Grand Canyon

Auf dem Weg von Page zum Grand Canyon fährt man durch eine Landschaft mit ganz eigenem Reiz. Links und rechts der Straße erstrecken sich niedrige Züge aus rotem Sandstein. Davor liegen eine Steppe, bedeckt mit gelben Gras oder auch felsige Äcker. Auch dieses Land gehört den Navajos. Inmitten dieses unwirtlichen Nichts finden sich einige Häuser und dann und am Straßenrand grob gezimmerte Verkaufsstände, von denen nur wenige „geöffnet“ waren und indianisch geprägte Souvenirs verkaufen.
Noch bevor man den Grand Canyon Statepark erreicht, kann man an einigen Stellen einen Pause einlegen und einen Blick in die Tiefe des Colorado-Rivers werfen. Diese Stellen würde man ohne Hinweisschild nie finden, da die Schluchten von der Straße aus nicht einsehbar sind. An einer hielten wir dann auch an, um ein paar Fotos zu machen. Das Hinweisschild, dass vor wilden Tieren wie Skorpionen und Klapperschlangen warnte, ließ uns anschließend den Boden etwas genauer betrachten. Und auch das Souvenir-Angebot der Navajo-Frauen haben wir betrachtet und natürlich etwas gekauft. Es gab Decken, Traumfänger, Keramiken und jede Menge Schmuck. Dieser Schmuck ist aus den unterschiedlichsten Materialien, hauptsächlich Halbedelsteinen hergestellt. Diesen Steinen werden magische Kräfte zur Abwehr von Krankheiten und Gefahren nachgesagt. Sprich, wer ein Schmuckstück aus solchen Steinen trägt, auf den wirken diese Kräfte. Aber auch Samen werden bei der Schmuckherstellung verwendet. So soll der Samen der Juniper Beere Kinder vor bösen Geistern und schlechten Träumen bewahren. Ich finde, das ist eine schöne Vorstellung.
Als wir gerade weiterfahren wollten, kamen wir mit einer Gruppe von fünf jungen Männern ins Gespräch, die aus Hamburg stammten, ihren Master in Barcelona machten und sich von der Uni dort kannten. Sie waren im Silikon Valley, um sich in der dortigen Gründerszene umzusehen. Aber auch, um sich bei der Gelegenheit den Grand Canyon anzusehen. Netter Plausch und dann ging es weiter durch den Kaibab National Forest und auf einmal fuhren wir durch Kiefernwälder. Es wurde grün und dann kamen wir in den Grand Canyon Nationalpark. Schon kurz hinter dem Eingang kam der erste Höhepunkt: Desertview. Die Tiefe und die Weite des Grand Canyons an dieser Stelle ist beeindruckend, auch wenn die Farbgebung des Gesteins tagsüber eher flach ist und ein bisschen an Gebiete des Tagebaus erinnert.
Bis zum Grand Canyon Village sind es nun noch ca. 30 Kilometer, die immerzu am Südrand entlangführen. Ein paar Mal blieben wir noch stehen, um noch einen Blick in den Abgrund zu werfen. Und wen sehen wir außerhalb der Geländer auf einer Felsnadel, frei stehend, um ein Selfie zu schießen? Die vor einer Stunde getroffenen Studenten. Manchmal ist es schon gut, dass man als Eltern nicht weiß, was der Nachwuchs so treibt. Wir beide jedenfalls konnten es nicht mit ansehen.
Nun stehen wir auf dem Trailer Village RV Park des Grand Canyon National Parks. Ich möchte noch anmerken, dem teuersten Statepark auf der ganzen Reise. Das ganze Grand Canyon Village ist auf Massen von Touristen eingerichtet. Es gibt zwei Campgrounds, einige Hotels und Restaurants, einen Supermarkt, eine Krankenstation, ein IMAX-Theater und riesige Parkplätze. Zwischen den touristischen Attraktionen wie dem Rim-Wanderweg und den Hotels gibt es Buslinien und Fahrradwege. Zur Saison möchten wir eher nicht hier sein. Jetzt im Winter, zur absoluten Nebensaison, wurde uns heute noch die kleine Tier-Show geboten. Zum einen eine Herde von Damwild, das völlig ungerührt über die Straße marschierte und einigen Dohlen, die zwischen den Bäumen ihre Capriolen drehten.
Und dann auch hier: der Golf-Cart. Hier mehr in technischer Ausführung und als Arbeitsgerät, denn als Gefährt für fußlahme Camper. Wir rätseln, wann dieser Trend nach Europa schwappt.

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