Der Grand Canyon ist ja eine Welt für sich. Weltkulturerbe? Keine Ahnung, aber es tummeln sich viele Besucher aus allen Kulturen der Welt dort. Und jetzt ist noch absolute Nebensaison. Nach einem Frühstückskaffee auf der Market Plaza, die für solch eine Touristenattraktion ein erstaunlich schlechtes Internet bot, haben wir uns auf den Weg zu Hermits Rest gemacht. Dies ist ein Aussichtspunkt am Ende der Hermit Road, die vom 1. März bis zum 30 November für den Individualverkehr gesperrt ist. Entlang dieser Straße gibt es einige Aussichtspunkte, die einen atemberaubenden Blick in den Grand Canyon erlauben. Vom Trailview Overlook kann man Teile des Bright Angel Trailhead sehen, einem von zwei Wegen, die auf den Grund des Grand Canyon führen. Für den Abstieg werden 4 bis 5 Stunden veranschlagt, für den Aufstieg, je nach Kondition 6 bis 8 Stunden. Man braucht einen Permit, für den man sich vier Monate im Voraus bewerben muss. Heute war wunderbares Wanderwetter, Sonnenschein und 10 Grad Celsius. Und obwohl Nebensaison ist, waren doch nicht wenige Wanderer auf ihrem Weg nach unten und nach oben zu beobachten. Man kann auch mit einem Maultier diesen Weg bezwingen, wir haben aber keine gesehen. Aber wir haben gehört, dass für reitunkundige Personen, auch diese Art der Beförderung kein reines Vergnügen ist. Von der Parkverwaltung wird dringend geraten, den Abstieg und den Aufstieg auf zwei Tage zu verteilen und genügend Wasser mitzuführen. Man kann in der Sohle des Grand Canyon auf einem Campground übernachten.
Martin und ich haben uns an der Aussicht erfreut. Am Mohave Point kann man über einen felsigen Weg ziemlich weit in den Abgrund sehen. Die Absperrungen sahen Gott sei Dank recht stabil aus. Auch den Colorado kann man streckenweise von hier sehen. Bei Hermits Rest, einem Parkplatz mit Aussicht gibt es einen Souvenirshop und für uns war damit die Erkundung des South Rim abgeschlossen.
Vor dem Südeingang des Parks liegt Tusayan. Ein Ort, ausgelegt, um den Besuchermassen, die keine Übernachtung im Park ergattern konnte, hier eine Schlafstätte zu bieten. Außerdem gibt es einige Restaurants, Souvenirshops und von hier starten auch die Hubschrauber und Kleinflugzeuge zu den Rundflügen über den Grand Canyon. 30 Minuten kosten ca. 180 Dollar pro Person. Das ist bestimmt sensationell, zumal der Grand Canyon so abgelegen ist, dass man so schnell nicht noch einmal herkommt. Aber irgendwie hatten wir nun genug gesehen.
Auf der I-40 ging es dann für 3 Stunden nach Westen. Wir übernachten nun in einem Ort mit den netten Namen Kingman. Wüste, Steppe und rund um unseren Platz stehen große und dunkelgrüne Oleanderbüsche. Es ist schon erstaunlich, was man mit Wasser erreichen kann.
Westwärts
Grand Canyon
Auf dem Weg von Page zum Grand Canyon fährt man durch eine Landschaft mit ganz eigenem Reiz. Links und rechts der Straße erstrecken sich niedrige Züge aus rotem Sandstein. Davor liegen eine Steppe, bedeckt mit gelben Gras oder auch felsige Äcker. Auch dieses Land gehört den Navajos. Inmitten dieses unwirtlichen Nichts finden sich einige Häuser und dann und am Straßenrand grob gezimmerte Verkaufsstände, von denen nur wenige „geöffnet“ waren und indianisch geprägte Souvenirs verkaufen.
