Unser erstes Ziel heute war Williamsburg. Ein Dorf, das im 18. Jahrhundert lebt. Ehemals bis weit in das 18. Jahrhundert war Williamsburg als Hauptstadt von Virginia hinsichtlich des politischen und kulturellen Lebens so bedeutend wie Boston und New York. Danach fiel Williamsburg in einen Dornröschenschlaf und mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann man mit dem Wiederaufbau von Colonial Williamsburg als Living-History-Museum, in dem das Leben im 18. Jahrhundert gezeigt wird. Es gibt Straßen natürlich ohne Autos, Kutschen, Geschäfte und Handwerksbetriebe, wie es sie vermutlich im 18. Jahrhundert gegeben hat. Alle Geschäfte, Kneipen, Restaurants und Handwerksbetriebe werden von Personen in Originalkostümen bespielt. Vor einigen Häusern sitzen Menschen und schwatzen, nähen oder sticken. Wenn man diese aus der Zeit Gefallenen anspricht, sollen sie auch so tun, als würden sie das Hier und Jetzt nicht kennen. Das ist natürlich schwierig und so hatten wir eine nette Unterhaltung mit einer jungen Frau, die uns erzählte, dass Colonial Williamsburg von einer Stiftung bespielt wird, die 4.000 Menschen Arbeit gibt, davon arbeiten 1.600 in Kostümen. Ihr Beruf ist sozusagen, eine Person des 18. Jahrhunderts zu sein und nach Feierabend fährt sie mit dem Auto zurück in ihre Wohnung außerhalb von Williamsburg und kann da alle Annehmlichkeiten des 21. Jahrhunderts genießen. Es werden immer noch Mitarbeiter gesucht. Falls also einige unserer Leser beruflich mal etwas anderes machen möchten, das 18. Jahrhundert wartet. Trotz des musealen Aspektes wirkt Williamsburg nicht tot, was wahrscheinlich daran liegt, dass viele Häuser, die kein Geschäft oder ähnliches beinhalten, ganz „normale“ Wohnhäuser von Bürgern aus Williamsburg sind. Einzige Auflage ist, dass man von außen nicht sehen kann, dass man Strom und damit elektrisches Licht hat.
Nun wartete aber unser zweites Tagesziel auf uns, nämlich Monticello in der Nähe von Charlottesville, auch Virginia. Auf unserem Weg fiel uns ein paar Mal ein Plakat auf, in dem ein Ed Gillespie davor warnte, seinen Kontrahenten Ralph Northam zu wählen, weil dieser ein „F“ von der National Rifle Association verliehen bekommen hat und damit ganz klar, gegen die bestehenden Waffengesetze sei. Wie schön ist es dann in der Zeitung zu lesen, dass bei den Gouverneurswahlen in Virginia der Demokrat und Kinderarzt Ralph Northam gewonnen hat. Diese Art von Plakat hat dann wohl doch genügend Demokraten zur Wahl getrieben. Gratulation.
Das Wetter wurde immer schlechter, aber wir hatten noch eine Mission: Monticello, der Wohnsitz des 3. Präsidenten der USA, Thomas Jefferson. Jefferson war vielseitig begabt und hat sein Haus als Architekt selbst geplant. Es liegt auf einem Hügel inmitten einer Landschaft, die Piedmont-Region genannt wird. Ein klassizistischer Bau, umgeben von einem schönen Park. Hier ist Jefferson auch begraben. Auf dem Weg vom Visitor-Center kommt man an einem beeindruckenden Gemüsegarten vorbei, denn Jefferson war auch begeisterter Gärtner, nur mit dem Weinanbau kam er angeblich nicht zurecht. Das Klima muss den Weinbau zulassen, denn wir entdeckten auf der Hinfahrt Hinweistafeln auf mehrere Wineries. Heute war Monticello leider in vorwiegend in Novembergrau getaucht, aber die Schönheit des Landsitzes war doch zu erahnen.