Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz des Weingutes L.A. Cetto ging es weiter entlang der Ruta del Vino. Ein Weingut kommt nach dem anderen. Encuentro Guadalupe, Casa Pedro Domeco, Monte Xanic und Mogor Badán, um nur einige zu nennen. Besonders die supermoderne Architektur von Encuentro Guadalupe hat uns besonders gefallen.
Unser nächstes Tagesziel war Ensenada. Die drittgrößte Stadt der Baja California ist eine Hafenstadt mit einer netten Hafenpromenade und und einem touristisch geprägten Ausgehviertel. Das haben wir aber heute links liegen gelassen und haben den Chapultepec Hill Mirador erklommen. Erklommen ist wohl das richtige Wort, denn es ging supersteil hoch über die Stadt. Von dort hat man einen guten Überblick über den Hafen und Ensenada. Hier oben gibt es Gated Communities und schicke Häuser, weiter darunter wird es eher ärmlich.
Da es mit dem Internet hier nicht so weit her ist, war Starbucks heute unser nächstes Ziel. Auch hier wie überall überwiegen die WLAN-Jäger die Kaffeeliebhaber.
Gut gestärkt ging es dann zu unserem noch ca. 150 Kilometer entfernten Tagesziel: Vicente Guerrero.
Die von Norden nach Süden führende Staatsstraße 1 ist mal gut ausgebaut, mal sehr schmal. Sie führt durch Orte wie Santo Tomás, San Vicente, Colonet, Camalú bis nach Colonia Vicente. Wie soll man diese Orte beschreiben? Von der geteerten Straße fällt es links und rechts staubig ab zu den vielleicht 10 Meter entfernten Häuserreihen. Staub überall. Es gibt überall Stände mit Tacos, Pollo asado, kleine Lebensmittelgeschäfte, Autowerkstätten, Frisöre und weitere Buden aller Art. Man sieht viele Menschen auf der Straße, die Autos fahren links und rechts auf und von der Straße. Ein Gewimmel. Vieles macht einen ärmlichen Eindruck.
Wenn man die Orte verlässt, wechselt die Landschaft von flach bis bergig. Mal sieht man grüne Ackerflächen, mal Weiden. Immer aber sieht man am Wegesrand sehr viel Müll. Bei den Ackerflächen fanden wir besonders bemerkenswert diejenigen, auf denen Ohrenkakteen angepflanzt werden. Im Supermarkt haben wir heute in der Gemüseabteilung einen Angestellten gesehen, der die Stacheln der einzelnen „Ohren“ entfernte und dann die handgroßen Blätter in kleine Streifen geschnitten hat. Das konnte man dann in Tüten kaufen. Von Patrick haben wir erfahren, dass die Kakteen kurz blanchiert werden und dann als Salat mit einer Vinaigrette gegessen oder wie Bohnen mit Speck und Zwiebeln gegessen werden. Heute Abend hatten wir ein gemeinsames Essen mit unserer überaus netten Reisegruppe. Ich hatte ein Steak, das auf einem gebratenen Ohrenkaktusblatt lag. Also ich fand, es hatte einen leicht zitronig-sauren Geschmack. Da kann man bestimmt noch mehr draus machen.
Einen Militärposten haben wir auch passiert. Mitten im Nichts ist ein fester Posten aufgebaut. Ein freundlicher Soldat wollte wissen, woher wir kommen und wohin wir wollten. Manchmal wird auch das Auto inspiziert. Das hatten wir heute aber nicht.
Wir stehen nun auf einem Campingplatz in Colonia Vicente Guerrero. Er ist einfach und staubig, bietet aber Wasser, Strom und Dumping und hat ein angeschlossenes Lokal. Es scheint nicht mehr viele Campingtouristen auf der Baja California zu geben, denn besonders viele Plätze gibt es nicht. Wahrscheinlich fehlen auch die Kunden, denn für viele Amerikaner wohnt das Grauen gleich hinter der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Was für ein Unsinn.