Labrador City

Leider konnten wir keine Führung durch das Wasserkraftwerk von Grand Falls machen. Das wäre erst am Montag wieder gegangen, aber in Grand Falls gab es wirklich nichts, mit dem man den Tag hätte sinnvoll gestalten können. Also machten wir uns auf den Weg zur letzten „Metropole“ Labradors, nämlich Labrador City. Die Sonne schien, das Fahren war angenehm und so rollten wir hier ein. Zunächst zeigte sich uns der Industrie-Teil der Stadt. Nun ja. Da man in Kanada allgemein verschwenderisch mit Land umgeht, lagen auf irgendwelchen Brachen Maschinenteile herum, dann wieder gab es Fabrikhallen, Lagerhallen und Zweckbauten. Alle nicht hübsch.
Der Besuch in der Mall endete bei Tim Horton. Das Angebot von Canadian Tire und Walmart lockte nicht so sehr. Ein kurzer Besuch im oberhalb des Ortes gelegenen Skigebiet würde bei Schnee so seine Reize haben, also gab es noch einen Spaziergang um den Naherholungssee.
Es gibt in Labrador City hübsche Einfamilienhäuser, zur Zeit auf Halloween hin geschmückt, daneben hängt an den Laternen schon die Weihnachtsbeleuchtung. Es gib hier alles, was eine Stadt braucht, also Krankenhaus, Schulen, Fußballplatz. Aber man sieht auch, dass diese Stadt erst in den 1960er Jahren entstanden ist.

Dies und Das

Wen man so trifft
Am 2.102017 sind wir gegen 16.00 Uhr in Meat Cove angekommen. Ein winziges Dorf, man könnte auch sagen, ein Kaff am Ende der Welt. Auf dem Campground, der zugegeben eine atemberaubende Aussicht auf den Atlantik bietet, kein Mensch. Aber in der kleinen, spärlich beleuchteten Hütte des Empfangs saß ein junger Mann, der Host, und bot uns alle Plätze zur Auswahl an. Es regnete leicht, war sehr windig und mit 9 Grad Celsius auch kalt, aber er harrte in seiner Hütte aus, als ob er off Season und bei schlechtem Wetter noch viele Reisende erwartete. Am Ende, als es dunkel wurde, waren mit uns drei Camper auf dem Platz und in eine Hütte war ein junges Paar geflüchtet, das den Plan zu zelten angesichts der steifen Brise aufgegeben hatte. Das Warten hatte sich für ihn gelohnt.

Als wir um die Ecke auf den MacLeod´s Beach Campsite einbogen, bot sich uns eine beeindruckende Aussicht. Vor dem tiefblauen Meer bei bestem Oktobersonnenschein standen auf einer grünen Wiese die dortigen Camper, in lockeren Reihen angeordnet. Ein Klingeln am Office und nach einiger Zeit erschien der Host, Typ Schotte. Bei näherem Hinsehen gab es auch noch schöne Plätze oceanfront, aber angesichts des Gewichts unseres Fahrzeuges, konnte er uns nur einen befestigten Platz in einer der hinteren Reihen anbieten. Geht ja auch, auch von dort kann man zum Meer laufen.
Okay und neben wem standen wir nun? Neben der Dauercamper-Gang, die sich bei Musik, Bier und dem Spiel „große Unterlegscheiben in einen Kasten werfen“ entspannten. Kanadier begegneten uns im allgemeinen sehr offen und diese taten es auch. Also durften wir mitspielen und zu späterer Stunde auch mittrinken. Dabei erfährt man zum Beispiel, dass alle Camper den Sommer zum Teil seit Jahrzehnten auf diesem Platz verbringen. Alle wohnten und arbeiteten auf der Insel Cape Breton. Und ihre Wochenenden und Urlaube verbrachten Sie auf der anderen Seite von Cape Breton. Ist das nun Bequemlichkeit, Patriotismus oder Nationalismus?

Das führt zu einer Begegnung auf einer Straßenbaustelle. Oft wartet man vor einem lebendigen Straßenschild. Zu einem dieser Straßenschilder kam ein Bauleiter vorbei, der unser auffälliges Auto schon von weitem gesehen hatte. Es stellte sich heraus, dass er aus England stammte und seit einiger Zeit in Kanada arbeitete. Nachdem wir ein paar freundliche Worte ausgetauscht hatten, kam doch dieser bemerkenswerte Satz: Er findet, dass Kanada ein großartiges Land ist. Aber er findet auch, dass alle Kanadier und alle Amerikaner vom Staat verpflichtet werden sollten, einmal im Leben ihr Land zu verlassen. Um einmal festzustellen, dass es außer ihrem Land auch noch andere Länder, Sichtweisen, Gedanken, Sprachen und Menschen gibt. Das würde aus seiner Sicht, Kanada wirklich great und nicht, wie er es im kleinen empfindet, manchmal kleinkariert machen. Auch eine Ansicht.

Natur und?
Als Reisender nach Kanada träumt man von intakter und großartiger Natur. Aber auch hier sieht man, dass alles mit allem zusammenhängt. Der Host des großartigen Campgrounds Meat Cove hatte vor sich Prospekte liegen, die versprachen, dass man von diesem Punkt aus mit 95 prozentiger Sicherheit Wale sehen könne. Oh, freut sich der Tourist aus Hamburg. Oh, meint der nette Host: Dieses Jahr haben wir leider noch nicht einen Wal sichten können. Wir wissen nicht warum: Meeresströmungen, zu wenig Nahrung hier, zu schmutzig, zu laut? SCHADE AUF ALLE FÄLLE FÜR ALLE, DIE WALE, DIE TOURISTEN, DIE LEUTE VOR ORT.

Wir mussten ja bei Cape Breton Trailer Sales den Winterablauf des Wassertanks reparieren lassen. Als alle gerichtet war, wollten wir gleich mal ein bisschen Wasser einlassen, um zu sehen, ob nun alles dicht war. Auf unsere Bitte an die Werkstatt ein wenig Wasser bunkern zu dürfen, kam die Antwort, besser nicht, unser Wasser ist zu schlecht.
Einen Tag zuvor hatte uns der Host eines Campgrounds noch das Hohe Lied seines wunderbaren Wassers gesungen.
Wasser ist also hier, wo es Wasser scheinbar im Überfluß gibt, nicht gleich Wasser zu sein. Die Qualität ist höchst unterschiedlich. Zu Hause haben wir nie darüber nachgedacht, dass Wasser bei uns überall bedenkenlos trinkbar ist. Was für ein Luxus.

Weihnachtsbräuche?
Da wir am 18.10.2017 in Labrador zum ersten Mal in diesem Herbst Schnee gesehen haben und der auch noch schön auf den Bäumen liegen blieb und uns das an Weihnachten erinnert, können wir auch über einen schönen Weihnachtsbrauch in Labrador berichten. Da die Orte ziemlich klein sind und man eh alles über die anderen weiß und seinen Nachbarn wahrscheinlich am Schritt erkennen kann, hat man sich etwas nettes ausgedacht. Man verkleidet sich und spricht nur mit eingezogenem Atem. Ähnlich wie beim Paten. Und dann müssen die anderen erraten, wer man ist. Wenn man richtig liegt, gibt es Kuchen. Bei Martin läge man also immer richtig. Daran erinnern auch kleine Figuren, die man hier kaufen kann. Sie tragen, wie früher, als man noch keine Kostüme fertig kaufen konnte, bunte Tücher über das Gesicht und sehen wirklich hübsch aus.

Wo ist das Ende der Welt?
Manchmal kann man auch bei netten Unterhaltungen einfach mithören. Als wir auf der Fähre von Neufundland nach Labrador auf der Treppe warteten, um wieder in unser WoMo einsteigen zu können, unterhielten sich zwei Kanadier. Der eine wollte als passionierter Hobby-Ornithologe nach Labrador und fragte eine vor ihm stehende Frau, ob sie aus Labrador stamme. Sie verneinte und erklärte, dass sie aus Quebec komme. „Wo genau?“ insistierte der Vogelmann. „Out in the boonies“ antwortete die Frau, was soviel bedeutet, wie „vom Arsch der Welt“. Aha, und wie kommt man dorthin? Einmal in der Woche, nur mit dem Schiff. Das erschien auch Martin und mir weit draußen. Sie meinte wohl solche Weiler wie La Tabatière oder Baie-des-Ha!Ha!, die zu Quebec und nicht zu Labrador gehören.

