Letzter Tag auf der Baja California. Heute geht es zurück zu „God´s own country“, oder was Amerikaner so dafür halten. Ein letztes Tschüss zu Uli und Günter, die noch einen Tag beim Hotel California in Ensenada bleiben wollten. Wir aber fuhren über die Ruta del Vino nach Norden. Schon auf dem Hinweg haben uns die vielen Weingüter, Restaurants und kleinen Hotels gefallen. Es gibt hier wirklich sehr viele Weingüter, sodass man bestimmt einige Zeit mit dem Probieren von Wein verbringen kann. Manche Weinberge begannen schon grün zu werden, manche hielten noch tiefen Winterschlaf. Das ist heute auch kein Wunder, denn es war heute bedeckt und wirklich kalt, also so zwischen 2 und 10 Grad Celsius. Die Mexikaner, die wir aus dem Auto beobachten konnten, hatten heute Mütze, Schal und dicke Jacke ausgepackt. Glaubt man gar nicht, denn unser Bild von Mexiko ist wohl eher warmer Sonnenschein.
In Tecate, der Grenzstadt haben wir unsere letzten Pesos bei PEMEX in Diesel umgesetzt. Und dann ging es zur Grenzstation. Diese ist nicht sehr groß und unsere Hoffnung war, dass es hier nicht allzu lange dauern sollte. Wir reihten uns in eine vielleicht 300 Meter lange Schlange ein und es ging erstaunlich zügig voran. Die amerikanische Grenzbeamtin hat uns gefragt, ob wir noch Lebensmittel im Kühlschrank hätten. Die paar Dinge hätte sie sich gerne ansehen können, aber sie verzichtete darauf und so konnten wir ohne weitere Inspektion die Grenze passieren. Innerhalb von gut 30 Minuten war alles erledigt.
Unser Ziel heute ist Viejas, ein Indianer-Reservat, das hier ein Spielcasinos, Hotels und zwei Campgrounds betreibt. Ein paar Kilometer weiter ist der Ort Alpine, wo wir erst einmal bei Albertsons eingekauft haben. Wieder zu amerikanischen Preisen. Die Avocado kostete hier 1,95 Dollar pro Stück. In Mexiko gab es das Pfund zu diesem Preis. Nun ja. Überhaupt ist es erstaunlich, wie anders es auf einmal kurz hinter der Grenze aussieht. Die gleichen landschaftlichen Gegebenheiten und doch ist es hier nicht so staubig, es liegt nicht so viel Plastikmüll herum und die Straßen sind in besserem Zustand. Das liegt an der Kultur, der Mentalität, dem Bewusstsein, dem höheren Einkommen? Eine interessante Frage. Uns hat es auf der Baja sehr gut gefallen, obwohl ich zugeben muss, dass ich anfangs schon ein bisschen schockiert war. Ich hätte es mir im Ganzen touristischer vorgestellt. Aber das richtige Malle-Feeling gibt es in Cabo San Lucas und dann noch in Ensenada. Der Rest der Baja hat noch einen weiten Weg vor sich, falls man sich in Richtung Tourismus entwickeln möchte. Wir wünschen der Baja dabei aber sehr, dass nicht alles zum Ballermann wird, sondern man die Schönheiten der Halbinsel erhält. Verdient hätten es die freundlichen und höflichen Menschen hier auf alle Fälle.
Baja California
Route in Mexiko
Die Route in der Baja California – ca. 4.000 km.
Abschied und Margaritas
Der Weg von Las Cañadas nach Ensenada war nun nicht mehr weit. Also bin ich für meine Verhältnisse früh aufgestanden und habe mich kurz nach halb neun auf den Weg gemacht, um einen kleinen Hügel innerhalb des Freizeitparks zu erklimmen, um von dort einen schönen Überblick über das Tal und das überaus große Gelände des Parks zu bekommen. Erstaunlich war, wie grün die Anlage war und beim näheren Hinsehen konnte man erkennen, dass man überall Bewässerungsschlangen ausgelegt hatte. Der Weg zum kleinen Gipfel war mit Sinnsprüchen garniert, damit man einen Grund hatte stehen zu bleiben und zu verschnaufen.
