Beobachtungen

Washington wartet. Wir verließen den Misty Mountain Camp Resort und machten uns auf die letzte Etappe von 240 Kilometern bis nach Washington, bzw. zum Cherry Hill Park in College Park bei Washington. Der Highway 29 führte uns durch eine schöne gepflegte bäuerlich geprägte Landschaft. Ab und an sah man durch noch lichte Büsche und Bäume hindurch schöne Antebellum Häuser. Auf der Höhe von Madison überlegten wir kurz, ob wir uns noch einmal eine Einheit Südstaatenhäuser geben sollten. Aber irgendwie ist es jetzt gut. Schilder wiesen auf die eine oder andere Winery hin und es gab hübsche Countrystores, wo man lokales Obst und Gemüse hätte kaufen können. Normalerweise war das immer ein Punkt, an dem wir hielten, aber da wir bis Montag Abend unseren Kühlschrank leer gegessen haben müssen, verzichteten wir. Nicht ganz. Bei einem, von einer lokalen Meierei betriebenen Eisgeschäft namens „Moo Thru“ in Remington hielten wir, um ein Eis zu essen. Besonders die Sorte „Holstein“ machte uns neugierig. Hier handelte es sich um ein Vanilleeis mit großen Schokoladenstücken. Die Verkäuferin meinte, dass es an die Schwarzbunten erinnern soll, die die Milch für das Eis geben. Und es schmeckte wirklich gut.
Am Nachmittag waren wir dann in Washington, wo heute der „March for our Lives“ stattfand, wo amerikanische Schüler nach dem letzten Attentat in Florida, mit Nachdruck von der Regierung fordern, die Waffengesetze zu verschärfen.
Wir selbst fuhren auf den Campground Cherry Hill, wo wir schon im November einmal waren. Um 16.00 Uhr gab es eine Infoveranstaltung darüber, was man in Washington wo ansehen kann, wie man von hier in die Stadt kommt, was eine Fahrkarte für den Bus und die U-Bahn kostet, wie man eine Chipkarte für die U-Bahn mit Guthaben auflädt, wie man die U-Bahn benutzt und wo man den Busfahrplan findet. Selbstverständlichkeiten. Hier aber konnte man sehen, dass ÖPNV für viele Amerikaner echtes Neuland darstellt. Ein Abenteuer. Auf eine Frage, was man denn noch gerne wüsste, welche Dinge man noch gerne ansehen wolle, kam von einem älteren Herrn die Antwort „das Bible Museum“. Nicht die National Mall mit den vielen Museen, den Reflecting Pool oder das Lincoln Memorial interessierte ihn, sondern das Museum of the Bible.
Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, dass Amerika-Bashing hier nicht hilft, um das Land in seinen vielen Ausprägungen zu begreifen. Dem geneigten Leser lege ich Amerika! Von Geert Mak ans Herz, das ich gerade lese. Und das Buch „Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika“ von John Steinbeck. Steinbeck reiste 1962 durch die amerikanische Provinz und Mak fuhr die Tour 50 Jahre später nach, auch um herauszufinden, wie sich Amerika in dieser Zeit verändert hat. Und das Erstaunliche ist, dass sich für uns, noch einmal 5 Jahre später das Land noch anders und unverständlicher präsentiert. Ich glaube, wenn wir erst einmal wieder in Hamburg sind, werden uns noch viele Dinge einfallen, die wir unglaublich toll fanden und Dinge, bei denen wir nur noch den Kopf schütteln können.

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