Ureinwohner
Obwohl wir in keinem Interpretative Center für die Ureinwohner Labradors waren, wurde an eine Geschichte immer wieder erinnert. Die der Beothuk, das war ein Stamm der Ureinwohner Neufundlands, der inzwischen ausgestorben ist. Sie waren Jäger und Fischer und lebten mit ihren Familien in kleinen unabhängigen Gruppen. Von den Europäern hielten sie sich fern und lebten fortan mehr im Landesinneren. Wenn aber die Europäer, die vor allem im Sommer an den Küsten lebten, ihre Lager im Winter verließen, dann kamen die Beothuk doch gerne vorbei und nahmen sich, was sie gebrauchen konnten. Das wiederum stieß bei den Europäern nicht auf große Liebe. Mit der Zeit eskalierte der Streit zwischen den Beothuk und den weißen immer mehr und außerdem schürten die Europäer den Streit zwischen den traditionell verfeindeten Beothuk und den Mi ´kmaq, indem sie letztere auch mit Waffen ausrüsteten. Die Beothuk gerieten immer mehr in Bedrängnis und sie lebten immer isolierter und hungerten sehr. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es nur noch eine kleine Gruppe und auch diese wurde mit Gewalt dezimiert, obwohl 1810 die britische Regierung den Schutz der Indianer verfügte. 1829 starben die letzten beiden Beothuk Frauen Mary March und Shanawdihit.

Statistik
Wieviel Menschen wohnen in NL? Ich meine Neufundland-Labrador und nicht Holland. Am 1. Juli 2016 wohnen in ganz Labrador und Neufundland 530.128 Menschen. Für 2017 werden laut Labrador Statistics Agency 523.159 prognostiziert. Wobei im Großraum St. John’s schon 197.000 Menschen wohnen und in St. John’s selbst 106.000. In Labrador wohnen ca. 30.000 Menschen auf einer Fläche von 295.000 Quadratkilometer. Das erklärt die weiten Gebiete, wo niemand wohnt und man 200 Kilometer und mehr fährt, ohne ein Haus zu sehen.
In Labrador arbeiten die meisten in Churchill Falls und in Happy Valley Goose Bay in den jeweiligen Wasserkraftwerken und in Labrador City in den Minen. Der Sommer ist kurz, der Winer lang. Viel zu tun außer Hunten, Fischen und Skidoofahren gibt es in der Freizeit nicht. Verdient wird gut, aber die Lebenshaltungskosten sind auch hoch. So ziehen die meisten, mit Beginn der Rente nach Neufundland, wo man außerhalb von St. John’s noch günstig ein Haus kaufen kann.

Wie man so wohnt
Jede Verallgemeinerung ist falsch, dennoch der Versuch, ein durchschnittliches „Anwesen“ in NL zu beschreiben.

Das Haus selbst ist ein Mobile Home, d.h. ein fertiges Fertighaus. Meist aus zwei Teilen zusammengebaut sind diese Einheiten etwas netter als zu Martins Studienzeiten in den USA, aber doch als solche zu erkennen.
Die Häuser werden nicht ebenerdig gebaut, sondern, um der Schneehöhe Rechnung zu tragen, meist um ein halbes bis ein ganzes Stockwerk erhöht. Zu jedem Eingang gibt es die entsprechend solide gebaute Holztreppe, bei vielen Häusern ausserdem eine rollstuhlgeeignete Rampe, die das Haus zwei bei dreimal quert, um die Höhe zu erreichen.
Vor dem Haus am Straßenrand steht eine „wildfeste“ Holzkiste für den Müll, die in unwahrscheinlich vielen Farben dekoriert und gestrichen sein kann.