Noch bevor man den Grand Canyon Statepark erreicht, kann man an einigen Stellen einen Pause einlegen und einen Blick in die Tiefe des Colorado-Rivers werfen. Diese Stellen würde man ohne Hinweisschild nie finden, da die Schluchten von der Straße aus nicht einsehbar sind. An einer hielten wir dann auch an, um ein paar Fotos zu machen. Das Hinweisschild, dass vor wilden Tieren wie Skorpionen und Klapperschlangen warnte, ließ uns anschließend den Boden etwas genauer betrachten. Und auch das Souvenir-Angebot der Navajo-Frauen haben wir betrachtet und natürlich etwas gekauft. Es gab Decken, Traumfänger, Keramiken und jede Menge Schmuck. Dieser Schmuck ist aus den unterschiedlichsten Materialien, hauptsächlich Halbedelsteinen hergestellt. Diesen Steinen werden magische Kräfte zur Abwehr von Krankheiten und Gefahren nachgesagt. Sprich, wer ein Schmuckstück aus solchen Steinen trägt, auf den wirken diese Kräfte. Aber auch Samen werden bei der Schmuckherstellung verwendet. So soll der Samen der Juniper Beere Kinder vor bösen Geistern und schlechten Träumen bewahren. Ich finde, das ist eine schöne Vorstellung.
Als wir gerade weiterfahren wollten, kamen wir mit einer Gruppe von fünf jungen Männern ins Gespräch, die aus Hamburg stammten, ihren Master in Barcelona machten und sich von der Uni dort kannten. Sie waren im Silikon Valley, um sich in der dortigen Gründerszene umzusehen. Aber auch, um sich bei der Gelegenheit den Grand Canyon anzusehen. Netter Plausch und dann ging es weiter durch den Kaibab National Forest und auf einmal fuhren wir durch Kiefernwälder. Es wurde grün und dann kamen wir in den Grand Canyon Nationalpark. Schon kurz hinter dem Eingang kam der erste Höhepunkt: Desertview. Die Tiefe und die Weite des Grand Canyons an dieser Stelle ist beeindruckend, auch wenn die Farbgebung des Gesteins tagsüber eher flach ist und ein bisschen an Gebiete des Tagebaus erinnert.
Bis zum Grand Canyon Village sind es nun noch ca. 30 Kilometer, die immerzu am Südrand entlangführen. Ein paar Mal blieben wir noch stehen, um noch einen Blick in den Abgrund zu werfen. Und wen sehen wir außerhalb der Geländer auf einer Felsnadel, frei stehend, um ein Selfie zu schießen? Die vor einer Stunde getroffenen Studenten. Manchmal ist es schon gut, dass man als Eltern nicht weiß, was der Nachwuchs so treibt. Wir beide jedenfalls konnten es nicht mit ansehen.
Nun stehen wir auf dem Trailer Village RV Park des Grand Canyon National Parks. Ich möchte noch anmerken, dem teuersten Statepark auf der ganzen Reise. Das ganze Grand Canyon Village ist auf Massen von Touristen eingerichtet. Es gibt zwei Campgrounds, einige Hotels und Restaurants, einen Supermarkt, eine Krankenstation, ein IMAX-Theater und riesige Parkplätze. Zwischen den touristischen Attraktionen wie dem Rim-Wanderweg und den Hotels gibt es Buslinien und Fahrradwege. Zur Saison möchten wir eher nicht hier sein. Jetzt im Winter, zur absoluten Nebensaison, wurde uns heute noch die kleine Tier-Show geboten. Zum einen eine Herde von Damwild, das völlig ungerührt über die Straße marschierte und einigen Dohlen, die zwischen den Bäumen ihre Capriolen drehten.
Und dann auch hier: der Golf-Cart. Hier mehr in technischer Ausführung und als Arbeitsgerät, denn als Gefährt für fußlahme Camper. Wir rätseln, wann dieser Trend nach Europa schwappt.
