Auf der Fähre nach Neufundland

Die Fähre nach Neufundland wartet. Um 10.00 Uhr sollte die Beladung der Fähre beginnen. Da nun schon starke Nebensaison ist, waren nur drei Wohnmobile an Bord. Dafür aber einige schöne Trucks, die alles auf die Insel bringen, was die ca. 485.000 Einwohner (Newfies) brauchen. Von denen wohnen übrigens 106.000 in St. John’s, bzw. 197.000 im Großraum von St. John’s. Die zweitgrößte Stadt ist Corner Brooks mit 26.000 Einwohnern.
Wir hatten trotz Tagfähre eine Kabine gebucht, denn 8 Stunden, die man sich auf dem Schiff vertreiben muss, können ganz schön lang werden. Wir bekamen eine nette, in Fahrtrichtung gelegene Außenkabine, mit zwei Betten, einem Bad und einem Fernseher. Das ganze auf gefühlten 5 Quadratmetern.
Das Wetter wurde aber immer besser, sodass man auf dem Achterdeck, dem Wind abgewandt, sehr schön in der Sonne sitzen konnte. Nur der Wellengang wurde Richtung Port-aux-Basques immer stärker. Das Schiff rollte ein wenig. Würg.

Letzter Tag Nova Scotia

Heute früh waren wir in eine Mission unterwegs. Der zweite Wassertank hatte ein Problem. Das kupferne Rohr des Ablaufs, den wir eigentlich nur für den Winter brauchen, war gerissen. Wir suchten nun eine Werkstatt, die diesen Ablauf mit einem Stopfen verschließen konnten. Und schon beim dritten Versuch hatten wir jemanden gefunden, der helfen konnte. Noch hält der Tank, wir hoffen für den Rest der Reise. Ansonsten haben wir eben nur einen Wassertank. Danke Cape Breton Trailer Sales.

Auf dem Weg zu unserem Lieblingscafé Tim Horton hatten wir uns ein bisschen verfahren. Das machte aber nichts, weil wir auf dem Weg auf absolute Liebhaber des Halloween stießen.

Nach einem Cappuccino bei Tim Horton ging es weiter nach Louisbourg. Schon mehrmals hatten wir als Tipp bekommen: don´t miss Louisbourg. Dies ist ein Fort der Franzosen, das 1760 von den Engländern bis auf die Grundmauern geschleift wurde. Der kanadische Staat entschloss sich Anfang der 60iger Jahre, quasi als Arbeitsbeschaffungsprogramm, die Festungsstadt mit bis heute 50 Millionen Dollar naturgetreu wieder aufzubauen. Dazu wird das Fort von Louisbourg auch mit Personal in Originalkostümen bespielt. Eine Kneipe, eine Schmiede, ein Schiffsausrüster, eine Kirche, Soldatenunterkünfte, Bauerngärten oder auch eine Gesindestube sind zu besichtigen. Alles ist wirklich mit viel Herzblut und Liebe zum Detail aufgebaut und doch wirkt es auf Europäer wie eine Theaterkulisse aus Holz und Pappe. Aber da Kanada dieses Jahr erst 150 Jahre alt wird, kann man die Sehnsucht nach Geschichte verstehen. Die Organisation rund um das Fort ist beeindruckend und weil Kanada dieses Jahr Geburtstag feiert, kostet der Eintritt nichts.

Seal Island

Tag der Deutschen Einheit, aber davon merkt man hier gar nichts.