Danach ging es aber flugs nach Ensenada zu Starbucks. Wir mussten unsere Gadgets mal wieder auf den letzten Softwarestand bringen. Und einen Cappuccino hatten wir auch schon lange nicht mehr.
Um 12.00 Uhr mittags waren wir mit unserer Gruppe beim Hotel California, etwa sieben Kilometer hinter Ensenada verabredet. Dort stehen wir heute Nacht und von dort sind wir gemeinsam mit zwei Taxen in die Innenstadt von Ensenada gefahren. Erster Besichtigungspunkt war dort der Fischmarkt. Erstaunlich, was es dort alles zu kaufen gab: kleine Fische aller Art, Thunfisch, Schwertfisch, Gambas und Muscheln, von denen nicht alle besonders hübsch waren. Unser Spaziergang führte uns weiter den Malecon entlang bis zu einem Platz, an dem ein überdimensionierter Fahnenmast stand. Patrick erklärte uns, dass im Rahmen eines Programms zur Stärkung eines Nationalgefühls die Gemeinden vor ein paar Jahren aufgerufen wurden, Fahnenmasten mit der Nationalflagge aufzubauen. Viele Orte sind dem wohl nachgekommen und da wollte man dann schon eine ordentliche Flagge wehen sehen. Heute hing hier zwar keine, aber wenn, wäre sie bestimmt riesig groß.
Unser nächste Stopp war beim „Plaza de las 3 Cabezas“, der von den drei riesigen Köpfen der für Mexiko wichtigen Männer beherrscht wurde: Miguel Hildalgo y Costilla (Freiheitskämpfer), Benito Juárez (erster indigener Präsident Mexikos) und Venustiano Carranza (Impulsgeber für die mexikanische Verfassung von 1917).
Nach so viel Kultur, ganz wichtig war unser nächstes Ziel Hussong´s Cantina, eine historische Kneipe, wo angeblich einst die „Margarita“ erfunden wurde. Von außen sieht die Kneipe unscheinbar aus und aber innen ist sie urig eingerichtet mit vielen Bildern an der Wand und Sägespänen auf dem Boden. An einer Längsseite dominiert eine Bar und ansonsten gibt es einfache Tische und Stühle. Eine mexikanische Band, die wohl von Kneipe zu Kneipe zieht, spielte zwei flotte Nummern und zog dann weiter zum nächsten Tisch. Die Margerita schmeckte super, aber um 14.00 Uhr mittags bin ich das dann doch nicht so gewöhnt, sodass Martin und ich um die Ecke weiterzogen, um ein leckeres Pollo zu essen. Gestärkt konnten wir uns dann den Souvenirshops zuwenden.
Und es half auch, dass wir gegen 16.00 Uhr zurück beim Hotel waren und uns noch ein bisschen ausruhen konnten, bevor es zur letzten Besprechung dieser Reise mit anschließendem Abschiedsessen ging.
500 Meter vom Hotel California waren wir ausgezeichnet essen in einem Restaurant mit Blick auf den Pazifik. Wie immer war es ein unterhaltsamer Abend und Joop hielt eine kleine Rede, in der er unsere gemeinsame Reise Revue passieren ließ und sich in unser aller Namen bei Patrick, dem GO (Großer Organisator) dieses Trips ganz herzlich bedankte. Die Zeit verging wirklich wie im Flug, es war unsere erste Reise mit einer Gruppe und es war wirklich toll. Danke an Günter, Uli, Joop, Helen, Josef, Eva, Kristen, Vibeke, Werner, Véronique, Patrick und Anton. Gute Reise und „¡Hasta luego!“.
La Bufadora
Der Tag begann mit Regen. Regen in Mexiko, das ist etwas, was wir uns bisher nicht so richtig vorstellen konnten. Aber für die Erdbeerfelder neben dem Campground kam der Regen bestimmt richtig. Nicht zu viel, damit die Erdbeeren nicht faulen, aber genug, das sie schmackhaft werden. Leider können wir nun keine mehr kaufen, da wir übermorgen wieder in die USA einreisen und wir unnötige Diskussionen beim Grenzübertritt vermeiden wollen.