Lake Powell und der Roadrunner
In den letzten 14 Tagen waren wir viel unterwegs und sind jeden Tag gefahren. Heute hatten wir irgendwie keine Lust. Die Sonne schien und der Campground war mit zwei Fahrzeugen dicht belegt. Wir haben eine Bombenaussicht auf den See und die Ruhe ist unbeschreiblich.
Also haben wir den Tag heute mit Spazierengehen, Cappuccino trinken im nahegelegenen Hotel und Lesen verbracht. Sorry.
Das einzige „Aufregende“ war heute die Bekanntschaft mit einem Roadrunner-Vogel. Wer kennt sie nicht die Cartoon-Filme über den Coyoten und den Roadrunner, die sich immerzu gegenseitig durch die Prärie gejagt haben. Bei YouTube jederzeit anzusehen. Der Roadrunner hier war ziemlich zutraulich, der Coyote hatte heute, wie wir auch, frei.
Vom Monument Valley zum Lake Powell
Es ist schon toll, wenn man morgens aus dem Fenster schaut und sofort stellt sich das Lucky Luke Feeling ein, ja, wir sind im Monument Valley. Der Platz, auf dem wir standen gehört zur Gouldings Lodge. Wie alle anderen touristischen Einrichtungen ein paar Kilometer vor dem offiziellem Eingang zum Manumentvalley Park zu Goulding gehört, als da wären eine Tankstelle, ein Autowaschplatz, ein Supermarkt. Zwischen dem Goulding-Reich und dem Parkeingang sieht man verstreut jede Menge Wohncontainer, von denen einige einen runtergekommenen Eindruck machen und leider oft von einer Ansammlung von alten Autos und Schrottteilen umgeben sind. Das und die Zersiedelung des Landes vor der Kulisse der Monolithen des Monument Valley sind eher unschön. Rechter Hand vor dem Eingang liegt die Navajo Shopping Mall, wo man sich mit allerlei Touristensouvenirs eindecken kann. Ganz Monument Valley gehört dem Stamm der Navajo-Indianer und steht auch unter deren Verwaltung. Es gibt also auch eine eigene Polizei und Gerichtsbarkeit.
Unsere Idee heute war, in den Park einzufahren, das Besucherzentrum anzusteuern und dann die 17 Meilen durch den Park vorbei an den bekannten Felsnadeln und Monolithen zu fahren. Aber weit gefehlt. Am Eingang zum Park wurden pro Person 20 Dollar Parkeintritt aufgerufen. Dies hätte aber nur zur Besichtigung des Besucherzentrums und seiner Terrasse berechtigt. Jede Art von Fahrzeug darf nicht mehr eigenständig den Park durchfahren. Nur mit einem Guide auf einem Jeep für 75 Dollar pro Person und 2,5 Stunden hätte man den 17 Meilen Loop erkunden können. Hier fühlten wir uns nicht mehr wohl, dachten an Abzocke und drehten um. Die Fotos zeigen also alle Monolithen, die man von außerhalb des Parks sehen kann und das fanden wir dann auch sehr schön.
Über Kayenta und Kaibeto ging es dann für uns heute weiter nach Page. Dies ist ein Ort, der in den 50er Jahren mit dem Bau des Glen Canyon Damms entstand. Dieser Damm am Südende des Lake Powell erhebt sich mit gewaltigen Ausmaßen aus der Schlucht des Colorado Rivers. Die Staumauer ist 216 Meter hoch, und die Krone der Mauer ist 8 Meter breit und 475 Meter lang. Man kann vom Carl Hayden Visitor Center einen Blick auf diese gewaltige Mauer werfen, die in den Sandstein gebaut wurde. Beeindruckend. Technikinteressierte können das Kraftwerk im Inneren des Damms und die riesigen Turbinen bestaunen. Haben wir nicht gemacht, weil wir zu spät dran waren. Die Staumauer und der Ausblick auf den dahinter liegenden Lake Powell hat uns so schon gefallen. Der See ist 300 km lang und ist weit verzweigt, denn viele Täler wurden mit dem Bau des Kraftwerks geflutet. Im Sommer ist das hier ein Eldorado für Wasserfreunde. Allein die Anzahl der Marinas lässt Massen erwarten. Was umso erstaunlicher ist, da die Anreise nach Page nur durch trockene Steppen, unterbrochen von einzelnen Monolithen geprägt ist.
