Das Ende dieser Reise ist gekommen. Wir starteten bei kaltem Wind und Sonnenschein in Århus. Eine der wenigen Male habe ich das WoMo selbst gefahren, was auf dänischen Autobahnen auch keine große Kunst ist. In Flensburg haben wir einen kurzen Stopp zum Mittagessen gemacht. Ich war hier vor über 30 Jahren das letzte Mal, als ich für Siemens beim Kraftfahrt-Bundesamt gearbeitet habe. Und dann ging es ohne weitere Verzögerung nach St. Peter-Ording, wo wir angefangen haben, alles auszuräumen. Morgen wird geputzt und dann kommt das WoMo in sein Quartier und wartet auf die nächste Reise, die wir aber noch nicht geplant haben. Denn erst einmal freuen wir uns über die Eindrücke dieser Nordlandreise und besonders die Polarlichter waren es wert, über 6.000 km zu fahren.
Polarlichter 2023
die gefahrene Route
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Göteborg – Århus
Wie wir es gestern entschieden hatten, nahmen wir heute die Fähre von Göteborg nach Frederikshavn in Dänemark. Eigentlich sollte die Fähre um 12.00 Uhr abfahren, aber da ein Schiff ausgefallen war, hatte dies offenbar Auswirkungen auf den weiteren Fahrplan. Mit einer Stunde Verspätung legten wir ab. Wir hatten es uns auf den für Hunde und Hundebesitzer reservierten Plätzen bequem gemacht. Es saßen noch drei andere Hunde in der Hundelounge, ein Schäferhund, ein kleiner Hund mit Glubschaugen und ein Familien-Hütehund. Bis auf zwei, drei gemeinsame konzertante Beller der vierbeinigen Gäste, verlief die Überfahrt problemlos. Der Wind frischte auf und so waren auch die Wellen ein wenig höher als normal. Von Frederikshavn ging es dann leider schon in die Dunkelheit hinein nach Århus. Hier stehen wir nun bei echtem nasskalten und windigen Schietwetter auf dem Wohnmobilstellplatz Marselisborg Hafen. Im Sommer mag das hier ganz nett sein, im Dunklen sehen wir nur die aus dem Wasser geholten und aufgebockten Segelboote um uns herum. Und wir hören den Wind mächtig in den Wanten pfeifen. Unsere ursprüngliche Idee, zum Ende der Reise noch einmal essen zu gehen, haben wir aufgegeben und uns mit einem Klassiker der Convenience-Küche, einer Packung Miracoli verwöhnt.
Kleiner Nachtrag noch zu gestern. Da hatten wir ja eine kleine Mittagspause in Uddevalla bei McDonalds gemacht. Während wir via Bildschirm Chicken-Wings mit Pommes und Cola bestellten, stolzierten zwei höchstens zehnjährige Mädchen an den Bestellcounter und gaben ihre Menüwünsche wie zwei alte Ladies auf. In der einen Hand hielten sie ein Handy, am andern Arm baumelten die von Ihnen getätigten Einkäufe und bezahlt wurde natürlich mit Kreditkarte. Über diesen Auftritt staunten wir nicht schlecht. Unterhaltsam war es allemal.
Moss – Göteborg
Vergangene Nacht hat es in Strömen geregnet. Das war für das WoMo ganz gut, denn der Dreck wurde ein wenig weggespült. Unser Ziel heute war Göteborg, von wo aus wir die Fähre nach Frederikshavn nehmen möchten. Zunächst aber steuerten wir, wie schon öfter auf unseren Reisen, eine Werkstatt an. Heute war es eine Mercedes-Truck Werkstatt. Wir hatten mal wieder ein Problem mit der AdBlue Pumpe. Ein sehr freundlicher Werkstattmitarbeiter half ohne Bezahlung so weit, dass wir noch nach Hause kommen, um uns dem Problem in unserer Werkstatt zu widmen. Dann ging es auf die gut ausgebaute Autobahn, die nicht nur landschaftlich langweilig ist, sondern heute auch noch in ein fieses Nebelgrau gehüllt war. Bei Uddevalla (schöner Name) gab es eine Pause, die ich für den Einkauf meiner neuen Leidenschaft für schwedische Köttböllar und Himbeermarmelade nutzte.
In Göteborg wollten wir eigentlich die Überfahrt am Abend buchen, die aber, wie sich herausstellte ob der großen Nachfrage 475 Euro kosten sollte. Freitag Mittag kostet die gleiche Fähre “nur” 180 Euro. Ganz klar, für das Geld kann man noch einmal in Göteborg im WoMo nächtigen und sich dem hemmungslosen Kaufrausch in Form des Erwerbs von Holzclogs bei HAGA Trätoffelfabrik (für Martin) und Lakritze (für mich) hingeben.
