Seal Island

Tag der Deutschen Einheit, aber davon merkt man hier gar nichts.

Der Wind hatte sich über Nacht in Meat Cove gelegt, das Schaukeln im WoMo wurde immer weniger und als wir aufstanden, gab einen blauen Himmel, weniger Wind und eine immer noch schöne mit weißen Kämmen verzierte Brandung. Wir statteten dem Strand mit den vielen Steinmännchen noch einen Besuch ab und dann ging es zurück zum Cabot Trail. Über White Point zu Neil´s Harbour. Neben dem kleinen pittoreskem Hafen mit den Hummerbooten gibt es einen hübschen Leuchtturm, der inzwischen als Eisbude dient. Die Straße des nun nach Süden führenden Cabot Trails bietet teils atemberaubende Ausblicke. Man muss sich schon wirklich auf die Straße konzentrieren oder einen der vielen „Look outs“ anfahren. Die Mary Ann Falls sind über eine Schotterstraße mit vielen Schlaglöchern zu erreichen. Lohnt sich nicht wirklich, aber die Fahrt durch den sich verfärbenden Wald macht bei Sonnenschein natürlich etwas her.
In Ingonish Beach hielten wir vor einem Café. Sofort ging die Tür auf und es kamen zwei Hamburger, die eine Bäckerei in Blankenese betrieben, aus der Tür gestürmt. Sie waren zu einer Familienfeier in Kanada und freuten sich riesig, ein Auto mit Hamburger Wappen und Stadtansicht zu sehen. So sind wir Hamburger eben in der Fremde. Fast gleichzeitig stoppte ein ähnliches Wohnmobil, wie wir es haben. Darin saßen ein Paar aus der Schweiz, die nun in der letzten Woche ihres vierjährigen (!) Trips durch Südamerika, Mittelamerika, Nordamerika und Kanada waren. Die Passage zurück von Halifax nach Hamburg war gebucht und so hatten wir noch ein paar Minuten eine nette Unterhaltung. Zum Schluss kam noch ein mit französischen Akzent deutsch sprechender Akadier um die Ecke, der in seinen jungen Jahren mit der Armee als Dolmetscher in Deutschland arbeitete.

Danach ging es weiter südwärts am Cape Smokey vorbei zur Fähre über die St. Anns Bay.
Auf dem Weg sahen wir wieder vereinzelt Häuser, die von einem Stern geschmückt waren. Das hatten wir auch schon gestern an der Westküste bei Chéticamp gesehen. Dort im Nordwesten der Insel, wie auch im Südosten leben die Akadier. Das sind Nachkommen aus dem Poitou, der Bretagne und der Normandie, die ihre französische Tradition bewahren konnten und eine Fahne in bleu, blanc und rouge haben, die mit einem Stern geschmückt ist. Dieser Stern bedeutet „Stella Maris“, d.h. Stern des Meeres. Besonders rund um Cheticamp war der Eindruck der Gebäude schon frankophil, was in der Boulangerie gipfelte, die wunderbare Backwaren anbot.
Wir übernachten in Seal Island, d.h.nördlich von Sydney. Von einem ersten Wildtier, einem Fuchs, wurden wir auch schon ins Visier genommen.

Sherbrooke

Bei bestem Herbstwetter machten wir uns auf den Weg nach Sherbrooke. Ziel war Sherbrooke Village, ein Dorf mit 30 historischen Gebäuden aus der durch Schiffsbau Fischfang und Holzindustrie begründeten Blütezeit in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Straße führt mal an malerischen Küstenabschnitten mit adretten und hübsch anzusehenden Häusern vorbei und mal an weniger gepflegten oder auch schon abgerissenen Mobilhomes. Rätsel aber gab uns ein Ort namens Marie Joseph auf. Für den Fotografen boten sich pitoureske Schiffswracks an einer Marina an. Aber auch viele aufgestapelte Hummerfallen ließen darauf schließen, dass hier etwas nicht in Ordnung ist. Ein Anschlag einer staatlichen Behörde an einem Pfahl im Hafen warnte eindringlich davor, Hummer, Schalentiere und Fisch aus dieser Region zu essen. Warum, stand natürlich nicht dort, aber das Ende einer Industrie ließ sich hier eindrucksvoll studieren.

Also fuhren wir weiter wie geplant nach Sherbrooke. Nachsaison. Nur wenige ließe sich locken. Aber der Shop, das Visitor-Center und das Café des Museumsdorfes waren geöffnet. So ließen wir es uns bei Sandwiches und German Apfelkuchen gut gehen, bevor wir uns einer Führung anschlossen. Die in einem Original-Kostüm gekleidete Lady zeigte uns den General Store, die Arztpraxis, das Gefängnis und die Kirche aus der Zeit nach 1850. Einmal mehr zeigt sich für Europäer, welchen großen Schatz an Geschichte wir haben, und wie stolz und engagiert man hier mit dem „Schätzchen“ an Geschichte umgeht.
Über Antigonish sind wir dann noch 90 km nach Linwood gefahren, um hier zu übernachten und morgen einen guten Start nach Cape Breton Island zu haben. Das erste Lagerfeuer gab es auch, die Jacken riechen jetzt schon mal gut nach Abenteuer.

Murphy’s Camping on the Ocean

Freitag, den 29. September 2017

Augen auf, Gardinen zur Seite und was sehen wir? Sonnenschein. Der Regen des gestrigen Tages wie weggeblasen. Ein erneuter Anruf beim Spediteur und ja, das Wohnmobil steht zur Abholung bereit. Jetzt muss Martin nur noch beim Zoll vorbeigehen und danach das Wohnmobil im Hafen abholen. Ich habe derweil noch einmal die Zitadelle von Halifax besucht. Von dort hat man einen schönen Blick über die Stadt und unterhaltsam ist es alle mal, wenn Studenten in historischen Kostümen Touristen die Anwendung von Vorderladern praktisch und mit lautem Getöse erklären.
Um 11.00 Uhr wurde ich dann mit dem „White Elephant“ beim Hotel abgeholt. Dann ging es erst einmal zum nächsten Supermarkt, um den Kühlschrank mit Lebensmitteln und Bier zu füllen. Als erstes Ziel haben wir uns Murphy´s Camping on the Ocean ausgesucht. Idyllisch gelegen stehen wir auf einer kleinen bewaldeten Landzunge und schauen aufs Meer. Zu tun gibt es nichts, außer am Lagefeuer zu stehen, die Aussicht zu genießen, frische Luft zu haben und wenn man könnte oder wollte vielleicht noch zu angeln oder Muscheln zu suchen. Aus bekannten Gründen fallen die beiden letzten Aktivitäten flach.

Donnerstag, den 28. September 2017

Augen auf, Gardinen zur Seite und was sehen wir? Regen. Regen um 8.00 Uhr, Regen um 12.00 Uhr, Regen um 15.00 Uhr, Regen um 18.00 Uhr. Aber um 20.00 Uhr, nachdem wir unseren „Frust“ bei einem Steak und einem Bier im Barrington bekämpft haben, konnten wir bei milden Temperaturen gemütlich zum Hotel spazieren. Eine Spezialität war übrigens Barrington Radler. Bier mit Wermuth und Saft. Trinkbar.😎
Eigentlich wollen wir ja schon in unserem WoMo sitzen, aber das Schiff hatte einen Tag Verspätung und lief erst Donnerstag morgen in Halifax ein. Jetzt hoffen wir, dass wir am Freitag alle Papiere bekommen, das WoMo auch ausgeladen wurde und der Zoll okay sagt.