Wir stehen nun in Wahweap am Lake Powell mit zwei anderen Wohnmobilen und haben den Eindruck, dass der ganze Lake Powell nur für uns da ist. Wir haben einen Ausblick auf den See und die dahinter liegenden Felsen, die zum Abend hin in den schönsten Orange-Tönen leuchten.
Auf dem Weg nach Page sind wir natürlich auch an den beiden Eingängen zum Antelopes Canyon vorbeigekommen. Aber auch hier machen die Navajos, aus ihrer Sicht bestimmt zu Recht, aus dem Besuch dieser besonderen klammähnlichen Schlucht mit dem Besonderen Licht (Beam) ein Geschäft. Man muss einen Tagespass bezahlen und dann Eintritt mit einem Guide für einen einstündigen Aufenthalt. Wenn man ohne Guide sich dort für maximal 2 Stunden aufhalten möchte, um zu fotografieren, kostet das je nach Tageszeit und Upper oder Lower Canyon zusätzlich zwischen 31 und 48 Dollar pro Person. Wir überlegen noch, aber die Weite des Sees ist für uns glaube ich, verlockender.
Mesa Verde Nationalpark und zum Monument Valley
Unser Platz ohne jeden Comfort gegenüber dem Eingang des Mesa Verde Nationalparks bot heute Nacht einen unbeschreiblichen Sternenhimmel. Die Nacht war frostig, aber sternenklar. Da es um uns herum keine Ortschaften gab, war es auch entsprechend dunkel. Also konnten wir durch unser Dachfenster über unserem Bett die Sterne beobachten. Das hat doch was, oder?
Vom Parkeingang bis zum Chapin Mesa Archeological Museum braucht man ungefähr eine Stunde. Die Straße führt bis auf einen 2.600 Meter hohen Pass. Die Ausblicke, die man auf die umgebende Landschaft genießen kann, sind zum Teil atemberaubend. Die Luft war klar, die Sonne schien und überall sah man noch Reste von Schnee. Bei einem der ersten Lookouts haben wir zwei nette Paare aus Amerika und Kanada getroffen und kleinen Schnack gehalten. Da man ein paar Mal rechts rausfährt, um die Aussicht zu genießen, braucht man auch fast eine Stunde bis zum Museum. Von dort führt auch ein Weg zum „Spruce Tree House“, der best erhaltenen Klippenbehausung. Unter kleinen und größeren Felsüberhängen sind Wohnungen über mehrere Stockwerke in den Fels getrieben. Hier lebten zwischen 1200 und 1280 präkolumbianische Puebloindianer. Die Anlage darf man im Winter nur von einer Plattform betrachten. Im Sommer gibt es auch von Rangern geführte Touren, bei denen man sich dann selbst ein Puebloindianer fühlen darf, wenn man über stabile Leitern in einzelne Wohnungen und Gemeinschaftsräume krabbeln darf. Ich möchte nicht weiter darüber nachdenken, welch unförmige Besucher vor einem auf der Leiter stehen und war froh, dass Winter war. Nach einer kleinen Stärkung ging es mit dem Wohnmobil weiter auf den Mesa Top Loop. Eine 10 km lange Strecke, die Ausblicke auf weitere Felsenwohnungen erlauben. Zum Teil sind diese so atemberaubend angelegt, dass man schon ins Grübeln kommt, wie die Menschen dorthin und wieder weg kamen. Diese Aussichtspunkte haben so schöne Namen wie Square Tower House, Sun Point und Sun Temple. Von letzterem hat man eine Aussicht auf die größte Anlage, nämlich Balcony House. Hier trafen wir eine Familie aus der Schweiz, die ein Expeditionsmobil zur Zeit in Kambodscha stehen haben und hoffen, diese Reise in 2019 weiterführen zu können. Nun waren sie mal für drei Wochen in den USA. Auch hier gefiel ihnen die Weite des Landes.
