Auf nach Malilbu

Heute morgen machten wir uns gerade fertig, als unser Nachbar aus Kanada über den Zaun schaute, ein kleines Gespräch anfing und am Ende eine Einladung zu abendlichen Cocktails aussprach. Vielen herzlichen Dank an Patrik und Jane, aber wir haben für heute Abend schon eine Reservierung in Malibu und ab Dienstag für zwei Tage ein Auto gemietet. Der Verkehr in Los Angeles ist so schrecklich, dass wir beschlossen haben, die Erkundung dieser Riesenstadt doch besser mit einem wendigen PKW vorzunehmen.
Und dann ging es zunächst nach Palm Desert. Gestern war ich noch im Palm Springs Art Museum, um mir eine Ausstellung von internationalen Glasbläserinnen anzuschauen. Es waren übrigens auch zwei deutsche Künstlerinnen ausgestellt. Zu dem Museum gehören noch zwei weitere Häuser und der Faye Sarkowsky Skulpturengarten in Palm Desert. Der war dann hinsichtlich der Skulpturen doch nicht so toll wie gedacht, aber die Gartenanlage als Wüstengarten nach einer Idee von Eric Johnson (1913-1999) war sehr schön. Mit Steinen, Kakteen, Wüstenpflanzen und unterschiedlichen Kieseln war dieser Platz überaus interessant. Da Wasser ja eher Mangelware ist, gab es einen kleinen Wasserplatz und der dazugehörige Wasserweg war imaginär gestaltet, indem blaue Glaspartikel in den Beton eingestreut waren. Sah auf alle Fälle gut aus.

So und dann brauchten wir noch ein paar Lebensmittel. Irgendwie waren wir an einigen Supermärkten schon vorbeigefahren und wir wollten verhindern, plötzlich auf der Autobahn zu sein, ohne unsere Vorräte aufgefüllt zu haben. Und was sahen wir: ALDI. Schon während unserer ganzen Reise sind wir mehrmals an Aldi-Geschäften vorbeigekommen, heute haben wir einen besucht. Die Besonderheit für die USA fängt schon damit an, dass man 25 Cent für den Einkaufswagen haben muss, und ihn, um das Geld wieder zu bekommen, nach dem Einkauf auch wieder zurückstellen muss. Ein echtes Novum. Das haben wir noch sonst nie hier gesehen. Aldi selbst ist aufgeteilt wir in Deutschland. Nach den für Amerika extrem günstigen Süßigkeiten, kommt die Abteilung Obst und Gemüse. Und es gab Schogetten und Gummibärchen. Das hat mir heute wirklich Freude gemacht. Im Eingangsbereich gibt es ähnlich wie bei uns auch ein Anzeigenblatt mit den Wochenangeboten. Einzig die Non-Food Abteilung ist kleiner als bei uns. Alles in allem, „fast wie daheim“.
Noch auf der Höhe von Palm Springs blickt man über eine palmengesäumte Straße hinauf auf die Berge, deren Spitzen leicht mit Schnee bedeckt sind. Das fanden wir bei 22 Grad ungewöhnlich. Aber so sind sie eben die Kalifornier.
So und nun waren noch gut 200 Kilometer nach Los Angeles/Malibu zu fahren. Gott sei Dank fuhren wir antizyklisch, so dass der Verkehr nur schrecklich und nicht wie auf der Gegenfahrbahn ganz schrecklich war. Einen Stopp haben wir noch bei Gladys Tamez gemacht. Ein Laden in einer echten Genickschussgegend. Es ist auch kein Laden, eher eine Mischung aus Showroom und Fabrikation. Sie haben tolle Hüte, die sie auch an Größen aus dem Showbusiness, wie zum Beispiel Lady Gaga verkaufen. Und heute an mich. Ich habe nun einen superschönen Strohhut, den ich in Mexiko sicher gut gebrauchen kann.
Gegen 18.30 Uhr waren wir dann in Malibu. Wir stehen oberhalb des Strandes und haben einen weiten Blick über das Meer. Wie schön.

