Und noch ein Statepark: Palo Duro Canyon State Park

Nach einer ruhigen und sternenklaren Nacht sind wir heute von der Sonne geweckt worden. Ein kurzer Plausch noch mit dem Host-Ehepaar und schon sind wir los. Tagesziel heute war Amarillo. Von Quanah über Childress ging es zunächst nach Clarendon. Dort entdeckten wir ein kleines Schild mit dem magischen Wort „Espresso“. Also rechts ran und dann gab es bei schönstem Sonnenschein mit Blick auf die Dorfstraße Cappuccino und Internet. Glückstreffer. Auf der Karte sehen die Entfernungen gar nicht so dramatisch aus. Aber 300 km durch Baumwollfelder ziehen sich einfach hin. Und zwischendurch gibt es manchmal so gar nichts, an dem sich das Auge festhalten kann. Uns war gar nicht bewusst, wie viele Eisenbahnstrecken für den Gütertransport es in den USA gibt. Entlang der US287 führt eine Eisenbahntrasse und mehrmals sahen wir ewig lange Züge, die von bis zu drei Loks gezogen wurden. Die meisten Züge waren mit Containern beladen, die zu den großen Reedereien dieser Welt gehören.
In Amarillo waren wir noch einkaufen. Normalerweise meiden wir ja Walmart, aber in Texas ist das wohl der Laden der Wahl. Hier in Amarillo ist das Angebot schon stark an die mexikanisch stämmige Bevölkerung ausgerichtet, was in Bezug auf das Fleisch und das Gemüse von Vorteil ist. Schon die Auswahl an Chilischoten war bemerkenswert.

Wir stehen heute Nacht im Palo Duro Canyon State Park. Dieser Park ist größer als der Copper Breaks State Park, in dem wir gestern waren und der Canyon ist auch beeindruckend. Wir stehen nun unten im Canyon neben einem Bach, der bei Regen bedenklich anschwellen kann. Von unserem „Schlafzimmerfenster“ schauen wir nach oben auf einen Felsen und wir können uns gut vorstellen, wie oben die Bösen stehen und uns unten belauern. John Wayne hat diese Situation immer so aufgelöst, dass er im Rücken einen Bach hatte und so die Feinde immer vor sich. Der rote Sandstein der Felsen sieht bei Sonnenuntergang natürlich besonders gut aus. Es gibt hier mehrere Trails, von denen der bekannteste der Lighthouse Trail ist, der zu einer Felsnadel führt. 2,72 Meilen einfach und man wird mehrfach ermahnt, auf alle Fälle genügend Wasser dabei zu haben. Heute waren wir zu spät hier, denn um 17.30 Uhr ist Sonnenuntergang. Ob wir morgen dabei sind? Fraglich.
Die Hälfte des Stateparks ist zur Zeit gesperrt, da Hunting-Woche ist und man Angst um die harmlosen Wanderer und Mountainbiker hat. Letztere dürfen sich in einem bleifreien Habitat bewegen. Danke.
Übrigens ist der Palo Duro Statepark der zweitgrößte Canyon in den USA.

