Sonnenschein im Regenwald (Tofino, BC)

Sonntagmorgen und die Sonne scheint. Heute haben wir frei. Das bedeutet zunächst einen schönen Strandspaziergang vom Campground weg. Das besondere hier sind die wabernden Nebelschwaden, die nur langsam von der Sonne aufgelöst werden. Und so wurden unseren Blicken immer weitere kleinere Inseln freigegeben, je später es wurde. Bei den direkt an die Bucht grenzenden Felsen konnte man Seeanemonen bewundern. Nach dem Spaziergang fuhren doch mit dem Auto und nicht mit dem Fahrrad nach Tofino. Früher war das hier wohl mal ein Hippie-Dorf. Jetzt ist es ein Ort für hippe Outdoorfreaks. Hier gibt es viele Geschäfte, die alle wichtigen Accessoires für Surfer und Stehpaddler anbieten. Viele Beachbums und ihre Mädels. Alle waren cool und wir natürlich auch, als wir von der Terrasse unseres Cafés das Treiben beobachten.

Dazu blauer wolkenloser Himmel und eine wärmende Sonne. Das Leben ist schön.

Eine Mission hatten wir dann doch noch. Wir wollten nach Long Beach, dem Herzstück des Pacific Rim National Park Reserve. Ein blendend weißer langer und tiefer Strand mit sehr viel ausgeblichenem Schwemmholz und ein paar Surfern. So groß, dass sich die Leute gut verteilen. Von Zeit zu Zeit ziehen immer wieder Nebel auf und tauchen die Landschaft trotz vollem Sonnenschein in ein geheimnisvolles Licht. Wir können ohne Übertreibung sagen, dass dies einer der schönsten Strände war, die wir je gesehen haben.

Und weil wir schon einmal hier waren wollten wir auch das Gegenprogramm sehen: den Regenwald. Dazu haben wir den Rainforest Trail besucht und sind auf einem Steg gehend in den Wald regelrecht eingetaucht. Alles ist feucht und mit Moosen und Flechten bewachsen. Intakte Bäume, abgestorbene Bäume, jede Menge Farne. Es war ein besonderer Eindruck. Auf dem Rückweg lief noch ein kleiner Schwarzbär über die Straße, was für ein schöner Sonntag.

von Victoria nach Tofino, BC

Der Blick heute Morgen aus dem „Schlafzimmerfenster“ war nur schwer zu toppen. Wir sahen bei wolkenlosem Himmel, Sonnenschein auf die Victoria Marina und eine hübsche Ansammlung von Bootshäusern. Eines stand übrigens zum Verkauf: 430.000 Dollar.

Unser Tagesziel heute war Tofino, am Pacific Rim. Zunächst ging es auf dem Trans Canada Highway 110 km nach Nanaimo. Die Straße bietet bis Malahat Summit schöne Aussichten. An einem Aussichtspunkt wurden wir von einem jungen Mädchen angesprochen, ob wir aus Deutschland seien. Sie war 15 Jahre alt und Austauschschülerin aus Berlin. Sie berichtete, dass sie etwas Heimweh habe und wusste auf die Woche genau, wie lange sie noch in Kanada bleiben wird. Mit ihr zusammen waren ihre Gastfamilie und noch eine überaus hübsche Gasttochter aus Mexiko. Wir unterhielten uns ein bisschen und die nett wirkenden Gasteltern erzählten, dass sie seit 10 Jahren Jugendliche aus der ganzen Welt bei sich aufnehmen. Und ich glaube mit Heimweh, damit kannten die sich aus. Wir winkten uns noch freundlich zu und dann ging es weiter.

