Nach Baie Comeau

Um es vorweg zu sagen, der Tag endete unerwartet und damit umso erfreulicher mit „Vol aux Vents“, besser bekannt auch als „Pastetchen“, dem Gericht feierlicher Anlässe aus meiner Jugend.
Unser Tag begann mit einem Cappuccino bei Tim Hortons. Danach brauchten wir Wasser. Und wir bekamen es bei der überaus hilfsbereiten Feuerwehr von Labrador City. Wir durften auch die superglänzenden, gepflegten und technisch bemerkenswerten Feuerwehrautos anschauen.
Danach ging es auf die Straße nach Baie Comeau. 585 Kilometer. Wir dachten, eine mehr oder weniger gut geteerte Straße galt es zu bewältigen. Aber schon kurz hinter Labrador City waren die ersten 100 Kilometer Gravel oder besser Lehmstraße. Und was gibt es zu sehen? Natürlich das übliche, Seen, Wald und Grasland. Das spielt aber nicht so die Rolle. Vorherrschend ist der Dreiklang von Eisenbahntrasse, Stromtrasse und Straße. Und dann natürlich kurz hinter Labrador City eine Mine im Tagebau. Ohne direkt Mitglied von Greenpeace werden zu wollen, aber es stimmt einen schon nachdenklich, wenn man die riesigen Abraumberge sieht, die archaisch wirkenden Industriebauten, die Abwasserseen und ewig lange mit Erzen beladene Züge.

Nach 100 Kilometern ist die Straße auf einmal geteert. Dafür geht nun die Straßenführung direkt durch die Berge, steil rauf und steil und kurvig runter. Hier lernt man das Schalten.
Da wir uns nun in Quebec befinden, sind alle Straßenschilder in Französisch gehalten. Nach weiteren 100 Kilometern fährt man an einem riesigen Staudamm vorbei. Man fährt von der Krone der Staumauer runter unterhalb der Sohle. Gigantisch. Ein großes Umspannwerk, ein paar Arbeiterwohnheime und sonst nichts.
Und weiter geht wieder auf Gravelroad und dann wieder auf frischem Teer. Schade ist, dass es fast keine Möglichkeiten zur Pause gibt. Dann und wann gibt es überaus häßliche und ungepflegte Turnouts, die nicht zum Verweilen einladen. Wo es einen See gibt, führt die Straße schnurstracks dran vorbei. Oder man sieht kleine Jagdhütten mitten im Wald, die man auch nicht erreichen kann. Und dann gibt es noch SOS Stellen (sehen aus wie Telefonhäuschen), von wo man Hilfe holen kann. Wichtig, denn auf der ganzen Strecke hat man keinen Handy Empfang.
Nach 450 Kilometern hatten wir genug. Der nächste Platz würde unser Übernachtungsplatz werden, egal, wie hässlich.
Und da erschien das Relais Manic Outardes. Auf den ersten Blick kein hübscher Ort. Ein einfaches Haus, eine Tanke und Schlafbaracken. Aber dort essen und schlafen die Arbeiter umliegender Baustellen und einer Papierfabrik. Was brauchen Männer in der Wildnis? Gutes Essen. Kein Wunder, dass die meisten das zweite Gericht, nämlich Steak mit Kartoffelbrei und Gemüse wählten. Nach meiner Pastete und Martins Steak und zwei Bier wurde das Gasthaus zum Hort französischer Gastlichkeit.

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