Copper Breaks State Park

Bei bleigrauem Wetter und Nieselregen sind wir heute in Roanoke gestartet. Unser erstes Ziel auf dem Highway 287 war Wichita Falls. Wir brauchten dringend Internet, um unseren Blog wieder zu füttern. Also ab zu Starbucks. Vorher aber sind wir durch downtown Wichita Falls gefahren. Ich hatte gehört, dass der Stadtrat Anfang 2017 beschlossen hatte, die Innenstadt zu revitalisieren. Und ja, es gibt genügend nette alte Backsteingebäude, in die Geschäfte, kleine Büros, Restaurants und Cafés einziehen könnten. Aber wie wir es schon in vielen kleinen Städten gesehen haben, gelingt das manchmal großartig, wie in DeLand und manchmal aber auch gar nicht. Was bestimmt auch daran liegt, dass Geschäfte des täglichen Lebens eher näher an die Highways gebaut sind, denn an ehemalige Innenstädte. Hier in Wichita Falls sieht man vielversprechende Ansätze und wie überall auf der Welt hängt ein Gelingen auch sehr von jungen Leuten ab, die wie hier in einem mit kunterbunten gebrauchten Möbel eingerichteten Café saßen und dieses Projekt bestimmt nach vorne bringen.
Hinter Wichita Falls führt der Highway durch endlose Baumwollfelder. Die geerntete Baumwolle steht in sehr großen, mit Folie abgedeckten Blöcken auf dem Feld und wartet auf den Abtransport. Und dann gab es den Ort mit dem schönen Namen Elektra. Und hinter Elektra ist das Land bretteleben und man sieht unzählige Windräder. Fast wie auf Eiderstedt. Und im Vordergrund bewegen sich die Förderanlagen von Öl, wie man sie noch aus der Serie „Dallas“ kennt.
Unser Platz zum Schlafen ist heute der Copper Breaks State Park bei Quanah. Ein sehr schön in der Prärie angelegter Park. Wir stehen auf einer kleinen Hochebene, denn der Boden rund um den Campground ist erodiert und man sieht auf kleine Seen und Felsenabrisse. Zu jedem Platz gehört ein stilisierter Wigwam aus Holz. Mit dem Host stehen hier drei Wohnmobile. Eine Ruhe wie in St. Peter-Ording. Man hört NICHTS, außer in der Ferne ab und zu einen Coyoten. Dieser Platz gilt als einer von der International Dark Sky Association sehr dunkel bewerteter Platz. Man kann also wunderbar Sterne gucken. Und das ganze für 22 Dollar.
Eben war ich noch einmal draußen. Die Sterne funkeln bemerkenswert. Die Milchstraße grüßt und der Platz ist so dunkel, dass man ohne Taschenlampe gar nichts sieht. Das sind dann die ganz besonderen Momente dieser Reise.

Dallas

Manchmal freuen wir uns wieder auf zu Hause. Auch wenn wir wirklich vielen aufrichtig freundlichen und hilfsbereiten Menschen in diesem Land begegnet sind, nervt die grottige Qualität des Internets nachhaltig. Außer bei Starbucks und McDonalds kann man nirgendwo garantieren, dass es ein stabiles Netz gibt, über das darüber hinaus noch mehr als ein Bit pro 30 Minuten transportiert wird. Mit dieser Netzqualität braucht man über eine Landung auf dem Mars nicht weiter nachdenken. Und selbst wenn es die Astronauten dorthin schaffen sollten, die Meldung darüber auf die Erde würde nach heutigen Internetstandards LICHTJAHRE dauern.
So, genug gemeckert.
Denn sonst war der Tag wirklich ganz nett. Wir haben uns im Welcome Center des Staates Texas mit Kartenmaterial und Reiseinformationen eingedeckt und dann ging es nach Dallas. An den Interstates, sprich Autobahnen gibt es bei jedem Eintritt in einen neuen Bundesstaat ein Welcome Center, das Reisende mit Informationen über das jeweilige Land informiert.
Unser Ziel war das Nasher Sculpure Center. Hier, umgeben von Wolkenkratzern liegt ein kleiner Garten, der im Aussenbereich schöne Plastiken u.a. von Rodin, Alexander Calder und George Segal präsentiert. Im Inneren des Centers gab es eine Ausstellung von Tom Sachs mit dem Namen „Tea Ceremony“. Das Wetter war sehr schön und bei 18 Grad Celsius haben wir im Garten Platz genommen und einen Kaffee getrunken. Eintritt war heute übrigens frei, weil Target heute für alle bezahlt. Es wäre ähnlich, als ob Karstadt Den Eintritt in die Kunsthalle übernähme.
Danach sind wir zu Wild Bill´s spaziert. Ich brauche ein Paar neue Schuhe, nachdem ich meine heute morgen vor der Treppe des Wohnmobils habe stehen lassen und wir einfach losgefahren sind. Dort, bei Wild Billˋs hat sich Martin vor 5 Jahren ein Paar Westernboots gekauft, die er auch heute spazieren trug. Wenn nicht hier, wo dann. In dem überaus sehenswerten Laden wurde er auch gleich auf seine Boots angesprochen. Ich selbst habe auf einem Sessel Platz genommen, dessen Lehnen aus Kuhhörnern gefertigt waren und der Bezug selbstverständlich mal eine Kuhhaut war. Aber hierher passte er wirklich. Leider hatten sie für mich keine Boots, aber nun bin ich Besitzerin eines mit silbernen Elementen verzierten Westerngürtels. Auch schick. Leider liegt der Laden in einer Ecke von Dallas, die, um es vorsichtig zu formulieren, nicht mehr zu den schicksten gehört. Vor fünf Jahren, dass wir schon einmal hier waren, konnte man Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte in den renovierten Lagerhäusern der Umgebung besuchen. Das Konzept hat aber leider nicht verfangen, was für so tolle Läden wie Wild Bill´s schade ist.
Wir stehen heute Nacht in Roanoke, kurz hinter Dallas. Schön ruhig, aber so ruhig, dass es eben leider auch kein Internet gibt.