Unser Weg führte uns wieder nach Norden über die MEX-1 über Camalú, Colonet, San Vincente und Santo Tomás. Die Orte, die voller mexikanischem Leben uns auf dem Weg nach Süden noch so unheimlich anders und staubig vorkamen, empfanden wir nun typisch mexikanisch normal. Nun gut, staubig waren sie zum Teil schon noch, was auch an der steifen Brise gelegen haben mag, die vom Pazifik herüber wehte. Aber ganz so ärmlich kamen sie uns nun nicht mehr vor. Unser Auge kann nun erkennen, dass es hier alles gibt, was wir verwöhnten Europäer auch haben. Bestimmt nicht in der Ordentlichkeit und der Perfektion, aber wir haben Labore gesehen, Zahnarztpraxen, Supermärkte, Schulen, Papierläden, Schuhgeschäfte, Restaurants, Kaffeeläden, Süssigkeitengeschäfte, Modeläden, Gemüsegeschäfte, Autowerkstätten, einfach alles, was der Mensch vermeintlich so braucht. So gesehen, war es gar nicht schlecht, dass wir die MEX-1 ein zweites Mal gefahren sind. Die Strecke zwischen Colonet und Santo Tomás ist sogar richtig gut ausgebaut und führt in schönen Kurven durch die Berge und die alte Weinstraße.
Kurz vor Colonet kamen uns zwei Schwertransporter, beladen mit riesigen Steinbruchmuldenkippern entgegen. Die Begleitfahrzeuge und die Fahrer der Schwertransporter hatten die Ruhe weg und so kamen wir ganz gut aneinander vorbei.
Unser touristisches Ziel war heute La Bufadora. Hier handelt es sich um den zweitgrößten Brandungsgeysir der Welt. Man fährt von der MEX-1 ab und die MEX-23 schlängelt sich entlang der großen Bucht, an der auch Ensenada liegt. Der Pazifik zeigte sich von wunderbarem Blau, die Sonne schien und da machte es schon nichts mehr aus, dass es nur 16 Grad Celsius waren. Der Ort La Bufadora ist voll auf den Tourismus ausgerichtet. Da gibt es zum einen große Parkplätze und viele Restaurants. Und dann muss man, um die eigentliche Attraktion, den Geysir, zu erreichen, eine Gasse voller Souvenirläden passieren. Es gab hier T-Shirts, Taschen, Hüte, Tassen, Süßigkeiten, Nüsse, Keramik, einfach Nippes aller Art zu kaufen. Aber ein freundlich und höflich vorgetragenes „No Gracias“ genügte, und man konnte weitergehen.
Der Brandungsgeysir selber funktioniert sehr zuverlässig. Die ankommenden Wellen werden in einen tiefen Felseinschnitt gedrückt. Das Wasser steigt dann mit einem lauten Pfeifgeräusch auf und verteilt sich als bis zu 30 Meter hoher und feiner Wassernebel. Ein wirklich beeindruckendes Spektakel.
Aber auch sonst steht man hier hoch auf den Felsen und hat eine schönen Blick über eine mit Felsen durchzogene Bucht. Und die Kraft des Wasser und die Gischt zu beobachten ist immer wieder toll.
Heute Nacht stehen wir in Las Cañadas, einem Natur-Freizeitpark. Hier könnte man Schwimmen, Angeln, Wandern, Zipline-Fliegen und vieles mehr. Wir aber haben heute Evas Geburtstag gefeiert und gratulieren ihr noch einmal von ganzem Herzen. Obwohl es ganz schön frisch war und ein strammer Wind wehte und es am Schluss auch noch regnete, war es wie immer lustig, zusammenzusitzen.
Von Catavina nach Vincente Guerrero
Heute waren wir schon früh wach. Frei nach dem Motto, „ich habe Kaffeedurst, aber keinen Strom“, also mache ich, Amerikaner, um 6.30 Uhr meinen Generator an. Gringos eben, dachten wir, und sind dann auch aufgestanden.
