Der Morgen begann sonnig und für mich recht früh, weil ich unbedingt vor dem Frühstück einen Spaziergang am Pazifik unternehmen wollte. Es war kurz vor auflaufendem Wasser und ich konnte den Strand bis zu den im Halbrund vor der Bucht installierten Wellenbrechern erkunden. Und zu meiner großen Freude schwammen vor den Wellenbrechern eine Gruppe Seehunde auf und ab, die mich genauso neugierig betrachteten, wie ich sie.
Später, als ich zusammen mit Martin von einem höheren Punkt aus die inzwischen vollgelaufene Bucht erneut in Augenschein nahm, waren auch die Seehunde dort eingefallen, um die Fische, die es nicht rechtzeitig ins offene Meer geschafft haben, ganz gemütlich im relativ flachen Gewässer zu fressen. Schlaue Tiere. Danach hieß es leider Abschied nehmen von der wirklich schönen Oregon Coast.
Denn wir wollen bis Donnerstag in Los Angeles sein, um dort unsere Hannah zu treffen. Das bedeutet mal eben 1.500 km Highway #5. Diese Autobahnen sind auch nicht viel interessanter als in Deutschland. Ab Grants Pass ging es mit langen Auf- und Abfahrten durch das Gebirge. Die Zeit habe ich mir mit dem Studium der für Amerika typischen Werbetafeln vertrieben, die für alle Arten von Schnellimbiss warben, ebenso wie für den Dardanellen Campingplatz oder die Figaro Pizza. Baustellen werden immer mit folgendem Spruch eingeleitet: „Your tax dollar at work“. Vielleicht als Idee für Deutsche Autobahnbaustellen.
Dann überschritten wir die Grenze zu Kalifornien. Jedes Auto wurde angehalten und nach mitgebrachten Früchten befragt. Man darf nämlich keine Äpfel oder Orangen einführen. Die wandern an Ort und Stelle in den Müll, auch wenn ihr Tag anzeigt, dass sie ursprünglich aus Kalifornien stammen. Da kann man nur staunen.
Im Visitor Information Center wurden wir wie immer nett mit Informationen ausgestattet. Internet gab es zwar keines, denn der freundliche Herr dort hatte das Passwort vergessen. Kommt vor. Ich kenne das Problem.
Die Landschaft wurde zur Ebene, zur Prärie und ganz in der Ferne konnte man den schneebedeckten Mount Shasta sehen, was irgendwie merkwürdig war, angesichts von Temperaturen jenseits der 30 Grad Celsius. Etliche LKWs und Transporter fuhren an uns vorbei, die wir am Berg bald wieder überholten und ein Lieferwagen von Food and Friends – Senior Meals Programm fiel mir irgendwie auf. Es gab etliche kleine Brücken über Bear Creeks. Vielleicht sollte man mal die Namen der Creeks überdenken. Und immer wieder gab es Hinweise auf War Memorials, als ein Ausdruck von Nationalstolz wie auch die Hinweise auf „We honour veterans“.
Wir übernachten heute in Reddings. Als wir schon im Dunkeln auf den Platz fuhren wurden wir von einer Frau angesprochen, die zu Beginn der 50er Jahre als junges Mädchen mit ihren Eltern von Gelsenkirchen nach Amerika ausgewandert ist. Sie sprach noch erstaunlich gut Deutsch und sie und ihr Mann erzählten uns von dem merkwürdigen roten Bus, den sie hier kürzlich gesehen hatten, aus dem 20 Personen ausgestiegen sind, die offensichtlich dort drin geschlafen hatten. Wir konnten ihren Beobachtungen einen Namen geben: Rotel Tours.