Der Tag begann ungewöhnlich früh um 6.30 Uhr, als wir von beißendem Gestank geweckt wurden. Die nahegelegene Papierfabrik in Georgetown nutzte offensichtlich, dass der Wind heute von Georgetown abgewandt wehte und öffnete alle Schleusen, um allen Dreck aus der Fabrik Richtung Fluss und Meer zu blasen. Der Gestank war widerlich und so sprangen wir aus dem Bett ins Führerhaus und weg waren wir.
Nach ungefähr 20 Meilen bogen wir in den Cape Romain National Park ein. Dort gab es erst einmal ein Frühstück und dann konnte der Tag richtig beginnen.
Danach fuhren wir gemütlich auf dem Highway 17 durch Mount Pleasant, der an dieser Stelle „Sweetgras Basketball Makers Highway“ heißt. Am Straßenrand stehen immer wieder Buden, an denen Körbe aus Sweetgras angeboten wurden. Wir hielten bei Mazies Sweetgras Baskets. Mazie saß in einem kleinen Raum hinter ihrem Verkaufsstand und flocht dort Körbe aus Sweetgras, langen Piniennadeln und Palmetto-Blättern. Sie erzählte uns, dass sie 84 Jahre alt sei und leider keiner ihrer drei Kinder dieses Handwerk lernen wollte. Und sie verstehe sich als Handwerkerin, was auch die relativ hohen Preise der Körbe erklärt. Schon Moses sei in solch einem Korb sicher an den Ort seiner Bestimmung gelangt. Wir haben natürlich einen Korb erstanden, er soll 100 Jahre halten, unempfindlich sein und ich finde, er duftet gut nach Gras.
Nun ging es weiter zur Plantage Boone Hall. Diese hat eine wechselvolle Geschichte und das heute zu besichtigende Plantagenhaus ist das vierte an dieser Stelle und wurde erst 1935 gebaut. Die Plantage war immer im Privatbesitz, wenn auch von unterschiedlichen Familien. Zur Zeit der Sklaverei wurde auf der Plantage Baumwolle und Reis angebaut. Heute werden dort vor allem Pecan Nüsse und Pfirsiche angebaut. Die Sklavenhäuser sind noch erhalten und sie waren in Boone Hall, wie das Haupthaus auch, aus Ziegeln hergestellt, die auf dem Grundstück gebrannt wurden. Die von mächtigen Eichen gesäumte Auffahrt und das Äußere des Hauses sind beeindruckend und waren Filmkulisse für viele Filme, unter anderem für „North and South“ mit Patrick Swazee. Wer also für kalte Winterabende noch Unterhaltung sucht, könnte sich mal wieder dieses Südstaatenepos anschauen.
Der Tag war noch nicht zu Ende, also fuhren wir jetzt nach Charleston. Wir parkten unweit der East Battery im alten Teil von Charleston. Hunger hatten wir auch, also gingen wir uns erst einmal zu Sticky Fingers in der Meeting Street, um dort Rippchen zu essen. Die Rippchen waren auf vier verschiedene Arten zubereitet, dry, scharf, süß und geräuchert. War wirklich lecker und das Bier dazu hätte sicherlich geschmeckt, aber wir mussten uns ja noch einen Übernachtungsplatz außerhalb der Stadt suchen.
Und spätestens hier, im Charleston County Park war es gut, dass wir stocknüchtern waren. Der Campground liegt in einem Naherholungspark. Und der war, ich kann es gar nicht richtig beschreiben, bis an die Schmerzgrenze mit Weihnachts-Leucht-Motiven geschmückt. Die vielen, vielen Weihnachtsmotive links und rechts einer durch das Gelände führenden Einbahnstraße konnte man bequem mit dem Auto abfahren. Wir bogen dann irgendwann ab auf den Campground und haben einen winzig kleinen Teil dann zu Fuß abfotografiert. Die „Installation“ ist noch bis 1. Januar zu besichtigen. Jetzt aber genehmigen wir uns ein Bier. Schönen Freitag-Abend.