Dies und Das

Baumarkt
Kürzlich waren wir ja mal in einem Home-Depot, also dem Bauhaus Amerikas. Wie in Deutschland auch gibt es eine bunte Mischung aus allem, was der Handyman so braucht und die Frau vom Handyman für die Weihnachtsdekoration so benötigt. Bemerkenswert fanden wir, dass von 7 gekauften Produkten sechs in China und eines in den USA produziert wurde. Bei dem Einzelprodukt handelte es sich um einen aus recyceltem Plastik produzierten 10 cm langen Keil, den wir dringend brauchten. Da ist es doch mal gut, dass Herr Trump sich so gut mit den Chinesen stellt, denn wenn die nicht mehr liefern, bleibt Home-Depot ziemlich leer.

Telefon-Hotline
Uns war gar nicht klar, dass man Manatees so dressieren kann, dass sie in der Telefon-Hotline arbeiten können. Wir sind nun Mitglied bei Good Sam, damit wir auf von Good Sam bewerteten Campgrounds 10 Prozent Rabatt erhalten. Leider wurde bei den letzen Campingplätzen die in Kanada beantragte vorläufige Papp-Karte, für die wir auch noch bezahlt haben, nicht akzeptiert. Also musste Martin eine 0800er-Nummer anrufen.
Der Hörer wurde abgenommen. Tiefes Schnaufen, langsames, nuscheliges Sprechen: W e l c o m e t o G o o d S a m. H o w c a n I h e l p y o u ? Schnauf, Ächz.
Sofort hatten wir das Bild eines 3 Zentner wiegenden Manatees vor den Augen. Das Gespräch ging die ganze Zeit so weiter und spätestens als er die E-Mail Adresse von Martin notieren musste, war es aus. Er stand kurz vor der Ohnmacht.
Jetzt warten wir auf ein Ergebnis und sind gespannt, ob uns die neue Karte jemals erreichen wird.

Internet
Manchmal kommen wir uns vor, wie Junkies. In jedem Café, Restaurant, auf jedem Campground ist die erste Frage nach WiFi und dem Passwort. Meist kommt auf die Frage:“Do you have WiFi? ein freundliches, „Yes, wie do“. Aber inzwischen haben wir gelernt, dass das noch lange nichts heißt. WiFi gibt es zwar meistens, aber in einer Qualität, dass man den Bits dabei zusehen kann, wie sie über die Leitung schleichen. Oder aber es gibt ein besseres WiFi in einer dunklen Ecke, gleich zwischen Laundry und Toilette, oder aber es kostet extra. Gute Qualität ist selten und dann zweifelt man schon daran, dass die USA tatsächlich das Land von Facebook, Google und Appel ist. Es ist besser geworden seit unserer letzten Reise in 2014, aber immer noch verbesserungswürdig.

Lee State Park bei Bishopville

Nachdem es heute in Whyteville schweinekalt war und der Himmel novembergrau, haben wir kurzfristig unsere Reiseroute geändert. Wir brauchen Sonne und Wärme, sonst hätten wir den November auch in Hamburg bei steifem Grog und Kachelofen verbringen können. Also ihr lieben roten Pandas aus dem Zoo von Knoxville: wir werden vorerst keine Bekanntschaft machen. Vielleicht gibt es ja Verwandte von Euch bei Hagenbecks. Wir werden uns erkundigen.
Als neues Ziel haben wir Myrtle Beach auserkoren. Um möglichst schnell dorthin zu gelangen, haben wir die Interstates gewählt. Und wie man sieht, sind die zwar praktisch, aber optisch eher frustig. Man sieht wenig bis nichts, was das Auge erfreut.
Umso überraschter waren wir, als wir in den Lee State Park bei Bishopville einbogen. Super gepflegt, schöne große Plätze im Wald, ruhig und man darf natürlich ein Lagerfeuer anmachen. States Parks funktionieren im allgemeinen so, dass in einem Wohnwagen ein „Host“ wohnt, bei dem man sich anmeldet und der die Plätze zuweist. Die Plätze sind meist signifikant billiger als nichtstaatliche Plätze und liegen schön im Wald oder am Wasser. Die Hosts wiederum sind oft Pensionäre, die für ein Taschengeld und freies „Wohnen“ die Organisation auf solchen Plätzen übernehmen. In unserem Fall heute war es Barbara, die noch bis Ende des Jahres im Lee State Park arbeitet und danach in einem anderen Park in South Carolina eingesetzt wird. Viele Parks, die nur bis 15. September geöffnet haben, werden von Studenten betreut.
Es gibt hier kein Internet, meist aber Duschen und Toiletten. Alles einfach, aber sauber. Wir finden, dass diese Plätze ihren eigenen Reiz haben.
Und da sie naturnah gestaltet sind, findet man dann auch Riesenspinnen, die sich ihr Netz zwischen den Kiefern spannen. Also aufgepasst.
Und ins Gespräch kommt man mit seinen Nachbarn auch ganz schnell, eben weil es kein Internet und Fernsehen gibt. Da hilft ein Lagerfeuer und ein Bier und schon weiß man, dass die Nachbarn Jason und Maria heißen und hier ihren dritten Hochzeitstag feiern. Glückwunsch.