Palm Springs

Im Silverwood Lake State Park war es heute ganz schön frisch. Also Winter in den San Bernardino Mountains – aber Sonnenschein. Eigentlich wollten wir heute in den Joshua Tree National Park, um uns dort Kakteen anzuschauen. Aber dank Government Shutdown sind viele Staatsparks geschlossen. Die Angestellten dort müssen Zwangsurlaub nehmen. Und alles, weil sich Republikaner und Demokraten auf keinen Zwischenhaushalt einigen können. Ein überaus fragwürdiges System, aber für uns blieb als Fakt der Park heute geschlossen. So haben wir Palm Springs über eine anfangs kurvenreiche Straße und dann über eine kerzengerade Autobahn angefahren. Vor Palm Springs durchquert man einen Windpark mit Dutzenden von Windrädern. Und man sieht viele ewig lange Züge, die vorrangig mit Containern beladen sind. Überhaupt ist uns bei unserer Durchquerung von den USA aufgefallen, wie viele Güterzüge den Kontinent durchqueren.

Nun aber Palm Springs, eine schöne aufgeräumte Stadt und eine eher wohlhabende Gemeinde. Überall stehen Palmen in unterschiedlichen Ausführungen. Es gibt viele Steingärten, die überaus interessant gestaltet sind und sicherlich dem trockenen und heißen Klima hier geschuldet sind. Aber das Auge möchte auch etwas buntes sehen und so gibt es jetzt im Winter, wo es nicht so warm ist, die ein oder andere bunte Rabatte zu sehen, bepflanzt mit Geranien, Ranunkeln, Löwenmäulchen und Stiefmütterchen. Und das im Januar, wo es in Hamburg eher grau ist.
Unser Spaziergang führte uns über die Palm Canyon. Hier reiht sich ein Lokal ans andere, unterbrochen von Boutiquen und Hotels. Im Straßencafé zu sitzen und Maulaffen feil zu halten, war denn heute auch unsere Hauptaufgabe. Und dies mit wachsender Begeisterung. Da das Wetter einfach unschlagbar ist, sieht man hier viele ältere Snowbirds und von denen wiederum sind viele einfach ganz schön fit.
Heute Nacht stehen wir im RV Park Palm Springs. Hier handelt es ich um einen Park, bei dem die einzelnen Stellplätze in Privatbesitz sind und rund um einen Golfplatz angelegt sind, d.h. jeder Besitzer kann um sein Plätzchen wiederum ein Patio bauen und diesen mit einem Mäuerchen einfassen. Ganz nach Belieben und Geschmack. Und letzteren hat nicht jeder. Aber gut. Das Essen in der Pizzeria, die zum Resort gehört, war gut, leider aber hatte das Restaurant keine Alkohollizenz, daher gab es keinen Rotwein.

Peggy Sue’s Diner

Las Vegas war ziemlich beeindruckend und nachts überzeugt der „Strip“ wie nur wenige andere Straßen dieser Welt. Und im Glitzern dieser Spiel- und Amüsiermeile wachsen manche Träume in den Himmel. Der philippinische Taxifahrer, der uns gestern Abend zurück zu unserem Wohnmobil brachte, erzählte davon, dass er hinsichtlich des Spielens seine Lektion gelernt habe, um dann fortzufahren, was er mit einem großen, viele Millionen umfassenden Gewinn machen würde. Selbstverständlich würde er seinen Kindern etwas abgeben. Also eine Million für jedes Kind. Und dann hätte er selbstverständlich einen Bodyguard. Und in seiner Heimat, den Philippinen, würde er Gutes tun. Eine Schule finanzieren oder ähnliches. Er sah sich als Wohltäter und Philantroph. Das machte ihn ziemlich sympathisch. Seine Tagträume kreisten nicht um schnelle Autos und flotte Mädchen. Aber letzte Nacht musste er erst einmal seine Taxischicht beenden.

