Mesa Verde Nationalpark und zum Monument Valley

Unser Platz ohne jeden Comfort gegenüber dem Eingang des Mesa Verde Nationalparks bot heute Nacht einen unbeschreiblichen Sternenhimmel. Die Nacht war frostig, aber sternenklar. Da es um uns herum keine Ortschaften gab, war es auch entsprechend dunkel. Also konnten wir durch unser Dachfenster über unserem Bett die Sterne beobachten. Das hat doch was, oder?

Vom Parkeingang bis zum Chapin Mesa Archeological Museum braucht man ungefähr eine Stunde. Die Straße führt bis auf einen 2.600 Meter hohen Pass. Die Ausblicke, die man auf die umgebende Landschaft genießen kann, sind zum Teil atemberaubend. Die Luft war klar, die Sonne schien und überall sah man noch Reste von Schnee. Bei einem der ersten Lookouts haben wir zwei nette Paare aus Amerika und Kanada getroffen und kleinen Schnack gehalten. Da man ein paar Mal rechts rausfährt, um die Aussicht zu genießen, braucht man auch fast eine Stunde bis zum Museum. Von dort führt auch ein Weg zum „Spruce Tree House“, der best erhaltenen Klippenbehausung. Unter kleinen und größeren Felsüberhängen sind Wohnungen über mehrere Stockwerke in den Fels getrieben. Hier lebten zwischen 1200 und 1280 präkolumbianische Puebloindianer. Die Anlage darf man im Winter nur von einer Plattform betrachten. Im Sommer gibt es auch von Rangern geführte Touren, bei denen man sich dann selbst ein Puebloindianer fühlen darf, wenn man über stabile Leitern in einzelne Wohnungen und Gemeinschaftsräume krabbeln darf. Ich möchte nicht weiter darüber nachdenken, welch unförmige Besucher vor einem auf der Leiter stehen und war froh, dass Winter war. Nach einer kleinen Stärkung ging es mit dem Wohnmobil weiter auf den Mesa Top Loop. Eine 10 km lange Strecke, die Ausblicke auf weitere Felsenwohnungen erlauben. Zum Teil sind diese so atemberaubend angelegt, dass man schon ins Grübeln kommt, wie die Menschen dorthin und wieder weg kamen. Diese Aussichtspunkte haben so schöne Namen wie Square Tower House, Sun Point und Sun Temple. Von letzterem hat man eine Aussicht auf die größte Anlage, nämlich Balcony House. Hier trafen wir eine Familie aus der Schweiz, die ein Expeditionsmobil zur Zeit in Kambodscha stehen haben und hoffen, diese Reise in 2019 weiterführen zu können. Nun waren sie mal für drei Wochen in den USA. Auch hier gefiel ihnen die Weite des Landes.

Die haben wir dann auch wieder zu spüren bekommen. Eigentlich sah der Weg von Mesa Verde Nationalpark zum Monument Valley wie ein Rutscherle aus. Aber die Straßen sind eher Landstraßen, die sich kurvig, bergauf und bergab durch Steine und Felsen unterschiedlichster Farben winden. In Mexican Hat, einem Ort, in dem eine Gesteinsformation steht, die wie ein Mexikanerhut geformt ist, war dann Monument Valley schon zu erahnen. Im letzten Licht des Tages waren die Silhouetten des Monument Valley wie Scherenschnitte am Himmel zu beobachten. Schöner, als das ein Fotoapparat einfangen kann. Wir übernachten außerhalb des Parks und werden morgen auf den Spuren von John Wayne und Lucky Luke wandeln.

