Heute sind wir sehr früh aufgestanden, denn wir hatten ein „appointment“ beim amerikanischen Konsulat. Da das normale Touristenvisum nur 3 Monate dauert und es bei unserer Einreise nach Alaska anfing zu zählen, hätten wir spätestens Anfang November ausreisen müssen. Andererseits sind wir nicht mehr zu sicher, nach Mexiko zu reisen, da der Süden der Baja California noch genügend damit zu tun hat, sich von den Folgen des letzten Wirbelsturms vor wenigen Tagen zu erholen. Das auswärtige Amt meldet auch Bedenken an. So wollten wir sichergehen, mit einem verlängerten Visum auf alle Fälle wieder zurück in die USA zu können, um von hier zurück zu verschiffen. Also es bleibt spannend.
Für mich als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache war der heutige Besuch interessant, denn man bekam einen Eindruck davon, was man als Fremder auf sich nehmen muss, um im Gastland bleiben zu können. Wobei das überaus höfliche Personal im Konsulat sich sehr bemühte, es seinen „Kunden“ so erträglich wie möglich zu machen.
Danach bummelten wir gemütlich durch die Robson Street und stärkten uns im nächsten Café. Und dann stand die Vancouver Artgallery auf dem Programm. Leider war man gerade damit beschäftigt, eine neue Teilausstellung aufzubauen. Aber die Emily Carr und Landon Mackenzie Ausstellung hat uns sehr gut gefallen. Emily Carr ist wohl die bekannteste Malerin British Columbias und lebte von 1871 bis 1945. Landon Mackenzie ist 1954 geboren und ist Professorin an der Emily Carr School of Art in Vancouver. Die Werke beider Künstlerinnen sind in dieser Ausstellung „gegenübergestellt“ hinsichtlich des Sujets der Kanadischen „Wildnis“ und der Kultur der First Nations. Besonders die Themen Wald und Bäume sind bemerkenswert oder einfach nur schön.
Der Nachmittag versandete bei gemischtem Wetter mit Lesen, Nickerchen und Kaffee trinken und einem Besuch der Schwarzwald Metzgerei. Die Fleischwurst wird uns heute Abend bestimmt gut schmecken.
Geschichten:
Auf einem Campground trifft man ja mitunter die merkwürdigsten Personen an. Uns gegenüber wohnt ein älterer Herr seit drei Jahren fest in seinem kleinen Wohnmobil auf diesem Cityplatz unmittelbar neben der lauten Stadtautobahn. Er stammt aus Saarbrücken, ist 1954 ausgewandert und hat lange in den USA gelebt. Jetzt als Rentner lebt er lieber in Vancouver. Jeder deutsche Pensionär würde jetzt ins Grübeln geraten, er aber wirkte alles andere als verbittert oder auch nur unzufrieden. Immer wieder haben wir hier die Erfahrung gemacht, dass man als Kanadier das Beste aus seiner Situation macht. Es wird sich nicht beklagt.
Heute Morgen fuhren wir mit unserem äthiopischen Taxifahrer zum amerikanischen Konsulat. Er erzählte, dass er als junger Mann in Äthiopien Fahrer eines deutschen Ingenieurs war, der für eine NGO arbeitete. Jedes Mal, wenn dieser Deutsche telefonierte und dann auflegte, brüllte er laut „Ar…loch“. Eines Tages wollte der Äthiopier wissen, was dieses Wort denn bedeute. Launig erzählte er uns diese Geschichte von Helmut, dem Ingenieur und seinem ersten deutschen Wort, das er in Äthiopien gelernt hatte.
Rezeption Capilano Campground. Eine deutsche Reisende mit einem gemieteten Campmobil, Teil einer Reisegruppe, stürmt an die Rezeption. „It is so loud. Our chief said, we can change the place.“ Ungerührt und charmant entgegnete der aus Neuseeland stammende junge Mann am Empfang, dass jeder Platz laut sei und man „sorry“ nichts dafür könne, dass es Straßenbauarbeiten an der Brücke gäbe. „Okay, thank you, it´s okay“, sagte die deutsche Reisende und trollte sich davon.
PS: Nein, es gab keinen Salmon zu essen, auch wenn diese hier reichlich gefangen werden



