Edmundson

Als wir heute aufwachten, regnete es in Strömen und vom Meer zog ein dicker Nebel herein. Wir fuhren noch ca. 30 Kilometer am St. Lorenz-Strom vorbei nach Rivière-du-Loup. Dabei fuhren wir an Bauernhöfen vorbei, an abgeernteten Feldern und durch das Dorf Cacouna. Ein Bilderbuchdorf. Eine Allee von bunten Ahornbäumen (hier ist der Herbst noch in vollem Gange) und dahinter wunderschöne bunte Holzhäuser mit umlaufenden Terrassen und schön geschwungenen Dächern. Die meisten Häuser waren schön herbstlich dekoriert und dort, wo es offensichtlich Kinder gibt auch schon für Halloween geschmückt. Überhaupt ist die Küste von Matane bis Quebec sehr schön, ländlich, am Meer gelegen und für die Frankophonen unter uns eine echte Alternative zum Urlaub in Frankreich.
Unser Ziel heute war Edmundston, die Stadt, in der angeblich das Lumber Jacket erfunden wurde, also die dicke schwarz-rot karierte Holzfällerjacke, die wir mit Kanada verbinden. Die überaus nette Dame im Touristenbüro haben wir danach gefragt, ob dieses Kleidungsstück hier wirklich erfunden wurde. Sie staunte nicht schlecht, davon habe sie noch nie etwas gehört. Ich glaube, hier haben wir das Motto für 2018 für Edmundston gefunden. Martin und ich sehen für nächstes Jahr schon überall übergroße Werbe-Holzfällerjacken hängen mit der Einladung zum Wettbewerb Mister Lumber Jacket 2018. Yea!!
Man merkt, wir mussten uns heute den Tag irgendwie schön spinnen, denn es regnete, nein schüttete wie aus Kübeln. Unser kleiner Stadtspaziergang mit Mittagessen endete damit, dass das Wasser aus den Schuhen lief und die Jeans nun zum Trocknen in der Dusche hängen.
Morgen verlassen wir Kanada und reisen in die USA ein.
Chiao Edmundston, die Hauptstadt von Madawaska.

Über den St. Lorenz Strom

Heute morgen regnete es in Strömen und man sah vor lauter Nebel nicht viel. Für 11.00 Uhr hatten wir eine Fähre nach Matane gebucht. Das Schiff namens F.A. Gauthier war neu und die Überfahrt ruhig und angenehm. Wale und Delphine waren wegen des dichten Nebels nicht auszumachen. Einzig der Elchkopf auf dem Pickup vor uns im Laderaum des Schiffes verursachte ein wenig Grusel.
In Matane ging es dann direkt weiter nach Grand-Métis. Die Jardins de Métis waren leider schon geschlossen, sie sollen eine der schönsten botanischen Gärten Nordamerikas sein. Also blieb es bei einem kleinen Spaziergang und der Eindruck war wirklich gut.
Unser nächster Stopp war in Sainte-Flavie, wo wir schon 2014 die aus dem Meer auftauchenden Figuren des Künstlers Marcel Gagnon bewunderten und fotografierten. Schon vor drei Jahren haben wir überlegt, dass solche eine Installation auch gut nach St. Peter-Ording passen würde.
Das Wetter wechselte ständig. Von 22 Grad Celsius bis 17 Grad Celsius, starke Seenebel, starken Wind und Regen war alles dabei. Die Straße führte uns durch Rimouski und am Parc National du BIC vorbei nach Trois-Pistoles. Was für ein Name für einen Ort.
Unser Ziel war die Fromagerie des Basques. Die Käserei hat 24 Stunden am Tag geöffnet. Und das ihn einem Kuhdorf. Aber die Bundesstraße führt direkt hindurch und der Käse ist so lecker, dass es offensichtlich Liebhaber rund um die Uhr gibt. Wir füllten unsren Kühlschrank und wechselten die Straßenseite, denn hier betreibt die Käserei ein Restaurant. Es gab unter anderem eine ansprechend mit Weintrauben, Nüssen und Cranberries angerichtete Käseplatte und ein Gläschen Rotwein. Das ist mit das Schönste an unserer Art zu Reisen. Immer wenn man denkt, jetzt geht heute Abend nur noch Stellplatz an der Tanke, da taucht wie aus dem Nichts ein nettes Lokal oder eine schöne Location auf. Wie gut, dass das Leben immer voller Überraschungen steckt.