Auf zum Mesa Verde Nationalpark

Albuquerque verließen wir so gegen 10.00 Uhr morgens. Unser Ziel heute ist der Mesa Verde Nationalpark, beziehungsweise der Campground daneben, denn wir hatten 360 km zu fahren und dann ist es bestimmt zu spät, noch in den Park einzufahren. Bei strahlendem Sonnenschein und 8 Grad Celsius führte uns der Highway 550 an so wichtigen Orten wie Cuba, Nageezi und Bloomfield vorbei. Wir bekamen mal wieder eine Idee von der Weite des Landes. Die vorherrschende Farbe war gelb und ocker. Wie toll muss es hier aussehen, wenn es mal regnet und die Farbe grün erscheint. Aber auch so hat die Fahrt ihren Reiz. Die Straße führt mal einen kleinen Berg hinauf und hinunter, in der Ferne sieht man dann und wann schneebedeckte Gipfel und in neben dem Highway Rinderherde und vereinzelte Häuser. Zwischen Bloomfield und Durango weiter im Norden verläuft die Staatsgrenze zwischen New Mexico und Colorado. Da wir inzwischen auf einer kleinen Nebenstraße unterwegs sind, gibt es natürlich auch kein Welcome-Center. Und dann fährt man einen Berg herunter und erblickt Durango. Eine Stadt, die früher mit der Eisenbahn reich wurde und nun auf den ersten Blick aussieht, wie ein größerer Skiort in den Alpen. Viele Apartmenthäuser, Hotels und Restaurants, aber leider kein Schnee. Uns war das ja ganz recht, denn es waren nun noch ca. 30 Meilen bis zum Mesa Verde Nationalpark. Die beiden Campgrounds waren „closed for the seaseon“. Also sind wir zum Besucherzentrum des Parks gefahren und der Ranger meinte, dass auch der Campground im Park geschlossen sei. Aber um die Ecke, eine halbe Meile entfernt, würden wir ein paar Stellplätze ohne alles mitten in der Landschaft finden. Kostenlos. Also stehen wir nun fast allein (es gibt noch zwei weitere Partien) an einem unbeleuchteten Hang. Wildromantisch, oder? Morgen werden wir dann in den Mesa Verde Nationalpark einfahren und uns die Felsenwohnungen der präkolumbianischen Pueblo-Indianer ansehen.

Albuquerque

Santa Fe hat uns wirklich gut gefallen und so sind wir heute mit einem guten Eindruck weiter nach Albuquerque gefahren. Santa Fe und Albuquerque liegen ca. 100 km auseinander. Man fährt durch die Farbe gelb, denn das Gras ist trocken, es hat schon über 90 Tage lang nicht geregnet. Das Gelb wird unterbrochen vom Hellbraun verstreuter Häuser, von struppigen Büschen und schwarzen Rindern.
Zunächst haben wir Downtown angesteuert. Das mit Art-Déco Elementen verzierte KiMo Theater Liegt inmitten der Central Avenue. Dies ist eine Straße vergleichbar mit der Reeperbahn. Es gibt viele Kneipen und Restaurants und noch weitere kleinere Theater. Leider wirken diese Orte am Tage immer ein wenig räudig. Wobei das KiMo wirklich nett anzusehen ist. Außerdem noch nennenswert ist der Men`s Hat Shop, den es schon seit 1946 gibt und der Hüte in allen Farben und Formen und Mengen anbietet. Wir hielten einen kleinen Schnack mit dem Verkäufer, dem Martins gestern gekaufter Hut überaus gut gefiel und machten uns auf in die Old Town von Albuquerque. Diese hätte uns bestimmt besser gefallen, wenn wir nicht zwei Tage vorher in Santa Fe verbracht hätten. Auch hier gibt es eine Plaza, die von kleineren Geschäften und Cafés umsäumt ist. An einer Seite gibt es auch wie in Santa Fe einen Laubengang, unter dem die indigenen Bevölkerung allerlei Kunsthandwerk anbietet. Und dann ist da noch der Convention der Schwester Blandine. Eine kleine Kirche mit weißem zierlichen Turm und die Farbgebung der Gebäude lässt einen eher in Mexico, denn in den USA vermuten. Der Souvenirshop der Schwestern bot viele hübsche, dekorative und bunte Memorabila für gläubige Christen. Aber wir hatten uns irgendwie an der Folklore satt gesehen.
So statteten wir der Drogeriekette Walgreen`s an der Ecke noch einen Besuch ab. Dort wurden wir von einem überaus netten Verkäufer bedient, der uns erzählte, dass er längere Zeit in Italien gelebt hat und den wir dann auch noch fotografieren durften.
Die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Leuten und die überaus interessanten und kurzweiligen Gespräche machen unsere Reise so überaus unterhaltsam.
Nun stehen wir über Nacht in Albuquerque und starten morgen den Grand Circle mit dem ersten Stopp in Mesa Verde.