Der Wind hatte sich über Nacht in Meat Cove gelegt, das Schaukeln im WoMo wurde immer weniger und als wir aufstanden, gab einen blauen Himmel, weniger Wind und eine immer noch schöne mit weißen Kämmen verzierte Brandung. Wir statteten dem Strand mit den vielen Steinmännchen noch einen Besuch ab und dann ging es zurück zum Cabot Trail. Über White Point zu Neil´s Harbour. Neben dem kleinen pittoreskem Hafen mit den Hummerbooten gibt es einen hübschen Leuchtturm, der inzwischen als Eisbude dient. Die Straße des nun nach Süden führenden Cabot Trails bietet teils atemberaubende Ausblicke. Man muss sich schon wirklich auf die Straße konzentrieren oder einen der vielen „Look outs“ anfahren. Die Mary Ann Falls sind über eine Schotterstraße mit vielen Schlaglöchern zu erreichen. Lohnt sich nicht wirklich, aber die Fahrt durch den sich verfärbenden Wald macht bei Sonnenschein natürlich etwas her.
In Ingonish Beach hielten wir vor einem Café. Sofort ging die Tür auf und es kamen zwei Hamburger, die eine Bäckerei in Blankenese betrieben, aus der Tür gestürmt. Sie waren zu einer Familienfeier in Kanada und freuten sich riesig, ein Auto mit Hamburger Wappen und Stadtansicht zu sehen. So sind wir Hamburger eben in der Fremde. Fast gleichzeitig stoppte ein ähnliches Wohnmobil, wie wir es haben. Darin saßen ein Paar aus der Schweiz, die nun in der letzten Woche ihres vierjährigen (!) Trips durch Südamerika, Mittelamerika, Nordamerika und Kanada waren. Die Passage zurück von Halifax nach Hamburg war gebucht und so hatten wir noch ein paar Minuten eine nette Unterhaltung. Zum Schluss kam noch ein mit französischen Akzent deutsch sprechender Akadier um die Ecke, der in seinen jungen Jahren mit der Armee als Dolmetscher in Deutschland arbeitete.

Danach ging es weiter südwärts am Cape Smokey vorbei zur Fähre über die St. Anns Bay.
Auf dem Weg sahen wir wieder vereinzelt Häuser, die von einem Stern geschmückt waren. Das hatten wir auch schon gestern an der Westküste bei Chéticamp gesehen. Dort im Nordwesten der Insel, wie auch im Südosten leben die Akadier. Das sind Nachkommen aus dem Poitou, der Bretagne und der Normandie, die ihre französische Tradition bewahren konnten und eine Fahne in bleu, blanc und rouge haben, die mit einem Stern geschmückt ist. Dieser Stern bedeutet „Stella Maris“, d.h. Stern des Meeres. Besonders rund um Cheticamp war der Eindruck der Gebäude schon frankophil, was in der Boulangerie gipfelte, die wunderbare Backwaren anbot.
Wir übernachten in Seal Island, d.h.nördlich von Sydney. Von einem ersten Wildtier, einem Fuchs, wurden wir auch schon ins Visier genommen.

Meat Cove

Nachdem unsere Nachbarn bei MacLeod´s Beach Campsite uns am Sonntag Abend noch zu einer „Houseparty“ eingeladen hatten, auf der uns eindrucksvoll gezeigt wurde, wieviel Alkohol in so manchen Mann passt, waren wir doch beeindruckt, wie frisch sich diese heute morgen wieder zeigten. Nach einem kleinen Spaziergang am Strand mussten wir dann noch unsere Blog-Beiträge hochladen, was nicht überall gut gelingt.
Dann ging es frisch auf den Cabot Trail. Das Visitor Center in Chéticamp versorgte uns mit guten Ratschlägen und Kartenmaterial für den Cape Breton Highland National Park of Canada. Man hätte viele größere und kleinere Hikes abseits der Straße machen können. Wir haben uns auf die vielen Aussichtspunkte verlegt.
Die Straßenführung ist wirklich beeindruckend und man hat immer wieder schöne Ausblicke auf sich windende Küstenstraßen. Dann führt die Straße in die Berge und man sieht, wie sich das Laub langsam verfärbt. Eine Woche später sieht das bestimmt noch spektakulärer aus. Aber unser Ziel heute heißt Meat Cove. Das ist der nördlichste Punkt von Nova Scotia. Aus dem Park heraus fährt man bei Cape North immer nach Norden bis St. Margaret Village. Von dort geht eine Hoppelstaße in 20 Minuten nach Meat Cove. ATEMBERAUBEND. TOLL. AUSSERGEWÖHNLICH. Wir stehen mit drei anderen Campern oberhalb einer Steilküste. Unter uns nur Meer, Gischt und hohe Wellen, denn es ist sehr windig und mit 9 Grad Celsius auch nicht gerade warm. Der White Elefant wackelt ganz schön hin und her. Aber das Gefühl und diese Aussicht gibt es in keinem Hotel dieser Welt.