Bible Belt

Vom River View Park and Resort in Vidalia, am Mississippi gegenüber von Natchez sind wir heute weiter nach Nordwesten gefahren. Ein letzter Blick zurück auf den großen Strom und seine beeindruckenden Schubschiffeinheiten, weiter flussabwärts gab es eine größere petrochemische Anlage von BASF und schon fühlte ich mich zurück nach Mannheim/Ludwigshafen und den Rhein erinnert.
Aber schon ein paar Kilometer weiter war klar, das hier ist der berühmte Bible Belt der USA. Man fährt durch landwirtschaftliche Gebiete (Baumwolle, Mais, Soja) und durch Orte, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Man sieht einzelne schöne Farmhäuser, aber auch viele abgerissene Mobile-Homes. Bei letzteren erschreckt die Menge an Müll und Schrott, die sich um diese Häuser ansammeln. Immer picobello dagegen sind die Kirchen. Auf eine Strecke von knapp 80 Meilen bis nach Monroe haben wir bestimmt 100 größere und kleinere Kirchen gesehen. Catholic Church, Methodisten und Pentecoastals, letztere gehören den Pfingstgemeinden an. Wir haben überlegt, wie es sein kann, dass diese gepflegten Kirchen neben so vielen abgerissenen Wohnhäusern existieren. Die Antwort wurde uns später bei Duck Commander geliefert.
Duck Commander, wer kennt sie nicht? Das sind ein paar wilde Jungs, die Entenlockpfeifen erfunden haben und inzwischen die Welt an ihrem Leben teilnehmen lassen. Bärte, Camouflagekleidung und wilde Sprüche. Wir haben uns in ihrem Laden in West Monroe, Mississippi, umgesehen und sind mit zwei Verkäufern ins Gespräch gekommen.
Zunächst wurden uns die Vorzüge der Entenlockpfeifen live vorgeführt, sodass wir um einen Kauf derselben nicht herumkamen. Allerdings das Basic-Modell für 10 Dollar. Die in der Ausführung luxuriöseren Modelle kosteten bis zu 250 Dollar. Aber auch mit denen kommt nur eine Ente und kein Elch aus dem Gebüsch. Auf die Frage, ob denn der Laden 7 Tage die Woche geöffnet sei, kam die Antwort „Not on Sunday“. An diesem Tag sind die Leute busy, nämlich in der Kirche. Und beide erzählten uns nun von Bibelstunden, an denen sie teilnähmen und dass an jedem Sonntag die Kollekte unterschiedliche Bestimmungen hat. Unterstützung der Bedürftigen in der Gemeinde, Unterhalt oder Bau des Gotteshauses, Unterstützung weltweit bei Katastrophen, Bildung, Missionarsarbeit und vieles andere mehr. Sie erzählten, dass ihre Gemeinde 1000 Mitglieder habe und dass an dem Sonntag, an dem für die weltweiten Katastrophen gesammelt wurde, 120.000 Dollar zusammen kamen. Die Aufgabe der Gemeinde sei zum einen die Erbauung, aber zum anderen auch die Organisation des gesellschaftlichen Lebens.
Nach diesem erbauenden Einkauf fuhren wir auf der Interstate 20 weiter nach Shreveport/Bossier City. Bossier City lebt von Spielcasinos. Wir stehen heute Nacht auf einem Platz, der zu einem dieser Casinos gehört und ziemlich preiswert ist. Ich weiß ja nicht so genau, ob „der Lord“ es gerne sieht, wenn die Menschen sich dem Glücksspiel hingeben, aber sei es drum, wir haben uns dann in dem Spielcasino umgesehen. Jetzt bin ich kein Experte, aber hier spielten auch diejenigen, die das Geld besser in Kleidung, ein neues Dach oder den Friseur investiert hätten. In dem Spielsaal stehen jede Menge einarmige Banditen, ähnlich wie auf deutschen Autobahnraststätten, wo man gegen Einsatz von mindestens 25 Cent pro Spiel darauf hoffen darf, dass drei gleichzeitig erscheinende Erdbeeren, Kirschen oder Apfelsinen einen kleinen Gewinn anzeigen, der auf einen noch größeren hoffen lässt. Vor den Geräten sitzen Menschen aller Couleur, die das Warten auf den großen Kick verbindet. Dann gab es noch eine Roulette-Tisch, ein paar Black-Jack-Tische und sonstige Spieltische, die aber nur mäßig besetzt waren. Man hätte Stunden damit zubringen können, die Leute dort zu beobachten, aber dass mögen Spieler verständlicherweise nun mal nicht und so war unser Besuch eher kurz. Aber wir wissen ja nun, dass der Gewinn am Sonntag in die Kollekte fließt.