Sonnenschein und Santa Fe

Wir hatten beschlossen, noch einen Tag in Santa Fe zu verbringen, da uns die Stadt so gut gefallen hatte und die Sonne so schön schien. Es war kalt, der Himmel knallblau und die Berge im Hintergrund weiß gepudert. Gute Laune Wetter. Erst einmal aber hieß es einkaufen. Und nachdem wir durch den Norden von Texas gefahren waren und der einzige Supermarkt dort Walmart war, merkte man hier doch, dass Essen einen anderen Stellenwert hat und man zwischen unterschiedlichen Supermärkten und Biomärkten die Auswahl hatte.

Danach besuchten wir erneut die O`Farrell Hat Company. Martin hatte sich gestern einen sehr schicken und ungewöhnlichen Hut angesehen. Und heute haben wir ihn gekauft. Dieser Hutladen bietet außergewöhnliche und in Handarbeit hergestellte Hüte an. Welche, die Regen, Wind und Wetter abkönnen, aus bestem Biberhaar gefertigt sind und in unterschiedlichsten Formen und Farben in den Regalen liegen. Natürlich auch als Westernhüte. Die Hutbänder gibt es von schlicht bis aufwändigst dekoriert. Und die Strohhüte und echten Panamahüte waren echte Hingucker. Jeder Hut wird entweder direkt für den Kunden angefertigt oder fertige Hüte werden auf den Kopf des Kunden angepasst. Und Kopfformen gibt es wohl unzählige. Der Laden ist eine Institution und wer Lust hat, sollte sich mal das YouTube Video über die O`Farell Hat Company ansehen. Der Chef trug heute im Laden selbstredend einen Hut.

Dann mussten wir uns natürlich erst einmal stärken. Wir waren heute im Hotel La Fonda essen. Nachdem wir gestern superscharf im „Shed“ gegessen hatten, war uns heute nach gemäßigter Schärfe. Das Hotel ist auch im Adobe-Stil gebaut und innen wirkt es im mexikanischen Stil eingerichtet. Das Essen war ausgezeichnet, keine Burger, keine Sandwiches, keinen Chicken-Salat. NEIN. Es gab Hackbraten mit einer pikanten Soße, gut abgeschmeckt mit wohlschmeckendem Kartoffelbrei und grünen Bohnen. Und danach Espresso, der auch den Namen verdient hat.
So gestärkt ging es zu Fuß weiter in die Canyon Road, wo sich eine Galerie an die andere reiht. Es gibt großartige Dinge zu sehen und für viel Geld zu kaufen. Aber es gibt auch Geschmacklosigkeiten für viel Geld zu kaufen. Auf alle Fälle macht es sehr viel Spaß, durch die Canyon Road zu bummeln. Die schönste Galerie war für uns die Manitou Gallery (www.ManitouGalleries.com).
Santa Fe hat uns supergut gefallen. Es ist die unamerikanischste Stadt, die wir auf unserer Reise erlebt haben. Das liegt bestimmt an der Bauweise der Häuser, der Möglichkeit, die Innenstadt bequem zu Fuß zu erkunden und den überaus lässigen Bürgern dort. Toll.