Heute morgen sind wir noch einmal über den Strip bei Sonnenschein gefahren. Kein Vergleicht mit der Nacht und trotzdem gut besucht, was bestimmt auch am Wochenende lag.
Die I-15 führte uns über Baker nach Barstow. Zwischen beiden Orten liegt Yermo und die Attraktion dort ist Peggy Sue`s Diner. Ein Diner aus den 50er Jahren und wie die Fotos an den Wänden zeigen, gab es wohl eine Petty Sue, denn sie ist mit vielen Größen aus Film und Fernsehen verewigt. Die Einrichtung mit der Theke und den Boths ist auch so, wie wir es aus Filmen kennen. Unsere Bedienung, seit 11 Jahren im Dienst, war ein Profi und empfahl uns Applepie mit Vanilleeis und Kaffee. Echt lecker. Und mit der Rechnung konnte man sich im nebenan liegenden Souveniershop noch ein Dankes-Bonbon abholen. Auch rührend. Und ich habe, wie viele andere auch noch ein paar Süßigkeiten dort gekauft. Auch geschäftstüchtig.
Der Gang auf die Damentoilette bereitete noch eine Überraschung hinsichtlich der Dekoration. Man bog um die Ecke und dort stand mit dem Rücken zum Eintretenden eine lebensgroße männliche Puppe in typischer Haltung vor einem an die Wand gemalten Pissoir. Im ersten Moment erschrickt man, vergewissert sich noch einmal, ob man die richtige Tür gewählt hat und muss dann doch lächeln.
Von dort ging es zum Silverwood Lake State Park in den San Bernardino Mountains, wo wir heute übernachten. Den Tipp haben wir dem Reiseführer entnommen.

von Kingman via Hoover Damm nach Las Vegas

Kingman haben wir hinter uns gelassen. Ein irgendwie interessanter Ort, mitten in der Wüste, helles, pastellfarbenes Licht.
Unser erster Anlaufpunkt auf dem Weg nach Las Vegas war Chloride, eine Ghost-Town. Für alle Reiseführer gilt, dass von Erkundungsreise bis zur Veröffentlichung und Verkauf eines Reiseführers einige Zeit vergeht. Also Chloride ist keinen Umweg wert, und wenn es nur 8 Meilen sind. Eine Ansammlung von heruntergekommenen Häusern, deren gewisser Charme darin liegt, dass sie windschief und umgeben von „Skulpturen“ sind, die aus dem geformt sind, was anderswo auf dem Werkstoffhof zu finden wäre.
Unser nächster Punkt war da schon aufregender. Der Hoover-Damm wurde ab 2001 neu auch hinsichtlich eines Besucherzentrums neu geplant. Und wie man Touristen unterhält, dass weiß man in diesem Land. Nachdem man eine Sicherheitsinspektion am Eingang absolviert hat, die auch einen Blick in das Innere des Wohnmobils umfasst, darf man auf eine Autobahnbrücken, von der man einen faszinierenden Blick in die Tiefe und auf den Hoover-Damm hat. Im Rücken brausen die LKW´s vorbei. Das treibt den Puls nach oben.
Anschließend sind wir über die Krone des Staudamms gefahren und haben uns die Anlage von Wasserhöhe aus angesehen. Wenn man gewollt hätte, hätte man sich auch die technischen Anlagen in einer Führung ansehen können, wollten wir aber nicht.
Wir wollten nach Las Vegas. Das Hotel Circus Circus unterhält einen RV-Platz, sodass man in Fußnähe zum „Strip“ steht. Wobei das mit der Fußnähe so eine Sache ist. Falls man wirklich vom Circus Circus den ganzen Strip erobern wollte, sind Wanderschuhe angesagt. So haben wir uns mit dem Taxi zum Bellagio fahren lassen, um uns die schöne und Musik untermalte Springbrunnenshow anzusehen. Danach waren wir im Bellagio. Dort waren die Indoor-Botanical Gardens zu bestaunen, die ganz im Motto des chinesischen Jahr des Hundes standen. In üppigen Blumenrabatten standen und sprangen Hunde aus Plüsch in manchmal überdimensionaler Größe herum. Sträuße aus Geldmünzen vervollständigten das Ganze.
Danach hatten wir Hunger und wir hatten einen Platz im Außenbereich eines mexikanischen Restaurants, von wo aus wir das Treiben auf dem Strip beobachten konnten. Es wirkt wie die überdimensionierte Ausgabe der Reeperbahn. Viele Menschen, die am Freitag Abend einen drauf machen möchten. Neben all den Normalos auch viele Alkoholisierte, Zugekiffte, „Girls“ und natürlich Touristen aus aller Welt. Die Mischung aus sehenswerten Attraktionen, Shows und Glücksspiel ist natürlich schon toll, aber die weniger schönen Seiten, die solche Orte mit sich bringen, auch.
Ein weiterer Punkt, den wir unbedingt noch sehen wollten, war das „Venetian“. Ein Hotel- und Glücksspielkomplex, der eine Einkaufspassagen unterhält, durch die man auf künstlich angelegten Kanälen mit einer Gondel gleiten kann. Inklusive Gondoliere in blau gestreiftem Hemd und Strohhut.
Danach war over. Wir hatten genug gesehen und sind zu Bett. REIZÜBERFLUTUNG.