Natchez

Heute morgen hatten wir strahlenden Sonnenschein und 3 Grad Celsius in Biloxi, Mississippi. Der Himmel blau und die Luft so klar, wie an schönen Wintertagen in St. Peter-Ording. Der Sand weiß und von einer ganz feinen Konsistenz und niemand dort.
Auch wenn es verlockend gewesen wäre dort zu bleiben, wir wollen nach Westen. Also haben wir uns als Ziel für heute Natchez am Mississippi ausgesucht. Der Name Mississippi ist übrigens abgeleitet von Missi (groß) und Sipi (Fluß). In Natchez selbst stehen viele schöne Antebellum-Häuser und die Hauptstraße Downtown ist schön restauriert und man findet dort viele Einrichtungsläden und Restaurants. Wir waren heute gegen 16.30 Uhr dort und leider wirkte es wie ausgestorben, was bestimmt auch daran lag, dass es für hiesige Verhältnisse arktisch kalt ist.

Wir stehen nun auf der Natchez gegenüberliegenden Uferseite des wirklich breiten Mississippi in erster Reihe mit Blick auf die den Fluss überspannende Brücke. Neben der historischen Altstadt von Natchez gäbe es später im Jahr das Opera-Festival, Mardi Gras und The Great Mississippi Balloon Race. Mardi Gras ist im Februar, aber schon jetzt fangen die Umzüge an. Ähnlich wie in Köln, wo der Karneval auch schon im November beginnt.