Blue Ridge Parkway II

Zuerst möchten wir Kralli ganz herzlich zum Geburtstag gratulieren und ihm alles Gute, Gesundheit und Gelassenheit für das neue Lebensjahr wünschen. Und ganz viel Spaß und guten Appetit beim Gänseessen.

Wir haben heute keine Martinsgans bekommen, sondern haben nett und lecker beim Mexikaner in Roanoke, Virginia gegessen. Unser Tag begann bei Minustemperaturen und schönstem Sonnenschein in Lynchburg, Virginia. Da wir früh unterwegs waren, gehörte uns die Straße bei fallendem Laub und blauem Himmel ganz allein. Die Peaks of Otter bei Milepost 86 lud zum ersten Stopp ein. Es gibt auf dem ganzen Blue Ridge Parkway nur wenige Hotels, meistens muss man abfahren. Aber hier, mitten in der Einsamkeit, an einem See gelegen, stand ein schön auf die Berge ausgerichtetes Hotel und Restaurant. Nicht elegant, aber auch nicht zu rustikal. Schick im amerikanischen Sinne.
Nachdem wir nun irgendwie genug von Bäumen, Landschaft, Aussicht, Rehen und Bergen hatten, fuhren wir ab nach Roanoke. Da wir wussten, dass wir unser nächstes Ziel, Knoxville, Tennessee heute nicht mehr erreichen, entschieden wir uns bei Temperaturen um den Gefrierpunkt für einen späten Lesenachmittag in Wytheville. Es gab den leckeren „Holiday in Italy“, feine Felino-Salami, Avocado-Tomaten-Salat und Ruffino-Chianti. Aber nächstes Jahr gibt es wieder Gans.

Blue Ridge Parkway

Augen auf, und? Strahlender Sonnenschein. Der richtige Tag, um heute mit dem Blue Ridge Parkway zu beginnen.
Zuvor aber mussten wir noch ein bisschen einkaufen. In Charlottesville hielten wir bei Wegmans, einem Feinkost-Supermarkt, wo wir leckeren Käse und Baguette, das diesen Namen auch verdient, gekauft haben. Besonders der Weichkäse „Holiday in Italy“ hatte es uns angetan und er schmeckt wirklich großartig. Auf dem Parkplatz hatten wir Gelegenheit, uns mit netten Feuerwehrmännern der Feuerwehr von Charlottesville zu unterhalten. Besonders das vorne und hinten gelenkte ewig lange Feuerwehrauto fanden wir beeindruckend.

Doch nun warteten die 469 Meilen des Blue Ridge Parkway, der sich von Aften/Waynesboro bis zu dem Cherokee Indian Reservation am Fuß der Great Smokey Montains immer auf dem Rücken der Apppalachen entlangzieht. Diese Panoramastraße wurde 1935 wurde als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in der Weltwirtschaftskrise gebaut und war einzig für den Ausflugsverkehr gebaut worden. Es gibt auf der ganzen Strecke keine einzige Tankstelle und keine Werbeschilder. Es gibt Natur pur, großartige Aussichten, Wanderwege und immer wieder Plätze, wo man picknicken und im Sommer auch campen kann. Wälder wechseln sich mit Kuh-Weiden ab. Mal wirkt die Landschaft wild, mal sehr gepflegt. Wem das ewige auf und ab und das Kurvenfahren zu viel wird und und wer nach ein bisschen Zivilisation lechzt, der kann aber immer wieder vom Blue Ridge Parkway abfahren und kleinere Städte in Virginia und North Carolina besuchen.
Da es die ganze Zeit noch relativ warm war, hingen die Bäume auch noch voll mit buntem Laub. Zusammen mit dem Sonnenschein und dem knallblauen Himmel und wenig Verkehr, machte es richtig Laune, durch die Landschaft zu cruisen. Aus den entfernt liegenden Tälern tauchte gegen Nachmittag immer mehr Dunst auf, der die Berge in ein leicht blaues Licht hüllt. Daher rührt wohl auch der Name dieser Panorama-Straße.
Weit sind wir nicht gekommen, weil wir immer wieder bei Aussichtspunkten gehalten haben und so haben wir bei Milepost 61,5 (Lynchburg) die Straße verlassen und uns 3 Meilen entfernt einen Übernachtungsplatz gesucht.