Lillehammer – Moss
Irgendwann ist auch die tollste Reise zu Ende und mit diesem Gedanken verließen wir heute morgen Lillehammer bei dichtem Schneegestöber. Mit Blick auf das Wetter in Hamburg hatte es natürlich seinen Reiz, noch einen Tag im Neuschnee zu verbringen. Andererseits haben wir in den letzten vier Wochen eine ganze Menge Schnee in all seinen Facetten gesehen. Mal war er fluffig, mal harschig, mal ließ er sich zu Schneebällen formen, mal stob er in Wolken davon. Die Größe von Schneeflocken kann nämlich sehr unterschiedlich sein. Bei kalter, an Wasserdampf armer Luft entsteht ein feinkörniger Pulverschnee. Als es in Luleå so sehr kalt war, konnten wir das gut beobachten. Bei Temperaturen wenig unter dem Gefrierpunkt fallen große Flocken wie aus Frau Holles Bettdecke. Sie kleben besser aneinander, je wärmer es ist. Schneebälle sind mit diesem Schnee besser zu formen. So wie heute morgen in Lillehammer. Die Leidenschaft von Fräulein Smilla und ihr Gespür für Schnee aus dem gleichnamigen Roman von Peter Hoegs konnten wir gut verstehen. Ein weiterer Tipp für Schnee- und Eisfreunde: Christine Reinke-Kunze, Die PackEISwaffel, von Gletschern, Schnee und Speiseeis. (Ich kann mich von meinem Diss-Thema einfach nicht trennen.) Heute Nacht stehen wir am Hafen von Moss, am Oslofjord. Mit dem Schnee ist es hier vorbei. Es ist feucht und kalt. Die Altstadt von Moss, Møllebyen (die Mühlenstadt) lebte einst von den Mühlenbetrieben, die am Wasserfall Mossefossen lagen. Inzwischen versucht man dem Ensemble von hübschen Backsteingebäuden ein neues Leben mit Büros, Ateliers, Restaurants und Cafés einzuhauchen. Im Sommer ist das bestimmt ganz hübsch, heute bei Schmuddelwetter war es einfach nur kalt.
Oppdal – Lillehammer
Bei allerschönstem Wetter – Sonne, kein Wind und keine Wolken – ging es heute über das Dovrefjell zunächst nach Dombås. Die Landschaft war bezaubernd, überall weißer frischer Schnee und blauer Himmel. Die E6 schlängelt sich durch diese Winterlandschaft und am Horizont erscheinen immer neue Bergketten, es war wirklich beeindruckend. An wenigen Rastplätzen standen Autos der Winterwanderer, die diese tolle Landschaft durchstreifen. Da es keine Bewaldung mehr gibt, möchten wir uns nicht ausmalen, wie es hier oben bei Wind und Schnee zugeht. Dann ist auch die Möglichkeit gegeben, dass die Durchfahrt übers Dovrefjell geschlossen wird.
Sehen macht hungrig. Und so kehrten wir in Dombås zu norwegischen Preisen ein. Der überaus leckere Elchburger kostete ebenso wie das Hühnerbein umgerechnet stolze 24 Euro. Aber lecker war es. Die Preise spiegeln die Einkommen und Lebenshaltungskosten wieder. Es ist ähnlich wie in der Schweiz. Aber wir wollten ja das Land sehen und uns nicht über ökonomische Abhängigkeiten Gedanken machen. Und so brachte uns der zweite Teil unserer heutigen Etappe nach Lillehammer. Wir stehen am zugefrorenen See mit Blick auf die Brücke, auf der in der Netflixserie Lilyhammer der gelbe Sportwagen geschrottet wurde. Bauwerke bekommen durch Filmserien mitunter eine ganz neue Bedeutung.
Wir spazierten von unserem WoMo Platz in die Innenstadt. Das erste Café, das wir ansteuerten, machte um 17.00 Uhr zu, wie viele andere Geschäfte in der Storgata, der Einkaufsstraße von Lillehammer. Nur mit Mühe konnten wir die Bedienung erweichen, uns noch einen Cappuccino to go zu servieren. Vielleicht sagen die Öffnungszeiten ja auch etwas über den Wohlstand Norwegens aus. Einige Geschäfte haben aber doch verstanden, dass der ein oder andere Gast, der hierher zum Winterurlaub kommt, vielleicht nach dem Skifahren noch ein wenig bummeln möchte. In einem Outdoor-Laden fand Martin dann noch einen kältetauglichen Norweger-Pullover. Über den Kauf kamen wir noch mit einem überaus netten Paar aus den USA ins Gespräch, das hier eine Woche Winterurlaub machte. Alles in allem war es ein ereignisreicher Tag.
