Strandleben

Heute morgen haben wir uns noch ein wenig mit einem Mitglied der anderen Reisegruppe, die mit Cross-Maschinen unterwegs waren, unterhalten. Sie stammten aus der Nähe von San Francisco und machten die Sandpisten abseits der MEX-1 unsicher. Leider hatten sich zwei Mitglieder ziemlich schwer verletzt und für einen der beiden endete der Urlaub im Krankenhaus. Oh je und gute Besserung.
Wir aber machten uns auf den Weg nach Santa Rosalia an der Cortez See. Die Cortez See ist der durch die Baja vom Pazifischen Ozean abgetrennte Meeresarm zwischen dem mexikanischen Festland und der Baja. Santa Rosalia ist eine alte und neue Industriestadt, die über einen Hafen verfügt und vom Kupferabbau lebt. Eine geschäftige Stadt, die vom Meer ins Landesinnere aufsteigt. Es gibt einige schöne alte und restaurierte herrschaftliche Gebäude, ein schönes Museum über die Minenarbeit, das nette Hotel Francés, wo wir versuchten, unseren Blog zu aktualisieren und die von Gustav Eiffel erbaute Kirche Iglesias Santa Barbara. Diese aus Stahlträgern und Blechen genietete Kirche wurde von Gustav Eiffel anlässlich der Weltausstellung 1889 in Paris gebaut und später hierher transportiert. Um die Mittagszeit haben wir einen kleinen Rundgang durch die Stadt unternommen, sind am Krankenhaus vorbei geschlendert und haben ein leckeres Eis gegessen. Dann mussten wir noch im Ley Supermarkt einkaufen. Es gibt hier alles, was man so braucht. Besonders gefällt mir, wie dünn geschnittenes Rindfleisch angeboten wird, das man für die Tacos braucht, aber aus dem sich auch sonst viele nette Dinge zaubern lassen. Auch die Gemüseabteilung ist umfassend bestückt. Das größte Angebot gibt es bei Tomaten, Avocados und Kartoffeln. Ich glaube, wir haben noch nie so viele Avocados gegessen wie auf dieser Reise. Eine Besonderheit gibt es beim Brot. Man nimmt sich ein rundes Blechtablett und eine Zange und bedient sich an den offen angebotenen Brötchen und Teilchen. Mit dem gefüllten Tablett geht man an eine Theke, wo die Ware verpackt und mit einem Preis ausgezeichnet wird. Dann kann man zur Kasse gehen.
Frisch mit Lebensmitteln ausgestattet, haben wir uns dann auf den Weg Richtung Playa Santispac gemacht. Dabei kommt man in Mulegé vorbei. Hier haben wir das schöne Stadttor und die deutsche Werbung für Zigarren fotografiert, auf die uns der aus seinem Laden eilende Verkäufer aufmerksam gemacht hat.
Wir stehen heute Nacht direkt an dem Strand Playa Santispac, einen der vielen Strände der Bahia Concepción. Diese geschützte Bucht im Golf von Kalifornien (Cortez See) ist Ziel von vielen amerikanischen und kanadischen Rentnern. Und tatsächlich, wir sind heute mit unserer Gruppe hier nicht allein. Lauter gut gebräunte Pensionäre genießen die Wintermonate hier. Es ist billig (100 Pesos kostete für uns die Standgebühr) und jeden Tag kommen Händler, die Wasser, Lebensmittel und Fisch verkaufen. Man braucht sich also nicht zu bewegen, kann ein wenig abhängen und abends mit Freunden die Musik hören, die man schon vor 40 Jahren als junger Mensch gut fand.

Aber der Strand ist auch wirklich schön, man schaut auf einige vorgelagerte kleine Inseln, das Wasser ist klar und man kann lange hinauslaufen, bis das Wasser tiefer wird. Unser Guide Patrick hat uns dann noch gezeigt, wie man Callo Muscheln öffnet und zubereitet, die er zuvor direkt aus dem Meeresboden gezogen hatte. Man erhält weißes Muskelfleisch, das man gebraten oder auch roh essen kann. Unsere Mitreisenden haben es sehr lecker gefunden.