vom Grand Canyon nach Kingman

Der Grand Canyon ist ja eine Welt für sich. Weltkulturerbe? Keine Ahnung, aber es tummeln sich viele Besucher aus allen Kulturen der Welt dort. Und jetzt ist noch absolute Nebensaison. Nach einem Frühstückskaffee auf der Market Plaza, die für solch eine Touristenattraktion ein erstaunlich schlechtes Internet bot, haben wir uns auf den Weg zu Hermits Rest gemacht. Dies ist ein Aussichtspunkt am Ende der Hermit Road, die vom 1. März bis zum 30 November für den Individualverkehr gesperrt ist. Entlang dieser Straße gibt es einige Aussichtspunkte, die einen atemberaubenden Blick in den Grand Canyon erlauben. Vom Trailview Overlook kann man Teile des Bright Angel Trailhead sehen, einem von zwei Wegen, die auf den Grund des Grand Canyon führen. Für den Abstieg werden 4 bis 5 Stunden veranschlagt, für den Aufstieg, je nach Kondition 6 bis 8 Stunden. Man braucht einen Permit, für den man sich vier Monate im Voraus bewerben muss. Heute war wunderbares Wanderwetter, Sonnenschein und 10 Grad Celsius. Und obwohl Nebensaison ist, waren doch nicht wenige Wanderer auf ihrem Weg nach unten und nach oben zu beobachten. Man kann auch mit einem Maultier diesen Weg bezwingen, wir haben aber keine gesehen. Aber wir haben gehört, dass für reitunkundige Personen, auch diese Art der Beförderung kein reines Vergnügen ist. Von der Parkverwaltung wird dringend geraten, den Abstieg und den Aufstieg auf zwei Tage zu verteilen und genügend Wasser mitzuführen. Man kann in der Sohle des Grand Canyon auf einem Campground übernachten.
Martin und ich haben uns an der Aussicht erfreut. Am Mohave Point kann man über einen felsigen Weg ziemlich weit in den Abgrund sehen. Die Absperrungen sahen Gott sei Dank recht stabil aus. Auch den Colorado kann man streckenweise von hier sehen. Bei Hermits Rest, einem Parkplatz mit Aussicht gibt es einen Souvenirshop und für uns war damit die Erkundung des South Rim abgeschlossen.
Vor dem Südeingang des Parks liegt Tusayan. Ein Ort, ausgelegt, um den Besuchermassen, die keine Übernachtung im Park ergattern konnte, hier eine Schlafstätte zu bieten. Außerdem gibt es einige Restaurants, Souvenirshops und von hier starten auch die Hubschrauber und Kleinflugzeuge zu den Rundflügen über den Grand Canyon. 30 Minuten kosten ca. 180 Dollar pro Person. Das ist bestimmt sensationell, zumal der Grand Canyon so abgelegen ist, dass man so schnell nicht noch einmal herkommt. Aber irgendwie hatten wir nun genug gesehen.
Auf der I-40 ging es dann für 3 Stunden nach Westen. Wir übernachten nun in einem Ort mit den netten Namen Kingman. Wüste, Steppe und rund um unseren Platz stehen große und dunkelgrüne Oleanderbüsche. Es ist schon erstaunlich, was man mit Wasser erreichen kann.