Trondheim – Oppdal
Heute Nacht hatte es geschneit. Der Stellplatz der Stadt Trondheim wurde schon um 4 Uhr morgens mit lautem Getöse geräumt. Aber wir haben den Schnee ignoriert und sind dann durch die Stadt zum Nidaros-Dom spaziert. Der Figurenschmuck an der Westfassade ist beeindruckend. Auch wenn wir nicht wussten, wer hier im einzelnen dargestellt ist, so möchten wir doch glauben, dass laut Dumont Reiseführer Nordnorwegen der Erzengel auf der Spitze des Westturms das Antlitz von Bob Dylan trägt. Der Bildhauer Kristoffer Leirdal wollte vielleicht Dylans Widerstand gegen den Vietnamkrieg würdigen und so ein Zeichen setzen. Der Dom wurde lange (wieder)aufgebaut und die letzte Figur wurde erst 1983 in die Westfront eingefügt. Unser Blick in den Himmel verriet aber noch etwas ganz anderes, nämlich ganz dunkle Wolken. Und schon ging es los mit dem Regen. Der Schnee verwandelte sich in Matsch und riesige Pfützen. Ein bisschen fühlten wir uns wie in Hamburg. Viel Lust auf Shoppen blieb dann auch nicht, wobei uns die Fassade des Schmuckgeschäfts auf dem Hinweg sehr gefallen hatte. Beim nächsten Mal dann. Es gab nun keinen Grund, bei diesem ungemütlichem Wetter in Trondheim zu bleiben und wir steuerten unser heutiges Übernachtungsziel Oppdal an. Das Dorf Oppdal hat eine lange Wintersporttradition, liegt am Fuß des Gebirgszuges Dovrefjell und gehört zu einem der beliebteren Winterreiseziele in Norwegen. Man kann zwischen eine Vielzahl von Liften und Pisten wählen und für Langläufer gibt es präparierte Pisten. Trotzdem war es nicht so einfach einen offenen Campingplatz zu finden. Da es hier noch richtig hoher Schnee liegt, haben manche Plätze einfach nicht den Schnee geräumt und infolge dessen keine Stellplätze. Nach einigen Telefonaten stehen wir nun auf dem Platz Halsetløkka, der freundliche Eigentümer hatte ein Herz, öffnete für uns die Schranke und schob mit seinem Traktor einen Platz frei. Danke dafür.
Östersund – Trondheim
Bei strahlendem Sonnenschein und ziemlich starkem Wind machten wir uns auf den Weg. Die ersten 100 km führten durch eine tief verschneite Landschaft. Eine geschlossene Schneedecke ließ uns einigermaßen zügig vorankommen. Wir wunderten uns ein wenig über die relativ vielen Autofahrer, die uns entgegenkamen. Und dann in Åre wurde das Geheimnis gelüftet. Åre ist nämlich ein ziemlich großer Skiort. Der Berg Åreskutan ist zwar nur 1.420 m hoch, aber schon von weitem kann man die Pisten beobachten. Da sind auch Weltcup Abfahrten dabei. Und wie in jedem bekannten Skiort, ist auf den engen Straßen eine Menge los, sodass wir schnell weiterfuhren. Nach Åre kommt wieder 100 km eigentlich nichts als eine schön eingeschneite Landschaft. Rechts liegt das Berggebiet Tröndelag. Und kurz vor der schwedisch-norwegischen Grenze bei Storlien gibt es wahrscheinlich wegen des Preisgefälles ein Einkaufszentrum mit einem großen Coop. Wir aber fuhren zügig weiter nach Trondheim. Der WoMo-Parkplatz liegt fußläufig zur Innenstadt. Auf dem Weg dorthin kommt man an einer Häuserzeile vorbei, die stark an die Fassaden der Hafenstraße oder der Schanze erinnern. Aber schon 300 Meter weiter schlägt auch hier die Gentrifizierung zu und Wohnquartiere ähnlich der Hafencity mit Sportboothäfen bestimmen das Stadtbild. Spazierengehen macht hungrig und so gönnten wir uns ein Abendessen beim Italiener. Wir durften im gut geheizten Wintergarten Platz nehmen. Denn auch in Norwegen dürfen Hunde in viele Restaurants nicht hinein. Das Schnitzel Milanese zu schlanken umgerechnet 80 Euro haben wir dann aber nicht gewählt.
