Ende gut, alles gut

Die Nacht war eher unruhig. Auf dem Hof einer LKW-Werkstatt, die 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche geöffnet hat, ist eben immer etwas los. Ein Kommen und Gehen. Um 5 Uhr sind wir aufgestanden, denn um 6.30 Uhr sollten wir nun drankommen. Und was passierte? Erst mal nichts. Der Mechaniker, der in der Lage sein sollte, uns zu helfen, sollte an diesem Tag erst um 8.00 Uhr, 8.30 Uhr kommen. Wie wir später erfahren haben, lag der Grund darin, dass Anthony an diesem Dienstag seinen 34. Geburtstag feierte. Dann aber machte er sich ans Werk und die nächste Katastrophe passierte. Kaum fing er an, das Führerhaus zu kippen, platzte die Hydraulikleitung. Nun ging erst einmal gar nichts mehr. Es mussten nun zwei neue Hydraulikleitungen besorgt werden, was nach einigen Versuchen bis zum Nachmittag gelang. Danach konnte Anthony das eigentliche Problem, das Leck im Kühlwassersystem beheben. Er blieb länger als er an seinem Geburtstag eigentlich wollte und setzte das WoMo wieder in Gang. Wir sind ihm von ganzem Herzen dankbar. Anthony hat sich für uns wirklich in die Kurve gelegt. Gegen 17.00 Uhr rollten wir schließlich vom Hof.

Da ich nicht den ganzen Tag in der Truckerkantine verbringen wollte, bin ich mit dem Taxi nach Salt Lake City gefahren und habe mir das Natural History Museum of Utah angeschaut. Das liegt leicht außerhalb von Downtown über der Stadt. Von diesem sehr schicken Neubau hat man eine phantastische Aussicht auf Salt Lake City und die umgebende Bergkette. Nachdem ich mir mit vielen Schulkindern die Ausstellung, die sich viel mit Dinosauriern auseinandersetzt, angesehen habe und auch in einer Werkstatt zugeschaut habe, wie in den Bergen Utahs geborgene Knochenreste präpariert werden, gab es erst mal einen Kaffee.
Danach lockte das schöne Wetter und ein Spaziergang im Schnee. Saleem, der Taxifahrer aus Pakistan, der mich hierher gefahren hatte, holte mich auch wieder ab und erzählte mir von seiner Familie und seinen Erfahrungen, die er in den letzten 30 Jahren in den USA gemacht hatte. Besonders interessant fand ich seine Feststellung, dass er inzwischen mehr Amerikaner als Pakistaner sei. Wenn er nach Pakistan führe, nerve ihn nach kurzer Zeit, wie sich seine ehemaligen Landsleute über alles mögliche beschweren. Das könne er nicht mehr hören. Er habe schließlich auch die Ärmel hochkrempeln müssen und freue sich nun an seinem Leben in Salt Lake City und an seinen wohlgeratenen Kindern. Seine Frau lobte er dabei über alle Maßen, da sie es gewesen sei, die über die ganze Zeit seine Familie zusammengehalten habe. Ein schönes Kompliment zum Weltfrauentag am Donnerstag.

Den frühen Nachmittag verbrachte ich beim Frisör, bei Mary. Ein typischer Vorortfrisör, sehr nett, sehr herzlich. Und als sie mir berichtete, dass sie als Teenager mit ihrem Vater, der bei der Army beschäftigt war, für zwei Jahre in Mannheim war, verstanden wir uns um so besser. Ich verzichtete auf allen Chi-Chi, den sie anbot und finde, dass ich ganz gut aussehe. Und sie fuhr mich freundlicherweise wieder zurück zur Werkstatt. Hier hatte sich die Lage inzwischen entspannt und so schauten Martin und ich noch zwei Stunden zu, bis das Reparaturwerk kurz vor 17.00 Uhr vollbracht war.

Wir fuhren wieder auf den Campground in Salt Lake City und dort wurden wir von Mathew angesprochen. Er fragte nach unserem WoMo und der Reise. Und dann kam er noch einmal und fragte, ob wir nicht mit ihm und seiner Frau Virginia essen gehen wollten. Warum nicht. Also verabredeten wir uns, dass er uns abholen würde und der Plan von beiden war, den In-Mexikaner Red Iguana 2 zu besuchen. Gesagt, getan. Leider war der In-Mexikaner brechend voll. Wir hätten eine Stunde auf einen Tisch warten müssen. Aber die überaus angenehme und resolute Virginia hatte noch eine andere Idee und so landeten wir bei einem sehr authentischen Mexikaner, ein paar Kilometer weiter. Wir fühlten uns wie in den Restaurants, die wir auf der Baja kennengelernt haben. Mathews Mutter war Mexikanerin und so sprachen er und seine Frau natürlich spanisch. Das führte sofort zu Pluspunkten bei der Bedienung. Das Essen war super und die Unterhaltung mit den beiden, die ansonsten in San Diego lebten, überaus spannend und anregend. Ein schöner Abend nach einem vor allem für Martin anstrengenden Werkstatt-Tag.

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