Grand Canyon

Auf dem Weg von Page zum Grand Canyon fährt man durch eine Landschaft mit ganz eigenem Reiz. Links und rechts der Straße erstrecken sich niedrige Züge aus rotem Sandstein. Davor liegen eine Steppe, bedeckt mit gelben Gras oder auch felsige Äcker. Auch dieses Land gehört den Navajos. Inmitten dieses unwirtlichen Nichts finden sich einige Häuser und dann und am Straßenrand grob gezimmerte Verkaufsstände, von denen nur wenige „geöffnet“ waren und indianisch geprägte Souvenirs verkaufen.
Noch bevor man den Grand Canyon Statepark erreicht, kann man an einigen Stellen einen Pause einlegen und einen Blick in die Tiefe des Colorado-Rivers werfen. Diese Stellen würde man ohne Hinweisschild nie finden, da die Schluchten von der Straße aus nicht einsehbar sind. An einer hielten wir dann auch an, um ein paar Fotos zu machen. Das Hinweisschild, dass vor wilden Tieren wie Skorpionen und Klapperschlangen warnte, ließ uns anschließend den Boden etwas genauer betrachten. Und auch das Souvenir-Angebot der Navajo-Frauen haben wir betrachtet und natürlich etwas gekauft. Es gab Decken, Traumfänger, Keramiken und jede Menge Schmuck. Dieser Schmuck ist aus den unterschiedlichsten Materialien, hauptsächlich Halbedelsteinen hergestellt. Diesen Steinen werden magische Kräfte zur Abwehr von Krankheiten und Gefahren nachgesagt. Sprich, wer ein Schmuckstück aus solchen Steinen trägt, auf den wirken diese Kräfte. Aber auch Samen werden bei der Schmuckherstellung verwendet. So soll der Samen der Juniper Beere Kinder vor bösen Geistern und schlechten Träumen bewahren. Ich finde, das ist eine schöne Vorstellung.
Als wir gerade weiterfahren wollten, kamen wir mit einer Gruppe von fünf jungen Männern ins Gespräch, die aus Hamburg stammten, ihren Master in Barcelona machten und sich von der Uni dort kannten. Sie waren im Silikon Valley, um sich in der dortigen Gründerszene umzusehen. Aber auch, um sich bei der Gelegenheit den Grand Canyon anzusehen. Netter Plausch und dann ging es weiter durch den Kaibab National Forest und auf einmal fuhren wir durch Kiefernwälder. Es wurde grün und dann kamen wir in den Grand Canyon Nationalpark. Schon kurz hinter dem Eingang kam der erste Höhepunkt: Desertview. Die Tiefe und die Weite des Grand Canyons an dieser Stelle ist beeindruckend, auch wenn die Farbgebung des Gesteins tagsüber eher flach ist und ein bisschen an Gebiete des Tagebaus erinnert.
Bis zum Grand Canyon Village sind es nun noch ca. 30 Kilometer, die immerzu am Südrand entlangführen. Ein paar Mal blieben wir noch stehen, um noch einen Blick in den Abgrund zu werfen. Und wen sehen wir außerhalb der Geländer auf einer Felsnadel, frei stehend, um ein Selfie zu schießen? Die vor einer Stunde getroffenen Studenten. Manchmal ist es schon gut, dass man als Eltern nicht weiß, was der Nachwuchs so treibt. Wir beide jedenfalls konnten es nicht mit ansehen.
Nun stehen wir auf dem Trailer Village RV Park des Grand Canyon National Parks. Ich möchte noch anmerken, dem teuersten Statepark auf der ganzen Reise. Das ganze Grand Canyon Village ist auf Massen von Touristen eingerichtet. Es gibt zwei Campgrounds, einige Hotels und Restaurants, einen Supermarkt, eine Krankenstation, ein IMAX-Theater und riesige Parkplätze. Zwischen den touristischen Attraktionen wie dem Rim-Wanderweg und den Hotels gibt es Buslinien und Fahrradwege. Zur Saison möchten wir eher nicht hier sein. Jetzt im Winter, zur absoluten Nebensaison, wurde uns heute noch die kleine Tier-Show geboten. Zum einen eine Herde von Damwild, das völlig ungerührt über die Straße marschierte und einigen Dohlen, die zwischen den Bäumen ihre Capriolen drehten.
Und dann auch hier: der Golf-Cart. Hier mehr in technischer Ausführung und als Arbeitsgerät, denn als Gefährt für fußlahme Camper. Wir rätseln, wann dieser Trend nach Europa schwappt.