Östersund again
Heute Nacht hatte es schön geschneit und es versprach ein sonniger Tag zu werden. So beschlossen wir, heute noch einen Tag in Östersund zu bleiben. Die Stadt liegt am See Storsjön und der war natürlich dick zugefroren. Der Stadt gegenüber mit einer Brücke verbunden, liegt die Insel Frösön mit dem Gustavsbergsbacken, einem Hausberge zum Skilaufen. Davor, auf dem zugefrorenen See war heute allerhand los. Schlittschuhläufer in unterschiedlichen Profigraden, die, um längere Strecken zu absolvieren, mit langen Kufen fahren. Aber auch Freunde de klassischen weißen Schlittschuhe zum Eistanzen waren dabei und natürlich Väter und Söhne mit Eishockey-Schlittschuhen. Spaziergänger mit und ohne Hund und Kind. Schlittenschieber. Am Ufer qualmten drei Feuerstellen vor sich hin, an denen Würstchen gegrillt wurden. Und dann gab es noch einen Stand, an dem über dem offenen Feuer in Pfannen mit überlangen Stilen Pfannkuchen zubereitet wurden. Es mutete an wie eine moderne Ausgabe von Pieter Bruegels Winterlandschaften.
Wir wollten aber auch die Stadt erkunden. Zuerst zog es uns in die 1924 gegründete Konditori Wedemar. Der Cappuccino war super, die Süßstückchen, die wir Kopenhagener nennen, auch. Die Einrichtung ist wahrscheinlich noch original von 1924 mit dunklem Holz und Kronleuchtern. Angeblich wurde hier auch Anfang der 1960 er Jahre die Smörgåstårta erfunden, eine Art Butterbrottorte. Der Konditor kam auf die Idee, zwischen mehrere Brotschichten Zutaten wie Lachs und Krabben, aber auch Wurst und Käse mit Gurken zu schichten. Angeblich gilt diese Butterbrottorte in ganz Schweden als Spezialität.
Nachdem es nun nach 11.00 Uhr morgens war, hatten inzwischen auch die Geschäfte geöffnet. Auch das Café Hamngatan, eine Kombination von Einrichtungsladen und charmanten Hippie-Kaffee, haben wir besucht. Dort hatten wir eine nette Unterhaltung mit einer Südafrikanerin, die der Liebe wegen seit einigen Jahren hier lebt. Aber sie meinte auch, dass sie nach Weihnachten erst einmal ein paar Wochen nach Südafrika muss, denn 6 Monate Schnee sei schon ganz schön hart für jemanden, der die Wärme gewohnt war. Das konnten wir gut nachvollziehen, denn inzwischen war ein scharfer Wind aufgezogen und trotz Sonnenschein wurde es auf einmal ganz schön kalt.
Örnsköldsvik – Östersund
Minus 5 Grad Celsius, Sonnenschein, blauer Himmel, Schnee und zugefrorene Ostsee – so macht das Aufstehen Spaß und der morgendliche Hundespaziergang auch. Nachdem wir gestern eine wirklich leckere Pizza bei Saltmagasinet Mat & Dryck (www.saltmagasinet.com) gegessen haben, musste heute noch ein Abschieds-Cappuccino mit auf die Fahrt. Der Besitzer des Restaurants stammt aus Sizilien und er hat seine Küche nicht schwedisiert.
Über enge und teilweise vereiste Straßen ging es zunächst nach Lollefteå. Ein kleiner Wintersportort, wobei das Pistenleben irgendwie nicht mit Bayern, Österreich oder Italien vergleichbar ist. Bei bestem Wetter waren am Freitag Mittag vielleicht drei Skifahrer auf der Piste zu entdecken.
Weiter ging es durch eine tief verschneite Landschaft. Wenige Ortschaften, viele zugefrorene Seen und ab und an ein offenbar nur im Sommer genutztes rotes Häuschen. Wir stehen nun in Östersund, einem beliebten Wintersportort. Jede größere Stadt wie Sundsvall oder Umeå ist 200-400 km entfernt. Mit gut 50.000 Einwohnern ist diese mitten in Schweden liegende kleine Großstadt vielleicht noch wegen ihrer Biathlonwettbewerbe als Teil des Weltcups bekannt. Aufgefallen sind uns auch hier die Birkenalleen, die wir schon in Umeå gesehen haben und die angeblich als natürlicher Schutz bei Feuer helfen sollen. Birken können bis zu 400 Liter Wasser pro Tag aufnehmen und in ihren Ästen und Blättern speichern und so als natürlicher Brandschutz wirken. Im Augenblick schneit es in Östersund und wir sind gespannt, wie hoch morgen früh der Schnee liegt.