Kilometer, Meilen und noch weiter

Nein, heute sind wir nicht um 5.00 Uhr aufgestanden. Um 8.00 Uhr haben wir gefrühstückt und dann hatten wir noch ein bisschen aufzuräumen und das WoMo war so voller Salz und Dreck, dass es mal unter den Dampfstrahler musste. Danach stand noch Einkaufen bei Smith auf dem Programm. Dieser Supermarkt nimmt leider nicht am Monopoly teil, gehört aber zu Kroger, sodass ich wenigsten meine Rabattkarte zücken konnte. Jeder Supermarkt bietet hier eine Rabattkarte an und auf dem Kassenzettel steht dann immer schön fett, was man so gespart hat. Ich weiß, es sind billige Tricks, aber mein Hausfrauenherz freut sich doch immer ein bisschen.

Bis wir auf die I-80 fuhren, war es schon 12.30 Uhr. Man fährt durch die Berge und die Abzweige führen in verschiedene Skigebiete, wovon Park-City wegen der Olympiade 2002 wohl am bekanntesten ist. Von der Interstate aus sieht man viele hübsche Chalets und Holzhäuser. Dann weitet sich das Tal, durch die die I-80 führt und Weiden wechseln sich ab mit Feldern. Viele Kühe stehen mit ihren Kälbern draußen, obwohl es nur 2 Grad über Null war. Die Gegen, durch die wir fuhren, machte einen wohlhabenden und gepflegten Eindruck. Ein bisschen wie Oberbayern auf Wildwest.
Aber dann bewegt man sich plötzlich auf einer Hochebene, ca. 2.000 Meter hoch und es gibt nichts mehr. Steine, Präriegras und ab und an eine industrielle Anlage, von der man nicht so genau erkennen kann, für was. Eisenbahngleise sind die ganze Zeit neben der I-80 verlegt und dann und wann sieht man ewig lange Güterzüge.
Da freut sich das Auge und das Hirn über Werbeplakate am Straßenrand, die wie im Fall von Little Amerika schon etliche Meilen vorher auf sich aufmerksam machen. Little Amerika liegt dann auch wie eine Oase, inmitten von Bäumen in der Prärie und umfasst ein Hotel, ein Tanke und ein Restaurant.

Einen zweiten Stopp haben wir in Green River gemacht. Diese Stadt lebt von einem bemerkenswert großen Verschiebebahnhof für Güterzüge. Es gibt einen kleinen Park am Fluss und dort sind wir ein wenig spazieren gegangen. Eisschollen flossen flussabwärts, so langsam scheint auch hier der Frühling zu kommen. Ansonsten das Einerlei von Trailerparkhäusern, Taco Bell, Tanken und McDonalds. Wir stehen heute in Rock Springs, einen Ort weiter, auch nicht aufregend. Aber die Tour quer durch die USA führt eben auch durch echte Gähn-Gegenden und tiefste Provinz und vermittelt uns eine Vorstellung davon, wie groß das Land ist.

Ende gut, alles gut

Die Nacht war eher unruhig. Auf dem Hof einer LKW-Werkstatt, die 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche geöffnet hat, ist eben immer etwas los. Ein Kommen und Gehen. Um 5 Uhr sind wir aufgestanden, denn um 6.30 Uhr sollten wir nun drankommen. Und was passierte? Erst mal nichts. Der Mechaniker, der in der Lage sein sollte, uns zu helfen, sollte an diesem Tag erst um 8.00 Uhr, 8.30 Uhr kommen. Wie wir später erfahren haben, lag der Grund darin, dass Anthony an diesem Dienstag seinen 34. Geburtstag feierte. Dann aber machte er sich ans Werk und die nächste Katastrophe passierte. Kaum fing er an, das Führerhaus zu kippen, platzte die Hydraulikleitung. Nun ging erst einmal gar nichts mehr. Es mussten nun zwei neue Hydraulikleitungen besorgt werden, was nach einigen Versuchen bis zum Nachmittag gelang. Danach konnte Anthony das eigentliche Problem, das Leck im Kühlwassersystem beheben. Er blieb länger als er an seinem Geburtstag eigentlich wollte und setzte das WoMo wieder in Gang. Wir sind ihm von ganzem Herzen dankbar. Anthony hat sich für uns wirklich in die Kurve gelegt. Gegen 17.00 Uhr rollten wir schließlich vom Hof.

