Auf nach “Pampa”

Texas ist etwa so groß wie die Bundesrepublik Deutschland. Das haben wir heute wieder erfahren. Von Dalhart ging es über Dumas nach Borger. Dort gab es Cappuccinos und Sandwiches in der Coffee Ranch. Immer wieder freuen wir uns, wenn wir in diesen Orten, wo man nur noch den Tiefschlaf erwartet, plötzlich einen freundlichen und zeitgemäßen Platz finden, wo man gerne verweilen möchte. Die Coffee Ranch ist wie viele Cafés auch in europäischen Städten im rustikalen Fabrik Style eingerichtet, also grob gehobelte Theke, schicke Kaffeeautomaten und handgeschriebene Speisekarte auf einer Tafel hinter der Theke.
Pause haben wir auch wirklich gebraucht. Wie so oft, sieht man im Nichts am meisten. Das bedeutet für diesen Landstrich, der sich Panhandle von Texas nennt, zunächst viel Landwirtschaft. Entweder braune Weiden, wo mal vereinzelt, mal aber auch in bedenklicher Enge und Anzahl Rinder gehalten werden. Dann gibt es kreisrund bewässerte Felder, auf denen vor allem Baumwolle und Getreide angebaut wird. Große Bewässerungsmaschinen fahren um eine festen Punkt, an dem Wasser aufgenommen wird, im Kreis herum und lassen auf dem ansonsten staubtrockenen Boden, Planzen wachsen. Wenn schon an der elektronischen Werbetafel einer Tanke steht „We pray for rain“, schein es nicht allzu viel Wasser zu geben. Vor allem bei der Baumwolle wundert uns das, da diese viel Wasser zum Wachsen braucht. Auf den Feldern stehen zum Teil noch die Ballen der letzten Ernte. Vielleicht wartet man auf den besten Preis?
Dann gibt es die Landschaftsvariante J.R. Ewing aus Dallas. Das bedeutet trockene Prärie durchbrochen von vielen Ölpumpen, die ohne Unterlass das schwarze Gold aus dem Boden holen. Dieses Öl wird dann zu Zwischenlagern gepumpt, die nicht immer sehr vertrauenserweckend aussehen. In Dalhart gab es eine große Raffinerie und viele Ausrüstungsunternehmen für die Ölindustrie. Für diese, wie für die Eisenbahn arbeiten viele Männer, die nur Verträge für ein Projekt haben. Die wohnen dann auf den Campgrounds in ihren Trailern. Moderne Wanderarbeiter eben.
Dann sieht man wieder die Windräder der Wasserpumpen, bekannt aus jedem Western. Fehlen nur noch die Bisons und jawohl, zwei kleine Herden haben wir auch gesehen. Alles das, was ich oben beschrieben habe, muss man sich in irrsinnig großen Dimensionen vorstellen. Es kam uns vor, als seien wir heute schon ewig unterwegs, als wir nach Pampa kamen. Ja, so ist es hier, wie in der Pampa. Über Wheeler ging es weiter nach Shamrock auf die I-70 nach Osten. Hier passierten wir die Grenze zu Oklahoma. Wir deckten uns mit Infomaterial ein und dann ging es weiter nach Weatherford, wer kennt es nicht? Uns lockte der Name des RV-Parks: „Wanderlust Crossing“. Dieser wurde erst letztes Jahr von einem jungen Paar eröffnet. Wanderlust ist ein Wort wir Kindergarten oder German Angst, das in das amerikanische Englisch eingewandert ist. Schön nicht?
Wie meint Steven Pinker, ein amerikanischer Philosoph: „Eine perfekte Welt werden wir niemals haben. Aber es gibt keine Grenzen dafür, diese Welt zu verbessern.“ Für uns waren die Weltverbesserer heute die Wirtin der Coffee Ranch in Borger und der Camphost in Weatherford. Auch wenn ihre direkte Umgebung nicht die schönste ist, sie machen sie ein bisschen hübscher und angenehmer.

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