Biloxi

Schon wieder war es ganz schön kalt heute Nacht. Auf dem Campground hatten sie das Wasser abgestellt, aber wir hatten noch genug in unserem Tank, um zu Duschen und Kaffee zu kochen.
Danach ging es auf die Autobahn. Hinter Pensacola haben wir dann Florida verlassen und sind nach Alabama gekommen. Da wir schon einmal eine Südstaatentour gemacht haben, durchquerten wir diesen Staat und haben auch nicht in Mobile Halt gemacht. Danach kommt Mississippi. Hier statteten wir dem Visitor-Center an der Staatsgrenze einen kurzen Besuch ab, bevor wir unser Tagesziel Biloxi ansteuerten. Auch in Biloxi waren wir während unserer Südstaatentour vor ein paar Jahren. Damals konnte man noch viele vom Wirbelsturm Katrina leergefegte Grundstücke erkennen. Das hat sich nun stark gebessert. Biloxi lebt stark von den Spielkasinos, die es hier gibt und die mit den dazugehörigen Hotelkomplexen den Ort beeinflussen.

Unser Ziel aber war das von dem Stararchitekten Gehry gestaltete Ohr-O`Keefe Museum of Art. Das Gebäude ist 2010 fertig gestellt worden und trägt den schönen Namen „Dancing with the trees“. Mehrere kleine, traditionelle und futuristisch anmutende Gebäude sind um die dort stehenden großen lebenden Eichen herum arrangiert. Diese Gebäude sind unterschiedlich hoch und stehen in Kommunikation mit den Bäumen. Jedes der Gebäude kann unterschiedliche kleinere Ausstellungen aufnehmen, wobei die Werke von George Ohr gesetzt sind. George E. Ohr (1857-1918) war ein Keramiker, der von sich selbst als „Mad Potter of Biloxi“ sprach. Zwei der Pavillons waren mit Keramiken von George E. Ohr und Paul Andrew Wandless bespielt, in einem waren 10 historische und gut restaurierte Motorräder ausgestellt. Warum Motorräder? Warum nicht? Die einzelnen Pavillons werden von den ortsansässigen Casinos finanziell unterstützt. Leider waren nicht alle der Pavillons mit einer Ausstellung bespielt. Das ist schade, wenn so tolle Gebäude leer stehen. Aber Ausstellungen kosten Geld. Und Biloxi wirkt nicht so, als ob es in Geld schwimmt. Besonders gut aber haben uns die Museumsangestellten gefallen, die uns in den Pavillons etwas über die Ausstellung erzählt haben. Sie sind Volunteers und machen ohne Bezahlung einen tollen Job.

Nach der Kunst haben wir noch den Fliegenbaum besucht. Rund um eine große Eiche ist auf ca. 1.50 m rundherum eine kleine Terrasse aufgebaut. So kann man schön im Schatten sitzen und wird nicht von Fliegen und den fiesen No-Sees aufgefressen, da diese sich in Bodennähe aufhalten. Wie böse diese Biester beißen, haben wir schon selbst auf einigen Campgrounds in Florida erfahren.

Wir übernachten nun in Biloxi in Strandnähe. Bei „Slap ya Momma`s Barbeque“ haben wir zu Abend gegessen. Lecker Rippchen und smoked Chicken und dazu ein Bier. Wie gut, dass wir nach dem Essen zurück einen kleinen Verdauungsspaziergang hatten.