Santa Fe

Heute morgen haben wir das Blue Hole in Santa Rosa besichtigt. Es handelt sich hier um eine Quelle, die 81 Feet (=21 Meter) tief ist und im Durchmesser 60 Feet (=18,28 Meter) beträgt. Das Wasser ist ganz klar und man kann ziemlich tief sehen. Und das Wasser im Loch wirkt blau, tiefblau. Umso erstaunlicher ist dieser Farbe, da nun im Winter alles herum braun und trocken ist. Eine Treppe führt in das Loch und man kann jederzeit darin schwimmen. Die Wassertemperatur beträgt 61 Grad Fahrenheit, d.h. 16 Grad Celsius. War uns entschieden zu kalt, zumal die Außentemperatur heute morgen 6 Grad betrug und es ziemlich windig war. Aber schön anzuschauen war es auf alle Fälle.
Dann ging es weder auf die I-40 nach Westen. Die Straße geht ewig geradeaus, wie mit dem Lineal gezogen. Und auch hier ist die Landschaft eher Prärie. Irgendwann bogen wir ab Richtung Santa Fe. Da war es dann auch mit dem Handyempfang vorbei.

Schon wenn man nach Santa Fe hineinfährt, hat man nicht das übliche Einerlei amerikanischer Städte. Das liegt wahrscheinlich schon mal an den Gebäuden, die überwiegend im Adobe-Stil gebaut sind. Erdfarben, Lehm, Steine und Holz sind hier vorherrschend. Die Gebäude sind auch nicht übermäßig hoch. Die spanisch-mexikanische Epoche, die Mitte des 19. Jahrhunderts zu Ende ging, hat die Stadt bis heute mehr geprägt, als die amerikanische Art zu leben. Und auch auf dem Parkplatz ging es unamerikanisch zu. Der Parkplatzwächter wollte zunächst 30 Dollar haben. Nach kurzem aber intensivem Verhandeln durften wir dann für 15 Dollar stehen. Unser erstes Ziel war die Plaza mitten in Santa Fe. Ungewöhnlich auf den ersten Blick war die Dekoration mit dicken Zöpfen aus Chilis. Um diesen Platz gruppieren sich Geschäfte mit indianischem Kunsthandwerk, Mode und Schmuck. Da wir außerhalb jeder Saison unterwegs sind, wurde uns in jedem Laden dicke Nachlässe angeboten. An einer Längsseite des Platzes bieten unter den Arkaden des Gouverneurspalastes bieten Indianer ihr Kunsthandwerk an. Überaus hübsche Sachen und auch dort darf man handeln.
Nachdem wir so viel gesehen haben, kehrten wir im „Shed“ ein. Ein Restaurant, das uns empfohlen wurde, um ein für Santa Fe typisches Gericht mit rotem oder grünem Chili zu probieren. Die Mexikaner haben die Küche hier sehr beeinflusst. Und ich kann sagen, das Essen war scharf, sehr scharf. Der Ober brachte freundlich lächelnd ein Glas Eistee nach dem nächsten. Als wir bezahlten, meinte er, dass man sich mit der Zeit an die Schärfe gewöhnt. Nun ja.
Wir stehen heute in Santa Fe und da die Stadt uns so gut gefällt und wir noch nicht die Canyon Road mit den Galerien und die Museen erkundet haben, werden wir uns wohl noch einen Tag hier gönnen. Im Augenblick haben wir Schneeregen, aber morgen soll die Sonne scheinen.