In jedem Haus gibt es eine Holzfeuerstelle, meist aus Stahl mit einigen wenigen Schamottesteinen ausgekleidet. Holz ist billig und außerdem gut für „a guys weekend in the cabin“, um selbiges zu holen. Vom Trocknen des Holzes hält man nur begrenzt viel, wodurch es mancherorts ziemlich nach Qualm riecht.

Dem Thema Holz begegnet man überall. Es gibt eine schier unendliche Zahl an Holzlagerstätten neben der Strasse. Mal sind diese mit dem Auto, mal nur mit dem ATV (all terrain vehicle – vulgo Quad) zu erreichen. Bei einer Vielzahl dieser Lagerplätze liegen auch Schlitten als Anhänger, um das Holz im Winter holen zu können.

Das erfordert natürlich einen entsprechenden Fuhrpark. Der Herr des Hauses hat natürlich seinen Truck. Vierradantrieb. Die Dame des Hauses fährt gern ein kleines SUV.
Für die Jagd und sonstige Wildnis-orientierte Tätigkeiten gibt es das bereit erwähnte ATV. Dies in Ausführungen vom Einsitzer, über Zweisitzer (hintereinander) zu Zweisitzer (nebeneinander) mit Überrollkäfig bis hin zum Viersitzer. Gern auch mit kleiner Ladefläche und Halter für das Gewehr.

Nachdem es aber auch einen langen Winter gibt, benötigt man auch noch Ski-Doos: „Oh Yeah, every house has its 2-3 Ski-Doos“.

Dann braucht man natürlich noch einen Anhänger für den ATV, das Ski-Doo (manchmal auch Sea-Doo) und sonstige Dinge. Und natürlich noch den obligatorischen Wohnwagen in Form eines Sattelaufliegers mit „solide outs“. Je nach Ordnungssinn des Hauseigentümers steht alles verstreut auf dem Grundstück oder gesammelt in einer größeren Scheune.

Internet
In den vergangenen drei Jahren hat sich die geographische Verbreitung dieses “Internets” deutlich gesteigert. Bei der echten Verfügbarkeit, gemessen in Stabilität und Geschwindigkeit, fühlt man sich an die Zeiten von Boris Beckers AOL Werbung “Bin ich schon drin?” zurück versetzt.
Eine nette Mitarbeiterin verriet uns das Password Ihres Netzzugangs: “crappy internet – all lower case – but it probably won’t work”. Sie hatte Recht. Eine gute Zusammenfassung.

Von Happy Valley Goose Bay nach Churchill Falls

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz des Krankenhauses von Happy Valley Goose Bay ging es zunächst zur Bibliothek im Elizabeth Goudie Building. Da diese noch geschlossen war, nutzten wir von einem Vorraum aus das Internet, um unsere Reiseberichte hochzuladen. Das war erfreulich stabil und so mussten wir nicht allzu lange rumwerkeln, bis alles erledigt war.

