Von Jasper nach Hinton

Heute wollten wir es ruhig angehen lassen. Auf dem Weg nach Jasper kamen wir wieder an dem Hotel vorbei, wo gestern eine Elchkuh im Vorgarten graste. Heute Morgen war ein Schwung Kanadagänse für das Touristen-Fotoshooting im Dienst. Die Elchkuh stand 30 km weiter an der Autobahn und sorgte für gefährliche Verkehrssituationen durch bremsende Parkbesucher.

Jasper ist ein gemütlicher Bergort mit den üblichen Geschäften für Mountainbikes, Kletterausrüstung, Outdoorbekleidung und Souvenirs. Der Weg aus dem Park führte uns noch einmal an bemerkenswerten Bergszenarien, dunkel- bis türkisfarbenen Seen und rauschenden Bächen vorbei.

Der Maligne Canyon kann über fünf Brücken überquert werden und ist sehr schmal und tief. Das Wasser rauscht beeindruckend durch die tief eingegrabenen Felsen und ist bei Eiskletterern im Winter recht beliebt.

Wir verließen den Jasper Nationalpark und machten heute ein kleines Päuschen in Hinton. Lebensmittel einkaufen und Wäsche waschen war heute angesagt. Die alltäglichen Dinge müssen auch mal erledigt werden. Außerdem schauert es heute Nachmittag on und off. Und dann müssen wir noch Kraft sammeln, denn jetzt geht es nach Alaska. Die Straße von Dawson Creek bis nach Fairbanks  – und wir sind noch ein ganzes Stück vor Dawson Creek – ist 2.500 km lang.

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Icefield Parkway

Den Yoho Nationalpark haben wir für unsere Verhältnisse schon recht früh um 9.00 Uhr verlassen und sind zurück in den Banff Nationalpark, bzw. auf den Icefield Parkway zurückgekehrt. Bei schönstem Wetter war unser erster Stopp bei Lake Herbert, „the photographer´s favourite“. Das kann man bestätigen, wenn man sieht, wie schön sich die Berggipfel im See spiegeln. Ab dann gondelt man die ca. 160 km bis nach Jasper. Man hält mal hier, mal dort, überall gibt es so genannte „Look Outs“. Einige sind mit kleinen Spaziergängen verbunden, das sind die angenehmeren, wenn auch nicht unbedingt die atemberaubenden. Die Spots, die bequem mit Bussen angefahren werden können, stellten unsere interkulturelle Offenheit auf eine harte Probe. Überhaupt ist es ein schmaler Grad zwischen der Erhaltung so grandioser Nationalparks und der Möglichkeit für viele, sich daran zu erfreuen.

Wir hielten noch am Peyto Lake, am Mistaya Canyon und am Columbia Icefield. Bei letzterem großen Gletscher wird durch Markierungen deutlich vor Augen geführt, wie sehr sich der Gletscher seit 1920 zurückgezogen hat. Auf eine Gletscherwanderung haben wir ebenso verzichtet, wie auf die neueste Attraktion, den Glacier Skywalk, einen gläsernen Balkongang über einen Abgrund mit Blick auf den Gletscher. Die Landschaft, durch die man rauscht, ist immer besonders, teilweise atemberaubend. Pässe wechseln mit Hochebenen, man sieht Wildbäche in allen Breiten, mit und ohne Stromschnellen, Wälder, kahle Bergrücken, Gletscher, Schneefelder, Wiesen mit Wollgras. Mit den kleinen oben genannten Abstechern ist man nach Stunden irgendwie erschöpft. Das Auge möchte ausruhen. Das tun wir jetzt auch im Wabasso Campground im Jasper Nationalpark. Wir stehen im lichten Nadelwald natürlich mit Feuerpit. Das Lagerfeuer ist für Kanadier immens wichtig. So gibt es bei jedem Campingplatz feste Metallkörbe (oft sind das alte LKW Felgen), in denen geschürt werden darf. Das Feuerholz muss auf dem Platz gekauft werden, denn durch das Transportieren von eigenem Holz quer durch Kanada wird ein bestimmter Waldschädling immer weiter getragen. Davor wird an jedem Campingplatz gewarnt.

Getroffen haben wir heute lauter nette deutsche Pärchen und Familien, die urlaubenderweise durch den Banff- und Jasper Nationalpark touren.

Und dann haben wir heute endlich eine Elchkuh im Vorgarten eines Hotels gesichtet. Es war nicht auszumachen, ob sie dort zufällig war oder zum Personal des Hotels gehörte.

