Cassiar Hwy (#37), BC

Als Nachtrag zu gestern möchte ich noch von einer Frau vom Tourist Office aus Watson Lake berichten. Wilderness Erfahrungen machen hier natürlich auch Frauen. Sie berichtete davon, dass sie mit ihrer Freundin zum Jagen gehe. Selbstverständlich auf Elche, welche dann in ihrer Küche zu Köstlichkeiten wie Elchrouladen verarbeitet werden.

Heute stand der Steward Cassiar Highway auf dem Programm. Dieser Highway wurde erst 1972 für den allgemeinen Verkehr freigegeben. Er ist von Watson Lake aus zunächst schmal, voller Schlaglöcher und führt durch eine eher eintönige Waldlandschaft. Links und rechts sieht man dann und wann versteckte Jagdhütten, man passiert winzige Ortschaften wie Iskut, Dease Lake oder Good Hope, die über eine Gasstation, Andenkenladen und ein Café mit Grocerie Store verfügen. Alles in allem nicht sehr einladend. Also schnell weiter.

Ein bisschen netter wurde es nach Iskut, denn nun kommen noch ein paar Berge (Coast Mountains und Skeena Mountains) ins Spiel. Der Kinaskan Lake glitzerte verführerisch blau, war aber ganz schön kalt. Die Sonne schien so schön und wir machen Pause auf dem dortigen Bootsanleger. Der dazugehörige Campingplatz war wunderschön angelegt, aber wir wollten noch ein paar Kilometer bis zur Bell II Lodge schaffen, ein nettes Dorf im Alpenstil mit Hotel, kleinen Chalets und ein paar RV Stellplätzen. Die Attraktion dort ist im Winter das Heli-Skiing. Dies sei nach Auskunft an der Rezeption das weltgrößte Gebiet für Heliskiing. Also gute Skifahrer, die noch den Kick suchen, hier wäre er vielleicht zu finden. Besonders meinem Schwager Ludwig möchte ich dieses Ziel ans Herz legen.

Insgesamt sind wir heute ca. 500 km gefahren. Morgen ist es dann nur noch ein Rutsch nach Steward und Hyder, aber davon morgen mehr. Zu sehen gab es außerdem einen Bären und die Entstehung einer großen Überlandleitung quer durch die Wälder. Die Trassenführung würde die Aktivisten von BUND und Greenpace in Deutschland sofort auf den Plan rufen.

 

 

Northern Rockies

In Fort Nelson klopft leise der Herbst an. Der Himmel ist ganz klar und oktoberfestblau und die ersten Birken zeigen gelbes Laub. Heute ist unser 27. Hochzeitstag und das schönste an diesem Tag ist, dass wir nach so langer Zeit immer noch gemeinsam eine so  wunderbare Reise unternehmen.

Der durch die Northern Rocky Mountains führende Alaska Highway ist sehr abwechslungsreich und landschaftlich sehr schön. Die Straßen winden sich über Hügel und durch Wälder. Am höchsten Punkt ist der Summit Pass ca. 2.000 m hoch. Im Visitor Center von Dawson Creek, also mehr als 500 km entfernt, wurde uns die Testa River Guest Ranch empfohlen. Entfernungen sind in Kanada, wie wir nun wissen, völlig anders zu bewerten. Wer käme auf die Idee, für ein paar Törtchen von Hamburg nach Frankfurt zu fahren? Im gastlichen Hort gibt es die weit bekannten „buttered cinammon rolls“, die wir natürlich probiert haben, ebenso wie die „Spaghetti-Hamburger-Tomaten-Suppe“. Die Guest Ranch liegt einsam mitten im Wald, für Eingeweihte so etwa wie Reichenbach am Wald. Dass wir dort einem baumlangen Kerl aus Sibirien begegnet sind, der dort jedes Jahr zum Jagen hinfährt, ist nur noch eine Notiz am Rande, um zu erklären, wie weit ab diese Guest Ranch liegt.