Mit Helen, Joop, Veronique und Werner haben wir uns dann auf den Weg zu einer kleinen Wüstenwanderung gemacht, die durch eine Fels- und Kakteenlandschaft bis zu einer Höhle mit ein paar Wandmalereien führte. Man konnte schöne Fotos machen und der kleine Spaziergang in der Gruppe war überaus unterhaltsam. Unser Guide Patrick hatte sich auch noch dazugesellt und so sind wir anschließend bestens gelaunt in unsere Fahrzeuge gestiegen und haben uns auf den Weg nach Vicente Guerrero gemacht. Zwischendurch kommt man in El Rosario vorbei, der Ort, der mit der Rally Baja 1000 eng verbunden ist. Patrick und Joop, beide große Taco-Liebhaber haben hier gleich mal einen Stopp bei einer der Taco-Buden eingelegt.
Wir aber sind weitergefahren zum Playa El Socorro. Hier biegt man von der MEX-1 ab auf eine palmbestandene Allee, die am Pazifik endet. Diese Allee ist Teil eines Immobilien-Entwicklungsprojektes. Man versucht hier Grundstücke und Ferienhäuser zu verkaufen. Noch stehen erst ein paar Häuser. Aber daneben kann man an den Strand fahren und dort haben wir Eva und Josef getroffen, die die schöne Aussicht auf den Pazifik genossen. Es dauerte nicht lange, da kamen zwei Mexikaner angelaufen, die uns freundlich und nett über das Immobilienprojekt berichteten und auch davon, dass der „wilde“ Platz am Strand zum Campground werden soll. Nächstes Jahr, wenn wir wiederkommen, würden wir staunen.
Der Strand ist leider nicht zum spazieren geeignet, da er mit großen Kieseln bedeckt ist, über die man schlecht gehen kann. Aber der Blick auf das Meer und die Wellen war für uns wunderbar und wenn man ganz genau hinhörte, konnte man das Rollen der Kiesel durch die Wellen hören. Schön war das. Ein Haus mit Grundstück soll hier übrigens 200.000 Dollar kosten. Das fanden wir ist für Mexiko und die Lage kein Schnapper.
Nun mussten wir uns schon sputen, um unser abendliches Briefing zu erreichen. Heute haben Uli und Günter ein Gläschen Sekt zum Abschluss unserer gemeinsamen Reise spendiert. Das war wirklich sehr aufmerksam von beiden.
Immer wieder Catavina
Gerade komme ich von unserem abendlichen Lagerfeuer, das Patrick für uns auf dieser Reise schon mehrmals angezündet hat. Das sind immer ganz entspannte Abende mit schönen Gesprächen und Gedanken. Wir sind wieder mitten in den Bergen inmitten einer variantenreichen Kakteenlandschaft und schauen in einen sagenhaften Sternenhimmel. Da es so gut wie kein Streulicht gibt, leuchten die Sterne umso intensiver. Der große Platz in Cataviña, auf dem wir stehen gehört zu einer Ranch und es gibt kein Wasser und keinen Strom. Es ist einfach still und schön. Und da außer uns nur noch drei weitere Fahrzeuge hier stehen, gibt es auch keinen Lärm durch Generatoren, die von kanadischen und amerikanischen Campern auf trockenen Plätzen gerne verwendet werden.
Den Nachmittag haben wir mit einer kleinen Wanderung verbracht. Ein Mitglied der Rancherfamilie hat uns durch die felsige Kakteenlandschaft geführt und uns die Besonderheiten der einen oder anderen Pflanze erklärt. Die struppigsten Büsche werden teilweise für die Herstellung von Tee oder Salben verwendet, die gegen allerlei Beschwerden helfen. Es gibt aber auch Früchte, die Beschwerden bereiten, wenn man sie konsumiert. Es hilft also, sich ein wenig auszukennen. Aber wenn man mit offenen Augen durch solch eine Landschaft spaziert sieht man natürlich viele schöne Dinge, die vom Auto aus gar nicht zu erkennen sind. Die Blüte eines Busches fand ich besonders toll, denn sie sah aus wie aus roten Federn gemacht. Die sandige und felsige Umgebung lässt die Pflanzen aber auch besonders wirken, jeder Steingärtner hätte hier seine Freude.
