Nachdem wir heute an einem Turnout 30 Kilometer vom nächsten Ort übernachtet haben, starteten wir bei Neuschnee, 0 Grad Celsius und Sonnenschein zum Sehnsuchtsort von Martin: Cartwright. Bis zum Abzweig dorthin waren zunächst 90 km Gravelroad zu fahren. Unterbrochen von Baustellen, denn die Vorbereitung, die Straße von Lodge Bay aus weiter in den Norden zu asphaltieren, läuft auf vollen Touren. Dabei kann man das schwere Baugerät von Caterpillar bewundern.
Was uns immer wieder wundert, ist, wie verschwenderisch man hier mit Land umgeht. Für eine später mal zweispurige Straße wurde eine bis zu 50 Meter breite Schneise in die Landschaft geschlagen.
Ab dem Abzweig nach Cartwright waren es dann noch einmal fast 90 km Gravelroad. Wir hielten auch mal an, um zu fotografieren. Das war Grund genug für einen vorbeikommenden LKW-Fahrer, nachzufragen, ob wir „in trouble“ sind. Aufmerksam und hilfsbereit ist man hier wohl immer. In Cartwright selbst gibt es außer zwei Tanken mit angeschlossenem Tante-Emma-Laden, einer Schule, einer Bibliothek und einem Hafen. Von hier werden die nördlichen Weiler, die nur noch mit dem Schiff erreicht werden kann, wöchentlich versorgt. Das öffentliche Internet der Bibliothek litt an Schwindsucht und die nette Lehrerin, die wir danach fragten, konnte uns auch nicht weiterhelfen. Cartwight hatte also wenig mit Bonanza zu tun und Little Hoss begegnete uns auch nicht. Also fuhren wir mal eben wieder 90 km Gravelroad zurück. Ist nicht so schlimm, wie es sich anhört, da wir immer durch eine schöne Natur fahren. Irgendwie ist es immer, als ob man durch einen Bildband fährt. Nun sind wir auf der 510 nach Happy Valley-Goose Bay, wieder mitten in der Walachei. Es ist stockdunkel und still. Ich meine richtig still.
Unsere abendliche Rommé-Runde wurde unterbrochen von einem Klopfen. Ein freundlicher Herr erklärte uns, dass er beim nächsten Turnout, 40 Kilometer weiter, eine Wölfin mit zwei jungen gesichtet hat. Die sollten wir morgen auf alle Fälle fotografieren. Machen wir und hoffen, dass sie heute Nacht keine Lust haben, 40 Kilometer zu uns zu laufen. Jede wilde Romantik hat ihre Grenzen.