Dunvegan

Am Sonntag morgen hatten wir zunächst einmal eine Einheit Reparatur.
Eine defekte Birne für das Tagfahrlicht, der Ersatz war mit an Bord, erforderte das geballte Geschick von Mechaniker M. und Hilfsmechanikerin K. Der Austausch des Leuchtmittels selbst dauerte keine zwei Minuten, aber um an die Lampe zu kommen, musste das Führerhaus gekippt werden! Um das Führerhaus kippen zu können, muß zum einen der Bullfänger ebenso gekippt werden, ein piece of cake, und zum anderen der Faltenbalg zwischen Führerhaus und Aufbau mit seinen 18 Imbusschrauben gelöst werden, alles andere als einfach. Insgesamt haben wir gemeinsam 1,5 Stunden investieren dürfen. Es geht doch nichts über servicefreundliche Bauteile.

Dann noch schnell Wasser bunkern und Brauchwasser ablassen. Aber dann, so gegen 12.00 Uhr konnte es losgehen. In Port Hastings haben wir uns beim Tourist-Office mit Karten und Informationen versorgt. Entgegen unserem ursprünglichen Plan, Cape Breton gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden, sind wir auf Anraten mit dem Ceilidh Trail durch hügeliges Farmland und tollen Ausblicken auf das Meer gestartet. Dieser Weg führt beim Glenora Inn & Destille vorbei. Hier wird Single Malt Whisky hergestellt. Zu stolzen Preisen. Man kann an einer Führung teilnehmen, oder aber sich zum Lunch oder Dinner an gälischer Musik erfreuen. Haben wir beides nicht gemacht, irgendwie wirkte die Destille künstlich. Vielleicht lag es auch an dem schönen Wetter, da war uns auch nicht wirklich nach Whisky-Tasting. Aber wen man auch in der Umgebung fragt, empfiehlt die Destille aufs Wärmste.
Wir aber hatten noch eine schönen Nachmittag am Strand von Mac Leods Beach. Eine leichte Brise, Wellen, menschenleerer Strand und Sonnenschein. Einfach bombastisch. Unsere Nachbarn auf dem gleichnamigen Campground haben uns dann auch noch zu einer Partie „große Unterlegscheiben in einen Kasten werfen“ eingeladen. Zwei Mannschaften zu je 2 Personen versuchen mit den „washern“ zu treffen: man kann 3, 2 oder 1 Punkt pro Wurf erreichen. Die Mannschaft, die zuerst 11 Punkte geworfen hat, hat gewonnen. Mit einer Büchse Bier in der Hand, gab es echte Könner zu bewundern. Wir waren nicht darunter. Spaß gemacht hat es alle mal und mit Reisetipps wurden wir auch noch versorgt.

Sherbrooke

Bei bestem Herbstwetter machten wir uns auf den Weg nach Sherbrooke. Ziel war Sherbrooke Village, ein Dorf mit 30 historischen Gebäuden aus der durch Schiffsbau Fischfang und Holzindustrie begründeten Blütezeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Straße führt mal an malerischen Küstenabschnitten mit adretten und hübsch anzusehenden Häusern vorbei und mal an weniger gepflegten oder auch schon abgerissenen Mobilhomes. Rätsel aber gab uns ein Ort namens Marie Joseph auf. Für den Fotografen boten sich pitoureske Schiffswracks an einer Marina an. Aber auch viele aufgestapelte Hummerfallen ließen darauf schließen, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Ein Anschlag einer staatlichen Behörde an einem Pfahl im Hafen warnte eindringlich davor, Hummer, Schalentiere und Fisch aus dieser Region zu essen. Warum, stand natürlich nicht dort, aber das Ende einer Industrie ließ sich hier eindrucksvoll studieren.

