Prudhoe Bay, Alaska

Heute morgen mussten wir um 5.00 Uhr aufstehen. Am Ufer des Sagavanirktok ging die Sonne auf und tauchte die Industrieanlagen von Deadhorse in ein freundliches Licht. Um 6.00 Uhr waren wir in der Werkstatt, die personalmäßig voll besetzt war. Wir wollten die Zeit der Reparatur nutzen, um im Hotel Aurora zu frühstücken. Auf die Frage, ob das Hotel in „walking distance“ sei, wurden wir mit einem Kopfschütteln bedacht und es wurde uns ein Ford Heavy Duty Pickup zur Verfügung gestellt. „A working car“, meinte der Mechaniker entschuldigen, zu dem verdreckten Auto, aber wir freuten uns über die Authentizität des Autos, mit dem wir einen guten Kilometer zum Frühstück fuhren. Das Angebot des Buffets war reichlich und wieder sehr lecker. Ein Wi-Fi gab es auch. Nach gut einer Stunde waren wir wieder bei Peterbuilt. Die Aufhängung war geschweißt und mit einem „Have a good trip, guys“ wurden wir, ohne dass wir etwas bezahlen durften, verabschiedet. Also an dieser Stelle noch einmal ganz herzlichen Dank.

Danach ging es zu unserer Tour nach Prudhoe Bay. In einem Hotel Caribou Camp wurden wir von unserem Guide abgeholt, der von BP bezahlt wurde. Eine kleine Tour durch den Ort und dann ging es hinter den Checkpoint auf das Gelände der Ölfelder. In großem Abstand sieht man auf dem Grasland die einzelnen Bohrtürme, die Anlage, wo Öl und Gas getrennt werden, die Fackeln und die erste Pumpstation der Alaska Pipeline. Das alles ist verbunden durch oberirdisch verlaufenden Leitungen und einem Geflecht von Gravel Roads, das mehrere tausend Kilometer umfasst. Heute regnete es leicht und alles versank in Matsch und Dreck. Man wartet auf den Schnee, dann sind die Straßen leichter zu befahren. Wir wurden bis an den Strand des Eismeeres chauffiert. Baden war heute nicht gestattet, was bei 2 Grad Celsius Außentemperatur auch kein Spaß gewesen wäre. Der Guide erzählte, dass in den einzelnen Camps und Zulieferbetrieben 6000 Menschen arbeiten. Alle in Schichten von 2-3 Wochen Arbeit (7 Tage die Woche) und 2-3 Wochen frei. Man wird von Anchorage ein- und ausgeflogen. Und es wird immer betont, dass man nur ein halbes Jahr arbeite und gutes Geld verdiene. In ganz Deadhorse ist Alkohol verboten.

Ach ja, und dann trieb sich ein Grizzlybär auf dem riesigen Gebiet der Ölfelder herum. Mit einem Fernglas konnten wir ihn aus einiger Entfernung ausmachen.

Wir verabschiedeten uns von Deadhorse und machten uns wieder auf den teilweise verschneiten Weg nach Fairbanks (494 Meilen). Wir haben nun das Ende der Welt gesehen, kein Touristenspot, aber ein Ort, der durch die besondere Situation der hier arbeitenden Menschen irgendwie auch eine ganz besondere Atmosphäre hat. Auf alle Fälle habe ich noch nie so viele schwere Baumaschinen, Radlader, Kettenfahrzeuge, große Trucks und Wohnkabinen auf Kufen für den arktischen Winter gesehen.

 

Deadhorse, Alaska

Es war ganz schön kalt heute Morgen, als wir unseren Weg nach Deadhorse fortsetzten. Jetzt begann das „längliche“ Stück. Die ersten 30 Meilen waren auf das Feinste geteert und dann kam wieder die Mischung aus Gravel und geteertem Gravel. Und dann ging es durch die Berge und es schneite am 31. August 2014. Der Schnee blieb auch liegen und später kam die Sonne durch und bot grandiose Aussichten. Ein LKW vor uns hatte auf dem steilen Atigun Pass (1.444 m) sogar Ketten angelegt. Die Temperatur schwankte zwischen 2 Grad plus und 2 Grad minus.

Und dann kamen wir in die Ebene, Tundra. Angeblich soll es hier große Karibou Herden geben. Wir haben nur tote Karibous und viele Karibou-Geweihe auf unzähligen Pick-ups gesehen, die uns entgegenkamen. Entlang eines mäandernden Flusses konnte man auch eine ganze Menge Jägercamps entdecken. Und ganz bequeme Jäger sitzen in ihren Fahrzeugen am Straßenrand, das Gewehr in die Pampa gerichtet und hoffen auf Beute. Mit einer Jagdgesellschaft haben wir gestern gesprochen. Sie hatten insgesamt 600 kg Fleisch erbeutet. Der modebewusste Jäger hier trägt übrigens nicht mehr tannengrün, sondern mit Blättern und Ästen bedruckte Hosen und Sweater.

Ja näher wir Deadhorse kamen, desto schlechter wurden die Straßen. Zum Schluss konnte man noch 40 km/h fahren. Und es zog sich wirklich dahin. 800 km eine Strecke, um an das Ende der Welt zu gelangen. Und das war es denn auch. Eine Ansammlung von Containern, Baracken, schweren Baumaschinen, Kettenfahrzeugen, einem Flugfeld, drei aus Containern zusammengebauten Hotels und unzählige Pick Ups.  Der Ort ist nur auf Arbeit auf den Ölfeldern ausgerichtet. 7 Tage die Woche von morgens bis abends. Unser Ziel war zunächst Peterbuilt, die zu Mercedes gehören. Denn auf der schlechten Strecke, ist eine Aufhängung des vorderen Kotflügels gebrochen. „Kein Ding“, meinte der junge Mann dort. „Kommen Sie morgen früh um 6.00 Uhr und dann schweißen wir“. Anschließend aßen wir wirklich super gut im Hotel Aurora. Ein Etablissement, in dem die hier Arbeitenden wohnen und essen. Für 20 Dollar gab es ein tolles Essen vom Buffet. Und keine Seniorenportionen. Frühstück gibt es ab 4.30 Uhr. Wie erwähnt, hier werden keine Touristen, sondern Männer (es gab auch wenige Frauen) mit Hunger verwöhnt.

Jetzt ist es 21.30 Uhr und es ist noch ziemlich hell. Und, ach übrigens, Polarlicht gab es letzte Nacht nicht zu sehen, denn es war wolkig.