Weiter ging es mit einem Witz von Martin, der meinte, dass es hier nur zwei Jahreszeiten gibt: Winter und Road Construction. Die Straße wurde streckenweise über Kilometer abgefräst, um sie anschließend neu zu teeren. Auch heute mussten wir an einer Stopp/Slow- Lady halten. Nun wissen wir, dass dieser Beruf Signalling heißt. Auch hier stand die Dame mutterseelenallein neben ihrem Pick-Up, um den Baustellenverkehr zu regeln. Eine Schicht dauert normalerweise 12, gerne auch mal 18 Stunden. Sie lebt in einem Trailer auf einem Campground und fährt das ganze Jahr hinter ihren Baustellen her. „Ein guter Job“, meinte sie, denn zu Hause in Victoria gäbe es nur schlecht bezahlte Stellen. Ihr 16jähriger Sohn lebt in den Ferien mit der Mutter im Trailer, der nun irgendwo im Wald stand. Was man da wohl den ganzen Tag macht? Das besondere an dieser Baustelle war noch, dass man nur mit einem „Follow-me-car“ durch die Baustelle fahren durfte. Kanada gibt auf uns acht.

Weil heute Hochzeitstag ist, zeigten sich endlich auch mal ein paar Tiere: Caribous, Rentiere und drei Bergziegen. Nicht zu vergessen die Streifenhörnchen und Mäuschen auf dem Campground.

Unser Ziel heute war die Northern Rocky Lodge am Muncho Lake. Dieser See schimmert in allen Farben von blau bis grün mit einem leichten Rotschimmer. Dies kommt von Kupferoxiden. Die Lodge gehört einem Schweitzer Paar und liegt wirklich sehr schön. Da es sonst nicht viel Tolles gibt, wird dies auch ordentlich nach schweitzer Art bepreist. Aber ich sitze nun am See und schreibe unseren Blog und solch einen Schreibtisch hat man ja nun wirklich nicht jeden Tag. Und wann kommt schon mal ein Hund vorbei, der auf den Namen Else von Brabandt (aus Lohengrin) hört? Frauchen war lange Zeit Opernsängerin in Wuppertal und bei den Festspielen in Eutin. Ihr Mann ist ab dem 1.9.2014 der neue Intendant der Oper von Anchorage. Sie siedeln gerade von New York nach Anchorage um. Wir freuen uns immer wieder über die vielen interessanten Begegnungen und Gespräche. Und wirklich oft haben wir durch unser in Kanada sehr auffälliges Auto mit den netten „Greetings from Hamburg“  uns mit vielen Menschen unterhalten können.

Alaska Highway, jetzt BC

Eine kleine Ausstellung in Dawson Creek gibt einen guten Eindruck, wie hart die Arbeit am Alaska-Highway für die Soldaten war. Große Hitze, Insekten, große Kälte, unbequeme Unterkünfte fernab der Heimat waren bestimmt nicht jedermanns Sache. Und genauso ist es heute bestimmt nicht nur nett, auf den Baustellen der Öl- und Gasförderung zu arbeiten. Auf unserem Weg von Dawson Creek nach Fort Nelson kamen wir an einigen Arbeitscamps mitten im Wald vorbei, die aus Wohncontainern, einer Tankstelle, einem Liquor-Store und verstreuten Trailerparks bestehen. Alles irgendwie hingeklatscht und nur für Männer auf Arbeit ausgerichtet. Hier wird gutes Geld hart verdient. Unterbrochen wird dieses Einerlei von Lagerstätten für Öl und Gas. Links und rechts des sich durch eine waldige Hügellandschaft  windenden Highways gehen Gravelroads ab, die zu den Förderfeldern führen. Unzählige Schilder von damit beauftragten Firmen weisen den Weg. Man kann sie nur selten von der Straße einsehen und das ist sicher auch gut so. Für die Touristen wird die Illusion der Straße durch die Wildnis aufrechterhalten. Die 350 km lange Strecke war gut in Schuss und wurde an verschiedenen Stellen verbessert, davon zeugt auch heute wieder eine Stopp/Slow- Person, die den einspurigen Verkehr regelt. Die Person heute sah aus, wie ein Mensch gewordenes Stoppschild.

