Krankenkasse
Vor ein paar Tagen standen wir bei den Morro Dunes und hatten eine schöne Unterhaltung am Lagerfeuer mit Mike, Caroll und ihrem Freund George. Auch nach langen Autofahrten gingen mir einige Dinge nicht aus dem Kopf. Mike war ein pensionierter Feuerwehrmann und damit Inhaber eines guten Krankenversicherungsvertrages. Davon konnte seine Frau Caroll profitieren, die vor Jahren eine Brustkrebsbehandlung ertragen musste, die 300.000 Dollar kostete und die von dieser Krankenversicherung übernommen wurde. Das sei nicht selbstverständlich, wie George meinte. Denn wer kein Geld hat, wird nicht ausreichend behandelt. Ein gemeinsamer Bekannter von den Dreien litt an einem Magengeschwür. Eine Behandlung, respektive Operation hätte 30.000 Dollar gekostet. Hatte derjenige nicht. Also starb er. Für uns in Deutschland schwer vorstellbar. Auch das Problem mit der Versorgung von alten Menschen ist hier viel schwieriger als bei uns. Da es keine richtige Rentenversicherung gibt, ist das Problem der Altersarmut noch viel größer als in Deutschland. Und wir haben mehr als einmal alte Menschen auf günstigen Campgrounds getroffen, die uralte Wohnmobile ihr Home nannten und das ihr einziger Besitz war.
Die Idee einer Krankenkasse oder einer Rentenkasse, in die jeder einzahlt, aber nicht unbedingt das zurückbekommt, was er eingezahlt hat, ist vielen vor allem jüngeren Amerikanern nicht eingängig. Den älteren dämmert dann aber schon, das diese Art der Absicherung schon ihre Reize hätte. Von solchen Diskussionen ist es dann nicht mehr weit zur amerikanischen Steuerpolitik, von der auch viele Amerikaner meinen, dass sie den Einkommensstärkeren hilft.
Und in Kalifornien kommt dann noch ab und an, dass man sich für seinen Präsidenten entschuldigt. Was soll man da sagen?
Arbeitsnomaden
Ein anderer Mike fällt mir auch immer wieder ein. Er war Online-Arbeiter-Nomade. Das heißt, er arbeitete als Selbstständiger für Banken, um diese zu hacken und deren Sicherheitslücken aufzudecken. Dies wohl weltweit, denn er arbeitete auf diese Art auch eine zeitlang in Europa und in Asien. Jetzt wohnte er in einem kleinen Wohnmobil und war spätestens nach drei Wochen an einem anderen Ort. Ruhelos könnte man das auch nennen. Auf unsere Frage, ob er denn keine physische Adresse habe, meinte er, doch, ein winzig kleines Appartment in Las Vegas. Im Sillikon Valley, wo er beruflich eigentlich besser verdrahtet sei, würde eine vergleichbare Bleibe 3.400 Dollar pro Monat kosten. Das gute Geld, das er verdiene, würde dort gleich wieder versenkt. Nein danke. Dann lieber Nomade.
Geputzte Scheiben
Am 5. März las ich in der Süddeutschen Zeitung, dass es in der Apple-Zentrale im kalifornischen Cuppertino viele Verletzte gäbe, die gegen die weitgehend reflexionsarmen und damit fast unsichtbaren Scheiben gelaufen seien, die in dem kreisrunden von Norman Foster entworfene Bürobau verbaut sind. Als wir letzte Woche das ebenfalls funkelnagelneue Besucherzentrum von Apple besucht hatten, war uns auch aufgefallen, dass die Scheiben des Besucherpavillons supersauber und klar waren. Und ohne jeden Aufkleber. Das fanden wir außergewöhnlich, da normalerweise fast jede gläserne Eingangstür bei Starbucks so voller Schlieren ist, dass man sofort erkennt, hier ist ein Hinderniss. Nun wissen wir also was bei Apple los ist.
Lebenslange Garantie
Religion und Unsterblichkeit hängen ja irgendwie zusammen. In Salt Lake City haben wir für Martin bei dem netten Start-Up für Outdoorkleidung namens Cotopaxi eine Daunenweste gekauft. Auf dem Begleitzettel entdeckten wir eine bemerkenswerte Garantie: 61 Guaranteed For Good.
Für die Haltbarkeit dieser Daunenweste, die 150 Dollar gekostet hat, wird 61 Jahre lang garantiert. Warum 61 Jahre? Weil, wie uns dieser Zettel wissen lässt, die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen in der entwickelten Welt 61 Jahre lang beträgt. Für Martin und mich ein zugleich erschreckender und tröstlicher Gedanke: Halbzeit vorbei, aber wir können das gute Stück ja noch vererben. Und dem Startup wünschen wir, dass es 61 Jahre durchhält.