Da ich nicht den ganzen Tag in der Truckerkantine verbringen wollte, bin ich mit dem Taxi nach Salt Lake City gefahren und habe mir das Natural History Museum of Utah angeschaut. Das liegt leicht außerhalb von Downtown über der Stadt. Von diesem sehr schicken Neubau hat man eine phantastische Aussicht auf Salt Lake City und die umgebende Bergkette. Nachdem ich mir mit vielen Schulkindern die Ausstellung, die sich viel mit Dinosauriern auseinandersetzt, angesehen habe und auch in einer Werkstatt zugeschaut habe, wie in den Bergen Utahs geborgene Knochenreste präpariert werden, gab es erst mal einen Kaffee.
Danach lockte das schöne Wetter und ein Spaziergang im Schnee. Saleem, der Taxifahrer aus Pakistan, der mich hierher gefahren hatte, holte mich auch wieder ab und erzählte mir von seiner Familie und seinen Erfahrungen, die er in den letzten 30 Jahren in den USA gemacht hatte. Besonders interessant fand ich seine Feststellung, dass er inzwischen mehr Amerikaner als Pakistaner sei. Wenn er nach Pakistan führe, nerve ihn nach kurzer Zeit, wie sich seine ehemaligen Landsleute über alles mögliche beschweren. Das könne er nicht mehr hören. Er habe schließlich auch die Ärmel hochkrempeln müssen und freue sich nun an seinem Leben in Salt Lake City und an seinen wohlgeratenen Kindern. Seine Frau lobte er dabei über alle Maßen, da sie es gewesen sei, die über die ganze Zeit seine Familie zusammengehalten habe. Ein schönes Kompliment zum Weltfrauentag am Donnerstag.

Den frühen Nachmittag verbrachte ich beim Frisör, bei Mary. Ein typischer Vorortfrisör, sehr nett, sehr herzlich. Und als sie mir berichtete, dass sie als Teenager mit ihrem Vater, der bei der Army beschäftigt war, für zwei Jahre in Mannheim war, verstanden wir uns um so besser. Ich verzichtete auf allen Chi-Chi, den sie anbot und finde, dass ich ganz gut aussehe. Und sie fuhr mich freundlicherweise wieder zurück zur Werkstatt. Hier hatte sich die Lage inzwischen entspannt und so schauten Martin und ich noch zwei Stunden zu, bis das Reparaturwerk kurz vor 17.00 Uhr vollbracht war.

Wir fuhren wieder auf den Campground in Salt Lake City und dort wurden wir von Mathew angesprochen. Er fragte nach unserem WoMo und der Reise. Und dann kam er noch einmal und fragte, ob wir nicht mit ihm und seiner Frau Virginia essen gehen wollten. Warum nicht. Also verabredeten wir uns, dass er uns abholen würde und der Plan von beiden war, den In-Mexikaner Red Iguana 2 zu besuchen. Gesagt, getan. Leider war der In-Mexikaner brechend voll. Wir hätten eine Stunde auf einen Tisch warten müssen. Aber die überaus angenehme und resolute Virginia hatte noch eine andere Idee und so landeten wir bei einem sehr authentischen Mexikaner, ein paar Kilometer weiter. Wir fühlten uns wie in den Restaurants, die wir auf der Baja kennengelernt haben. Mathews Mutter war Mexikanerin und so sprachen er und seine Frau natürlich spanisch. Das führte sofort zu Pluspunkten bei der Bedienung. Das Essen war super und die Unterhaltung mit den beiden, die ansonsten in San Diego lebten, überaus spannend und anregend. Ein schöner Abend nach einem vor allem für Martin anstrengenden Werkstatt-Tag.