Gekrönt wurde dieser Tag durch ein supergutes Essen bei Ones, dem Steakhaus in Fort Nelson und ein paar netten Gesprächen auf dem Campground. Wir schlafen heute Nacht gut bewacht von einem Nachbarhund, der mit Frauchen im „Kofferraum“ eines großen Vans schläft.

Tiermäßig war heute ein guter Tag. Es gab einen echten Bären am Straßenrand.

 

 

Scenic Route to Alaska

Also frisch ans Werk. „Scenic Route to Alaska“ stand am Ortsausgang von Hinton. Insgesamt sind wir schon 7.715 km gefahren. Heute waren es 481km, um nach Dawson Creek, dem 0-Punkt des Alaska Highways zu gelangen. Die Straße führte 150 km gerade aus nach Grande Cache durch die Wälder des Caribou-County. Ich muss nicht betonen, dass es nur gelbe Caribou-Schilder zu bewundern gab. Die echten Tiere hatten heute keine Lust, sich auf der Straße zu zeigen. Kurz vor Grande Cache qualmte es gewaltig aus dem Wald, denn dort wird Grillkohle im Industrieformat in großen Mailern gewonnen. Die Straße machte einen Knick von 90 Grad und wieder ging 180 km wieder gerade aus durch riesige Wälder nach Grande Prairie. Diese Stadt lebt von den großen, westlich vom Ort gelegenen Getreidefeldern, von der Holzwirtschaft und vom Öl- und Gasboom. Man merkt den Aufschwung irgendwie, es wird viel gebaut und man meint, dass fast alle Unternehmen mit Öl und Gas zu tun haben.

Wir aber wollten heute nach Dawson Creek. Eine kleine „Stadt“, in der staubige Pickups und unrasierte Kerle dominieren. Gerne wird au dem Pickup ein kleines Geländefahrzeug transportiert, um es im Wald mal richtig krachen zu lassen. Das sind die Freuden echter Männer in der Wildnis. Aber gleichzeitig existieren auch kleine Juwele, wie das Heimatmuseum Walter Wright Pioneer Village. Der Museumswärter konnte lebhaft erzählen, wie er als Junge die ausgestellte Einraum-Schule besucht hat. Und auch das ein oder andere nun im Museumsdorf aufgestellte Haus kannte er noch aus seiner Jugend. Alltagskultur aus einer Zeit, die noch nicht so lange vergangen ist. Die Stadt Dawson Creek wurde erst 1942 mit dem Bau des Alaska Highways gegründet. Damals fürchteten die Amerikaner, Alaska im 2. Weltkrieg nicht verteidigen zu können. Es gab keine Landverbindung von den USA nach Alaska, um im Ernstfall Truppen zur Verteidigung dorthin schicken zu können. Also wurden viele Soldaten abkomandiert, um unter großen Strapazen den Alaska-Highway zu bauen. Diese sagenhafte Straße nach Fairbanks haben wir uns nun vorgenommen. Je weiter wir kommen, desto mehr merken wir, wie riesig Kanada ist. Es ist fast so groß wie Europa, aber es leben nur 35 Millionen Menschen hier. Da viele in den Ballungsräumen wohnen, gibt es die eindrucksvollen Weiten, die einfach menschenleer sind. Für uns Europäer ist dies irgendwie sehr ungewohnt.

Tiere: Heute haben wir zwar keine Caribous, aber einen eiligen Fuchs über die Straße laufen sehen.

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Das Pendant zum Pick Up

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keine Sichtung … das Wahrzeichen von Beaver Creek

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