Bible Belt

Vom River View Park and Resort in Vidalia, am Mississippi gegenüber von Natchez sind wir heute weiter nach Nordwesten gefahren. Ein letzter Blick zurück auf den großen Strom und seine beeindruckenden Schubschiffeinheiten, weiter flussabwärts gab es eine größere petrochemische Anlage von BASF und schon fühlte ich mich zurück nach Mannheim/Ludwigshafen und den Rhein erinnert.
Aber schon ein paar Kilometer weiter war klar, das hier ist der berühmte Bible Belt der USA. Man fährt durch landwirtschaftliche Gebiete (Baumwolle, Mais, Soja) und durch Orte, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Man sieht einzelne schöne Farmhäuser, aber auch viele abgerissene Mobile-Homes. Bei letzteren erschreckt die Menge an Müll und Schrott, die sich um diese Häuser ansammeln. Immer picobello dagegen sind die Kirchen. Auf eine Strecke von knapp 80 Meilen bis nach Monroe haben wir bestimmt 100 größere und kleinere Kirchen gesehen. Catholic Church, Methodisten und Pentecoastals, letztere gehören den Pfingstgemeinden an. Wir haben überlegt, wie es sein kann, dass diese gepflegten Kirchen neben so vielen abgerissenen Wohnhäusern existieren. Die Antwort wurde uns später bei Duck Commander geliefert.
Duck Commander, wer kennt sie nicht? Das sind ein paar wilde Jungs, die Entenlockpfeifen erfunden haben und inzwischen die Welt an ihrem Leben teilnehmen lassen. Bärte, Camouflagekleidung und wilde Sprüche. Wir haben uns in ihrem Laden in West Monroe, Mississippi, umgesehen und sind mit zwei Verkäufern ins Gespräch gekommen.
Zunächst wurden uns die Vorzüge der Entenlockpfeifen live vorgeführt, sodass wir um einen Kauf derselben nicht herumkamen. Allerdings das Basic-Modell für 10 Dollar. Die in der Ausführung luxuriöseren Modelle kosteten bis zu 250 Dollar. Aber auch mit denen kommt nur eine Ente und kein Elch aus dem Gebüsch. Auf die Frage, ob denn der Laden 7 Tage die Woche geöffnet sei, kam die Antwort „Not on Sunday“. An diesem Tag sind die Leute busy, nämlich in der Kirche. Und beide erzählten uns nun von Bibelstunden, an denen sie teilnähmen und dass an jedem Sonntag die Kollekte unterschiedliche Bestimmungen hat. Unterstützung der Bedürftigen in der Gemeinde, Unterhalt oder Bau des Gotteshauses, Unterstützung weltweit bei Katastrophen, Bildung, Missionarsarbeit und vieles andere mehr. Sie erzählten, dass ihre Gemeinde 1000 Mitglieder habe und dass an dem Sonntag, an dem für die weltweiten Katastrophen gesammelt wurde, 120.000 Dollar zusammen kamen. Die Aufgabe der Gemeinde sei zum einen die Erbauung, aber zum anderen auch die Organisation des gesellschaftlichen Lebens.
Nach diesem erbauenden Einkauf fuhren wir auf der Interstate 20 weiter nach Shreveport/Bossier City. Bossier City lebt von Spielcasinos. Wir stehen heute Nacht auf einem Platz, der zu einem dieser Casinos gehört und ziemlich preiswert ist. Ich weiß ja nicht so genau, ob „der Lord“ es gerne sieht, wenn die Menschen sich dem Glücksspiel hingeben, aber sei es drum, wir haben uns dann in dem Spielcasino umgesehen. Jetzt bin ich kein Experte, aber hier spielten auch diejenigen, die das Geld besser in Kleidung, ein neues Dach oder den Friseur investiert hätten. In dem Spielsaal stehen jede Menge einarmige Banditen, ähnlich wie auf deutschen Autobahnraststätten, wo man gegen Einsatz von mindestens 25 Cent pro Spiel darauf hoffen darf, dass drei gleichzeitig erscheinende Erdbeeren, Kirschen oder Apfelsinen einen kleinen Gewinn anzeigen, der auf einen noch größeren hoffen lässt. Vor den Geräten sitzen Menschen aller Couleur, die das Warten auf den großen Kick verbindet. Dann gab es noch eine Roulette-Tisch, ein paar Black-Jack-Tische und sonstige Spieltische, die aber nur mäßig besetzt waren. Man hätte Stunden damit zubringen können, die Leute dort zu beobachten, aber dass mögen Spieler verständlicherweise nun mal nicht und so war unser Besuch eher kurz. Aber wir wissen ja nun, dass der Gewinn am Sonntag in die Kollekte fließt.

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