Heute haben wir kein Foto für Euch. Ja, das stimmt fast. Wir rollten bei 20 Grad Celsius vom Campground Aces High in West Lime. Der Platz war super angelegt, wir hatten ein nettes Plätzchen, nein einen ausgewachsenen Platz an einem Bach. In manchen Ecken Deutschlands wäre der Platz auch als kleiner Bauplatz durchgegangen. In den USA stehen wir gerne auf Campgrounds, denn es ist Jagdsaison und man sieht überall dort, wo ein netter Ort zum Übernachten wäre, auch Jäger. Das ist uns auch angesichts der hiesigen Waffenpolitik ein bisschen heikel.
Wir hatten beschlossen, auf unserem Weg nach Washington, New York großzügig zu umfahren. Also fuhren wir auf der 9 bis Middletown. Dort gab es ein Pause und einen Besuch bei Home Depot, dem Bauhaus der USA. Wir brauchten einen Adapter, um Wasser zu bunkern und bei der Gelegenheit konnten wir uns noch mit im Preis reduzierten Halloween-Artikeln eindecken. Genauso, wie bei Bauhaus, ist Home Depot ein eigener Cosmos, den wir dann aber doch nicht fotografiert haben.
Craig und Tresa hatten uns empfohlen, die Route (vorwiegend die 84) über den Delaware Water Gap zu wählen, ein Erholungsgebiet am Delaware River. Man fährt durch bunten Mischwald, es gibt ein paar sehr nette Häuser und jede Menge Wanderwege. Und man sieht jede Menge Jäger. Man kann hier bestimmt ein paar schöne Tage auf dem Land verbringen, aber unser Ziel morgen ist Gettysburg.
Monat: November 2017
Neuengland
Unsere Reiseroute in den Neuenglandstaaten
East Lyme – wer kennt es nicht
Heute fuhren wir von Eastham, Massachusetts (auf Cape Cod) nach East Lyme, Conneticut. Wir querten Rhode Island, den mit 1 Million Einwohnern kleinsten Bundesstaat der USA. Provicence und vor allem New Port mit den Millionärsvillen der Vanderbilts und anderer Größen aus den Frühzeiten des Kapitalismus haben wir ausgelassen. Sorry, aber wir wollen Weihnachen in Florida sein. Das schaffen wir sonst nie. Wir durchquerten also Providence und weil das Wetter irrsinnig schön war – 22 Grad Celsius am 2. November 2017 – fuhren wir in Lyme auf einen hübsch am Bach und See gelegenen Campground. Wir stellten die Gartensessel vor die Tür und genossen das schöne Wetter.
Dabei unterhielten wir uns noch ein bisschen über die Menschen, die wir bisher auf unserer Reise kennengelernt haben. Und darüber, dass letzten Freitag in der Süddeutschen Zeitung stand, dass immer weniger Deutsche nach Amerika reisen, aus Vorbehalten gegen Trump und wegen der Feuer und Stürme in der letzten Zeit.
Aber wir finden, dass es noch nie geholfen hat, nicht hinzusehen und sich selbst ein Bild über ein Land zu machen. Da wir vorwiegend durch die Provinz reisen, haben wir immer wieder Gelegenheit, mit den unterschiedlichsten Menschen zu sprechen. Um es vorwegzunehmen: ein aufdringlicher Trump-Wähler ist uns noch nicht begegnet. Aber es gibt natürlich Sorgen, die die Menschen hier umtreiben. Das fängt an bei Minenarbeitern, die mit der Schließung ihres Betriebes ihre Firmenrente verloren haben. Leute, die Angst davor haben, dass ihre Staatsrente aus politischem Kalkül gekürzt wird. Beschwerden darüber, dass mit Medicare zukünftig nur das Allernotwendigste abgedeckt ist. Auseinandersetzungen innerhalb von Familien darüber, ob man Waffen im Haus haben muss. Klagen gab es darüber, dass nun alles was ein farbiger Präsident Obama eingeführt hat, von manchen Politikern als Schmach empfunden wurde und nun auf alle Fälle aufgelöst werden muss. Am meisten aber hat uns betroffen gemacht, als ein Paar darüber berichtete, nun aus Angst vor rassistischen Übergriffen nicht mehr in bestimmte Regionen der USA reisen könnte.
Aber das sind auch Ängste, die es in Teilen der deutschen Bevölkerung in unterschiedlicher Ausprägung gibt. Was uns als Reisende aber immer wieder begeistert, ist die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft, mit der man uns begegnet. Uns sich um dieses Vergnügen zu bringen, nur weil man nicht mehr die USA bereist, scheint uns nicht richtig.
Südafrikanische Haxe auf Cape Cod
Wir hatten heute keine Lust, große Strecken zu fahren, also beschlossen wir, uns noch einen schönen Tag auf Cape Cod zu gönnen. Wir umrandeten zuerst noch einmal Procincetown, das zur Atlantik-Seite hin wunderschöne Strände, Dünen und Kiefernwälder zu bieten hat. Wie an der Nordseeküste in St. Peter-Ording öder Sylt. Diesen Bereich kann man auf gepflegten Fahrradwegen erkunden. Und ganz Verwegene können sich eine Erlaubnis holen, um manche Sandstrände „offroad“ zu erkunden. Alle Leser, die mal Sylt in groß und ebenso teuer erleben möchten: Cape Cod, respektive Provincetown.
Da man ja von Meer nie genug haben kann, steuerten wir als nächstes die Cape Cod National Seashore an, eine 40 km lange Sanddünen und Strandlandschaft, die noch von Kennedy 1961 dem National Park Service unterstellt wurde und dem Atlantik zugewandt ist. Wir waren in Marconi Beach. Eine Treppe führt vom Steilhang runter zum Meer und heute am 1. November war um 12.30 Uhr niemand (!) am Strand. Links und rechts konnte man kilometerlang am Wassersaum entlanglaufen, neugierig beäugt von Seehunden.
Etwa eine Stunde später tauchte eine Gruppe von Stehpaddlern (SUP) auf, die in der Brandung einer Mischung aus Stehpaddeln und Wellenreiten nachgingen. Mit dem gemütlichen Paddeln auf dem Osterbekkanal in Hamburg hatte das wenig zu tun. Bei 13 Grad Celsius Außentemperatur, aber Sonnenschein eine reife Leistung.
Wir stehen heute in Eastham und der Campground hat eigentlich schon geschlossen. Nur noch ein zweiter Camper steht neben uns und das war für uns heute die schönste Überraschung. Craig und Tresa aus Boston waren überaus nette und interessante Gesprächspartner. Und so freuten wir uns sehr, mit Ihnen gemeinsam zum Essen zu gehen. Wir entschieden uns für ein südafrikanisches Restaurant namens Karoo. Sehr lecker, ich hatte eine Schweinshaxe mit Soße und Maisbrei. Dazu einen südafrikanischen Rotwein. War überzeugend. Überzeugend war auch die Bedienung, eine junge Frau, die mit Verve die Speisekarte vortrug. Es würde uns nicht wundern, sie eines Tages im Kino bewundern zu können. Mit Craig und Tresa hatten wir eine kurzweilige Unterhaltung über Kinder, Enkelkinder, Namen, Rente, Trump und seine Wähler, Beruf, Hausbau – die Themen gingen uns nicht aus. Danke für den netten Abend.