 

Anmerkung des Fotografen: für Bergfans sind die Rockies bzw. ist die Tour ein absolutes Muss. Die Berge, die Aussichten, die Bergseen, etc. sind absolut Topp. Die einzige Frage ist wann man diese Tour unternimmt um den Busladungen an Touristen an den „hot spots“ zu entgehen.

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Banff

Der Übernachtungsplatz in Kananaskis Country war sehr schön am Kananaskis River gelegen, umgeben von hochaufragenden schroffen Bergrücken. Dieser Park ist wunderschön zu durchfahren und ein echter Tipp. Für Wanderer, Radler, Skifahrer und Kanufahrer ist er ein Paradies, wobei der Fluss von einem Gletscher gespeist wird und man nach 2 Minuten schon so unterkühlt ist, dass es gefährlich wird. Umherstreifende Bären haben wir nicht gesehen, weil wir nichts haben liegenlassen. Dafür aber ein Reh und ein im Posing ausgebildetes Squerril.

Auf dem Weg nach Banff haben wir Stopp in Canmore gemacht. Garmisch Partenkirchen ist die deutsche Entsprechung von Canmore. Es gibt viele Lodges und Hotels, die auf Winterurlauber eingestellt sind. Und ein Starbucks Café, wo wir unsere Beiträge von drei Tagen mal wieder hochladen konnten. Dies ist überhaupt manchmal ein Problem. Wir schreiben jeden Tag an unserem Blog, aber manchmal gibt es kein Internet (vor allem in den Provincial Parcs), oder aber es ist so schlecht, dass man auch nicht weiter kommt. Also Geduld und auf eine Gelegenheit am nächsten Tag hoffen. Besonders ist uns in diesem Zusammenhang die Kette Tim Horton ans Herz gewachsen. Tim hat immer Wi-Fi. Danke Herr Horton.

Banff. Das entspricht Garmisch-Partenkirchen im Quadrat. Menschenmassen schieben sich durch den Ort. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht.

Der Highway 1 führt durch den Banff Nationalpark. Er ist der älteste in Kanada und Unesco Welterbestätte. Man zahlt 17 Dollar pro Tag und schon darf man losfahren. Unser nächstes Ziel war Lake Louise. Ein toller Ausblick auf den blauen See vor einer Gletscherlandschaft. Aber ganz deutlich: Du bist nicht allein. Alle Nationalitäten, die man sich vorstellen kann, bestaunen diese Aussicht. Wir übernachten im Yoho Nationalpark, der kurz hinter Lake Louise schon in British Columbia liegt und ein „Geheimtipp“ von deutschen Automobilisten sein muss.

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Calgary

Nachdem wir uns heute von unseren vier netten Kindern aus Bonn verabschiedet haben, die zusammen mit ihren Eltern drei Wochen durch Kanada getourt sind und heute Nacht neben uns standen, war unser erstes Ziel ein Cowboyboot-Laden in Calgary. Etwas außerhalt gelegen, bietet er Boots made in Canada an. Schlichte Modelle sind dabei eher selten. Rote, grüne, gelbe, mit und ohne Stickereien, aus Rindleder, Krododil- oder Schlangenleder. Nicht jedes Modell muss einem gefallen. Aber eines gefiel dann doch.

Auf unserem Weg nach Downtown wurden wir an einer roten Ampel von einem deutsch sprechenden Passatfahrer gebeten, doch mal rechts ranzufahren. Leo lebte als Zimmermann schon über 20 Jahre in Kanada und hatte eine spannende Vita, aber irgendwie auch den Kanada-Blues. Er war aber am Ende sehr kanadisch und sehr um uns Fremde bemüht und entschied sich dafür, uns mit Regina bekannt zu machen. Also fuhren wir hinter ihm her zum Crossroads Farmers Market. Dort hat Regina hat einen Stand, wo sie Wurst und bestes Fleisch verkauft. Regina lebt schon seit 40 Jahren in Kanada, stammt ursprünglich aus Hamburg, hat sechs erwachsene Kinder und einen Mann mit indianischen Wurzeln. Diese Frau strahlte eine tolle innere Ruhe und Stärke aus, das hat uns sehr beeindruckt. Sie ist in Kanada mehr als angekommen. Ihr exzellentes Fleisch, (Regina, das Steak von heute war oberlecker), bezieht sie von ihr bekannten Farmern. Da gibt es keine Hormone, kein Kraftfutter, nichts.