Also fuhren wir weiter wie geplant nach Sherbrooke. Nachsaison. Nur wenige ließe sich locken. Aber der Shop, das Visitor-Center und das Café des Museumsdorfes waren geöffnet. So ließen wir es uns bei Sandwiches und German Apfelkuchen gut gehen, bevor wir uns einer Führung anschlossen. Die in einem Original-Kostüm gekleidete Lady zeigte uns den General Store, die Arztpraxis, das Gefängnis und die Kirche aus der Zeit nach 1850. Einmal mehr zeigt sich für Europäer, welchen großen Schatz an Geschichte wir haben, und wie stolz und engagiert man hier mit dem „Schätzchen“ an Geschichte umgeht.
Über Antigonish sind wir dann noch 90 km nach Linwood gefahren, um hier zu übernachten und morgen einen guten Start nach Cape Breton Island zu haben. Das erste Lagerfeuer gab es auch, die Jacken riechen jetzt schon mal gut nach Abenteuer.

Murphy’s Camping on the Ocean

Freitag, den 29. September 2017

Augen auf, Gardinen zur Seite und was sehen wir? Sonnenschein. Der Regen des gestrigen Tages wie weggeblasen. Ein erneuter Anruf beim Spediteur und ja, das Wohnmobil steht zur Abholung bereit. Jetzt muss Martin nur noch beim Zoll vorbeigehen und danach das Wohnmobil im Hafen abholen. Ich habe derweil noch einmal die Zitadelle von Halifax besucht. Von dort hat man einen schönen Blick über die Stadt und unterhaltsam ist es alle mal, wenn Studenten in historischen Kostümen Touristen die Anwendung von Vorderladern praktisch und mit lautem Getöse erklären.
Um 11.00 Uhr wurde ich dann mit dem „White Elephant“ beim Hotel abgeholt. Dann ging es erst einmal zum nächsten Supermarkt, um den Kühlschrank mit Lebensmitteln und Bier zu füllen. Als erstes Ziel haben wir uns Murphy´s Camping on the Ocean ausgesucht. Idyllisch gelegen stehen wir auf einer kleinen bewaldeten Landzunge und schauen aufs Meer. Zu tun gibt es nichts, außer am Lagefeuer zu stehen, die Aussicht zu genießen, frische Luft zu haben und wenn man könnte oder wollte vielleicht noch zu angeln oder Muscheln zu suchen. Aus bekannten Gründen fallen die beiden letzten Aktivitäten flach.

Donnerstag, den 28. September 2017

Augen auf, Gardinen zur Seite und was sehen wir? Regen. Regen um 8.00 Uhr, Regen um 12.00 Uhr, Regen um 15.00 Uhr, Regen um 18.00 Uhr. Aber um 20.00 Uhr, nachdem wir unseren „Frust“ bei einem Steak und einem Bier im Barrington bekämpft haben, konnten wir bei milden Temperaturen gemütlich zum Hotel spazieren. Eine Spezialität war übrigens Barrington Radler. Bier mit Wermuth und Saft. Trinkbar.😎
Eigentlich wollen wir ja schon in unserem WoMo sitzen, aber das Schiff hatte einen Tag Verspätung und lief erst Donnerstag morgen in Halifax ein. Jetzt hoffen wir, dass wir am Freitag alle Papiere bekommen, das WoMo auch ausgeladen wurde und der Zoll okay sagt.

Halifax 17 09 27

Am Dienstag, den 26.9.2017 sind wir abends in Halifax gelandet. Ein kleines Bier in der benachbarten Brauerei und dann erst einmal ins Bett. Halifax ist das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Provinz Novia Scotia. Etwa 390.000 Menschen leben hier, was 40 Prozent aller Menschen in Novia Scotia ausmacht und 15 Prozent der atlantischen Provinzen, die wir mit Neufundland und Labrador noch planen, zu bereisen.
Es gibt sechs Hochschulen mit über 30.000 Studenten. Das macht Halifax zu einer jungen Stadt mit einem Nachtleben und anständigen Kneipen.
Schön für einen Bummel an einem Tag sind die Zitadelle und der Uhrenturm. Very British, was nicht wundert, da ja die Briten Halifax gegründet haben. Dort in der Nähe entstanden auch die Fotos. Alt neben modern, verträumt neben geschäftig, irgendwie ist beides hier vertreten. Der Halifax Harbourwalk mit den kleinen Geschäften und Cafés ist schön restauriert, aber im touristischen Sinne auch Allerweltsware.