Danach ging es zum interessantesten Laden, den wir seit langem gesehen haben: Northern Lights Ltd. in der Hamilton River Road. Er warb von außen für Ausrüstung zum Angeln, Jagen und Outdooraktivitäten allgemein. Nein und es war nicht die kanadische Ausgabe von Globetrotter. Es war eine Offenbarung, die in der dritten Generation ihre Kundschaft bediente. Auf zwei Stockwerken gab es Schmuck aus Labradorit, Traumfänger in allen Größen, Mokassins, Felle, Rucksäcke, Anhänger für Snowmobile, Warme Kleidung, T-Shirts von Waffenanbietern, Waffen, Munition, Äxte und zwar richtige, Schaufeln, Werkzeug, Mützen, Hüte, Handschuhe, ausgestopfte Tiere, Angeln, Blinker, Mückenspray, und, und, und. Der Abend würde nicht reichen, um alles aufzuzählen. Das ganze wurde ergänzt um eine kleine museale Abteilung, in der Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg und von DDR Grenzschützern, Waffenteile und militärische Abzeichen dargeboten wurden.
Das machte natürlich noch einen Besuch bei Tim Hortons nötig. Dort trafen wir Bonnie, die nette Dame gestern vom Auto-Waschplatz. Sie war hier bei Tims bei ihrem zweiten Job an der Kasse. Das Leben in Labrador ist teuer und da muss man hart ran. Aber Bonnie verabschiedete uns warmherzig und wir freuen uns, von ihr über unseren Blog zu hören.
Nun wurde es aber Zeit, uns auf den Weg nach Churchill Falls zu machen. Die Straße ist frisch geteert, leider war es sehr windig und sonnige Abschnitte wechselten mit Schneeschauern. So war das Fahren ein bisschen anstrengend. Begleitet wird man die ganze Zeit von breiten Schneisen, die für große Stromtrassen geschlagen wurden. In Churchill Falls gibt es 75 Meter hohe Wasserfälle des Churchill Rivers, die für die Stromgewinnung genutzt werden. Mit den 1960er Jahren begann der Bau des Wasserkraftwerks, das heute eines der größten auf diesem Planeten ist. Der Eindruck beim Vorbeifahren bestätigt das.
Der Ort Churchill Falls gehört der Churchill Falls Labrador Corporation und dort wohnen nur Angehörige dieser Firma und deren Familien. Um das Zentralgebäude mit Schule, Sportanlagen, Supermarkt, Hotel und Restaurant gruppieren sich größere und kleinere Häuser und Wohnungen für die Angestellten. Der Arbeitgeber sorgt hier für alles. Wie kalt es hier wird, davon zeugen die Steckdosen an den Parkplätzen und die Stecker an den Autos. Heute ist es sehr windig, – 4 Grad Celsius, gefühlt aber viel kälter.

Happy Valley – Goose Bay

Nein, wir haben die Wölfe nicht gesehen. Bei dem beschriebenen Platz stand schon ein Pickup. Womöglich waren die Fahrer den Wölfen schon hinterher. Schade. Also sind wir die ausgewaschene Gravelroad weitergerumpelt. Eigentlich gibt es nichts zu sehen, als endlosen borealen Nadelwald. Das heißt Lärchen, Tannen, Fichten und Kiefern, soweit das Auge sehen kann. Da freut es schon, wenn man einen bemalten Stein sieht. Eine mit einem Platten liegengebliebene Fahrerin fragten wir, ob wir helfen können. Aber sie meinte, dass Hilfe schon unterwegs sei. Welche Freude, als 75 Kilometer vor Happy Valley Goose Bay die Straße dann auf einmal frisch geteert ist.

Und noch größer ist die Freude, einen leckeren Hamburger bei Dschungel Jim zu essen und auch noch Internet zu haben. Neben Tanken, Wasser auffüllen und Wasser ablassen stand heute auch WoMo waschen auf dem Programm. Der Dreck war immens. Während Martin mit dem Dampfstrahler hantierte, plauderte ich nett mit Bonnie, der Bürokraft. Sie, vielleicht 50 Jahre alt, stammte aus Ontario und lebte seit drei Jahren hier. Ihr Chef, Scott, bot uns an, auf seinem Firmengrundstück zu übernachten. Und dann trafen wir beim Einkaufen noch einen Ebi aus Greven, der vor 30 Jahren ausgewandert war und auf dem Bau arbeitete. Auch er berichtete wie schon einige vor ihm, dass er vorhabe mit dem Beginn des Rentenalters nach Neufundland zu ziehen. Die Lebenshaltungskosten, Grundstückspreise und die Häuser seien dort einfach billiger, mehr los sei dort auch und das Internet besser.

Was gibt es zu sehen in Happy Valley Goose Bay? Die Stadt ist ein Versorgungs- und Militärstützpunkt. Entsprechend gibt es die üblichen Geschäfte, Tankstellen und Pubs. Ein Krankenhaus und natürlich Tim Hortons. Die militärische Landebahn ist eine der längsten in Nordamerika. Hier könnte ein Spaceshuttle landen, wenn es denn noch eines gäbe. Ansonsten werden hier Tiefflüge trainiert und auch die Bundeswehr kommt zu Trainingsflügen hierher.

