Heute morgen war es in Brunswick ganz schön warm. Um 10.00 Uhr schon 22 Grad Celsius. Richtig schnell vom Platz kamen wir auch nicht, da nach und nach ein paar Jungs vorbei schlenderten, um das „Rigg“ zu bewundern. Da man um diese Zeit viele Langzeitcamper trifft, muss man auch helfen, deren Langweile zu mildern.
Dann erfährt man ein Passant eine Menge aus dem Leben unterschiedlicher Amerikaner. Da gibt es wie immer die mit deutschen Wurzeln oder Erfahrungen bei der Armee im Auslandseinsatz in Deutschland. Das war meist in den 1980er Jahren, liegt also schon ein paar Tage zurück, aber in den Erzählungen ist es, als wäre es gestern gewesen. Einer der Jungs von heute erzählte, dass er sein Haus in Kentucky verkauft habe, nun in einem Fifthwheeler wohnt, weil seine Frau einen Job in Brunswick gefunden habe. Er selbst sei schon Rentner. Wieder einer der gut aussehenden Mitfünfziger, der bei der Armee beschäftigt war. Ein anderer hat erzählt, dass er im Norden der USA wohnt, aber den Herbst in Florida verbringt, den Winter aber zu Hause ist, weil er gerne Ski fährt. Leider aber gibt es in den letzen Jahrzehnten kontinuierlich immer weniger Schnee. Da liegt an den natürlichen Zyklen, die es schon immer gegeben hat und die es immer geben wird. Global Warming, nein daran glaube er nicht.
Manchmal trifft man auch Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter. Auf die Frage, warum die Kinder nicht in der Schule sind, kam ein paar Mal die Antwort, dass die Kinder Home Schooling machen und von den Eltern unterrichtet werden. Home Schooling ist hier in den USA einfach zu praktizieren. Es gibt Online-Foren, Gruppen, die sich zusammentun und manchmal auch Kontakte zu Schulen, die ihre Labors zur Verfügung stellen. Man kann aber auch durch die Gegend reisen und die Kinder unterrichten. Es gibt also keine Vorgaben. Einzig an den offiziellen Prüfungen muss man teilnehmen und dadurch nachweisen, dass man etwas gelernt hat. Die Gründe für diese Art der Schule liegen nach unseren Beobachtungen in weltanschaulichen, religiösen oder aber in praktischen Gründen.
Nachdem wir nun wieder um allerlei Lebensweisheiten reicher waren, fuhren wir nach Amelia Island. Es gibt dort nur eine kleine Stadt, Fernandina Beach. Der Fernandina Beach Historic District wirkt wie eine Stadt aus dem 19. Jahrhundert, als sie Exporthafen für Zypressenholz war und man hier eine Blüte erlebte. Aber schlecht geht es der gepflegten Stadt nicht, es gibt viele nette Restaurants, Cafés und Geschäfte, die am Mittwoch nachmittag auch nicht schlecht besucht waren. Der Palace Saloon von 1878 ist angeblich die älteste Kneipe Floridas. Wir waren nicht drin, denn für ein Bier war es uns zu warm. Übernachten wollten wir im nahegelegenen Fort Clinch State Park. Da wir aber keine Reservierung hatten, bekamen wir keine Platz, da alles schon belegt war. Schade. Also machten wir uns auf den Weg der Küsten entlang und die Anwesen und Gated Communities, an denen wir vorbeifuhren, ließen auf eher wohlhabende Amerikaner schließen. Sehr schick. So rollten wir gemütlich auf der A1A weiter Richtung Jacksonville. Im Norden von Jacksonville gibt es einen großen Marine-Stützpunkt. Heute stand das starten und landen von Hubschraubern auf dem Ausbildungsprogramm. Das konnten wir beobachten, solange wir auf die Fähre über den Intercoastal Waterway warteten. 20 Dollar für 8 Minuten Fahrt und schon waren wir auf der anderen Uferseite. Dort übernachten wir nun im Kathyn Abbey Hanna Park, einem ziemlich großen Statepark.
Was uns seit Brunswick mehr oder weniger stark begleitet, ist der Geruch von einigen Papierfabriken, an denen wir vorbeigefahren sind. Papierfabriken haben wir auch schon in Kanada gesehen und gerochen, aber in den USA muss es davon ganz viele geben.