Danke Herr Zetsche

Salt Lake City wartet. Dachten wir. Aber nach einer kalten Nacht, meldete sich heute morgen mit lautem Warnton der Atego und vermeldete Verlust des Kühlwassers. Also Auto wieder aus, nachsehen, und ganz klar, es fehlte Kühlwasser. Ein Leck? Bei der Tanke erst einmal Kühlflüssigkeit gekauft und nachgefüllt. Parole? Im Auge behalten. Also rollten wir die knapp 4 Kilometer nach Downton Salt Lake City. Immer der North Temple entlang bis fast zum Historic Temple Square. Ja, schon an der Namenswahl der Straßen und Plätze merkt man gleich, hier gehts zum Vatikan der Mormonen. Die Stadt zeigte sich von ihrer schönen Seite. Sonnenschein und weißer Schnee und nicht den graubraunen Modder, den es nach einem Tag Schnee in Hamburg auf den Straßen gibt. Aber, wo sind die Menschen? An einem Montag Vormittag möchte man doch meinen, den einen oder anderen auf der Straße zu sehen? Fehlanzeige. Ein paar Penner und ein paar Stadtpolizisten. Also schlenderten wir weiter am Museum of Church History and Art vorbei. Die ausgehängten Themen zogen uns nicht so an, aber ein außen aufgestelltes Pioneer Log Home fanden wir dann doch interessant. Dieses kleine Blockhäuschen war vielleicht so groß wie eine Garage und war eingerichtet mit zwei Betten, einem Tisch, einem Ofen, ein paar Stühlen und ein paar Regalen. Das Leben der ersten Siedler war nicht besonders komfortabel.
Über die Straße erreicht man den mit einer hohen Mauer umgebenen Historic Temple Square.

Wenn Salt Lake City schon einen geleckten Eindruck macht, hier kann man ohne jede Angst vom Boden essen. In einer parkartigen Anlage stehen mehrere Gebäude, unter anderem der Mormonen Tempel, die Hauptkirche der Latter Day Saints. Außerdem der Tabernacle, wo der bekannte Mormon Tabernacle Chor aufsehende Konzerte gibt. An zwei Infocentern kann man sich Führungen anschließen, haben wir aber nicht. Und dann springen natürlich nette und freundliche junge Männer und Frauen herum, die einen ansprechen, sobald man mit fragendem Blick stehen bleibt.
Wir aber wendeten uns nun der Haupteinkaufsstraße zu, durch die wie in Mannheim eine Straßenbahn führt. Aber auch hier war wirklich nichts los.
In mehreren Reiseführern wurde beschrieben, dass Salt Lake City eine merkwürdig langweilige Stadt sei. Ich weiß nicht ob langweilig, eher aseptisch. Supersauber. Unamerikanisch. Und rund herum grüßen die schneebedeckten Berge.
In die wollten wir nun fahren, denn Park City ist nur 45 Minuten entfernt. Und was passiert da? Der Daimler Atego fängt wieder an zu mucken. Warnton. Kühlwasser fehlt. Also doch irgendwo ein Leck. Also ab zum Warner Truck Center, einem Freightliner und Westernstar-Händler. Die gehören ja jetzt zu Mercedes. Und nun stehen wir hier bei schönstem Sonnenschein und warten, dass wir morgen, am Dienstag, um 6.30 Uhr bedient werden. Sprich, dass das Leck gefunden wird und wir weiterfahren können.
Danke hierfür an das Management von Daimler Benz, Abteilung Trucking. Campground kann ja jeder. Aber der Hof einer LKW-Werkstatt, das ist doch mal exklusiv. Die Versorgung hier besteht im angeschlossen Trucker Gourmet-Restaurant nicht aus Currywurst Schranke oder klodeckelgroßen Schnitzeln mit Petersilien-Krümeln aus der Dose, sondern aus schönen Hamburgern mit Pommes.
Das ist nun nach unserem Erlebnis bei Daimler in Florida wegen eines defekten Thermostates der zweite Stopp in der wunderbaren Erlebniswelt von Daimler Benz. Danke, Herr Zetsche für diese außergewöhnlichen Erlebnisse.

