Der Tag begann mit Regen. Regen in Mexiko, das ist etwas, was wir uns bisher nicht so richtig vorstellen konnten. Aber für die Erdbeerfelder neben dem Campground kam der Regen bestimmt richtig. Nicht zu viel, damit die Erdbeeren nicht faulen, aber genug, das sie schmackhaft werden. Leider können wir nun keine mehr kaufen, da wir übermorgen wieder in die USA einreisen und wir unnötige Diskussionen beim Grenzübertritt vermeiden wollen.
Unser Weg führte uns wieder nach Norden über die MEX-1 über Camalú, Colonet, San Vincente und Santo Tomás. Die Orte, die voller mexikanischem Leben uns auf dem Weg nach Süden noch so unheimlich anders und staubig vorkamen, empfanden wir nun typisch mexikanisch normal. Nun gut, staubig waren sie zum Teil schon noch, was auch an der steifen Brise gelegen haben mag, die vom Pazifik herüber wehte. Aber ganz so ärmlich kamen sie uns nun nicht mehr vor. Unser Auge kann nun erkennen, dass es hier alles gibt, was wir verwöhnten Europäer auch haben. Bestimmt nicht in der Ordentlichkeit und der Perfektion, aber wir haben Labore gesehen, Zahnarztpraxen, Supermärkte, Schulen, Papierläden, Schuhgeschäfte, Restaurants, Kaffeeläden, Süssigkeitengeschäfte, Modeläden, Gemüsegeschäfte, Autowerkstätten, einfach alles, was der Mensch vermeintlich so braucht. So gesehen, war es gar nicht schlecht, dass wir die MEX-1 ein zweites Mal gefahren sind. Die Strecke zwischen Colonet und Santo Tomás ist sogar richtig gut ausgebaut und führt in schönen Kurven durch die Berge und die alte Weinstraße.
Kurz vor Colonet kamen uns zwei Schwertransporter, beladen mit riesigen Steinbruchmuldenkippern entgegen. Die Begleitfahrzeuge und die Fahrer der Schwertransporter hatten die Ruhe weg und so kamen wir ganz gut aneinander vorbei.
Unser touristisches Ziel war heute La Bufadora. Hier handelt es sich um den zweitgrößten Brandungsgeysir der Welt. Man fährt von der MEX-1 ab und die MEX-23 schlängelt sich entlang der großen Bucht, an der auch Ensenada liegt. Der Pazifik zeigte sich von wunderbarem Blau, die Sonne schien und da machte es schon nichts mehr aus, dass es nur 16 Grad Celsius waren. Der Ort La Bufadora ist voll auf den Tourismus ausgerichtet. Da gibt es zum einen große Parkplätze und viele Restaurants. Und dann muss man, um die eigentliche Attraktion, den Geysir, zu erreichen, eine Gasse voller Souvenirläden passieren. Es gab hier T-Shirts, Taschen, Hüte, Tassen, Süßigkeiten, Nüsse, Keramik, einfach Nippes aller Art zu kaufen. Aber ein freundlich und höflich vorgetragenes „No Gracias“ genügte, und man konnte weitergehen.
Der Brandungsgeysir selber funktioniert sehr zuverlässig. Die ankommenden Wellen werden in einen tiefen Felseinschnitt gedrückt. Das Wasser steigt dann mit einem lauten Pfeifgeräusch auf und verteilt sich als bis zu 30 Meter hoher und feiner Wassernebel. Ein wirklich beeindruckendes Spektakel.
Aber auch sonst steht man hier hoch auf den Felsen und hat eine schönen Blick über eine mit Felsen durchzogene Bucht. Und die Kraft des Wasser und die Gischt zu beobachten ist immer wieder toll.
Heute Nacht stehen wir in Las Cañadas, einem Natur-Freizeitpark. Hier könnte man Schwimmen, Angeln, Wandern, Zipline-Fliegen und vieles mehr. Wir aber haben heute Evas Geburtstag gefeiert und gratulieren ihr noch einmal von ganzem Herzen. Obwohl es ganz schön frisch war und ein strammer Wind wehte und es am Schluss auch noch regnete, war es wie immer lustig, zusammenzusitzen.