Baie-Comeau

Noch knapp hundert Kilometer waren heute nach Baie-Comeau zu fahren. Gestartet haben wir allerdings mit einem sehr leckeren Frühstück, Ei, Speck, Hash-Browns, Toast, Saft und Kaffee im Relais Manic Outardes. Der Chef selbst bereitete es zusammen mit einer launigen Unterhaltung zu.
Unser erster Stop war an einem See, wo es Bieberbauten und von Biebern abgenagte Baumstämme zu bewundern gab. Der Bieber selbst zeigte sich leider nicht.

An der letzen Staustufe Manic-2 vorbei und schon waren wir am Lorenz Strom. Das Wasser der beiden Flüsse Manic und Outardes wird auf mehreren Staustufen verstromt und über große Überlandleitungen dorthin gebracht, wo es gebraucht wird. Also zum Beispiel in Baie-Comeau, wo es ein Aluminiumwerk und eine Fabrikation für Spanplatten gibt. Der Ort wirkt aber nicht industriell schmutzig, sondern französisch adrett. Die Trattoria Mikes servierte überaus leckeres Essen. Und ein bisschen Nachhilfe in französischer Sprache. Den restlichen Tag machten wir Wäsche, gingen spazieren und reservieren eine Fähre für morgen über den Lorenzstrom nach Matane

Nach Baie Comeau

Um es vorweg zu sagen, der Tag endete unerwartet und damit umso erfreulicher mit „Vol aux Vents“, besser bekannt auch als „Pastetchen“, dem Gericht feierlicher Anlässe aus meiner Jugend.
Unser Tag begann mit einem Cappuccino bei Tim Hortons. Danach brauchten wir Wasser. Und wir bekamen es bei der überaus hilfsbereiten Feuerwehr von Labrador City. Wir durften auch die superglänzenden, gepflegten und technisch bemerkenswerten Feuerwehrautos anschauen.
Danach ging es auf die Straße nach Baie Comeau. 585 Kilometer. Wir dachten, eine mehr oder weniger gut geteerte Straße galt es zu bewältigen. Aber schon kurz hinter Labrador City waren die ersten 100 Kilometer Gravel oder besser Lehmstraße. Und was gibt es zu sehen? Natürlich das übliche, Seen, Wald und Grasland. Das spielt aber nicht so die Rolle. Vorherrschend ist der Dreiklang von Eisenbahntrasse, Stromtrasse und Straße. Und dann natürlich kurz hinter Labrador City eine Mine im Tagebau. Ohne direkt Mitglied von Greenpeace werden zu wollen, aber es stimmt einen schon nachdenklich, wenn man die riesigen Abraumberge sieht, die archaisch wirkenden Industriebauten, die Abwasserseen und ewig lange mit Erzen beladene Züge.

Nach 100 Kilometern ist die Straße auf einmal geteert. Dafür geht nun die Straßenführung direkt durch die Berge, steil rauf und steil und kurvig runter. Hier lernt man das Schalten.
Da wir uns nun in Quebec befinden, sind alle Straßenschilder in Französisch gehalten. Nach weiteren 100 Kilometern fährt man an einem riesigen Staudamm vorbei. Man fährt von der Krone der Staumauer runter unterhalb der Sohle. Gigantisch. Ein großes Umspannwerk, ein paar Arbeiterwohnheime und sonst nichts.
Und weiter geht wieder auf Gravelroad und dann wieder auf frischem Teer. Schade ist, dass es fast keine Möglichkeiten zur Pause gibt. Dann und wann gibt es überaus häßliche und ungepflegte Turnouts, die nicht zum Verweilen einladen. Wo es einen See gibt, führt die Straße schnurstracks dran vorbei. Oder man sieht kleine Jagdhütten mitten im Wald, die man auch nicht erreichen kann. Und dann gibt es noch SOS Stellen (sehen aus wie Telefonhäuschen), von wo man Hilfe holen kann. Wichtig, denn auf der ganzen Strecke hat man keinen Handy Empfang.
Nach 450 Kilometern hatten wir genug. Der nächste Platz würde unser Übernachtungsplatz werden, egal, wie hässlich.
Und da erschien das Relais Manic Outardes. Auf den ersten Blick kein hübscher Ort. Ein einfaches Haus, eine Tanke und Schlafbaracken. Aber dort essen und schlafen die Arbeiter umliegender Baustellen und einer Papierfabrik. Was brauchen Männer in der Wildnis? Gutes Essen. Kein Wunder, dass die meisten das zweite Gericht, nämlich Steak mit Kartoffelbrei und Gemüse wählten. Nach meiner Pastete und Martins Steak und zwei Bier wurde das Gasthaus zum Hort französischer Gastlichkeit.