Die haben wir dann auch wieder zu spüren bekommen. Eigentlich sah der Weg von Mesa Verde Nationalpark zum Monument Valley wie ein Rutscherle aus. Aber die Straßen sind eher Landstraßen, die sich kurvig, bergauf und bergab durch Steine und Felsen unterschiedlichster Farben winden. In Mexican Hat, einem Ort, in dem eine Gesteinsformation steht, die wie ein Mexikanerhut geformt ist, war dann Monument Valley schon zu erahnen. Im letzten Licht des Tages waren die Silhouetten des Monument Valley wie Scherenschnitte am Himmel zu beobachten. Schöner, als das ein Fotoapparat einfangen kann. Wir übernachten außerhalb des Parks und werden morgen auf den Spuren von John Wayne und Lucky Luke wandeln.
Auf zum Mesa Verde Nationalpark
Albuquerque verließen wir so gegen 10.00 Uhr morgens. Unser Ziel heute ist der Mesa Verde Nationalpark, beziehungsweise der Campground daneben, denn wir hatten 360 km zu fahren und dann ist es bestimmt zu spät, noch in den Park einzufahren. Bei strahlendem Sonnenschein und 8 Grad Celsius führte uns der Highway 550 an so wichtigen Orten wie Cuba, Nageezi und Bloomfield vorbei. Wir bekamen mal wieder eine Idee von der Weite des Landes. Die vorherrschende Farbe war gelb und ocker. Wie toll muss es hier aussehen, wenn es mal regnet und die Farbe grün erscheint. Aber auch so hat die Fahrt ihren Reiz. Die Straße führt mal einen kleinen Berg hinauf und hinunter, in der Ferne sieht man dann und wann schneebedeckte Gipfel und in neben dem Highway Rinderherde und vereinzelte Häuser. Zwischen Bloomfield und Durango weiter im Norden verläuft die Staatsgrenze zwischen New Mexico und Colorado. Da wir inzwischen auf einer kleinen Nebenstraße unterwegs sind, gibt es natürlich auch kein Welcome-Center. Und dann fährt man einen Berg herunter und erblickt Durango. Eine Stadt, die früher mit der Eisenbahn reich wurde und nun auf den ersten Blick aussieht, wie ein größerer Skiort in den Alpen. Viele Apartmenthäuser, Hotels und Restaurants, aber leider kein Schnee. Uns war das ja ganz recht, denn es waren nun noch ca. 30 Meilen bis zum Mesa Verde Nationalpark. Die beiden Campgrounds waren „closed for the seaseon“. Also sind wir zum Besucherzentrum des Parks gefahren und der Ranger meinte, dass auch der Campground im Park geschlossen sei. Aber um die Ecke, eine halbe Meile entfernt, würden wir ein paar Stellplätze ohne alles mitten in der Landschaft finden. Kostenlos. Also stehen wir nun fast allein (es gibt noch zwei weitere Partien) an einem unbeleuchteten Hang. Wildromantisch, oder? Morgen werden wir dann in den Mesa Verde Nationalpark einfahren und uns die Felsenwohnungen der präkolumbianischen Pueblo-Indianer ansehen.
Albuquerque
Santa Fe hat uns wirklich gut gefallen und so sind wir heute mit einem guten Eindruck weiter nach Albuquerque gefahren. Santa Fe und Albuquerque liegen ca. 100 km auseinander. Man fährt durch die Farbe gelb, denn das Gras ist trocken, es hat schon über 90 Tage lang nicht geregnet. Das Gelb wird unterbrochen vom Hellbraun verstreuter Häuser, von struppigen Büschen und schwarzen Rindern.
