Ich muss mich bezüglich der Feiergewohnheiten der Mexikaner korrigieren. Gestern war ja das 25igste jährlich stattfindende Fest zu Ehren des Grauwales, der sich auch in den Gewässern vor Lopez Mateos wohl fühlt und dort seine Jungen zur Welt bringt und soweit aufzieht, dass er ab Mitte April mit der Familie wieder nach Alaska schwimmen kann. Um 19.00 Uhr hatten wir uns ins „Getümmel“ gestürzt, was noch gar keines war. Wir schlenderten über den Platz, wo es allerlei Spielbuden gab, die angenehm altmodisch daherkamen. Da gab es einen Platz, an dem man mit sechs Murmeln in ein Löcherfeld treffen musste. Jedes Loch stand für eine bestimmte Punktzahl. Man durfte so lange probieren, bis alle sechs Murmeln versenkt waren. Das fand ich ziemlich fair. Und meine Geduld wurde mit einem gepunkteten rosa Sparschwein belohnt. Interessant fand ich auch einen Schießstand und die Becken, aus denen man Enten angeln konnte. Außerdem gab es verschiedene Fahrgeschäfte und Karussell für kleine Kinder, eine Vorrichtung für den simulierten Ritt auf einem Stier und ein relativ modernes Fahrgeschäft, das mit richtig lauter Musik beschallt wurde und Halbwüchsige als Kunden anlockte.
Dann gab es noch eine große Bühne und auf deren Programm warteten wir nun. Das angebotene Tecate-Bier in Dosen war sehr billig (90 Cent) und so vertrieben wir uns die Zeit mit Warten, Bier trinken und netten Unterhaltungen mit einigen unserer Mitreisenden. Gegen 21.00 Uhr ging es los und so langsam füllte sich auch der Festplatz. Nun kamen auch die Einheimischen. Mit einer folkloristischen mexikanischen Tanzeinlagen ging es los. Dann kam eine recht talentfreie mexikanische Sängerin. Aber dafür war der Gesang megalaut. Es folgte eine weitere Tanzeinlage. Dann kam Carusos Enkel. Mittelalter, sehr fesch in roter Gaucho-Uniform. Schmacht. Interessant war, dass er nur auf Männer zuging, die dann zum Teil mit ihm sangen. Man hätte ja erwartet, dass die Damen aus dem Publikum, von denen einige auch nicht mehr ganz jung waren, ihm zumindest Kusshändchen zugeworfen hätten. Aber nein. Überhaupt war das sitzende Publikum merkwürdig steif. Es gab kaum Applaus und mitgetanzt hat auch keiner. Offenbar sitzen wir hier einem kulturellen Irrtum auf, dass Mexikaner bei einer solchen Veranstaltung wie die Derwische mitgehen. Aber dafür gab die nächste folkloristische Tanzgruppe alles. Laut und bunt. Überhaupt haben mir die wechselnden Kostüme sehr gut gefallen.
Und dann ein Höhepunkt: die Wahl der Miss Wal. Durch den Mittelgang zwischen den zwei mit bestuhlten Sitzblöcken wurde ein ca. 20 Meter langer roter Teppich ausgerollt. Und dann kamen sie: die Miss Wal des Jahres 2017 und die Aspirantinnen für das Jahr 2018. Alles junge und hübsche Mädchen. Wie vermutet gewann die hübscheste Aspirantin in einem seegrünen Taftkleid mit langer Schleppe den Wettbewerb. Die Krone wanderte Miss Wal 2017 zu Miss Wal 2018. Und dann stürmten sie, die mittelalterlichen Honoratioren, allesamt männlich, auf die Bühne, um die Mädchen mit Küsschen und Umarmungen zu beglückwünschen. Da waren der Bürgermeister, ein Abgesandter des Fischereiverbandes, jemand von der Regionalregierung und so fort. Es folgten ewig lange Reden und dann gab es ein Feuerwerk.
Und danach begann, was Dante wohl das Inferno genannt hätte. Immer lauter werdende Musik auf der Bühne mit hämmernden Bässen, die megalaute Musik des modernen Fahrgeschäfts und dazwischen die in Endlosschleife laufende Filmmusik aus „Der Clou“ vermischten sich zu einem Klangteppich, der den uns und allen Mitreisenden das Schlafen sehr schwer machten. Das ganze ging so bis 3.30 Uhr. Und gerade, als wir dachten, jetzt ist Ruhe, fing ein Sänger zu angenehmer Gitarrenmusik an, auf Spanisch zu singen. Darüber, ich schwöre, bin ich dann endlich eingeschlafen.
Entsprechend müde und lustlos sind wir dann heute zu unserem Etappenziel La Paz gestartet. Highlight auf der ansonsten eher reizarmen Straße MEX-1 war der Cappuccino-Laden in Ciudad Constitución. Sehr empfehlenswert.
Wir stehen nun in La Paz, das wir morgen erkunden werden. Heute waren wir einfach zu müde.