Aus der Abteilung Tierwelt ist zu berichten, dass wir einen Schneehasen (vierbeinig) gesehen haben.

in der Wildnis

Nachdem wir heute an einem Turnout 30 Kilometer vom nächsten Ort übernachtet haben, starteten wir bei Neuschnee, 0 Grad Celsius und Sonnenschein zum Sehnsuchtsort von Martin: Cartwright. Bis zum Abzweig dorthin waren zunächst 90 km Gravelroad zu fahren. Unterbrochen von Baustellen, denn die Vorbereitung, die Straße von Lodge Bay aus weiter in den Norden zu asphaltieren, läuft auf vollen Touren. Dabei kann man das schwere Baugerät von Caterpillar bewundern.
Was uns immer wieder wundert, ist, wie verschwenderisch man hier mit Land umgeht. Für eine später mal zweispurige Straße wurde eine bis zu 50 Meter breite Schneise in die Landschaft geschlagen.
Ab dem Abzweig nach Cartwright waren es dann noch einmal fast 90 km Gravelroad. Wir hielten auch mal an, um zu fotografieren. Das war Grund genug für einen vorbeikommenden LKW-Fahrer, nachzufragen, ob wir „in trouble“ sind. Aufmerksam und hilfsbereit ist man hier wohl immer. In Cartwright selbst gibt es außer zwei Tanken mit angeschlossenem Tante-Emma-Laden, einer Schule, einer Bibliothek und einem Hafen. Von hier werden die nördlichen Weiler, die nur noch mit dem Schiff erreicht werden kann, wöchentlich versorgt. Das öffentliche Internet der Bibliothek litt an Schwindsucht und die nette Lehrerin, die wir danach fragten, konnte uns auch nicht weiterhelfen. Cartwight hatte also wenig mit Bonanza zu tun und Little Hoss begegnete uns auch nicht. Also fuhren wir mal eben wieder 90 km Gravelroad zurück. Ist nicht so schlimm, wie es sich anhört, da wir immer durch eine schöne Natur fahren. Irgendwie ist es immer, als ob man durch einen Bildband fährt. Nun sind wir auf der 510 nach Happy Valley-Goose Bay, wieder mitten in der Walachei. Es ist stockdunkel und still. Ich meine richtig still.
Unsere abendliche Rommé-Runde wurde unterbrochen von einem Klopfen. Ein freundlicher Herr erklärte uns, dass er beim nächsten Turnout, 40 Kilometer weiter, eine Wölfin mit zwei jungen gesichtet hat. Die sollten wir morgen auf alle Fälle fotografieren. Machen wir und hoffen, dass sie heute Nacht keine Lust haben, 40 Kilometer zu uns zu laufen. Jede wilde Romantik hat ihre Grenzen.

im Wald

Wir starteten heute morgen in L´Anse-au-Clair mit einem netten Gespräch mit Gill, dem Hubschrauber-Piloten aus Montreal, der zu einem Arbeitseinsatz hier in Labrador ist. Bis seine Mitarbeiter alle vor Ort waren, erklärte er den Hubschrauber und versprach, nach dem Start ein paar Fotos von unsrem White Elefant mit der Küste Labradors im Hintergrund zu machen. Mal sehen, ob wir etwas bekommen.
Unser Weg führte über L´Anse Amour zum Point Amour, dem mit 33 Meter ziemlich hohen Leuchtturm. Der Leuchtturmwärter, der gerade dabei war, die Anlage um den Leuchtturm winterfest zu machen, stammte aus Point Amour, einem Ort mit nunmehr 7 Einwohnern. Er erzählte uns, dass seine Geschwister und seine Kinder nicht mehr im vor Ort wohnen, was irgendwie auch nicht verwundert. Ein schöner, wildromantischer Ort ist Point Amour mit einem weiten Blick über das Meer hin zu Neufundland. Leider schwammen auch hier keine Wale und Eisberge vorbei.
Dafür gab es aber lecker Kaffee und Kuchen in L´Anse-au-Loup und anschließend einen Besuch beim örtlichen Händler für ATV´s und Ski-Doos. Was man hier halt so braucht, um sommers wie winters in die Wälder gehen zu können und dann zu jagen oder Holz zu machen. Beim Händler warteten zu Beginn der Wintersaison viele neue Ski-Doos auf den Mann oder die Frau. Vom schnittigem Modell bis hin zum gemütlichen Zweisitzer, mit Handwärmer für die Beifahrerin. Dafür könnte ich mich auch erwärmen.
Den Ort Red Bay hatten wir schnell erledigt. Obwohl UNESCO Weltkulturerbe war alles zugesperrt. So bleibt nur aus dem Reiseführer zu berichten, dass im 16. Jahrhundert hier viele hundert baskische Walfänger Glatt- und Grönlandwale jagten, um aus ihnen Lampenöl (Tran) zu machen, das für Licht in Europa sorgte. Der Welthandel ist also keine Erfindung der Neuzeit.

