Am Straßenrand

Heute stand ein Fahrtag auf dem Programm. 360 Kilometer waren von La Paz bis Loreto zu fahren. Und die Strecke ist nicht gerade das, was man scenic nennen kann. Zuerst geht es mal 200 Kilometer fast kerzengerade bis nach Ciudad Constitución. Da kommt man an struppigen Prärien vorbei, auf denen vereinzelt Rinder stehen. Dann und wann steht ein festgebundenes Pferd am Wegesrand. Warum? Wissen wir auch nicht. Der Ort Cien zwischen durch hat seinen Namen daher, dass es von dort bis nach La Paz noch 100 Kilometer sind. Außerdem findet man dann und wann kleine dekorierte Betonhäuschen, die vielleicht 50 cm hoch sind und an die dort Verunfallten erinnern und oftmals bemalt sind oder so gestaltet sind, dass sie etwas über das Leben desjenigen, an den erinnert werden soll, erzählen. Und dann gibt es die offenen Gebäude, die vielleicht so groß sind wie ein Geräteschuppen und eher kleinen Kapellen ähneln. Oft steht hier eine Marienfigur oder es hängt ein Gemälde einer Maria an der Wand. Davor stehen Kerzen und Blumen und dann ganz viele kleine Dinge, die denjenigen gehören, die hier vielleicht einen Wunsch geäußert haben, als da sind Briefchen, Mützen, Taschentücher, Kinderschuhe, Kreuze, Sonnenbrillen, kleine Heiligenfiguren, ein angeschnittener Zopf.
Wenn man so bei relativ wenig Verkehr über die Landstraße schaukelt, gehen auch schon mal die Gedanken spazieren. Aber spätestens, wenn man einen Toppes übersehen hat, ist man wieder ganz bei der Sache. Hierbei handelt es sich um Betonschwellen, die besonders in und vor Ortschaften und bei Schulen die Autofahrer daran hindern, schnell zu fahren. Manchmal sind aber auch nur breite gelbe Streifen auf den Boden gemalt und es gibt gar keine Erhöhung, manchmal aber ist es gerade anders herum. Und das tut dem Auto wirklich nicht gut.
Was ist eine weitere Abwechslung auf der Straße? Die Kontrollen. Es gibt Polizeikontrollen. Hier wurden wir als Touristen immer nur durchgewunden. Und es gibt Militärkontrollen. Hier wird man befragt, woher man kommt und wohin man will. Manchmal werfen die Militärs auch einen Blick in das Fahrzeug. Aber wohl eher aus neugierigem Interesse. Aber egal, ob Polizei oder Militär, es ging immer freundlich zu.
Eine weitere Besonderheit haben wir heute wieder in Ciudad Constitución gesehen. Ein Straßendorf würde man sagen und hier besteht natürlich die Gefahr, dass der Durchgangsverkehr nur so durchbraust. Das weiß man mit Stopp-Zeichen, auf Spanisch ALTO zu verhindern, die auf der Hauptstraße in Höhe jeder einmündenden Nebenstraße aufgestellt sind. Es waren gefühlte 73 Stoppschilder.
So hatten wir Gelegenheit, in Ruhe nach dem Coffee-Shop Ausschau zu halten, an dem wir schon auf unserer Tour in den Süden Halt gemacht haben. Und auch heute war der Cappuccino hier super.
Frisch gestärkt ging es auf die zweite Hälfte unserer Strecke. Über Ciudad Insurgentes bogen wir ab nach Loreto. Nun ging es durch die Berge, die Sierra de la Gigante. Vor allem das letzte Stück ist optisch reizvoll und kurz bevor man bei Loreto wieder auf das Meer stößt blickt man plötzlich auf einen grasgrünen Golfplatz, der zu einem dort liegenden Resort gehört. Wirklich erstaunlich, was man mit Wasser alles erreichen kann.
Wir stehen nun in Loreto auf einem kleinen gepflegten Campground, der vor allem von Kanadiern besucht ist, die übrigens im Direktflug von Calgary bis nach Loreto fliegen können.

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