Schon gegen 17.30 Uhr sind wir hier zum Essen bei der Rancherfamilie gewesen. Diese bieten ein Gericht an: Zwei Tacos mit einem Enchilada zusammen mit Reis und Bohnen. Sehr lecker. Teller und Besteck bitte mitbringen. Dafür kostet das authentische Essen mit einer Büchse Bier nur 120 Pesos (6,50 Euro).
Der Weg von Guerrero Negro nach Cataviña war nicht ganz so nett, denn die MEX-1 ist über weite Teile in überaus schlechtem Zustand. Neben dem Umstand, dass die Fahrbahn eng ist und ohne Bankett angelegt ist, ist sie von Schlaglöchern der Klasse exquisit durchzogen. Solange kein Gegenverkehr kommt, kann man dem einen oder anderen Loch noch elegant ausweichen, aber wenn dann etwas entgegenkommt, bleibt nur noch Zähne zusammenbeißen und mit dem Auto mitleiden, wenn die Reifen mit lautem Rumms über die Löcher fahren. Schnell fahren kann man auch nicht, aber dadurch, dass es die letzten Tage geregnet hat, hatte man den Eindruck, dass die Kakteen vom Staub befreit schön grün waren. Das ganze in der Kombination mit Felsen, Sonne und klarem blauen Himmel macht einfach gute Laune. Und so waren wir schnell in Cataviña und konnten den Samstag wie oben beschrieben genießen.
Vorsichtig fahren
Ein kleiner Nachtrag noch zu gestern. Als wir gegen 17.30 Uhr zu unserem abendlichen Meeting zusammensaßen, tat es plötzlich eine Schlag, gefolgt von zwei merkwürdigen Geräuschen und wir konnten gerade noch zusehen, wie von der Straße, die oberhalb des Campgrounds lag, sich ein roter PKW den Abhang hinunter überschlug und auf dem Dach liegenblieb.
Sofort rannten einige unserer Mitreisenden und ein paar Leute vom Campground zu der Unfallstelle, riefen die Ambulanz und sahen zu, dass sie bei dem Unfallopfer blieben. Die Polizei, der Rettungswagen und die Feuerwehr waren innerhalb von 10 Minuten zur Stelle, was wirklich eine Leistung ist, da der Campground noch vor dem Dorf Mulegé lag. Das Unfallopfer, eine Frau, wurde in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht und wir wünschen ihr gute Genesung. Innerhalb einer Stunde war der Spuk vorbei, der Abschleppdienst hatte das Unfallauto abgeholt und nichts mehr deutete auf diesen Schreck hin. Für uns aber war es Warnung, am nächsten Tag umso vorsichtiger zu fahren, denn aufgrund fehlender Bankette, schmaler Straßen und entgegenkommender LKW´s kann man hier auf der Baja ganz schnell von der Straße abkommen.
Unser Ziel heute war Guerrero Negro, kurz vor der Grenze zwischen Baja California Sur und Baja California. In Santa Rosalia haben wir noch kurz beim Supermarkt Ley eingekauft, bevor es weiter durch den von Vulkanen geprägten Teil der Baja California Sur ging. Dabei kommt man auch ein wenig durch die Berge, von denen man einen wunderbaren Blick über die kakteenbestandene Ebene hat. Leider gibt es hier an der Straße keine Spots, an denen man halten kann. Somit kommt eigentlich nur der Beifahrer in den Genuss dieser schönen Aussicht.
San Ignacio, die Palmenoase, die wir schon auf unserem Hinweg besucht haben, ließen wir dieses Mal links liegen. Nach einem kleinen Imbiss am Wegesrand, mit Blick auf eine hinreißende Kakteenlandschaft, garniert von einem dramatischen Wolkenhimmel, waren es noch ca. 100 Kilometer bis Guerrero Negro. Hier stehen wir nun dicht an dicht hinter dem Hotel Malarrimo. Wir haben heute zusammen hier im Hotel gegessen und das dreigängige Menü hat wirklich sehr gut geschmeckt und war nett angerichtet. Ein Essen jenseits von Tacos und Enchilladas, auch wenn es einen kleinen Klecks mit Bohnen gab.