Auf nach New Mexiko

Nach einer kleinen Wanderung im Palo Duro Canyon haben wir uns auf den Weg nach Amarillo gemacht. Eigentlich wollten wir einem Geschäft für Cowboy-Boots einen Besuch abstatten. Aber wie so oft bei Reiseführern, die Adresse war veraltet, das Geschäft war geschlossen. Also noch schnell in den nächsten Bastel-Laden, wo wir einen ganz ganz dicken Edding erstanden.
Gestärkt mit einem Cappuccino bei Starbucks, denn das Internet ist dort immer gut, ging es los. Und dann fuhren wir aus Amarillo hinaus zur Cadillac Ranch. Hier handelt es sich um eine Kunstinstallation der Gruppe AntFarm aus dem Jahre 1974. Damals wurden Cadillacs auf einem Feld halb in der Erde vergraben, angeblich im Winkel der Pyramiden von Gizeh. Warum das ganze? Als Hinweis auf die Bedeutung des Autoverkehrs in den USA? Kunst? Auf alle Fälle darf man diese Autos nach Lust und Laune mit Farbe besprühen und bemalen. Ab und zu werden die Cadillacs einheitlich übermalt und dann geht das Sprühen und Gestalten von Neuem los. Wir haben uns mit 1024a.de „verewigt“.
Klingt alles nach einer großartigen Installation? Nun ja. Die Autos stehen mitten auf einem Feld neben der Autobahn. Auf dem gleichen Feld grasen auch Rinder. Die haben hoffentlich inzwischen gelernt, die massenhaft auf dem Boden liegende Farbdosen und deren Deckel nicht zu fressen. Es ist wirklich schade, dass die „Kunstinteressierten“ solche Ferkel sind. Andererseits würden Mülleimer helfen, diesen Dreck zu vermeiden.
Und dann ging es weiter nach New Mexiko. Hinter Amarillo sind es noch ca. 45 Kilometer bis zur Grenze. Dieses Gebiet heisst Prärie und das ist auch Prärie. Eine Hochebene, Sawgrass so weit das Auge reicht, ab und zu Rinder. Als Westernfan bekommt man eine Idee davon, wenn es in den Filmen heißt, die Rinderherden stehen zwei Tagesritte von der Ranch entfernt. Das Land scheint endlos zu sein. Da werden sogar Windparks für das Auge interessant, von denen es nicht wenige gibt. Und eigentlich geht es nach der Grenze Texas-New Mexiko gerade so weiter. Mal ein bisschen felsiger, dann gibt es ein paar Baumwollfelder und dann wieder Prärie.
Wir stehen heute in Santa Rosa. Das Städtchen liegt an der historischen Route 66, die hier an allen Ecken beworben wird. Die empfohlenen Barbecue-Rippchen des zum Campground gehörenden Restaurants haben wir probiert. Waren ganz lecker. Und dann klopfte es auf einmal. Und es standen Vater und Sohn vor der Tür, echte Sylter, die mal für drei Wochen den wilden Westen bereisen. Die Welt ist klein und wir hatten einen netten Schnack.

Und noch ein Statepark: Palo Duro Canyon State Park

Nach einer ruhigen und sternenklaren Nacht sind wir heute von der Sonne geweckt worden. Ein kurzer Plausch noch mit dem Host-Ehepaar und schon sind wir los. Tagesziel heute war Amarillo. Von Quanah über Childress ging es zunächst nach Clarendon. Dort entdeckten wir ein kleines Schild mit dem magischen Wort „Espresso“. Also rechts ran und dann gab es bei schönstem Sonnenschein mit Blick auf die Dorfstraße Cappuccino und Internet. Glückstreffer. Auf der Karte sehen die Entfernungen gar nicht so dramatisch aus. Aber 300 km durch Baumwollfelder ziehen sich einfach hin. Und zwischendurch gibt es manchmal so gar nichts, an dem sich das Auge festhalten kann. Uns war gar nicht bewusst, wie viele Eisenbahnstrecken für den Gütertransport es in den USA gibt. Entlang der US287 führt eine Eisenbahntrasse und mehrmals sahen wir ewig lange Züge, die von bis zu drei Loks gezogen wurden. Die meisten Züge waren mit Containern beladen, die zu den großen Reedereien dieser Welt gehören.
In Amarillo waren wir noch einkaufen. Normalerweise meiden wir ja Walmart, aber in Texas ist das wohl der Laden der Wahl. Hier in Amarillo ist das Angebot schon stark an die mexikanisch stämmige Bevölkerung ausgerichtet, was in Bezug auf das Fleisch und das Gemüse von Vorteil ist. Schon die Auswahl an Chilischoten war bemerkenswert.