Wale und Delfine

In der Laguna Ojo de Liebre leben von Januar bis April bis zu 2000 Grauwale mit ihren Jungen. In dieser geschützten Bucht, die mit 20 Metern nicht sehr tief ist, herrschen gute Vorraussetzungen für die Geburt und Aufzucht von Jungen. Das sollten wir uns heute „walnah“ ansehen dürfen. Um 9.00 Uhr trafen wir uns an einem Steg beim Campingplatz, um mit zwei Booten auf Wal-Beobachtungstour zu gehen. Wir fuhren zunächst ca. 15 Minuten raus auf die Bucht. Schon von weitem konnte man den Blast der Grauwale sehen. Als wir uns näherten, drosselte der Guide den Motor und nun tuckerten wir leise an die Wale heran oder aber die Wale näherten sich uns. In manchen Gruppen tauchten Wale gemeinsam mit Delphinen. Das war wirklich beeindruckend. In einem dritten Boot mit Gästen spielte ein Mann Geige. Und warum auch immer näherten sich diesem Boot die Wale mit ihren Jungen ganz neugierig. Wale kann man, wie wir gehört haben, anhand der Fluke und der Seepocken, die sich auf ihrem Rücken tragen, unterscheiden. Wir natürlich nicht. Aber ich hätte nicht gedacht, dass vor allem die älteren und größeren Tiere stark mit Seepocken bewachsen sind. Auf den Booten ging es ganz leise zu und auch wenn wir alle probierten ein Stück von diesem besonderen Erlebnis auf Bildern mit nach Hause zu nehmen, so genossen wir doch auch diese eigentümliche Stimmung, sehr große und freundliche Tiere in ihrem Habitat zu beobachten. Einmal tauchte ein Wal ziemlich nahe auf und wir konnten die feinen Nebel seines Blasts spüren. Zum Schluß und gewissermaßen als Höhepunkt tauchte ein sehr großer Wal unter unserem Boot durch. Gewissermaßen konnte man sich auf Armeslänge diesen wunderbaren Tieren nähern und eine Idee davon bekommen, wie groß sie sind. Ich denke, wir waren nach den zwei Stunden alle tief beeindruckt.

Und es ging zurück auf die MEX-1. Durch den kleinen Ort Vizcaino und an einer weiteren Militärkontrolle vorbei. Landschaftlich fuhren wir in einiger Entfernung am Meer entlang und durch weites Land. Das wurde immer grüner, je näher wir uns unserem Tagesziel San Ignacio näherten. In der Palmenoase San Ignacio gibt es einen mit großen grünen Bäumen umstandenen Dorfplatz. An dessen Stirnseite steht die Missionskirche San Ignacio de Kadakaamàn. Ihre Gründung geht auf das Jahr 1728 durch Pater Juan Bautista zurück. Ihre dicken Mauern sind aus Lavasteinen gebaut und innen an der Stirnseite ist sie vergoldet. Man betritt sie durch ein reich verziertes Holztor, das, wie die ganze Kirche maurische Elemente trägt. Vielleicht kamen die Padres, die hier wirkten, ja auch Südspanien. Besonders gut hat mir eine Figur im Inneren gefallen, der Schutzpatron aller Hausfrauen und Hausmänner mit einem Besen in der Hand.
Rund um den Platz gibt es Geschäfte, Cafés und Restaurants. Der Platz machte einen netten , aber auch einen ziemlich verschlafenen Eindruck obwohl ja Wal-Saison ist und damit Hauptsaison hier. Mañana, mañana, nur keine Eile.
Wir stehen heute Nacht auf dem Campground Rice and Beans und hatten etwas zu feiern, nämlich den 38. Hochzeitstag von Kristen und Vibeke. Gratulation. Darauf haben wir angestoßen und noch ein bisschen geschnackt. Das Essen im zum Campground und Hotel gehörigen Restaurant war rustikal aber lecker.

