St Anthony

Nach einer windigen Nacht am Strand von Flower´s Cove wachten wir bei strömenden Regen auf. Es war auch ganz schön kalt, 2 Grad Celsius. Trotzdem war unser erstes Ziel die Thromboliten. Sie sehen aus wie flache, kreisförmige Felsen, an den Kanten wie Kissen abgerundet. Und sie bestehen aus Algen- und Bakterienablagerungen, die viele hundert Millionen Jahre alt sind. Somit also Zeugen der ältesten Lebensformen dieser Erde. Thromboliten gibt es sonst nur noch in Australien. Für so etwas Besonderes sind wir durch Sturm und Regen gewandert.

Weiter ging es zum Einkaufen nach St. Anthony. Und hier zeigt sich mal wieder, wie nett und angenehm es sich in Hamburg lebt. Zu Edeka brauche ich keine fünf Minuten. Hier fuhren wir über 100 km, um zu Foodland zu kommen. Die Landstraße führte zunächst an der stürmischen Küste und kleinen Weilern vorbei und dann durch Waldland. Da gab es nichts. Nein, das ist falsch. Alle paar Kilometer war Holz aufgeschichtet, manchmal auch schon auf Schlitten geschlichtet. Dann sieht man sogenannte „Roadside Gardens“. Das sind kleine mit Pfosten abgesteckte Areale, wo direkt neben der Straße Kartoffeln, Möhrchen, Kraut und Rüben angebaut werden. Es gibt angeblich keinen Eigentum an den Grundstückchen, aber auch keinen Diebstahl. Ähnlich wie bei den Holzstößen ist klar, was wem gehört.

An Felsen sieht man dann und wann, dass Ron und Rosalie ein Paar sind, ebenso wie Jack und Kathie.

Einen Elch haben wir wieder nicht gesehen und auch kein Karibou. Dafür aber einige Jäger. Im eintönigen Gestrüpp links und rechts der Straße sieht man immer wieder neonfarbene Bänder hängen. Vermutlich Hinweise für die Jäger.
Nach unserem Einkauf im unspektakulären St. Anthony ging es weiter nach St. Lunaire-Griquet. Bei der Dark Tickle Co. wollten wir Marmelade aus den hier zu findenden Beeren, Bakeapple, Squash-, Partridge-, Crow- und Blueberries kaufen. Wir werden darüber berichten, wie gut sie schmecken.
Und dann der Höhepunkt: L´Anse aux Meadows National Historic Site. Oder, wie die Wikinger nach Neufundland kamen. Die Stätte gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und beweist, dass schon um 1000 Wikinger aus Island mit ihren Familien nach Neufundland segelten. Heute bei dem schlechten Wetter, der Kälte und dem Wind frage ich mich natürlich, was an diesem Platz besser ist, als in Island und ob Florida nicht das bessere Ziel gewesen wäre. Ist natürlich Quatsch. Neben den Original-Grabungen hat man ein kleines Dorf nachempfunden, deren Häuser und Schuppen aus Torf-, bzw. Grassoden gebaut sind. Man kann sie betreten und sie sind erstaunlich geräumig und warm, auch wenn kein Feuer auf der Kochstelle brennt.

Wir stehen heute Nacht vor dem Haus von Dr. Grenfell, der sich um 1900 um die Gesundheitsversorgung Neufundlands und Labradors verdient gemacht hat.

Flowers Cove

Der Sonntag startete bei Sonnenschein in Rocky Harbour. Wir fuhren die 430 gemächlich gen Norden. Das schöne in den Nationalparks ist, dass es immerzu Hinweise auf Lookouts gibt und so stoppten wir schon nach ein paar Kilometern bei einer Stelle, wo die Reste eines gesunkenen und gestrandeten Schiffs zu bewundern waren. So ein Motiv freut den Fotografen immer. Bei Cow Head gab es einen Stopp an der Tanke und einen Kaffee. Dort hingen wirklich schöne Bilder indianischer Künstler. An den ungewöhnlichsten Orten findet man manchmal das Ungewöhnliche. Vielleicht sollten Esso, BP und Co auch mal über schöne Bilder lokaler Künstler in der Tankstelle nachdenken.

Unser nächster Stopp war der Arches Provincial Park. Dort haben die Bewegungen des Meeres Bögen aus dem Sandstein gewaschen. Sehr hübsch und bei Sonnenschein allemal. Der Kies dort war sehr grob, aber die Steine aufs Feinste geschliffen.

Weiter ging es auf der 430 bergauf und bergab, der Küstenlinie folgend. Mal gab es ein bisschen Wald, mal Heidelandschaft, mal ein paar Seen, mal ein paar Dörfer. Trocknende Fische an der Wäscheleine werden da zur Sensation. Mit der Zeit ermüdend und wir haben schon so viele schöne Ausblicke genießen dürfen, da wird man ein bisschen wählerisch. Zu Mittag gespeist haben wir in Hawkes Bay im dortigen Chicken-Hotspot „Haste nicht gesehen“. Besser als erwartet.

Vor St. Barbe hing an einem Gestell eine viergeteilte Moose-Kuh. Als wir uns ihr mit dem Fotoapparat näherten, kamen just in diesem Moment die Jäger. Sehr nette ältere Herren, die die Erlaubnis hatten, ein weibliches und ein männliches Tier zu erlegen. 50 Prozent hatten sie also schon erledigt. George, einer der Herren, 70 Jahre alt, erzählte, dass er in seinem Leben 24 Moose und 7 Karibous erlegt hat. Für jedes Tier ein Strich auf seiner Baseballmütze. Respekt.
In St. Barbe erkundigten wir uns nach der Fähre nach Labrador. Und wir übernachten direkt am Meer in Flower´s Cove. Der Ort, an dem die ältesten Lebewesen der Welt anzutreffen sind. Davon morgen mehr.