Bevor ich es vergesse

Krankenkasse
Vor ein paar Tagen standen wir bei den Morro Dunes und hatten eine schöne Unterhaltung am Lagerfeuer mit Mike, Caroll und ihrem Freund George. Auch nach langen Autofahrten gingen mir einige Dinge nicht aus dem Kopf. Mike war ein pensionierter Feuerwehrmann und damit Inhaber eines guten Krankenversicherungsvertrages. Davon konnte seine Frau Caroll profitieren, die vor Jahren eine Brustkrebsbehandlung ertragen musste, die 300.000 Dollar kostete und die von dieser Krankenversicherung übernommen wurde. Das sei nicht selbstverständlich, wie George meinte. Denn wer kein Geld hat, wird nicht ausreichend behandelt. Ein gemeinsamer Bekannter von den Dreien litt an einem Magengeschwür. Eine Behandlung, respektive Operation hätte 30.000 Dollar gekostet. Hatte derjenige nicht. Also starb er. Für uns in Deutschland schwer vorstellbar. Auch das Problem mit der Versorgung von alten Menschen ist hier viel schwieriger als bei uns. Da es keine richtige Rentenversicherung gibt, ist das Problem der Altersarmut noch viel größer als in Deutschland. Und wir haben mehr als einmal alte Menschen auf günstigen Campgrounds getroffen, die uralte Wohnmobile ihr Home nannten und das ihr einziger Besitz war.
Die Idee einer Krankenkasse oder einer Rentenkasse, in die jeder einzahlt, aber nicht unbedingt das zurückbekommt, was er eingezahlt hat, ist vielen vor allem jüngeren Amerikanern nicht eingängig. Den älteren dämmert dann aber schon, das diese Art der Absicherung schon ihre Reize hätte. Von solchen Diskussionen ist es dann nicht mehr weit zur amerikanischen Steuerpolitik, von der auch viele Amerikaner meinen, dass sie den Einkommensstärkeren hilft.
Und in Kalifornien kommt dann noch ab und an, dass man sich für seinen Präsidenten entschuldigt. Was soll man da sagen?

Arbeitsnomaden
Ein anderer Mike fällt mir auch immer wieder ein. Er war Online-Arbeiter-Nomade. Das heißt, er arbeitete als Selbstständiger für Banken, um diese zu hacken und deren Sicherheitslücken aufzudecken. Dies wohl weltweit, denn er arbeitete auf diese Art auch eine zeitlang in Europa und in Asien. Jetzt wohnte er in einem kleinen Wohnmobil und war spätestens nach drei Wochen an einem anderen Ort. Ruhelos könnte man das auch nennen. Auf unsere Frage, ob er denn keine physische Adresse habe, meinte er, doch, ein winzig kleines Appartment in Las Vegas. Im Sillikon Valley, wo er beruflich eigentlich besser verdrahtet sei, würde eine vergleichbare Bleibe 3.400 Dollar pro Monat kosten. Das gute Geld, das er verdiene, würde dort gleich wieder versenkt. Nein danke. Dann lieber Nomade.

Geputzte Scheiben
Am 5. März las ich in der Süddeutschen Zeitung, dass es in der Apple-Zentrale im kalifornischen Cuppertino viele Verletzte gäbe, die gegen die weitgehend reflexionsarmen und damit fast unsichtbaren Scheiben gelaufen seien, die in dem kreisrunden von Norman Foster entworfene Bürobau verbaut sind. Als wir letzte Woche das ebenfalls funkelnagelneue Besucherzentrum von Apple besucht hatten, war uns auch aufgefallen, dass die Scheiben des Besucherpavillons supersauber und klar waren. Und ohne jeden Aufkleber. Das fanden wir außergewöhnlich, da normalerweise fast jede gläserne Eingangstür bei Starbucks so voller Schlieren ist, dass man sofort erkennt, hier ist ein Hinderniss. Nun wissen wir also was bei Apple los ist.

Lebenslange Garantie
Religion und Unsterblichkeit hängen ja irgendwie zusammen. In Salt Lake City haben wir für Martin bei dem netten Start-Up für Outdoorkleidung namens Cotopaxi eine Daunenweste gekauft. Auf dem Begleitzettel entdeckten wir eine bemerkenswerte Garantie: 61 Guaranteed For Good.
Für die Haltbarkeit dieser Daunenweste, die 150 Dollar gekostet hat, wird 61 Jahre lang garantiert. Warum 61 Jahre? Weil, wie uns dieser Zettel wissen lässt, die durchschnittliche Lebenserwartung eines Menschen in der entwickelten Welt 61 Jahre lang beträgt. Für Martin und mich ein zugleich erschreckender und tröstlicher Gedanke: Halbzeit vorbei, aber wir können das gute Stück ja noch vererben. Und dem Startup wünschen wir, dass es 61 Jahre durchhält.