Wir stehen heute Nacht im Palo Duro Canyon State Park. Dieser Park ist größer als der Copper Breaks State Park, in dem wir gestern waren und der Canyon ist auch beeindruckend. Wir stehen nun unten im Canyon neben einem Bach, der bei Regen bedenklich anschwellen kann. Von unserem „Schlafzimmerfenster“ schauen wir nach oben auf einen Felsen und wir können uns gut vorstellen, wie oben die Bösen stehen und uns unten belauern. John Wayne hat diese Situation immer so aufgelöst, dass er im Rücken einen Bach hatte und so die Feinde immer vor sich. Der rote Sandstein der Felsen sieht bei Sonnenuntergang natürlich besonders gut aus. Es gibt hier mehrere Trails, von denen der bekannteste der Lighthouse Trail ist, der zu einer Felsnadel führt. 2,72 Meilen einfach und man wird mehrfach ermahnt, auf alle Fälle genügend Wasser dabei zu haben. Heute waren wir zu spät hier, denn um 17.30 Uhr ist Sonnenuntergang. Ob wir morgen dabei sind? Fraglich.
Die Hälfte des Stateparks ist zur Zeit gesperrt, da Hunting-Woche ist und man Angst um die harmlosen Wanderer und Mountainbiker hat. Letztere dürfen sich in einem bleifreien Habitat bewegen. Danke.
Übrigens ist der Palo Duro Statepark der zweitgrößte Canyon in den USA.

Copper Breaks State Park

Bei bleigrauem Wetter und Nieselregen sind wir heute in Roanoke gestartet. Unser erstes Ziel auf dem Highway 287 war Wichita Falls. Wir brauchten dringend Internet, um unseren Blog wieder zu füttern. Also ab zu Starbucks. Vorher aber sind wir durch downtown Wichita Falls gefahren. Ich hatte gehört, dass der Stadtrat Anfang 2017 beschlossen hatte, die Innenstadt zu revitalisieren. Und ja, es gibt genügend nette alte Backsteingebäude, in die Geschäfte, kleine Büros, Restaurants und Cafés einziehen könnten. Aber wie wir es schon in vielen kleinen Städten gesehen haben, gelingt das manchmal großartig, wie in DeLand und manchmal aber auch gar nicht. Was bestimmt auch daran liegt, dass Geschäfte des täglichen Lebens eher näher an die Highways gebaut sind, denn an ehemalige Innenstädte. Hier in Wichita Falls sieht man vielversprechende Ansätze und wie überall auf der Welt hängt ein Gelingen auch sehr von jungen Leuten ab, die wie hier in einem mit kunterbunten gebrauchten Möbel eingerichteten Café saßen und dieses Projekt bestimmt nach vorne bringen.
Hinter Wichita Falls führt der Highway durch endlose Baumwollfelder. Die geerntete Baumwolle steht in sehr großen, mit Folie abgedeckten Blöcken auf dem Feld und wartet auf den Abtransport. Und dann gab es den Ort mit dem schönen Namen Elektra. Und hinter Elektra ist das Land bretteleben und man sieht unzählige Windräder. Fast wie auf Eiderstedt. Und im Vordergrund bewegen sich die Förderanlagen von Öl, wie man sie noch aus der Serie „Dallas“ kennt.
Unser Platz zum Schlafen ist heute der Copper Breaks State Park bei Quanah. Ein sehr schön in der Prärie angelegter Park. Wir stehen auf einer kleinen Hochebene, denn der Boden rund um den Campground ist erodiert und man sieht auf kleine Seen und Felsenabrisse. Zu jedem Platz gehört ein stilisierter Wigwam aus Holz. Mit dem Host stehen hier drei Wohnmobile. Eine Ruhe wie in St. Peter-Ording. Man hört NICHTS, außer in der Ferne ab und zu einen Coyoten. Dieser Platz gilt als einer von der International Dark Sky Association sehr dunkel bewerteter Platz. Man kann also wunderbar Sterne gucken. Und das ganze für 22 Dollar.
Eben war ich noch einmal draußen. Die Sterne funkeln bemerkenswert. Die Milchstraße grüßt und der Platz ist so dunkel, dass man ohne Taschenlampe gar nichts sieht. Das sind dann die ganz besonderen Momente dieser Reise.