Lake Powell und der Roadrunner

In den letzten 14 Tagen waren wir viel unterwegs und sind jeden Tag gefahren. Heute hatten wir irgendwie keine Lust. Die Sonne schien und der Campground war mit zwei Fahrzeugen dicht belegt. Wir haben eine Bombenaussicht auf den See und die Ruhe ist unbeschreiblich.
Also haben wir den Tag heute mit Spazierengehen, Cappuccino trinken im nahegelegenen Hotel und Lesen verbracht. Sorry.
Das einzige „Aufregende“ war heute die Bekanntschaft mit einem Roadrunner-Vogel. Wer kennt sie nicht die Cartoon-Filme über den Coyoten und den Roadrunner, die sich immerzu gegenseitig durch die Prärie gejagt haben. Bei YouTube jederzeit anzusehen. Der Roadrunner hier war ziemlich zutraulich, der Coyote hatte heute, wie wir auch, frei.

Vom Monument Valley zum Lake Powell

Es ist schon toll, wenn man morgens aus dem Fenster schaut und sofort stellt sich das Lucky Luke Feeling ein, ja, wir sind im Monument Valley. Der Platz, auf dem wir standen gehört zur Gouldings Lodge. Wie alle anderen touristischen Einrichtungen ein paar Kilometer vor dem offiziellem Eingang zum Manumentvalley Park zu Goulding gehört, als da wären eine Tankstelle, ein Autowaschplatz, ein Supermarkt. Zwischen dem Goulding-Reich und dem Parkeingang sieht man verstreut jede Menge Wohncontainer, von denen einige einen runtergekommenen Eindruck machen und leider oft von einer Ansammlung von alten Autos und Schrottteilen umgeben sind. Das und die Zersiedelung des Landes vor der Kulisse der Monolithen des Monument Valley sind eher unschön. Rechter Hand vor dem Eingang liegt die Navajo Shopping Mall, wo man sich mit allerlei Touristensouvenirs eindecken kann. Ganz Monument Valley gehört dem Stamm der Navajo-Indianer und steht auch unter deren Verwaltung. Es gibt also auch eine eigene Polizei und Gerichtsbarkeit.
Unsere Idee heute war, in den Park einzufahren, das Besucherzentrum anzusteuern und dann die 17 Meilen durch den Park vorbei an den bekannten Felsnadeln und Monolithen zu fahren. Aber weit gefehlt. Am Eingang zum Park wurden pro Person 20 Dollar Parkeintritt aufgerufen. Dies hätte aber nur zur Besichtigung des Besucherzentrums und seiner Terrasse berechtigt. Jede Art von Fahrzeug darf nicht mehr eigenständig den Park durchfahren. Nur mit einem Guide auf einem Jeep für 75 Dollar pro Person und 2,5 Stunden hätte man den 17 Meilen Loop erkunden können. Hier fühlten wir uns nicht mehr wohl, dachten an Abzocke und drehten um. Die Fotos zeigen also alle Monolithen, die man von außerhalb des Parks sehen kann und das fanden wir dann auch sehr schön.