Salz und Schnee

In Winnemucca war es heute morgen ganz schön kalt. Ein starker Wind und Schneeschauer. Da beschlossen wir, heute noch einmal einen Fahrtag einzulegen. Unser Etappenziel sollte Salt Lake City sein, also 560 Kilometer.
Zuerst ging es durch die Prärie, die weiterhin von schneebedeckten Bergketten gesäumt war. Manchmal öffnet sich hinter einer Erhebung wieder ein schöner Blick auf ein weites Tal. Der schönste Namen für solch ein Tal war heute das Pumpernickel Valley. Ein Schneeschauer folgte auf den nächsten. Es war nicht viel los auf der I-80. Also konnten wir entspannt unserem Hörbuch lauschen.
In Elko haben wir Rast gemacht. Eine Stadt mitten in der Pampa mit Regionalflughafen. Ein Supermarkt, ein paar Kettenrestaurants, den üblichen independent Mexikaner, Tankstellen, ein paar Hotels, kleine Casinos (ganz Nevada scheint vom Glücksspiel zu leben) und die üblichen Siedlungen nach dem Cookie Cutter Prinzip erstellt.
Weiter ging es über Hügel und Hochebenen, aber eigentlich gibt es nichts, außer den Wolken und der Autobahn. Dabei ist diese Landschaft nicht reizlos. Aber da überall Schnee lag und es auch noch schneite, kam die Diskussion auf, wie schwer es für die Trecks einst sein musste, auch bei dieser Witterung nach Westen zu ziehen. Manchmal sieht man von Weitem ein paar Ranches, und vereinzelt auch Rinder.
Und so zogen sich die Stunden dahin bei Keksen, Schokolade, Apfelschnitzen und Gatorade. So erreichten wir dann schließlich Westwendover/Wendover. Auch eine eher gesichtslose Siedlung, die von Glücksspiel lebt, schließlich ist man hier an der Grenze zu Utah und dort herrschen mit den Mormonen strengere Moralvorstellungen. 10 Kilometer hinter Wendover kommt man zu den Bonneville Salt Flats, am Rand der Great Salt Lake Desert. Hier findet im August die Speed Week statt, wo man eindrucksvolle Raketenautos bestaunen kann und wo regelmäßig Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt werden. Eine geteerte Straße führt ein Stück weit in diese Salzwüste. Von dort hat man einen schönen Blick über die brettelebene Fläche und die heute schneebedeckten Berge dahinter. Weiß ist das Salz, weiß sind die Berge und blau ist der Himmel. Eine schöne Kombination. Links und rechts der Fahrbahn könnte man auf den Salzsee fahren, der heute aber nicht trocken, sondern matschig war, da es stark geschneit hatte. Wir verzichteten.
Von einem Aussichtsturm an der I-80 hat man noch einmal einen schönen Blick auf den Salzsee. Danach führt die Autobahn eine ganze Zeit lang durch die Salzwüste. Bis Salt Lake City gibt es keine nennenswerte Siedlung mehr. Wenn man durch die Salzwüste fährt, sieht man im Hintergrund immer wieder Bergketten, die sich gegen Abend dann auch noch dramatisch orange/rosa färbten. Ein schönes Schauspiel.
Im Dunkeln erreichten wir Salt Lake City. Das sehen wir uns dann morgen an.

Wochenend´ und Sonnenschein

So sehr es gestern geschneit hat und die Fahrt auf der I-80 gegen Abend dann wirklich kein Spaß mehr war, so schön war es heute morgen. Neuschnee, Sonne und blauer Himmel. Die hohen Tannenbäume um uns herum waren voller Schnee. Wirklich schön. Die Wege rund um die Campgrounds wurden nun geräumt. Das war auch dringend nötig, denn hinter unserem WoMo machte die kleine Anwohnerstraße einen Bogen und wir konnten ein paar Mal beobachten, wie zu flotte Autofahrer einen Drift hinlegten und in der dahinter sich befindlichen Schneewehe abrupt zum stehen kamen. Es passierte nie etwas, jeder Autofahrer konnte sich befreien und ohne Probleme weiterfahren. Für uns aber hatte diese Art von Autoballett doch einen Unterhaltungswert.
Nachdem Martin das Auto weitgehend von Schnee befreit hatte ging es wieder auf die I-80. Die Fahrbahn war immer noch schneebedeckt, aber es war wenig los. Schon gestern hätte man einige LKW-Schneeketten von der Fahrbahn sammeln können. Heute war es ähnlich. Wir fuhren durch eine schöne Winterlandschaft eine zeitlang am Truckee River entlang. Sehr kurzweilig und es gab einiges zu sehen.

