Memphis

Es war sonnig, ein schöner Vorfrühlingstag, als wir uns heute in Little Rock auf den Weg machten. Auf Wiedersehen Herr Clinton, es war schön in der Stadt Ihres frühen Wirkens. Die I-40 führte uns weiter ostwärts und es gab keine nennenswerten Orte und damit auch keinen Cappuccino. Links und rechts der Fahrbahn blühten viele Bäume in rosa, weiß und gelb. Und viele Felder, die an Flüssen lagen, waren überschwemmt.
In dem Ort mit dem schönen Namen Forrest City bogen wir von der Interstate ab, zum einen tat sich ein Stau vor uns auf und zum anderen hatten wir Hunger. Also fuhren wir in den Village Creek State Park. Ein Waldpark an zwei Seen. Groß und wie immer wunderschön. Die Stateparks bieten Erholung für Tagesgäste und viele haben auch Campgrounds zum Übernachten. Wir machten inmitten eines noch kahlen Waldes Mittag, ruhten uns ein wenig aus, machten einen kleinen Spaziergang und weiter ging es.
Unser Tagesziel war Memphis. Genauer gesagt, das Peabody Hotel. Ein Grandhotel, das die Gastlichkeit des Südens vermittelt. Schon über 100 Jahre alt, groß und nett. In der beeindruckenden Lobby des Hotels gibt es wie in vielen anderen großen Hotels, eine Bar und einige Sitzgruppen um eine Springbrunnen arrangiert. In der Ecke steht ein Flügel, der automatisch spielt, die Tasten bewegen sich und es erklingt typisches Bargeklimper. Das besondere aber ist hier, dass in dem Springbrunnen ein paar Enten schwimmen. Ganz normale Enten, wie sie zuhauf in Stadtparkseen leben. Diese Enten werden abends um 17.00 Uhr mit einer kleine Zeremonie über eine rote Treppe und einen roten Teppich zum Aufzug geleitet. Auf dem Dach des Hotels haben sie ihren Feierabendteich. Und morgens um 11.00 Uhr werden sie wieder in die Lobby geleitet. Ein wie ein Zirkusdirektor rot gekleideter Enten-Trainer kommentiert das Spektakel. Und die Lobby ist voll. Auch vom umlaufenden Balkon im ersten Stock beobachten sehr viele Gäste, was sich vor dem Aufzug abspielt. Schräg. Kann man übrigens bei YouTube anschauen. Stichwort Ducks and Peabody.
Danach sind wir zur Beale Street geschlendert. Das ist ein Ausgehviertel mit einer Jahrhundertwendearchitektur, wo unter anderem B.B King gewirkt hat. Die Straße ist voller Bars, Musikkneipen und Restaurants. Aus jedem Hinterhof klingt Blues von kleinen Bühnen. Eine Institution ist der A.Schwab Dry Goods Store, der hier seit 1876 besteht. Hier gibt es alles zu kaufen, was man nicht braucht. Die Einrichtung ist alt und vom T-Shirt, über Marmeladen, Süßigkeiten, Schallplatten, Elvis-Schlafanzügen (sehr schick) und Handtüchern gibt es hier alles zu kaufen. Besonders ist aber auch die alte Soda-Bar, an der man Eis und Limo erstehen kann. In der Beale Street kann man sicher einen netten Abend verbringen.
Wir aber sind weiter zum Graceland-Campground. Ja, richtig, Graceland, der Ort, an dem einst Elvis wohnte. Das ist nun ein nach allen Regeln des Marketing zu Geld gemachter Platz. An den Campground angrenzend gibt es das Elvis Center. In den Ikea-Farben blau und gelb gehalten empfängt es den Besucher mit einem freundlichen „Welcome to Graceland“. Alles blitzt, der Beton der Zufahrt erinnert in seiner Nüchternheit ebenfalls sehr an Ikea. Es gibt mehrere Restaurants, eine Ausstellung, den Souvenirshop, das Wohnhaus Graceland Mansion, das Hotel „The Guest House at Graceland und die Flugzeuge von Elvis. Alles kostet extra. Es scheint aber trotzdem bei den Fans nachgefragt zu werden, denn die teuerste Eintrittskarte für alles mit „Elvis-Historiker“ kostet 169 Dollar, die billigste 59 Dollar. Dazu kommt dann natürlich noch die Übernachtung. Wir fragen uns, wie lange man in Zukunft an der Marke Elvis verdienen kann. Denn seine Fans werden auch immer älter und ob so viele junge Menschen Elvis und Graceland toll finden?

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