Zunächst haben wir Downtown angesteuert. Das mit Art-Déco Elementen verzierte KiMo Theater Liegt inmitten der Central Avenue. Dies ist eine Straße vergleichbar mit der Reeperbahn. Es gibt viele Kneipen und Restaurants und noch weitere kleinere Theater. Leider wirken diese Orte am Tage immer ein wenig räudig. Wobei das KiMo wirklich nett anzusehen ist. Außerdem noch nennenswert ist der Men`s Hat Shop, den es schon seit 1946 gibt und der Hüte in allen Farben und Formen und Mengen anbietet. Wir hielten einen kleinen Schnack mit dem Verkäufer, dem Martins gestern gekaufter Hut überaus gut gefiel und machten uns auf in die Old Town von Albuquerque. Diese hätte uns bestimmt besser gefallen, wenn wir nicht zwei Tage vorher in Santa Fe verbracht hätten. Auch hier gibt es eine Plaza, die von kleineren Geschäften und Cafés umsäumt ist. An einer Seite gibt es auch wie in Santa Fe einen Laubengang, unter dem die indigenen Bevölkerung allerlei Kunsthandwerk anbietet. Und dann ist da noch der Convention der Schwester Blandine. Eine kleine Kirche mit weißem zierlichen Turm und die Farbgebung der Gebäude lässt einen eher in Mexico, denn in den USA vermuten. Der Souvenirshop der Schwestern bot viele hübsche, dekorative und bunte Memorabila für gläubige Christen. Aber wir hatten uns irgendwie an der Folklore satt gesehen.
So statteten wir der Drogeriekette Walgreen`s an der Ecke noch einen Besuch ab. Dort wurden wir von einem überaus netten Verkäufer bedient, der uns erzählte, dass er längere Zeit in Italien gelebt hat und den wir dann auch noch fotografieren durften.
Die Begegnungen mit den unterschiedlichsten Leuten und die überaus interessanten und kurzweiligen Gespräche machen unsere Reise so überaus unterhaltsam.
Nun stehen wir über Nacht in Albuquerque und starten morgen den Grand Circle mit dem ersten Stopp in Mesa Verde.
Sonnenschein und Santa Fe
Wir hatten beschlossen, noch einen Tag in Santa Fe zu verbringen, da uns die Stadt so gut gefallen hatte und die Sonne so schön schien. Es war kalt, der Himmel knallblau und die Berge im Hintergrund weiß gepudert. Gute Laune Wetter. Erst einmal aber hieß es einkaufen. Und nachdem wir durch den Norden von Texas gefahren waren und der einzige Supermarkt dort Walmart war, merkte man hier doch, dass Essen einen anderen Stellenwert hat und man zwischen unterschiedlichen Supermärkten und Biomärkten die Auswahl hatte.
Danach besuchten wir erneut die O`Farrell Hat Company. Martin hatte sich gestern einen sehr schicken und ungewöhnlichen Hut angesehen. Und heute haben wir ihn gekauft. Dieser Hutladen bietet außergewöhnliche und in Handarbeit hergestellte Hüte an. Welche, die Regen, Wind und Wetter abkönnen, aus bestem Biberhaar gefertigt sind und in unterschiedlichsten Formen und Farben in den Regalen liegen. Natürlich auch als Westernhüte. Die Hutbänder gibt es von schlicht bis aufwändigst dekoriert. Und die Strohhüte und echten Panamahüte waren echte Hingucker. Jeder Hut wird entweder direkt für den Kunden angefertigt oder fertige Hüte werden auf den Kopf des Kunden angepasst. Und Kopfformen gibt es wohl unzählige. Der Laden ist eine Institution und wer Lust hat, sollte sich mal das YouTube Video über die O`Farell Hat Company ansehen. Der Chef trug heute im Laden selbstredend einen Hut.