Unser erster Stopp heute war Reno, die kleine Schwester von Las Vegas. Das schönste an dieser Stadt sind die Berge ringsherum. Die Spielerstadt selbst ist natürlich tagsüber ohne Leuchtreklame nicht so sehenswert. Und auch wenn es nur wenige und kleine Casinos gibt, das Stadttor zeugt doch von Selbstbewusstsein. Wir haben hier einen Cappuccino getrunken und bei Safeway eingekauft. Momentan muss ich immer bei Safeway einkaufen, denn dort gibt es ein Monopoly Spiel. Für den Einkauf bestimmter Produkte gibt es Märkchen, die man auf eine gedrucktes Spielbrett aufkleben muss. Ich sage Bescheid, wenn ich die Million geknackt habe.
Wir sind ja auf dem Weg zurück nach Baltimore und da ist es leider unvermeidlich, dass man auch mal Strecke machen muss. Wir durchquerten heute also Nevada fast bis zur Hälfte bis nach Winnemucca. Die I-80 führt durch ein ewig breites Tal, das links und rechts in der Ferne von schneebedeckten Bergen begrenzt wird. Es gibt so viel Platz, dass die West-Ost und Ost-West Fahrbahnen mindestens 600 Meter voneinander entfernt verlaufen. Es gibt so gut wie keine Häuser. Ab und an eine Tankstelle, mal ein Farmhaus, sonst nichts. Wiesen mit und ohne Rinder, zwischendurch mal ein paar Felder. Ähnlich wie in Canada, wenn man durch Sasketchewan oder Manitoba fährt. Flach, flach und nix. Viel Himmel und so rollten wir hörbuch hörend so dahin.
In Winnemucca ist bis morgen viel los, denn es ist das jährliche Ranch Hand Rodeo Weekend. Vielleicht sehen wir morgen noch etwas davon.

Es schneit, es schneit, hei so mach´ ich Winterzeit

Im Vorfrühling verabschiedeten wir uns heute aus Nappa. Es war leicht bewölkt, nicht zu schlecht, um einen Fahrtag einzulegen, der uns heute bis hinter Reno, Nevada bringen sollte.
Unser erster Stopp zum Mittagessen war in Auburn. Eine Kleinstadt, die einst vom Goldschürfen lebte. Heute ein netter Ort für Touristen mit dem Auburn Alehouse, einer Microbrauerei, die um 13.00 Uhr am Freitag Mittag gut besucht war. Inzwischen hatte es angefangen zu regnen, da sitzt es sich in einem warmen Gasthaus natürlich besonders schön. Auch das Café „The Pour Choice“ ist für seinen Cappuccino und seine Brioche zu empfehlen. Der Wirt im Café erkundigte sich noch nach unseren heutigen Reiseplänen. Als er Reno vernahm, meinte er, dass es oben auf Donnerpass, über den die I-80 führt ganz schön schneit und die I-80 zwischenzeitlich auch gesperrt war. Nun ja, wir haben ja Allrad und so richtig konnten wir uns das bei dem bisschen Regen in Auburn auch nicht vorstellen. Wir schlenderten also zurück zum Auto, dabei besuchten wir noch einen Laden, der gebrauchte Sättel und Trensen verkaufte. Jedes Stück wunderschön.