Von defekten Spiegeln

Heute ging es von Cataviña zur Laguna Ojo je Liebre. Zunächst ging es rund 160 km entlang der MEX-1. Erst noch hügelig durch Kakteenwälder. Nach rund 20 Kilometern weitete sich die Landschaft. Wir waren auf ca. 850 Metern Höhe, es waren keine Menschen und zeitweise auch keine Kakteen mehr zu sehen. Die Straße schlängelte sich so durch die Landschaft. Mal gab es schnurgerade kilometerlange Stücke, dann wieder großzügig kurvige Teile. Man konnte sehr weit sehen, was gut war, denn die Straße war streckenweise in erbärmlichem Zustand. Man musste großen Schlaglöchern ausweichen und manchmal übersah man doch einen oder es kam Gegenverkehr und dann war man schon mit lautem Getöse ins Loch gefahren. Und dann war die Straße auch noch ziemlich eng, links und rechts gab es keine Bankette, sondern es fiel ganz schön steil in den Sand ab. Ein Abkommen von der Straße wäre hier dramatisch gewesen. Immer wenn LKW´s entgegen kamen, habe zumindest ich ganz schön ausgeatmet, als ob uns das schmaler gemacht hätte. Und dann kam das Unvermeidliche, ein entgegenkommender LKW war zum Teil auf unserer Spur, blinkte noch kurz auf, es tat einen ordentlichen Schlag und dann war unser Außenspiegel weg. Nur die Halterung war noch in Teilen da. Das passierte kurz vor der Grenze zwischen den Provinzen Baja Norte und Baja Sur. Gott sei Dank gab es hier entgegen unserer Annahme Handy-Empfang. Ein kurzer Anruf bei Patrick, unserem Reiseleiter. Er wartete im nächsten Ort, Guerrero Negro auf uns. Und er kannte einen Glaser, der Maß nahm und uns für 200 Pesos (10 Dollar) mit Duck-Tape einen wunderbaren und funktionierenden Rückspiegel montiert hat. Das hat uns natürlich gefallen, wie selbstverständlich und praktisch man hier „Probleme“ lösen kann. Und Danke Patrick für Deine Hilfe.
Nach einem Beruhigungs-Cappuccino und einem Kuchen ging es zur Laguna Ojo de Liebre. Hier handelt es sich um eine Lagune, in die jedes Jahr bis zu 2000 Grauwale aus der Beringsee kommen, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen und zeitweise großzuziehen, bis sie den Sommer über wieder im Norden sind. Grauwale können bis zu 34 Tonnen schwer, bis 14 Meter lang und 60 Jahre alt werden. Um zu diesem Ort zu kommen, muss man von der Nationalstraße 1 abbiegen und noch einmal 25 km über eine geschotterte Straße durch ein Gebiet voller Wasserbecken zur Salzgewinnung fahren, bis man an einem Strand ankommt, der an die Lagune grenzt. Ein sehr schöner Ort, wo wir nun ohne weitere Versorgung stehen, dafür aber in vollem Mondlicht und unter einem schönen Sternenhimmel. Und der Coyote, der an unserem Lagerfeuer vorbeilief, störte sich auch nicht an uns und wir, unsere Reisegruppe auch nicht an ihm.

Ein Kaktus in der Wüste

Von Vicente Guerrero ging es heute nach Catavinia zur Rancho Santa Inez. Man fährt zunächst die Nationalstraße 1 ziemlich parallel am Pazifik entlang. Allerdings so weit im Land, dass man das Meer nur dann und wann von weitem sieht. Die Ortschaften, durch die die Nationalstraße führt sind wie gestern meist klein und staubig. Dazwischen gibt es Landwirtschaft im großen Maßstab. Auf vielen Feldern sieht man Erntekolonnen, die zu ihren wechselnden Arbeitsstätten mit ausgedienten alten amerikanischen Schulbussen gefahren werden. Ähnlich wie in Spanien sieht man auch hier große Anpflanzungen unter mit Plastikplanen bespannten Gewächshäusern. Das sieht landschaftlich nicht gerade vorteilhaft aus und trägt auch mit zur Vermüllung der Umgebung bei. Bei El Consuelo, nach den großen Dünen, die rechter Hand am Meer liegen, steigt die MEX-1 in die Berge nach El Rosario auf.
Die Straße ist über beide Spuren gefühlte 5 Meter breit, mit reichlich aufgeplatztem Teer und abfallendem Bankett. Bei jedem entgegen kommenden LKW spielen wir „Chicken“: möglichst lang links fahren um im letzten Moment auf die eigene Spur zu gehen – nur so hat man genug Platz. Mal sehen wie es funktioniert.
El Rosario ist eine mexikanische Kleinstadt, die wie eine typische mexikanische Kleinstadt eben aussieht. Bekannt ist wohl das Restaurant „Mama Espinosa’s“. Hier sollen sich in den Anfängen der Off Road Rally Baja 1000 die Reichen und Schönen aus Film, Funk und Fernsehen getroffen haben. Neben dem Restaurant, das spanische Hausmannskost serviert, gibt es einen Souvenirshop, wo man allerhand Dinge kaufen kann, die mit der Baja 1000 in Verbindung stehen. Das Restaurant selbst ist mit vielen Fotos erfolgreicher Teilnehmer und berühmter Gäste dekoriert. Die nächste Rally findet übrigens vom 13.-18.11.2018 statt. Wir haben hier nett mit Vibeke und Kristen eine Mittagspause eingelegt und sind dann weiter durch die leere Zentralwüste der Baja gefahren.
Die Straßenführung ist ziemlich kurvig und so nach und nach kommt man immer höher. An den Hängen sieht man viele verschiedenartige Kakteen in manchmal beachtenswerten Größen. Die sogenannten Catons, die aussehen wie die klassische Lucky Luke Kakteen, können sehr alt werden. Sie entwickeln die ersten Seitenarme nach 70 bis 100 Jahren. Diese Kakteen können bis zu 18 Meter hoch werden und sind dann auch mehrere 100 Jahre alt. Eine andere Pflanze, die wie ein behaarter Telefonmast aussieht, ist der Boojum-Baum. Er ist keine Kaktee und kann ebenfalls sehr hoch werden. Inzwischen wurde es ganz schön warm. Bis zu 36 Grad. Und das am 30. Januar. Kurz vor Cataviña ändert sich die Landschaft noch einmal. Es tauchen die sogenannten Boulder Fields auf, die im Calle de Los Cirios liegen. Das sind ziemlich große Granitblöcke, die in der Landschaft liegen, umgeben weiterhin von einer großen Auswahl an Kakteen. Eine irgendwie unwirkliche Landschaft, die ihre ganz eigene Reize hat.
In Cataviña stehen wir nun auf einem Platz ohne alles auf der Rancho Santa Inez. Es gibt dort ein kleines Lokal, wo wir heute Tacos und Enchilladas gegessen haben. Für 100 Pesos (ungefähr 5,80 Dollar) gab es das Essen, für 20 Pesos (1,17 Dollar) eine Büchse Bier dazu. Ansonsten stehen hier noch eine Gruppe Kanadier und ein paar Amerikaner. Ein paar Pferde und ein Stier laufen frei umher. Alles ziemlich lässig. Der Sonnenuntergang war sehenswert, wir haben nun Vollmond und nach einem weiteren Bier bei einem gemeinsamen Lagerfeuer freuen wir uns nun auf den nächsten Tag.

Colonia Vicente Guerrero

Nach einer ruhigen Nacht auf dem Parkplatz des Weingutes L.A. Cetto ging es weiter entlang der Ruta del Vino. Ein Weingut kommt nach dem anderen. Encuentro Guadalupe, Casa Pedro Domeco, Monte Xanic und Mogor Badán, um nur einige zu nennen. Besonders die supermoderne Architektur von Encuentro Guadalupe hat uns besonders gefallen.
Unser nächstes Tagesziel war Ensenada. Die drittgrößte Stadt der Baja California ist eine Hafenstadt mit einer netten Hafenpromenade und und einem touristisch geprägten Ausgehviertel. Das haben wir aber heute links liegen gelassen und haben den Chapultepec Hill Mirador erklommen. Erklommen ist wohl das richtige Wort, denn es ging supersteil hoch über die Stadt. Von dort hat man einen guten Überblick über den Hafen und Ensenada. Hier oben gibt es Gated Communities und schicke Häuser, weiter darunter wird es eher ärmlich.
Da es mit dem Internet hier nicht so weit her ist, war Starbucks heute unser nächstes Ziel. Auch hier wie überall überwiegen die WLAN-Jäger die Kaffeeliebhaber.
Gut gestärkt ging es dann zu unserem noch ca. 150 Kilometer entfernten Tagesziel: Vicente Guerrero.
Die von Norden nach Süden führende Staatsstraße 1 ist mal gut ausgebaut, mal sehr schmal. Sie führt durch Orte wie Santo Tomás, San Vicente, Colonet, Camalú bis nach Colonia Vicente. Wie soll man diese Orte beschreiben? Von der geteerten Straße fällt es links und rechts staubig ab zu den vielleicht 10 Meter entfernten Häuserreihen. Staub überall. Es gibt überall Stände mit Tacos, Pollo asado, kleine Lebensmittelgeschäfte, Autowerkstätten, Frisöre und weitere Buden aller Art. Man sieht viele Menschen auf der Straße, die Autos fahren links und rechts auf und von der Straße. Ein Gewimmel. Vieles macht einen ärmlichen Eindruck.
Wenn man die Orte verlässt, wechselt die Landschaft von flach bis bergig. Mal sieht man grüne Ackerflächen, mal Weiden. Immer aber sieht man am Wegesrand sehr viel Müll. Bei den Ackerflächen fanden wir besonders bemerkenswert diejenigen, auf denen Ohrenkakteen angepflanzt werden. Im Supermarkt haben wir heute in der Gemüseabteilung einen Angestellten gesehen, der die Stacheln der einzelnen „Ohren“ entfernte und dann die handgroßen Blätter in kleine Streifen geschnitten hat. Das konnte man dann in Tüten kaufen. Von Patrick haben wir erfahren, dass die Kakteen kurz blanchiert werden und dann als Salat mit einer Vinaigrette gegessen oder wie Bohnen mit Speck und Zwiebeln gegessen werden. Heute Abend hatten wir ein gemeinsames Essen mit unserer überaus netten Reisegruppe. Ich hatte ein Steak, das auf einem gebratenen Ohrenkaktusblatt lag. Also ich fand, es hatte einen leicht zitronig-sauren Geschmack. Da kann man bestimmt noch mehr draus machen.
Einen Militärposten haben wir auch passiert. Mitten im Nichts ist ein fester Posten aufgebaut. Ein freundlicher Soldat wollte wissen, woher wir kommen und wohin wir wollten. Manchmal wird auch das Auto inspiziert. Das hatten wir heute aber nicht.
Wir stehen nun auf einem Campingplatz in Colonia Vicente Guerrero. Er ist einfach und staubig, bietet aber Wasser, Strom und Dumping und hat ein angeschlossenes Lokal. Es scheint nicht mehr viele Campingtouristen auf der Baja California zu geben, denn besonders viele Plätze gibt es nicht. Wahrscheinlich fehlen auch die Kunden, denn für viele Amerikaner wohnt das Grauen gleich hinter der amerikanisch-mexikanischen Grenze. Was für ein Unsinn.

