Da unser letzter Campground Natural Bridge/Lexington Koa hieß, haben wir heute beide Orte besucht.
Natural Bridge war einmal in Privatbesitz und in älteren Reiseführern wird der heftige Eintritt von 20 Dollar bemängelt. Inzwischen ist es aber ein Statepark und der Eintritt kostet noch 8 Dollar. Das Empfangshaus vom Natural Bridge State Park muss man einfach beeindruckend finden. Weiße Säulen vor einem hohen Backsteingebäude. Weiß umrandete Fenster und Türen. Alles im Südstaatenflair. Hier in Virginia wirkt der Südstaatenchick sehr gediegen. Weiter im Süden kommt er oft morbider daher. Dann ging unsere kleine Wanderung los. Erst 150 Stufen nach unten zum Cedar Creek und dann zur Bridge. Hier hat sich im Laufe von vielen Jahren der Fluss durch den Kalkstein gearbeitet und einen 66 Meter hohen und 27 Meter breiten Steinbogen in luftiger Höhe gebildet. Im Sommer scheint dieser Bogen beleuchtet zu werden und man hat einige Bänke aufgestellt, um diesem Spektakel beiwohnen zu können. Der Weg führt dann weiter zu einer Höhle, wo früher Salpeter abgebaut wurde, das man für die Pulverherstellung brauchen konnte. Und noch weiter führt der hübsch angelegte Weg zu einem kleinen Wasserfall. Das war es. Eine Stunde später waren wir wieder bei unserem Auto. Ich weiß nicht ob es stimmt, aber angeblich kaufte Thomas Jefferson 1774 das Land mit der Brücke für 20 Shilling der englischen Krone ab. Jefferson war Landvermesser und hatte 25 Jahre zuvor die Natural Bridge erkundet.
Jetzt hatten wir ein bisschen Hunger und so steuerten wir unser nächsten Ziel, Lexington an. Eine hübsche Mainstreet mit alten Backsteingebäuden und viel Südstaatenflair. Klein, mit knapp 9.000 Einwohnern ist die Stadt aber Sitz vom Virginia Military Institute und der Washington and Lee University. In einem hübschen Küchenladen, in dem wir ein bisschen stöberten, erzählte uns die Verkäuferin, dass es hier durch die Unis ein reiches kulturelles Leben gäbe. Viele Schriftsteller und Wissenschaftler, aber auch viele Politiker würden hierher zu Lesungen und Vorträgen kommen.
Beim sehr leckeren Mittagessen im Southern Inn Restaurant unterhielten wir uns mit zwei Frauen am Nebentisch. Mutter und Tochter. Die Mutter war Vertriebene aus dem Sudentenland, die von Frankfurt aus mit ihrem Mann in die USA emigrierte und noch sehr gut Deutsch sprach. Die Mutter war mit ihrer Tochter nach Lexington gekommen, um die Enkelin, die Studentin am Military Institute war, für die Springbreak abzuholen und mit nach Kentucky zu nehmen. Die Tochter, vielleicht etwas jünger als Martin und ich sprach aber kein Deutsch mehr. Sie war eine Südstaatenlady. Beten beim Mittagessen und Kinder auf der Militärakademie.
Wir fuhren weiter nach Misty Mountain, wo wir heute übernachten. Amüsiert bin ich über unsere Nachbarn. 5 Jungs mittleren Alters, ausgestattet mit Bier, Wein und Steaks übernachten heute als „Outdoorfreaks“ bei bis zu -2 Grad Celsius im Zelt, in der Hängematte und im Auto. Nur die Harten kommen in den Garten oder ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss.