Angel’s Share

Heute haben Martins Schwester Susanne und unser Nachbar Andreas Geburtstag. Beiden gratulieren wir aus Chattanooga ganz herzlich. „Pardon me, boys, is that the Chattanooga Choo Choo?“ von Glenn Miller kannte während des zweiten Weltkrieges jeder GI. Udo Lindenberg adaptierte diesen Song 1983 mit „Letzter Zug nach Pankow“. Also, wir gratulieren mit dem Chattanooga Choo Choo.
Diese Nacht haben wir wirklich schlecht geschlafen. Obwohl der Abend gestern in Nashville wunderbar war und, ich hatte ganz vergessen es zu erwähnen, wir natürlich auch Jonny Cash in seinem Museum besucht hatten. Aber mitten in der Nacht wurden wir wach, weil sich neben uns ein Amerikaner mit schlechter Kinderstube platziert hatte und zu faul war, sein Stromkabel auszupacken, um Landstrom zu ziehen. Stattdessen warf er seinen laut rumpelnden Generator an. Ich kann hier versichern, dass mir die schlimmsten Beschimpfungen durch den Kopf gingen. Und dann, gerade wieder eingenickt, wurden wir durch ein lautes Gewitter, begleitet von Hagel und Starkregen wieder geweckt. Also heute morgen ging es erst einmal langsam los.

Wir wollten aufs Land, genauer nach Lynchburg in Tennessee, zur Destillerie von Jack Daniels. Ich glaube jeder hat so sein Bild über diesen Ort im Kopf, transportiert von der Werbung. Und ja, genauso sieht es hier aus. Von Nashville aus fährt man ein Stück über die 65 nach Süden und dann geht es aufs Land, das hier aussieht wie aus dem Bilderbuch. Schicke und gepflegte Landhäuser, getrimmte Rasenflächen, von weißen Zäunen umgebene Pferdekoppeln, ein bisschen Wald, blühende Hecken, Flecken mit Osterglocken, eine sanft hügelige Landschaft. Wie schön. Und dann steht man in Lynchburg. Dieser kleine Ort lebt von Jack Daniels. Man kann Führungen durch die Destille buchen, entweder mit anschließender Verkostung oder dry. Aus Zeitgründen und weil wir noch nüchtern weiter wollten, haben wir uns für die letzte Variante entschieden. Und keine Angst, wir haben uns, nachdem wir alles über die Whiskyproduktion und den Firmengründer erfahren haben, noch mit zwei Fläschchen und Gläsern eingedeckt. Und während der Führung hatte man auch die Gelegenheit, wenigstens den Angel’s Share zu erschnuppern. Nicht schlecht. Im Ort selbst gibt es noch einen Dorfplatz, wo es zum einen deftiges Pulled Pork für whiskybenebelte Tester zu essen gibt und zum anderen alle Art von Souvenirs, die mit der Destillerie zu tun haben. Besonders bemerkenswert ist, dass das County, in dem die Destille liegt, ein Dry-County ist, in dem man eigentlich keinen Alkohol kaufen und trinken darf. Es gibt hier keine Liquor-Stores, wie sonst überall in den USA. Für Jack Daniels aber als größten Arbeitgeber vor Ort, hat man wohl eine Lösung gefunden.
Bei schönstem Wetter und 22 Grad Celsius haben wir uns dann auf den Weg nach Chattanooga gemacht. Wir stehen hier auf einem Campground, der einst ein Civil War Schlachtfeld war. Entsprechend sind die Wege, die, weil wir inzwischen 2018 haben, nicht nur nach Südstaaten-Generälen, sondern auch nach den Generälen der teilnehmenden Nordstaaten benannt sind. Das ist hier im Süden, an der Grenze zu Georgia für Europäer immer noch erstaunlich, aber die Südstaaten-Herzlichkeit am Empfang erfreut immer wieder.
Hier beginnt der Frühling mit Macht, was wir an den laut rufenden Fröschen um uns herum festmachen. Ein lustiges Geräusch und die Jungs sind ausdauernd.

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