Die I-80 führt nun immer mehr in die Sierra Nevada hinauf. Und tatsächlich, es fing immer stärker an zu schneien. Warnschilder wiesen darauf hin, dass LKW´s Schneeketten anzulegen haben und Pkw´s ohne Allrad auch. Alle Fahrzeuge mit Allrad müssen Schneeketten dabeihaben. Schon vor dem Kontrollpunkt stehen am Straßenrand Dienstleister, die Schneeketten für PKW´s ausleihen und auch gleich montieren. Das wurde nun gerne genommen. Auch die LKW´s montierten fleißig. Wir sind dank Allrad so weitergefahren. Erst noch auf dem Teer, dann langsam über eine geschlossene Schneedecke. Der Schneefall wurde immer stärker. Also beschlossen wir auf einen Campground rauszufahren. Hier lag der Schnee schon gute 30 cm. Als wir eine Meile gefahren waren, stellten wir fest, dass die Zufahrt zum Campground wegen Schneefalls geschlossen war. Drehen konnten wir nun auch nicht mehr, da die Schneefräse genau eine Spur gemacht hatte. Also im Rückwärtsgang wieder zurück. Da es inzwischen auch ganz schön glatt war, mit technischer Hilfe.
Also wieder auf die I-80. Inzwischen dämmerte es und es schneite immer stärker. Die Scheibenwischer schafften es kaum und wir hatten schlechte Sicht. Andere Autofahrer sahen wohl auch nichts, was sie nicht daran hinderte plötzlich auf der Autobahn (es gab ja nur noch zwei Spuren und keine Standspur mehr) stehen zu bleiben und rutschend ums Auto zu hasten und die Scheibenwischer vom Eis zu befreien. Da wussten wir, jetzt ist es höchste Zeit ein Quartier für die Nacht zu finden. Wir stehen jetzt in Truckee, wer kennt es nicht. Auf einem Campground, wild romantisch werden wir so langsam eingeschneit. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich solch eine Schneefall erlebt habe. Wir stehen unter zwei mächtigen Tannenbäumen, die ab und an mit lautem Getöse ihre Schneelast auf uns werfen. Zum Glück ist der Schnee recht locker. Heute Nacht soll es Minus 8 Grad werden auf einer Höhe von 1900 Metern.

Nappa Valley

Heute Nacht hat es episch geregnet. Wir bekamen eine Idee davon, was eine Sintflut ist. Die ganze Nacht durch bis heute morgen so gegen 10.00 Uhr. Dazu teilweise heftige Windböen, sodass wir kurz überlegten, ob es Sinn macht, weiterzufahren.
Aber, wie gesagt, 10.00 Uhr und der Regen hörte auf.
Also sind wir ins Marin County nach Fairfax gefahren. Unser Ziel sollte das Café Humminbird in diesem Ort sein, wo angeblich das Mountainbiken erfunden wurde. Entsprechend gab es das Marin Museum of Bicycling, mit der Mountain Bike Hall of Fame. Haben wir nicht besucht, aber davor steht ein riesiges Radl.
Das Café Hummingbird, wo es Beignets gibt, konnte uns dann doch nicht überzeugen, eher schon die Fairfax Coffee Roastery, wo es guten Cappuccino und Croissants gab. Danach hat sich Martin in die Hände des ortsansässigen Friseurs gewagt, Feldforschung vor Ort. Während ich auf Außenposten war.
Unser nächstes Ziel war das Nappa Valley und hier „The Culinary Institute of America“ in St. Helena. Ein Ableger einer New Yorker Kochschule, die in einem alten ehemaligen Gebäude der Greystone Cellars untergebracht ist. Das war wirklich interessant, weil man hier eine Ausbildung machen kann bis hin zum Bachelor Abschluss, aber auch ambitionierte Hobbyköche können hier in ein Boot Camp eintauchen. Das Restaurant hatte leider schon für den Mittagstisch geschlossen, aber das Café bot neben leckersten Törtchen auch leckere deftige Kleinigkeiten an. Das Pita mit Papriahumus und der Salat mit einer Rotweinvinaigrette waren wirklich lecker. Das Café wird von Kochschülern betrieben, die alles herstellen, verkaufen und auch für den Service zuständig sind. Dazwischen sieht man Lehrer/Supervisor, die nachsehen, ob alles richtig läuft und auch die Kunden befragen. Neben dem Restaurant gab es noch einen sehenswerten Shop, wo es vieles gab, was man so in der Küche brauchen kann. Mehr Handwerkszeug als Zutaten.
Der Ort St. Helena ist hübsch, touristisch, in der Main Street kann man von Wein bis Juwelen so ziemlich alles kaufen.

Auf dem Weg nach Nappa kommt man an unzähligen Weingütern vorbei. Noch ist alles im Vorfrühling, den man aber schon ahnen kann. Zwischen den Rebstöcken wächst gelber Senf, die Magnolien, Mandelbäume und die Osterglocken blühen schon. Die Sonne kam auch immer mal wieder im Wechsel mit heftigen Schauern. Aprilwetter im März.
Entlang der Straße durch das Nappa-Valley fährt eine Eisenbahn Touristen in hübschen Waggons durch die Gegend. Eine schöne Ecke von Kalifornien.