On the road again

Es war heute Nacht richtig kalt. Die Heizung lief die ganze Nacht. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Da es auch tagsüber nicht über 9 Grad Celsius werden sollte, beschlossen wir, einen Fahrtag einzulegen. Dabei wurde mir mal wieder bewusst, wie groß Florida ist. Wir starteten in Chiefland und fuhren auf dem Highway 27 bis kurz vor Tallahassee. Hier fährt man an so unbedeuteten Orten wie Oldtown, Salem, Athen und Perry vorbei.
Zu sehen gibt es ein Sammelsurium von Tankstellen, Walgreens, Kirchen, Häusern, Wäldern und Schildern. Wenn wir Zeit hätten investieren wollen, wären wir in einige National Forest Parks gefahren. Aber so ließen wir das Zivilisationseinerlei an uns vorbeifliegen. Dann ging es weiter auf die Interstate 10 bis nach DeFuniak Springs.
Hier stehen wir nun auf dem TwinLakesCampResort.com. Ein sehr schön angelegter Platz mit Pool (bibber) und Billardtisch (schon besser). Wir haben eine Runde Billard gespielt, nebenher ein bisschen gewaschen und festgestellt, dass wir schon in einer anderen Zeitzone sind. Ab jetzt beträgt der Zeitunterschied nach Hamburg nicht mehr 6, sondern 7 Stunden.
Das Land ist einfach riesengroß. Das wurde uns heute mal wieder bewusst. Von Key West bis Pensacola also vom südlichsten bis zum westlichsten Punkt Floridas sind es 789 Meilen, das sind rund 1.300 Kilometer. Wir haben also noch eine Strecke vor uns, bis wir in Kalifornien sind.

Mermaids

Heute hatten wir ein festes Ziel. Den Weeki Wachee Springs State Park. In diesen Quellen findet man keine Manatees, sondern Meerjungfrauen. Dort schwimmen sie seit 1947. Hier wollte ich auf alle Fälle hin. Leider hat es einen gewaltigen Temperatursturz gegeben. Als wir auf den Parkplatz des State Parks einführen, waren es noch geschmeidige 9 Grad Celsius. Der Eintritt ist überschaubar mit 13 Dollar. Im zugehörigen Souvenirshop gibt es Puppen und Kostüme, Schlüsselanhänger und allerlei Nippes in Form der Seejungfrauen. Das Originalkostüm (Mermaid Skin und Mermaid Monofin) kostet $ 129,95, erhältlich in den Kindergrößen und den Erwachsenengrößen XS und SM. Sie verschicken auch.
Die Show verläuft folgendermaßen: Man sitzt vor dem halbverglasten Becken, welches zunächst von einem Theatervorhang verhüllt ist. Dann geht es los und in unserem Fall konnten wir einer Probe der „Kleinen Meerjungfrau“, einem Märchen von Andersen zusehen. Heute trainierten die beiden Darstellerinnen der Hauptfigur und sie zeigten, wie man mit dem Fischschwanz schwimmen und tanzen kann. Sie haben dabei immerzu einen langen Schlauch in der Hand, durch den sie mit Sauerstoff versorgt werden. Das Becken ist mit kristallklaren Wasser gefüllt und der Boden ist ein wenig dekoriert, wie es früher in unserem Aquarium. Im Hintergrund schwebt ein großes Seepferdchen aus Plastik und in eine Ecke steht eine männliche Statue, griechischen Stils. Besonders nett fanden wir auch, dass durch die Szenerie Fische ganz unberührt von der Show, den Bewegungen und der Musik schwimmen.
Mir hat es sehr gefallen, auch wenn die Idee vielleicht etwas in die Jahre gekommen ist und die Aufführung nicht sehr tief schürfend ist. Leider war der dazugehörige öffentliche Schwimmbereich geschlossen. So konnten wir noch einen Blick auf das extrem klare Wasser werfen, dass um einiges wärmer war als die Außentemperatur, was man an den Nebeln sehen konnte.

Da wir ja nun nach Kalifornien wollen, müssen wir langsam wieder ein paar Kilometer machen und so fuhren wir noch zwei Stunden weiter nach Westen. Hier stehen wir nun im Manatee Springs State Park in einem Ort mit dem bemerkenswerten Namen Chiefland. Auch hier gibt es warme Quellen (22 Grad Celsius), in denen man schwimmen darf. Allerdings ist uns bei nun nur noch 3 Grad Celsius Aussentemperatur nicht so richtig danach. Vielleicht morgen. Heute ist uns nach einem netten Abendessen und so serviert „Chez Katrin“ heute Gulasch mit Kartoffelklössen und Rote Beete Salat. War echt lecker.