Grenzübertritt und Weingut L.A. Cetto

Vom Silver Strand State Beach Park aus starteten wir heute zur Baja California. Wir nahmen den kleinen Grenzübergang Tecate, der von San Diego aus in einer guten Stunde erreichbar ist. Hier war wirklich wenig los. Und da wir uns für die Baja einer Reisegruppe angeschlossen haben, wartete am Grenzübergang schon unser Guide Patrick. Die Erledigung der Grenzformalitäten ist eher ein lässiger Akt. Bei einem Beamten füllt man ein Einreiseformular aus. Er hat vor sich zweierlei Chilisoßen und Honig aufgebaut, damit man schon einmal zu überlegen kann, ob man etwas davon braucht. Nun muss man das Gebäude verlassen und bei einer überaus netten Beamtin knapp 30 Dollar pro Person Gebühren bezahlen. Danach geht es wieder ins Gebäude zu dem Chili-Honig Mann, der mit ebenfalls bester Laune die Papiere abstempelt und die Vorzüge seiner Produkte beschreibt. Wir haben uns für eine Chili-Soße entschieden, die unser Abendessen nicht unwesentlich aufgepeppt hat. Nun muss man durch den amerikanischen Grenzposten zurück zum Wohnmobil, das ja noch auf amerikanischen Boden steht. Man fährt nun nach Mexiko ein. Hier inspizierte ein Grenzbeamter recht wohlwollend unser Auto, schaute in den Kühlschrank und fragte nach Biervorräten. Als ihm alles richtig erschien, konnten wir nach Tecate fahren.

Diese Stadt ist nicht unbedingt schön, aber schon so, wie ich mir eine mexikanische Grenzstadt vorgestellt habe. Rund um den ersten Supermarkt Soriana tobt das Leben. Es duftet nach Pollo assiado vom Imbiss gegenüber und auf der Verkehrsinsel stehen zwei als Indianer gekleidete Personen und tanzen zur Unterhaltung und für ein Trinkgeld vor den auf grün wartenden Autos. Bei Soriana haben wir uns erst einmal mit frischen Lebensmitteln eingedeckt, die hier doch einiges billiger sind als in Californien. Und dann ging es auf die Mex-3 (Ruta di Vino) bis zu unserem Tagesetappenziel, das Weingut L.A. Cetto. Hier hatten wir mit unserer Gruppe das Vergnügen mit dem Weingutmitarbeiter Adrian eine Führung durch das Weingut mit anschließender Weinprobe zu unternehmen. Adrian erzählte auf englisch und kundig über das Weingut, das italienische Wurzeln hat. Außerdem sei es klimatisch hier ähnlich wie in Italien, daher werden auch Trauben wir Nebiolo und Barbera angebaut. Adrian selbst hat Culinarian Art gelernt und macht nun eine Ausbildung zum Sommelier. Die Rot- und Weißweine, die wir probierten waren gut und machten vor allem gute Laune. So kauften wir wie die meisten aus der Gruppe ein paar Flaschen und werden nun alle ein gute Nacht auf dem Parkplatz des Weingutes, inmitten der auch hier noch (trotz des warmen Wetters) kahlen Rebflächen verbringen.