Dallas

Manchmal freuen wir uns wieder auf zu Hause. Auch wenn wir wirklich vielen aufrichtig freundlichen und hilfsbereiten Menschen in diesem Land begegnet sind, nervt die grottige Qualität des Internets nachhaltig. Außer bei Starbucks und McDonalds kann man nirgendwo garantieren, dass es ein stabiles Netz gibt, über das darüber hinaus noch mehr als ein Bit pro 30 Minuten transportiert wird. Mit dieser Netzqualität braucht man über eine Landung auf dem Mars nicht weiter nachdenken. Und selbst wenn es die Astronauten dorthin schaffen sollten, die Meldung darüber auf die Erde würde nach heutigen Internetstandards LICHTJAHRE dauern.
So, genug gemeckert.
Denn sonst war der Tag wirklich ganz nett. Wir haben uns im Welcome Center des Staates Texas mit Kartenmaterial und Reiseinformationen eingedeckt und dann ging es nach Dallas. An den Interstates, sprich Autobahnen gibt es bei jedem Eintritt in einen neuen Bundesstaat ein Welcome Center, das Reisende mit Informationen über das jeweilige Land informiert.
Unser Ziel war das Nasher Sculpure Center. Hier, umgeben von Wolkenkratzern liegt ein kleiner Garten, der im Aussenbereich schöne Plastiken u.a. von Rodin, Alexander Calder und George Segal präsentiert. Im Inneren des Centers gab es eine Ausstellung von Tom Sachs mit dem Namen „Tea Ceremony“. Das Wetter war sehr schön und bei 18 Grad Celsius haben wir im Garten Platz genommen und einen Kaffee getrunken. Eintritt war heute übrigens frei, weil Target heute für alle bezahlt. Es wäre ähnlich, als ob Karstadt Den Eintritt in die Kunsthalle übernähme.
Danach sind wir zu Wild Bill´s spaziert. Ich brauche ein Paar neue Schuhe, nachdem ich meine heute morgen vor der Treppe des Wohnmobils habe stehen lassen und wir einfach losgefahren sind. Dort, bei Wild Billˋs hat sich Martin vor 5 Jahren ein Paar Westernboots gekauft, die er auch heute spazieren trug. Wenn nicht hier, wo dann. In dem überaus sehenswerten Laden wurde er auch gleich auf seine Boots angesprochen. Ich selbst habe auf einem Sessel Platz genommen, dessen Lehnen aus Kuhhörnern gefertigt waren und der Bezug selbstverständlich mal eine Kuhhaut war. Aber hierher passte er wirklich. Leider hatten sie für mich keine Boots, aber nun bin ich Besitzerin eines mit silbernen Elementen verzierten Westerngürtels. Auch schick. Leider liegt der Laden in einer Ecke von Dallas, die, um es vorsichtig zu formulieren, nicht mehr zu den schicksten gehört. Vor fünf Jahren, dass wir schon einmal hier waren, konnte man Cafés, Restaurants und kleine Geschäfte in den renovierten Lagerhäusern der Umgebung besuchen. Das Konzept hat aber leider nicht verfangen, was für so tolle Läden wie Wild Bill´s schade ist.
Wir stehen heute Nacht in Roanoke, kurz hinter Dallas. Schön ruhig, aber so ruhig, dass es eben leider auch kein Internet gibt.