Über Kayenta und Kaibeto ging es dann für uns heute weiter nach Page. Dies ist ein Ort, der in den 50er Jahren mit dem Bau des Glen Canyon Damms entstand. Dieser Damm am Südende des Lake Powell erhebt sich mit gewaltigen Ausmaßen aus der Schlucht des Colorado Rivers. Die Staumauer ist 216 Meter hoch, und die Krone der Mauer ist 8 Meter breit und 475 Meter lang. Man kann vom Carl Hayden Visitor Center einen Blick auf diese gewaltige Mauer werfen, die in den Sandstein gebaut wurde. Beeindruckend. Technikinteressierte können das Kraftwerk im Inneren des Damms und die riesigen Turbinen bestaunen. Haben wir nicht gemacht, weil wir zu spät dran waren. Die Staumauer und der Ausblick auf den dahinter liegenden Lake Powell hat uns so schon gefallen. Der See ist 300 km lang und ist weit verzweigt, denn viele Täler wurden mit dem Bau des Kraftwerks geflutet. Im Sommer ist das hier ein Eldorado für Wasserfreunde. Allein die Anzahl der Marinas lässt Massen erwarten. Was umso erstaunlicher ist, da die Anreise nach Page nur durch trockene Steppen, unterbrochen von einzelnen Monolithen geprägt ist.
Wir stehen nun in Wahweap am Lake Powell mit zwei anderen Wohnmobilen und haben den Eindruck, dass der ganze Lake Powell nur für uns da ist. Wir haben einen Ausblick auf den See und die dahinter liegenden Felsen, die zum Abend hin in den schönsten Orange-Tönen leuchten.

Auf dem Weg nach Page sind wir natürlich auch an den beiden Eingängen zum Antelopes Canyon vorbeigekommen. Aber auch hier machen die Navajos, aus ihrer Sicht bestimmt zu Recht, aus dem Besuch dieser besonderen klammähnlichen Schlucht mit dem Besonderen Licht (Beam) ein Geschäft. Man muss einen Tagespass bezahlen und dann Eintritt mit einem Guide für einen einstündigen Aufenthalt. Wenn man ohne Guide sich dort für maximal 2 Stunden aufhalten möchte, um zu fotografieren, kostet das je nach Tageszeit und Upper oder Lower Canyon zusätzlich zwischen 31 und 48 Dollar pro Person. Wir überlegen noch, aber die Weite des Sees ist für uns glaube ich, verlockender.

Mesa Verde Nationalpark und zum Monument Valley

Unser Platz ohne jeden Comfort gegenüber dem Eingang des Mesa Verde Nationalparks bot heute Nacht einen unbeschreiblichen Sternenhimmel. Die Nacht war frostig, aber sternenklar. Da es um uns herum keine Ortschaften gab, war es auch entsprechend dunkel. Also konnten wir durch unser Dachfenster über unserem Bett die Sterne beobachten. Das hat doch was, oder?

Vom Parkeingang bis zum Chapin Mesa Archeological Museum braucht man ungefähr eine Stunde. Die Straße führt bis auf einen 2.600 Meter hohen Pass. Die Ausblicke, die man auf die umgebende Landschaft genießen kann, sind zum Teil atemberaubend. Die Luft war klar, die Sonne schien und überall sah man noch Reste von Schnee. Bei einem der ersten Lookouts haben wir zwei nette Paare aus Amerika und Kanada getroffen und kleinen Schnack gehalten. Da man ein paar Mal rechts rausfährt, um die Aussicht zu genießen, braucht man auch fast eine Stunde bis zum Museum. Von dort führt auch ein Weg zum „Spruce Tree House“, der best erhaltenen Klippenbehausung. Unter kleinen und größeren Felsüberhängen sind Wohnungen über mehrere Stockwerke in den Fels getrieben. Hier lebten zwischen 1200 und 1280 präkolumbianische Puebloindianer. Die Anlage darf man im Winter nur von einer Plattform betrachten. Im Sommer gibt es auch von Rangern geführte Touren, bei denen man sich dann selbst ein Puebloindianer fühlen darf, wenn man über stabile Leitern in einzelne Wohnungen und Gemeinschaftsräume krabbeln darf. Ich möchte nicht weiter darüber nachdenken, welch unförmige Besucher vor einem auf der Leiter stehen und war froh, dass Winter war. Nach einer kleinen Stärkung ging es mit dem Wohnmobil weiter auf den Mesa Top Loop. Eine 10 km lange Strecke, die Ausblicke auf weitere Felsenwohnungen erlauben. Zum Teil sind diese so atemberaubend angelegt, dass man schon ins Grübeln kommt, wie die Menschen dorthin und wieder weg kamen. Diese Aussichtspunkte haben so schöne Namen wie Square Tower House, Sun Point und Sun Temple. Von letzterem hat man eine Aussicht auf die größte Anlage, nämlich Balcony House. Hier trafen wir eine Familie aus der Schweiz, die ein Expeditionsmobil zur Zeit in Kambodscha stehen haben und hoffen, diese Reise in 2019 weiterführen zu können. Nun waren sie mal für drei Wochen in den USA. Auch hier gefiel ihnen die Weite des Landes.