Unsere Information war, dass hinter Red Bay die Gravel Roads beginnen. Aber zu unserer Freude, war die Straße bis Lodge Bay frisch geteert. Zu sehen gibt es großartige Landschaft und ein paar Straßenbauarbeiter. Und inmitten dem nichts kamen wir in Port Hope Simpson vorbei. Der Ort ist wirklich nicht der Rede wert, aber es schneite den ganzen Tag und so kehrten wir in Campbells Place ein. Ein Ort, den man sich merken muss, wenn man frisch und lecker zubereitete Sandwiches mag.
Nun stehen wir am Waldrand zwischen Port Hope Simpson und Charlottetown. Es schneit und wir hoffen, dass heute noch ein Karibou an uns vorbeiläuft.

Ankunft in Labrador

Dank an Dr. Grenfell. Vor dem Sitz der Grenfell Mission, die sich um die medizinische Versorgung abgelegener Orte in Neufundland und Labrador kümmert, haben wir nett und ruhig geschlafen. Einen zweiten Kaffee gab es natürlich bei Tim´s. Der nette Herr an der Theke erkannte uns gleich wieder und bot nach einem freundlichen „Good Morning“ sofort zwei Cappuccinos an. Das nenne ich mal Kundenfreundlichkeit.
Es regnete heute nicht mehr, der Himmel war bewölkt und so fuhren wir gemütlich nach St. Barbe. Von dort sollte um 15.30 Uhr die Fähre nach Blanc Sablon gehen. Heute hatten wir auch Zeit, noch ein paar „Road-Side-Garden“ zu fotografieren. Bei 3 Grad und erstem Bodenfrost (die Pfützen waren gefroren) kann man jetzt natürlich nicht mehr viel ernten. Abert Kohl geht immer.

Einen kleinen Stop machten wir noch in Flower´s Cove. Der Ort mit den Thromboliten. Diesem vorgelagert liegt eine Landzunge, an deren Ende ein funktionaler Leuchtturm steht. Nicht so romantisch in der Bauweise, aber immerhin rot-weiß gestrichen. Dem vorgelagert, aber leider ohne Boot nicht erreichbar liegt eine Mini-Insel, auf der eine halb verfallenes Haus und eine hübsche, frisch gestrichene Kirche (?) stehen. Und dahinter kann man am anderen Ufer des St. Lorenz-Stromes Labrador sehen. Und hier entstand auch das schönste schwarz-weiß Foto des Tages.
Auch zwei Friedhöfe, die in Richtung Labrador ausgerichtet sind und einen schönen Ausblick auf die Küste haben, sind auf der ruhigen Landzunge zu finden.
Hier, wie in vielen kleinen Dörfern, die wir gesehen haben, liegt man konfessionell getrennt bis in alle Ewigkeit. Auf all die großen Fragen, die wir uns bezüglich religiös motivierter Auseinandersetzungen in der Welt stellen, gibt es hier im Kleinen die Antwort: man lebt friedlich zusammen, aber man glaubt getrennt.
Langsam wurde es Zeit, nach St. Barbe, ein schmuckloser Ort, zu fahren. Die Fähre ist nicht neu, aber offenbar bewährt. Und ausgebucht war sie auch. Nach 1,5 Stunden Fahrt bei Kaffee und begleitet von ein paar Delphinen, haben wir um 17.00 Uhr Labrador betreten. Morgen mehr.