Williamsburg und Monticello

Unser erstes Ziel heute war Williamsburg. Ein Dorf, das im 18. Jahrhundert lebt. Ehemals bis weit in das 18. Jahrhundert war Williamsburg als Hauptstadt von Virginia hinsichtlich des politischen und kulturellen Lebens so bedeutend wie Boston und New York. Danach fiel Williamsburg in einen Dornröschenschlaf und mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann man mit dem Wiederaufbau von Colonial Williamsburg als Living-History-Museum, in dem das Leben im 18. Jahrhundert gezeigt wird. Es gibt Straßen natürlich ohne Autos, Kutschen, Geschäfte und Handwerksbetriebe, wie es sie vermutlich im 18. Jahrhundert gegeben hat. Alle Geschäfte, Kneipen, Restaurants und Handwerksbetriebe werden von Personen in Originalkostümen bespielt. Vor einigen Häusern sitzen Menschen und schwatzen, nähen oder sticken. Wenn man diese aus der Zeit Gefallenen anspricht, sollen sie auch so tun, als würden sie das Hier und Jetzt nicht kennen. Das ist natürlich schwierig und so hatten wir eine nette Unterhaltung mit einer jungen Frau, die uns erzählte, dass Colonial Williamsburg von einer Stiftung bespielt wird, die 4.000 Menschen Arbeit gibt, davon arbeiten 1.600 in Kostümen. Ihr Beruf ist sozusagen, eine Person des 18. Jahrhunderts zu sein und nach Feierabend fährt sie mit dem Auto zurück in ihre Wohnung außerhalb von Williamsburg und kann da alle Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts genießen. Es werden immer noch Mitarbeiter gesucht. Falls also einige unserer Leser beruflich mal etwas anderes machen möchten, das 18. Jahrhundert wartet. Trotz des musealen Aspektes wirkt Williamsburg nicht tot, was wahrscheinlich daran liegt, dass viele Häuser, die kein Geschäft oder ähnliches beinhalten, ganz „normale“ Wohnhäuser von Bürgern aus Williamsburg sind. Einzige Auflage ist, dass man von außen nicht sehen kann, dass man Strom und damit elektrisches Licht hat.

Nun wartete aber unser zweites Tagesziel auf uns, nämlich Monticello in der Nähe von Charlottesville, auch Virginia. Auf unserem Weg fiel uns ein paar Mal ein Plakat auf, in dem ein Ed Gillespie davor warnte, seinen Kontrahenten Ralph Northam zu wählen, weil dieser ein „F“ von der National Rifle Association verliehen bekommen hat und damit ganz klar, gegen die bestehenden Waffengesetze sei. Wie schön ist es dann in der Zeitung zu lesen, dass bei den Gouverneurswahlen in Virginia der Demokrat und Kinderarzt Ralph Northam gewonnen hat. Diese Art von Plakat hat dann wohl doch genügend Demokraten zur Wahl getrieben. Gratulation.

Das Wetter wurde immer schlechter, aber wir hatten noch eine Mission: Monticello, der Wohnsitz des 3. Präsidenten der USA, Thomas Jefferson. Jefferson war vielseitig begabt und hat sein Haus als Architekt selbst geplant. Es liegt auf einem Hügel inmitten einer Landschaft, die Piedmont-Region genannt wird. Ein klassizistischer Bau, umgeben von einem schönen Park. Hier ist Jefferson auch begraben. Auf dem Weg vom Visitor-Center kommt man an einem beeindruckenden Gemüsegarten vorbei, denn Jefferson war auch begeisterter Gärtner, nur mit dem Weinanbau kam er angeblich nicht zurecht. Das Klima muss den Weinbau zulassen, denn wir entdeckten auf der Hinfahrt Hinweistafeln auf mehrere Wineries. Heute war Monticello leider in vorwiegend in Novembergrau getaucht, aber die Schönheit des Landsitzes war doch zu erahnen.