Bald bogen wir ab nach Port Alberni. Wir machten Pause an den Little Qualicum Falls und statteten auch dem Cathedral Grove des MacMillan Provincial Parcs einen Besuch ab. Besonders dieser naturbelassene „Zauberwald“ mit den gewaltigen Zedern hat es uns angetan. Danach kamen wir zum fahrerischen Höhepunkt der heutigen Etappe. Hinter Port Alberni überquert man die Mackenzie Range und es geht sehr kurvig bergauf und bergab. Und dann fuhren wir die letzten Kilometer an Long Beach entlang, einem der schönsten Strände British Columbias. Eingerahmt von Felsen und Triebholz kann man wunderschöne Spaziergänge unternehmen und vielleicht auch Wale beobachten, die um diese Zeit hier vorbeiziehen. Stellenweise waberte der Dunst des Meeres über die sonnenbeschienene Straße. Jetzt war klar, warum es hier Regenwälder gibt. Heute Abend sind wir in Tofino und morgen ist bei hoffentlich schönem Wetter Strand angesagt.

nach und in Victoria, BC

Für 11.00 Uhr hatten wir die Fähre nach Victoria Island reserviert. Von unserem Stellplatz unweit des Stanley Parks war es eine knappe Stunde zu fahren. Vorbei an der Vancouver Art Gallery, wo wir noch schnell den Kopf beklebt mit Kaugummis fotografieren konnten und dann ganz gemütlich auf der Granville Street blieben, die im Süden eine hübsche Einkaufstraße ist, der noch hübschere Häuser hinter dicken Hecken folgen. Aber da wir ja so hoch sitzen, hatten wir exklusive Einblicke.

Auf der Fähre von Tsawwassen nach Victoria Island war nicht besonders viel los. Das Wetter war regnerisch und außer einem Rettungsring gab es demzufolge auch nicht viel zu fotografieren. Wir aßen in Victoria in einem Irischen Pub zu Mittag und dann hofften wir bei der West Bay Marine Village, dem stadtnächsten gelegenen Campground mit Blick auf die Skyline von Victoria einen Platz zu bekommen. Und es gelang dank einer Charm-Offensive von Martin bei der Rezeptionistin. Leider fuhren die Wassertaxis, kleine für Victoria typische Bötchen nicht mehr am späten Nachmittag. Da wir nicht die ganze Bay ablaufen wollten, gab es ein normales Taxi. Ja, Hannah und Paul, genau so hat sich der Taxifahrer nach unsere Ziel erkundigt. Wir spazierten ein bisschen durch die Stadt, vorbei am Empress Hotel bis zu einer Brauerei, wo wir den Tag bei einem hausgebrauten Kölsch ausklingen ließen.

 

Kleine Story:

Unseren Visumantrag mussten wir ausgedruckt mitbringen. Dazu waren wir vor einigen Tagen in einer Webagentur/Druckerei. Es war ein kleiner schicker Laden und ungefähr vierzigjährige Chefin erklärte sich bereit, dass wir ihren Drucker benutzen konnten. Wir schnackten ein bisschen und sie erzählte von ihrem „Soon to be Ex-boyfriend“, der Deutscher war und zur Zeit auch in Deutschland sei. In diesem Augenblick klingelte ihr Handy. Sie hielt es uns entgegen mit der Bitte, ihren „baldigen Ex-Freund“ auf Deutsch zu begrüßen. Dieser war etwas verwirrt, als wir uns mit dem Namen der Webagentur meldeten und ihn fragten, was wir für ihn tun könnten. Also gaben wir ihr das Handy zurück und sie meldete sich mit zuckersüßer Stimme „Hi honey“. Es klang irgendwie nicht wie „soon to be ex“.

Vancouver, BC

Heute sind wir sehr früh aufgestanden, denn wir hatten ein „appointment“ beim amerikanischen Konsulat. Da das normale Touristenvisum nur 3 Monate dauert und es bei unserer Einreise nach Alaska anfing zu zählen, hätten wir spätestens Anfang November ausreisen müssen. Andererseits sind wir nicht mehr zu sicher, nach Mexiko zu reisen, da der Süden der Baja California noch genügend damit zu tun hat, sich von den Folgen des letzten Wirbelsturms vor wenigen Tagen zu erholen. Das auswärtige Amt meldet auch Bedenken an. So wollten wir sichergehen, mit einem verlängerten Visum auf alle Fälle wieder zurück in die USA zu können, um von hier zurück zu verschiffen. Also es bleibt spannend.

Für mich als Dozentin für Deutsch als Fremdsprache war der heutige Besuch interessant, denn man bekam einen Eindruck davon, was man als Fremder auf sich nehmen muss, um im Gastland bleiben zu können. Wobei das überaus höfliche Personal im Konsulat sich sehr bemühte, es seinen „Kunden“ so erträglich wie möglich zu machen.

