Hunde aus Plüsch in manchmal überdimensionaler Größe herum. Sträuße aus Geldmünzen vervollständigten das Ganze.
Danach hatten wir Hunger und wir hatten einen Platz im Außenbereich eines mexikanischen Restaurants, von wo aus wir das Treiben auf dem Strip beobachten konnten. Es wirkt wie die überdimensionierte Ausgabe der Reeperbahn. Viele Menschen, die am Freitag Abend einen drauf machen möchten. Neben all den Normalos auch viele Alkoholisierte, Zugekiffte, „Girls“ und natürlich Touristen aus aller Welt. Die Mischung aus sehenswerten Attraktionen, Shows und Glücksspiel ist natürlich schon toll, aber die weniger schönen Seiten, die solche Orte mit sich bringen, auch.
Ein weiterer Punkt, den wir unbedingt noch sehen wollten, war das „Venetian“. Ein Hotel- und Glücksspielkomplex, der eine Einkaufspassagen unterhält, durch die man auf künstlich angelegten Kanälen mit einer Gondel gleiten kann. Inklusive Gondoliere in blau gestreiftem Hemd und Strohhut.
Danach war over. Wir hatten genug gesehen und sind zu Bett. REIZÜBERFLUTUNG.