Dann mussten wir uns natürlich erst einmal stärken. Wir waren heute im Hotel La Fonda essen. Nachdem wir gestern superscharf im „Shed“ gegessen hatten, war uns heute nach gemäßigter Schärfe. Das Hotel ist auch im Adobe-Stil gebaut und innen wirkt es im mexikanischen Stil eingerichtet. Das Essen war ausgezeichnet, keine Burger, keine Sandwiches, keinen Chicken-Salat. NEIN. Es gab Hackbraten mit einer pikanten Soße, gut abgeschmeckt mit wohlschmeckendem Kartoffelbrei und grünen Bohnen. Und danach Espresso, der auch den Namen verdient hat.
So gestärkt ging es zu Fuß weiter in die Canyon Road, wo sich eine Galerie an die andere reiht. Es gibt großartige Dinge zu sehen und für viel Geld zu kaufen. Aber es gibt auch Geschmacklosigkeiten für viel Geld zu kaufen. Auf alle Fälle macht es sehr viel Spaß, durch die Canyon Road zu bummeln. Die schönste Galerie war für uns die Manitou Gallery (www.ManitouGalleries.com).
Santa Fe hat uns supergut gefallen. Es ist die unamerikanischste Stadt, die wir auf unserer Reise erlebt haben. Das liegt bestimmt an der Bauweise der Häuser, der Möglichkeit, die Innenstadt bequem zu Fuß zu erkunden und den überaus lässigen Bürgern dort. Toll.
Santa Fe
Heute morgen haben wir das Blue Hole in Santa Rosa besichtigt. Es handelt sich hier um eine Quelle, die 81 Feet (=21 Meter) tief ist und im Durchmesser 60 Feet (=18,28 Meter) beträgt. Das Wasser ist ganz klar und man kann ziemlich tief sehen. Und das Wasser im Loch wirkt blau, tiefblau. Umso erstaunlicher ist dieser Farbe, da nun im Winter alles herum braun und trocken ist. Eine Treppe führt in das Loch und man kann jederzeit darin schwimmen. Die Wassertemperatur beträgt 61 Grad Fahrenheit, d.h. 16 Grad Celsius. War uns entschieden zu kalt, zumal die Außentemperatur heute morgen 6 Grad betrug und es ziemlich windig war. Aber schön anzuschauen war es auf alle Fälle.
Dann ging es weder auf die I-40 nach Westen. Die Straße geht ewig geradeaus, wie mit dem Lineal gezogen. Und auch hier ist die Landschaft eher Prärie. Irgendwann bogen wir ab Richtung Santa Fe. Da war es dann auch mit dem Handyempfang vorbei.
Schon wenn man nach Santa Fe hineinfährt, hat man nicht das übliche Einerlei amerikanischer Städte. Das liegt wahrscheinlich schon mal an den Gebäuden, die überwiegend im Adobe-Stil gebaut sind. Erdfarben, Lehm, Steine und Holz sind hier vorherrschend. Die Gebäude sind auch nicht übermäßig hoch. Die spanisch-mexikanische Epoche, die Mitte des 19. Jahrhunderts zu Ende ging, hat die Stadt bis heute mehr geprägt, als die amerikanische Art zu leben. Und auch auf dem Parkplatz ging es unamerikanisch zu. Der Parkplatzwächter wollte zunächst 30 Dollar haben. Nach kurzem aber intensivem Verhandeln durften wir dann für 15 Dollar stehen. Unser erstes Ziel war die Plaza mitten in Santa Fe. Ungewöhnlich auf den ersten Blick war die Dekoration mit dicken Zöpfen aus Chilis. Um diesen Platz gruppieren sich Geschäfte mit indianischem Kunsthandwerk, Mode und Schmuck. Da wir außerhalb jeder Saison unterwegs sind, wurde uns in jedem Laden dicke Nachlässe angeboten. An einer Längsseite des Platzes bieten unter den Arkaden des Gouverneurspalastes bieten Indianer ihr Kunsthandwerk an. Überaus hübsche Sachen und auch dort darf man handeln.