Silvester

Zunächst einmal wünschen wir allen unseren Lesern für das Jahr 2018 alles Gute, viel Gesundheit und Zufriedenheit. Und allen, die besondere Wünsche haben, denen drücken wir ganz fest die Daumen, dass diese in Erfüllung gehen.

Martin und ich sind nun wieder unterwegs. Wir haben Weihnachten mit unseren Kindern in Cape Coral verbracht und das war wirklich sehr schön.
Cape Coral ist auf dem Reißbrett entstanden, Straßen die im rechten Winkel zueinander führen und dazwischen Straßen und Kanäle, an denen mehr oder weniger schöne und teure Villen stehen. Wir hatten den Eindruck, dass besonders viele deutsche Snowbirds sich in Cape Coral den Traum eines Hauses in Florida erfüllt haben. Davon zeugt nicht zuletzt das Clubhaus des German-American-Clubs, an dem wir vorbeifuhren und dass in seiner bajuwarischen Gemütlichkeit auf uns ein wenig befremdlich wirkte.
Von Cape Coral haben wir mit der Familie ein paar kleine Ausflüge gemacht nach Matlacha, Sanibel Island, Fort Myers Beach und nach Naples.
Nach der Pause sind wir zum Lake Okeechobee in Zentralflorida gefahren. Von Cape Coral aus fährt man durch landwirtschaftliches Gebiet. Es gibt große Weiden mit Rindern und viele Orangenhaine. Die Straße führt kilometerlang kerzengrade durch die Pampa. In Arcadia haben wir bei Publix ein Regal mit deutschen Produkten entdeckt: Sauerkraut, Senf und Knödel, Rittersport-Schokolade und Pumpernickel, um nur einige Produkte zu nennen.
Weiter ging es durch bis nach Okeechobee. Von dort haben wir einen Abstecher nach Miami gemacht, da Hannah zum Flughafen musste. Die Strecke führte die ganze Zeit am Ostufer des Sees entlang, den man aber wegen der Eindeichung nicht sehen kann. Diese Tour entlang der Orte Port Mayaca, Pahokee und Belle Glade hat uns die Augen geöffnet, dass Florida nicht nur Strand, schöne Häuser, Golf, Sonne und Orangensaft bedeutet. Hier gab es wirklich abgerissene Häuser, Social Housing der ärmsten Art, einige Gefängnisse und einen Platz, wo vom LKW aus „free food“ in Kartons an die Wartenden ausgeteilt wurde. Weiter südlich von Belle Glade, entlang der 27 wird Zuckerrohr im industriellen Maßstab angebaut. Und wenn diese Pflanze geerntet wird, braucht man nur die Stengel. Die Blätter und der Rest der Pflanze werden beim Ernten verbrannt, sodass über dem Highway dichter Rauch stand.
Von Miami zurück nach Okeechobee sind wir über die empfehlenswerte 710 über Indiantown gefahren. Auf dem Campground gab es eine Kneipe mit Livemusik und zwei Budweiser für 5 Dollar. So haben wir den Tag gemütlich ausklingen lassen.
Heute morgen sind wir noch einmal an eine schöne Angelbrücke des Lake Okeechobee gefahren.
Von dort ging es weiter nach Lake Placid, Sebring und Lake Wales bis nach nach Tampa. Auch hier kommt man über große Strecken an Orangenhainen entlang. Auf dem Parkplatz von WinnDixie stand ein Bus von Mexikanern neben uns. Der Busfahrer erzählte, dass die Mexikaner 6 Monate im Land bleiben und Orangen pflücken. Danach geht es zurück. Und dann kommen sie wieder für weitere 6 Monate und so fort.
Wir stehen jetzt in Tampa und ab 21.00 Uhr soll es hier Tanz geben und „Champagne“. Die Böller hört man wie überall auf der Welt schon seit ein paar Stunden. Ansonsten haben wir welchen kalt gestellt und unsere Linsensuppe gegessen, damit im nächsten Jahr das Geld nicht ausgeht.