Jamestown Discovery Trail

Spätestens Weihnachten müssen wir in Miami sein. Daher fahren wir heute mal wieder ein Stück nach Süden. Unser Ziel war der Jamestown Discovery Trail, südöstlich von Washington, der zwischen Richmond und Williamsburg an mehreren Plantagen vorbeiführt. In Fredericksburg gab es ein Mittagessen beim schmierigen Löffel, der in diesem Fall Shoney´s hieß.
Da es kurz nach 17.00 Uhr dunkel wird, schafften wir nur ein Plantage, nämlich die Shirley Plantation. Diese wurde schon 1613 gegründet und ist schon seitdem im Familienbesitz. Das merkte man bei der Führung durch das Erdgeschoss charmanterweise daran, dass im Obergeschoss Kindergetrappel zu hören war. Die Plantagenbesitzer bewohnen das erste und zweite Geschoss, das Erdgeschoss ist für die Öffentlichkeit zugänglich. Eine ältere Dame führte uns durch die Eingangshalle, einen Salon, ein Esszimmer und ein Schlafzimmer. Als Europäer ist man mit Schloßbesichtigungen groß geworden, da wirkt ein mit „historischen“ Möbeln eingerichtetes Herrenhaus schon ein wenig bemüht. Aber der Stolz, mit dem jedes noch so kleine Detail erzählt wird, der kommt wirklich von Herzen.
Es wurde vorwiegend auf die weiße Geschichte dieser Plantage eingegangen. Das ältere weiße Publikum fragte auch nicht nach der anderen, der Geschichte von Sklaverei und Zwangsarbeit. Dass diese Zeit schwerster Feldarbeit vorbei ist, sahen wir auf der Zuwegung zur Plantage. Hier waren gerade die letzten Baumwollfelder maschinell abgeerntet worden und die zu großen Rädern gepresste Baumwolle wurde gerade auf LKW´s verladen.
Ein letzter Blick zurück auf das Dach der Plantage, die mit einer Ananas verziert ist, das Zeichen für Gastfreundschaft und schon ging es weiter nach Williamsburg, wo wir heute übernachten.

Washington

Heute wollten wir Washington erkunden. Sehr ungewöhnlich für Amerikaner und für uns war, das wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln vom Campground bis zum Nationalarchiv, welches unweit des weißen Hauses steht, fahren wollten.
Wir nahmen den Bus und die Metro und nach knapp einer Stunde waren wir da. Leider regnete es heute in Strömen, sodaß wir das weiße Haus nur aus der Ferne und in Regennebeln gesehen haben. Und auch der Sculpture Garden der National Gallery lud nicht so richtig zum Verweilen ein. Es war also richtiges Museumswetter.
Unser Ziel war das National Museum of African American History and Culture, welches erst 2016 noch von Obama eröffnet wurde. Es wird auf drei Stockwerken die Geschichte und das Selbstverständnis der schwarzen amerikanischen Bevölkerung thematisiert. Angefangen von dem unrühmlichen Sklavenhandel und die Befreiung davon, die in den Sezessionskriegen kulminierte. Die Zeit von Martin Luther King und dem Marsch auf Washington bis hin zum ersten schwarzen Präsidenten Obama wird ein weites Spektrum eingeräumt. Aber auch farbige Musiker, Sportler und Künstler werden ausführlich behandelt. Manchmal ist die Präsentation medial etwas überladen und man weiß garnicht wohin man zuerst sehen und hören soll. Die kleinen Filme, die auf großen Leinwänden laufen und die geschichtliche Zusammenhänge in kleinen Häppchen erläutern, sind großartig gemacht. Auch Kuriosem wird eine Bühne gegeben.
Nach so vielen Eindrücken braucht man etwas Erholung und die gab es in der Cafeteria, wo, ich weiß nicht wie ich es nennen soll, ethnische Kost aus unterschiedlichen Gegenden der USA angeboten wurde. Sehr lecker.
Auf dem Rückweg, übrigens wieder im strömenden Regen, kamen wir am neuen Trump-Hotel im alten Postgebäude vorbei. Einen Kaffee wollten wir dort auf keinen Fall trinken, also ging es zu Pauls und von dort mit den Öffis zurück. Was wir morgen machen, hängt vom Wetter ab.