Bible Belt

Vom River View Park and Resort in Vidalia, am Mississippi gegenüber von Natchez sind wir heute weiter nach Nordwesten gefahren. Ein letzter Blick zurück auf den großen Strom und seine beeindruckenden Schubschiffeinheiten, weiter flussabwärts gab es eine größere petrochemische Anlage von BASF und schon fühlte ich mich zurück nach Mannheim/Ludwigshafen und den Rhein erinnert.
Aber schon ein paar Kilometer weiter war klar, das hier ist der berühmte Bible Belt der USA. Man fährt durch landwirtschaftliche Gebiete (Baumwolle, Mais, Soja) und durch Orte, die schon bessere Zeiten gesehen haben. Man sieht einzelne schöne Farmhäuser, aber auch viele abgerissene Mobile-Homes. Bei letzteren erschreckt die Menge an Müll und Schrott, die sich um diese Häuser ansammeln. Immer picobello dagegen sind die Kirchen. Auf eine Strecke von knapp 80 Meilen bis nach Monroe haben wir bestimmt 100 größere und kleinere Kirchen gesehen. Catholic Church, Methodisten und Pentecoastals, letztere gehören den Pfingstgemeinden an. Wir haben überlegt, wie es sein kann, dass diese gepflegten Kirchen neben so vielen abgerissenen Wohnhäusern existieren. Die Antwort wurde uns später bei Duck Commander geliefert.
Duck Commander, wer kennt sie nicht? Das sind ein paar wilde Jungs, die Entenlockpfeifen erfunden haben und inzwischen die Welt an ihrem Leben teilnehmen lassen. Bärte, Camouflagekleidung und wilde Sprüche. Wir haben uns in ihrem Laden in West Monroe, Mississippi, umgesehen und sind mit zwei Verkäufern ins Gespräch gekommen.
Zunächst wurden uns die Vorzüge der Entenlockpfeifen live vorgeführt, sodass wir um einen Kauf derselben nicht herumkamen. Allerdings das Basic-Modell für 10 Dollar. Die in der Ausführung luxuriöseren Modelle kosteten bis zu 250 Dollar. Aber auch mit denen kommt nur eine Ente und kein Elch aus dem Gebüsch. Auf die Frage, ob denn der Laden 7 Tage die Woche geöffnet sei, kam die Antwort „Not on Sunday“. An diesem Tag sind die Leute busy, nämlich in der Kirche. Und beide erzählten uns nun von Bibelstunden, an denen sie teilnähmen und dass an jedem Sonntag die Kollekte unterschiedliche Bestimmungen hat. Unterstützung der Bedürftigen in der Gemeinde, Unterhalt oder Bau des Gotteshauses, Unterstützung weltweit bei Katastrophen, Bildung, Missionarsarbeit und vieles andere mehr. Sie erzählten, dass ihre Gemeinde 1000 Mitglieder habe und dass an dem Sonntag, an dem für die weltweiten Katastrophen gesammelt wurde, 120.000 Dollar zusammen kamen. Die Aufgabe der Gemeinde sei zum einen die Erbauung, aber zum anderen auch die Organisation des gesellschaftlichen Lebens.
Nach diesem erbauenden Einkauf fuhren wir auf der Interstate 20 weiter nach Shreveport/Bossier City. Bossier City lebt von Spielcasinos. Wir stehen heute Nacht auf einem Platz, der zu einem dieser Casinos gehört und ziemlich preiswert ist. Ich weiß ja nicht so genau, ob „der Lord“ es gerne sieht, wenn die Menschen sich dem Glücksspiel hingeben, aber sei es drum, wir haben uns dann in dem Spielcasino umgesehen. Jetzt bin ich kein Experte, aber hier spielten auch diejenigen, die das Geld besser in Kleidung, ein neues Dach oder den Friseur investiert hätten. In dem Spielsaal stehen jede Menge einarmige Banditen, ähnlich wie auf deutschen Autobahnraststätten, wo man gegen Einsatz von mindestens 25 Cent pro Spiel darauf hoffen darf, dass drei gleichzeitig erscheinende Erdbeeren, Kirschen oder Apfelsinen einen kleinen Gewinn anzeigen, der auf einen noch größeren hoffen lässt. Vor den Geräten sitzen Menschen aller Couleur, die das Warten auf den großen Kick verbindet. Dann gab es noch eine Roulette-Tisch, ein paar Black-Jack-Tische und sonstige Spieltische, die aber nur mäßig besetzt waren. Man hätte Stunden damit zubringen können, die Leute dort zu beobachten, aber dass mögen Spieler verständlicherweise nun mal nicht und so war unser Besuch eher kurz. Aber wir wissen ja nun, dass der Gewinn am Sonntag in die Kollekte fließt.