Hang Loose
Eine Strecke von 40 Kilometern war heute zurückzulegen, die kürzeste unserer ganzen Tour. Das bedeutete, dass wir uns am Playa Requeson Zeit lassen konnten. Es war zwar etwas bedeckt, aber mit 25 Grad Celsius ganz schön warm. Das besondere an der Lagune Requeson ist, dass man ganz nahe an der Wasserlinie stehen kann. Wenn man also morgens aufwacht und aus dem Fenster schaut, sieht man smaragdgrünes Wasser, weißen Sand, Kakteen und ein paar Berge im Hintergrund. Nicht, dass meine Aussicht in Hamburg aus dem Schlafzimmer schlecht wäre, aber das hier ist schon eine Liga für sich.
Am morgen kamen verschiedene Händler vorbei und boten frischen Fisch, Garnelen, Gemüse, Schnitzereien, Armbänder und Teppiche an. Ein kleiner Spaziergang führte uns aus unserer Bucht um einen kleinen Bergrücken herum in die nächste Bucht. Man kommt an vielen trockenen und struppigen Pflanzen und Kakteen vorbei, die es offenbar gewohnt sind, ohne viel Wasser auszukommen. In der nächsten Bucht gab es auch weißen Strand, blaues Meer, keine Leute, dafür aber jede Menge Seevögel und ganz viele verschiedene Kakteen.
Diese Strände wie der in Requeson haben den Reiz der Unbeschwertheit, der Anarchie oder des Reisens, ohne viel Geld haben zu müssen. Dem „Host“ gibt man 100 Pesos und schon entfaltet sich vor einem das Paradies. Leider aber hatte auch das Paradies so seine Schattenseiten. Und hier bedeutet es, dass auf der dem Meer abgewandten Seite jede Menge Schrott und Sperrmüll liegt. Und da es keine ordentliche Versorgung mit Toiletten gibt – die zwei Dixiklos machten schon von weitem keinen vertrauenserweckenden Eindruck.
Aber genug davon, schön war es schon am Strand. Und immer wieder nett sind die Unterhaltungen mit anderen Touristen.
Gegen Mittag haben wir uns dann doch auf den Weg nach Mulegé gemacht. Hier stehen wir nun auf einem Platz, an dem es vor zwei Tagen geregnet hat. Auch das gibt es wohl und für uns ist das vielleicht die Gelegenheit, später auf unserer Reise noch blühende Kakteen zu sehen.
Car Wash
Es war heute wenig zu fahren, 90 Kilometer von Loreto nach El Requeson. Da wir innerhalb unserer Gruppe eh immer diejenigen sind, die als letzte vom Platz fahren und meist die letzten sind, die ankommen, haben wir uns auch heute Zeit gelassen.
In der Straße in der auch der Campground gelegen war, gab es einen Platz zum Autowaschen. Nachdem wir schon gestern die Dienstleistung des Wäschewaschens in Anspruch genommen haben, durften wir heute zusehen, wie zwei nette junge Männer unser Wohnmobil von Hand gewaschen haben. Einer kletterte behende über das Ersatzrad am Wagenende auf das Dach, um die Dachfenster und die Solaranlage vom Schmutz zu befreien. Mit anschließendem Trockenreiben. Die Scheiben rund um das Auto glänzen nun, jeder Spalt und jeder Dreck wurde rund um die Spiegel und die Front entfernt. Für uns wurde noch eine Autorückbank in den Schatten geschoben, sodass wir bequem das Treiben beobachten konnten. Es ist schon merkwürdig, wenn andere für einen arbeiten, aber unangenehm ist es auch nicht. Nach gut einer Stunde, inzwischen hatte ich einige Süßstückchen beim Bäcker um die Ecke für die fleißigen Jungs und uns geholt, war das Auto fertig. Inklusive Trinkgeld kostete es keine 20 Euro. Die etwas niedrig hängende Stromleitung wurde kurzerhand mit Hilfe eines Besens angehoben und schon konnten wir uns mit eine blitzblanken Auto auf den Weg nach El Requeson machen.