Nachdem wir so viel gesehen haben, kehrten wir im „Shed“ ein. Ein Restaurant, das uns empfohlen wurde, um ein für Santa Fe typisches Gericht mit rotem oder grünem Chili zu probieren. Die Mexikaner haben die Küche hier sehr beeinflusst. Und ich kann sagen, das Essen war scharf, sehr scharf. Der Ober brachte freundlich lächelnd ein Glas Eistee nach dem nächsten. Als wir bezahlten, meinte er, dass man sich mit der Zeit an die Schärfe gewöhnt. Nun ja.
Wir stehen heute in Santa Fe und da die Stadt uns so gut gefällt und wir noch nicht die Canyon Road mit den Galerien und die Museen erkundet haben, werden wir uns wohl noch einen Tag hier gönnen. Im Augenblick haben wir Schneeregen, aber morgen soll die Sonne scheinen.
Auf nach New Mexiko
Nach einer kleinen Wanderung im Palo Duro Canyon haben wir uns auf den Weg nach Amarillo gemacht. Eigentlich wollten wir einem Geschäft für Cowboy-Boots einen Besuch abstatten. Aber wie so oft bei Reiseführern, die Adresse war veraltet, das Geschäft war geschlossen. Also noch schnell in den nächsten Bastel-Laden, wo wir einen ganz ganz dicken Edding erstanden.
Gestärkt mit einem Cappuccino bei Starbucks, denn das Internet ist dort immer gut, ging es los. Und dann fuhren wir aus Amarillo hinaus zur Cadillac Ranch. Hier handelt es sich um eine Kunstinstallation der Gruppe AntFarm aus dem Jahre 1974. Damals wurden Cadillacs auf einem Feld halb in der Erde vergraben, angeblich im Winkel der Pyramiden von Gizeh. Warum das ganze? Als Hinweis auf die Bedeutung des Autoverkehrs in den USA? Kunst? Auf alle Fälle darf man diese Autos nach Lust und Laune mit Farbe besprühen und bemalen. Ab und zu werden die Cadillacs einheitlich übermalt und dann geht das Sprühen und Gestalten von Neuem los. Wir haben uns mit 1024a.de „verewigt“.
Klingt alles nach einer großartigen Installation? Nun ja. Die Autos stehen mitten auf einem Feld neben der Autobahn. Auf dem gleichen Feld grasen auch Rinder. Die haben hoffentlich inzwischen gelernt, die massenhaft auf dem Boden liegende Farbdosen und deren Deckel nicht zu fressen. Es ist wirklich schade, dass die „Kunstinteressierten“ solche Ferkel sind. Andererseits würden Mülleimer helfen, diesen Dreck zu vermeiden.
Und dann ging es weiter nach New Mexiko. Hinter Amarillo sind es noch ca. 45 Kilometer bis zur Grenze. Dieses Gebiet heisst Prärie und das ist auch Prärie. Eine Hochebene, Sawgrass so weit das Auge reicht, ab und zu Rinder. Als Westernfan bekommt man eine Idee davon, wenn es in den Filmen heißt, die Rinderherden stehen zwei Tagesritte von der Ranch entfernt. Das Land scheint endlos zu sein. Da werden sogar Windparks für das Auge interessant, von denen es nicht wenige gibt. Und eigentlich geht es nach der Grenze Texas-New Mexiko gerade so weiter. Mal ein bisschen felsiger, dann gibt es ein paar Baumwollfelder und dann wieder Prärie.
Wir stehen heute in Santa Rosa. Das Städtchen liegt an der historischen Route 66, die hier an allen Ecken beworben wird. Die empfohlenen Barbecue-Rippchen des zum Campground gehörenden Restaurants haben wir probiert. Waren ganz lecker. Und dann klopfte es auf einmal. Und es standen Vater und Sohn vor der Tür, echte Sylter, die mal für drei Wochen den wilden Westen bereisen. Die Welt ist klein und wir hatten einen netten Schnack.