Die haben wir dann auch wieder zu spüren bekommen. Eigentlich sah der Weg von Mesa Verde Nationalpark zum Monument Valley wie ein Rutscherle aus. Aber die Straßen sind eher Landstraßen, die sich kurvig, bergauf und bergab durch Steine und Felsen unterschiedlichster Farben winden. In Mexican Hat, einem Ort, in dem eine Gesteinsformation steht, die wie ein Mexikanerhut geformt ist, war dann Monument Valley schon zu erahnen. Im letzten Licht des Tages waren die Silhouetten des Monument Valley wie Scherenschnitte am Himmel zu beobachten. Schöner, als das ein Fotoapparat einfangen kann. Wir übernachten außerhalb des Parks und werden morgen auf den Spuren von John Wayne und Lucky Luke wandeln.

Auf zum Mesa Verde Nationalpark

Albuquerque verließen wir so gegen 10.00 Uhr morgens. Unser Ziel heute ist der Mesa Verde Nationalpark, beziehungsweise der Campground daneben, denn wir hatten 360 km zu fahren und dann ist es bestimmt zu spät, noch in den Park einzufahren. Bei strahlendem Sonnenschein und 8 Grad Celsius führte uns der Highway 550 an so wichtigen Orten wie Cuba, Nageezi und Bloomfield vorbei. Wir bekamen mal wieder eine Idee von der Weite des Landes. Die vorherrschende Farbe war gelb und ocker. Wie toll muss es hier aussehen, wenn es mal regnet und die Farbe grün erscheint. Aber auch so hat die Fahrt ihren Reiz. Die Straße führt mal einen kleinen Berg hinauf und hinunter, in der Ferne sieht man dann und wann schneebedeckte Gipfel und in neben dem Highway Rinderherde und vereinzelte Häuser. Zwischen Bloomfield und Durango weiter im Norden verläuft die Staatsgrenze zwischen New Mexico und Colorado. Da wir inzwischen auf einer kleinen Nebenstraße unterwegs sind, gibt es natürlich auch kein Welcome-Center. Und dann fährt man einen Berg herunter und erblickt Durango. Eine Stadt, die früher mit der Eisenbahn reich wurde und nun auf den ersten Blick aussieht, wie ein größerer Skiort in den Alpen. Viele Apartmenthäuser, Hotels und Restaurants, aber leider kein Schnee. Uns war das ja ganz recht, denn es waren nun noch ca. 30 Meilen bis zum Mesa Verde Nationalpark. Die beiden Campgrounds waren „closed for the seaseon“. Also sind wir zum Besucherzentrum des Parks gefahren und der Ranger meinte, dass auch der Campground im Park geschlossen sei. Aber um die Ecke, eine halbe Meile entfernt, würden wir ein paar Stellplätze ohne alles mitten in der Landschaft finden. Kostenlos. Also stehen wir nun fast allein (es gibt noch zwei weitere Partien) an einem unbeleuchteten Hang. Wildromantisch, oder? Morgen werden wir dann in den Mesa Verde Nationalpark einfahren und uns die Felsenwohnungen der präkolumbianischen Pueblo-Indianer ansehen.