Die Straße war nett angelegt, kurvig, aber mit Aussicht auf Kakteenwälder und dahinterliegende Berge. In einer Kurve verabschiedete sich unsere zweite Schublade, die mit lautem Gerumse aus der Schiene sprang, da sich der Verschluss gelockert hatte. So langsam stellen sich schon einige Dinge ein, die nach dieser Reise dringend überholt werden müssen. Die bisher nicht nur auf guten Straßen gefahrenen knapp 30.000 Kilometer verlangen ihren Tribut.
Dafür wurden wir in El Requeson von einem überaus reizvollen Strand empfangen. Wir stehen hier auf einer sandigen Halbinsel, die in eine Lagune ragt. Das Wasser ist relativ flach und eignet sich nicht zum Schwimmen, dafür aber zum Spazierengehen. Auch im Wasser, aber Obacht, es soll hier kleine Stachelrochen geben und wenn man auf die tritt, kann es ziemlich schmerzhaft werden. Aber ich hatte mir ja bei Walmart ein paar Badeschuhe gekauft.
Heute Abend haben wir den morgigen Tag besprochen und gleichzeitig erfahren, wie Tequila schmeckt und wie er hergestellt wird. Patrick hatte eine Flasche der Klasse Reposada gekauft, was bedeutet, dass der bernsteinfarbene Tequilla zwischen 3 Monaten und einem Jahr im Eichenfass gereift ist. Das nimmt ihm das Spritige des ansonsten durchsichtigen weißen Tequilla, der überwiegend in Drinks verwendet wird. Tequilla wird aus dem Herz der blauen Agave gewonnen, wobei die Pflanze zwischen 8 und 9 Jahren alt sein muss und dann 50 bis 80 Kilogramm wiegt. Dieses Pflanzenherz wird dann zerkleinert, gekocht, abgekühlt und der auslaufende Sirup wird fermentiert und dann gebrannt.
Mezqual ist der Oberbegriff für diese Art von Alkohol, aber nur der aus der blauen Agave hergestellte, darf sich Tequilla nennen. Prost.
Und weil es so schön war, hat Patrick für uns mit Einbruch der Dunkelheit ein Feuer am Strand entzündet und so saßen wir noch lange bei milden Temperaturen gut gewärmt um den Feuerring und hatten einen ganz entspannten und unterhaltsamen Abend. Und die Tequilla-Flasche konnte er später auch entsorgen. Danke Patrick für die tolle Organisation.
Loreto
Ein Pausentag war heute in Loreto angesagt. Diese kleine Stadt verfügt über eine schöne Strandpromenade und einen lang gezogenen Strand, der aber leider dunkelsandig ist und damit nicht ganz so traumhaft aussieht. Der Bucht vorgelagert liegt die Isla Coronado. Die ist unbewohnt, aber man kann zu einem Bootsausflug dorthin fahren. Hübscher und interessanter ist die kleine historische Innenstadt rund um den die Plaza Civica und die Mission „Nuestra Señora de Loreto“. Hier gibt es viele kleine Geschäfte, die Souvenirs verkaufen, Cafés, Silbergeschäfte und Bars. Man kann unter schattigen Bäumen flanieren und insgesamt ist Loreto eine entspannte Stadt.
Praktischerweise gab es gegenüber des Campgrounds eine Wäscherei, wo eine Waschmaschinenladung 70 Pesos kostete. Dafür wurde die Wäsche gewaschen, getrocknet und zusammengelegt. Alles picobello. Umgerechnet sind 70 Pesos übrigens ungefähr 3 Euro. Da freut sich die Hausfrau.
Heute Abend haben wir als Gruppe auf der Plaza Civica gemeinsam Pizza gegessen. War auch lecker und eine willkommene Abwechslung zu mexikanischen Hausmannskost.