Wir schlenderten dann noch ein bisschen über den Markt und ich hätte Berge von Obst und Gemüse kaufen mögen. So lecker sah alles aus. Farmer bieten an, Händler, aber auch Mennoniten, bei denen schon die Jungs mit anfassen müssen. Ein kleiner Teil des Marktes ist nicht den Lebensmitteln gewidmet. Dort werden alle möglichen Dinge verkauft. Bei der chinesischen Händlerin kann man Porzellan und Dekoartikel erstehen, die kann man sich eigentlich kaum vorstellen. Bunt. Kitschig. Überflüssig. Aber irgendwie faszinierend.

Oder Bill Baker. Er verkaufte an seinem Stand Pins. Zu Eishockey, Football, Olympischen Spielen (er hat zehn!! besucht), Autos, Polizei, Militär, Touristischen Zielen und was immer einem einfällt. Der Mann ist eingerahmt in Pins. Ich durfte mir alles ansehen und er hat mir alles freundlich erklärt. Besonders gefreut hat mich, als er mir einen Pin in Form eines weißen Cowboyhutes überreichte. Bei der Calgary Stampede gibt es jedes Jahr eine Zeremonie, zu deren Anlass der Bürgermeister einen weißen Cowboyhut an verdiente Persönlichkeiten übergibt. Ich bekam meinen heute in Form eines Pins von Bill Baker. Danke sehr.

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Dinosaur Provincial Park

Da wir ohne Kinder reisen, stand der Dinosaur Provincial Park zunächst nicht so wirklich auf unserer Agenda. Aber unsere nette Lady vom Visitor Center legte uns diesen Spot sehr ans Herz. Also, da es kein großer Umweg war, gucken kostet ja nichts. Und es hat sich gelohnt. Ich darf lonely planet zitieren, den besser kann ich es auch nicht ausdrücken: „Der Park taucht plötzlich aus dem Nichts auf, denn die Schlucht, in der er liegt, fällt ohne Vorwarnung von der grasbewachsenen Ebene in die Tiefe ab. In dieser ausgetrockneten Traumlandschaft ragen zahllose Hoodoos und bunte Felsformationen auf. Dort, wo vor 75 Mio. Jahren Dinosaurier durch eine tropische Umgebung streiften, ist heute nichts als Hitze und Dürre zu sehen.“ Ja, so ist es und es wird vor Schlangen gewarnt. Habe aber keine gesehen.

Wir übernachten heute kurz vor Calgary. Mal sehen, ob wir morgen in Cowboy-Stiefeln wieder hinausfahren.

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Eisenbahn

Bislang war uns gar nicht bewusst, wie wichtig die Eisenbahn in Kanada ist. Oft sieht man entlang des Highways kilometerlange, ich übertreibe wirklich nicht, kilometerlange Züge, die zum Teil doppelt hoch mit Containern beladen sind, aber auch unzählige Waggons mit Schüttgut (Getreide?) mit sich führen. Und auch in Medicine Hat oder Calgary fährt die Pacific Railway mitten durch die Stadt.

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Medicine Hat, Alberta

Heute Morgen regnete es im Eagle Valley Park. Also ab nach Alberta. Im Visitors Center wurden wir von einer sehr netten und kompetenten jungen Frau beraten und mit Unmengen von Informationsmaterial versorgt. Also, da wir es nicht zu eilig hatten, machten wir zunächst einen Stopp in Medicine Hat. Der Name ist doch wirklich besonders. Und so war auch der Ort. Ursprünglich gab es hier eine Ziegel- und Steinzeugindustrie, was auf die Lehmvorkommen zurückzuführen ist. Eine alte Ziegelei wurde zu einem unterhaltsamen Museum umgebaut. Das Geld stammt wohl aus neuem Wohlstand, den Medicine Hat nennt sich heute die „Gas City“. Rings um den Ort sieht man Fracking Anlagen. Uns gruselt es da ein bisschen und so erscheint das Museum auch ein bisschen wie ein Ablasshandel. Nun ja. Die Innenstadt selbst pflegt den alten Charm ihrer Backsteinhäuser. Und Kunst ist immer gut und so sind viele Wände bemalt. Uns gefällt das ganz gut, auf alle Fälle besser als die schrecklichen Tag-Schmierereien in Hamburg. Und wieder ein Tipp für Margot und Klaus: Das Inspire Kaffee bietet French Kaffee und leckere Sandwiches und an den Wänden hängen bemerkenswerte Gemälde. Und Tisch und Stühle sind quietsch-rot.

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