Arlington

Heute war zunächst ein Schönheitstag angesagt. Wir hatten beide einen Termin beim Frisör vereinbart. Ein ungezwungenes Reiseleben ist schön, aber als deutsche Waldschrate wollten wir beide nun auch nicht auftreten. Dazu mussten wir mit unserem Wohnmobil mit dem morgendlichen Berufsverkehr 30 Kilometer auf mehrspurigen Autobahnen zu dem Einkaufszentrum fahren, in dem sich der Frisör befand. Um es vorwegzunehmen: wir sehen beide großartig aus. Interessant war das Personal, so richtig amerikanisch im besten Sinne: ein Frisörin stammte ursprünglich aus Bolivien, lebte aber schon 20 Jahre in den USA und nun mit ihrer ganzen Familie rund um Washington. Die zweite Frisörin stammte aus England und war nun zwei Jahre hier und fest entschlossen, hier zu bleiben. Die dritte Frau, noch in Ausbildung, stammte aus Korea und war seit 15 Jahren hier, auch mit der ganzen Familie. Tja, Herr Trump, ich denke diese reizenden und fleißigen Menschen nennt man Immigranten.

Nach einem kleinen Lunch in der Mall, wollten wir heute unbedingt noch Arlington, den Nationalfriedhof, besuchen. Es ist sehr würdevoll angelegt und man wird auf Schildern immer wieder darauf hingewiesen, sich leise und mit Respekt auf dem Gelände zu bewegen. Die langen Reihen mit den schlichten Grabsteinen kennt man bei uns ja aus Filmen und Nachrichten. War wir nicht wussten ist, dass dort nicht nur Gefallenen liegen, sondern Soldaten allgemein. So kann man den Grabsteinen die Namen und Lebensdaten entnehmen und oft liegt das Todesdatum weit hinter dem Ende des 1. und 2. Weltkrieges, des Koreakrieges, Vietnam oder der Golfkriege. Man erwirbt offenbar das Recht dort begraben zu werden, wenn man ehrenvoll an einem Krieg teilgenommen hat. Manche haben auch an mehreren Kriegen teilgenommen. Auch Familienangehörige dürfen dort mit beerdigt werden. Unsere zweite Erkenntnis war die, dass „normale“ Soldaten kleine Steine haben und eher am Fuß des weitläufigen Friedhofhügels begraben liegen. Das militärische Führungspersonal bekommt größere Steine und liegt mit besserer Sicht. Aber die besten Plätze haben Politiker wie Abgeordnete, Governors und Senatoren.
Und gewundert haben wir uns über das Kennedy-Grab, das an prominenter Stelle liegt. Hier werfen die Leute Münzen auf die Grabplatten. Ob Jacky das gutheißen würde. Ich glaube nicht.

Müde vom vielen Laufen haben wir uns auf den Heimweg gemacht. Das hieß eine Stunde im Stau stehen. Spaß macht das eher nicht.

Ein Sonntag im November

Zuerst einmal möchten wir Rieke alles alles Gute zum Geburtstag wünschen. Viel Gesundheit, viel Erfolg im Studium und alles sonst, was Du Dir so wünscht.
Wir sind nach einer regnerischen Nacht von Gettysburg nach Washington gefahren. Den Campground Artillery Ridge in Gettysburg haben wir noch am Samstag Abend fluchtartig verlassen. Dort war das große Halloween-Wochenende angesagt. Wir haben auf unserer Reise schon viele schöne, lustige und schaurig-schöne Dekorationen gesehen. Wahrscheinlich überall dort, wo auch Kinder im Haus wohnen. Aber dem entgegengesetzt haben gab es auch die ein oder andere geschmackliche Entgleisung zu betrachten, von Gehängten im Apfelbaum bis zu völlig mit Halloween-Artikeln vermüllten Vorgärten. Aber die Dekoration unserer Camper-Nachbarn in Gettysburg war dann doch nicht mehr zu toppen: sie trugen aus ihrem Anhänger einen echten schwarzen Holzsarg, um der schon übervollen Inszenierung rund um ihren Trailer die Krone aufzusetzen. Das war für uns ein Zeichen, uns vom Acker zu machen.

Am frühen Nachmittag waren wir in Washington. Es regnete leise, war grau, eben echtes Novemberwetter. Da wir in den letzten Tagen so viel gefahren sind, hatten wir auch keine rechte Lust, mit der Metro in die Stadt zu fahren. So haben wir den Sonntag Nachmittag mit einem Schläfchen, Lesen und ein bisschen Hausarbeit verbracht. Aber morgen, da geht es wieder los.