Danach bummelten wir gemütlich durch die Robson Street und stärkten uns im nächsten Café. Und dann stand die Vancouver Artgallery auf dem Programm. Leider war man gerade damit beschäftigt, eine neue Teilausstellung aufzubauen. Aber die Emily Carr und Landon Mackenzie Ausstellung hat uns sehr gut gefallen. Emily Carr ist wohl die bekannteste Malerin British Columbias und lebte von 1871 bis 1945. Landon Mackenzie ist 1954 geboren und ist Professorin an der Emily Carr School of Art in Vancouver. Die Werke beider Künstlerinnen sind in dieser Ausstellung „gegenübergestellt“ hinsichtlich des Sujets der Kanadischen „Wildnis“ und der Kultur der First Nations. Besonders die Themen Wald und Bäume sind bemerkenswert oder einfach nur schön.

Der Nachmittag versandete bei gemischtem Wetter mit Lesen, Nickerchen und Kaffee trinken und einem Besuch der Schwarzwald Metzgerei. Die Fleischwurst wird uns heute Abend bestimmt gut schmecken.

 

Geschichten:

Auf einem Campground trifft man ja mitunter die merkwürdigsten Personen an. Uns gegenüber wohnt ein älterer Herr seit drei Jahren fest in seinem kleinen Wohnmobil auf diesem Cityplatz unmittelbar neben der lauten Stadtautobahn. Er stammt aus Saarbrücken, ist 1954 ausgewandert und hat lange in den USA gelebt. Jetzt als Rentner lebt er lieber in Vancouver. Jeder deutsche Pensionär würde jetzt ins Grübeln geraten, er aber wirkte alles andere als verbittert oder auch nur unzufrieden. Immer wieder haben wir hier die Erfahrung gemacht, dass man als Kanadier das Beste aus seiner Situation macht. Es wird sich nicht beklagt.

 

Heute Morgen fuhren wir mit unserem äthiopischen Taxifahrer zum amerikanischen Konsulat. Er erzählte, dass er als junger Mann in Äthiopien Fahrer eines deutschen Ingenieurs war, der für eine NGO arbeitete. Jedes Mal, wenn dieser Deutsche telefonierte und dann auflegte, brüllte er laut „Ar…loch“. Eines Tages wollte der Äthiopier wissen, was dieses Wort denn bedeute. Launig erzählte er uns diese Geschichte von Helmut, dem Ingenieur und seinem ersten deutschen Wort, das er in Äthiopien gelernt hatte.

 

Rezeption Capilano Campground. Eine deutsche Reisende mit einem gemieteten Campmobil, Teil einer Reisegruppe, stürmt an die Rezeption. „It is so loud. Our chief said, we can change the place.“ Ungerührt und charmant entgegnete der aus Neuseeland stammende junge Mann am Empfang, dass jeder Platz laut sei und man „sorry“ nichts dafür könne, dass es Straßenbauarbeiten an der Brücke gäbe. „Okay, thank you, it´s okay“, sagte die deutsche Reisende und trollte sich davon.

 

PS: Nein, es gab keinen Salmon zu essen, auch wenn diese hier reichlich gefangen werden

Sea to Sky Highway nach Vancouver

Heute stand der berühmte „Sea to Sky Highway“ auf dem Programm. Bei bewölktem Himmel starteten wir in Whistler. Die Brandywine Falls haben wir ausgelassen. Unser erster Stopp war kurz vor Squamish in Brackendale der Eagle Viewpoint. Hier am Ufer des Squamish River konnte man bequem auf Bänken sitzend Adler mit dem Fernglas beobachten, die hier über den Winter anzutreffen sind. Wir konnten leider nur einen ausmachen, aber immerhin. Die Vorhut für alle nachfolgenden Adler war da, lieber Leo.

Dann ging es weiter zum Stawamus Chief. Dies ist eine steile Felswand, an der man wagemutige Kletterer beobachten kann, ähnlich wie in Arco, Gardasee. Heute aber war der Felsen nach einer langen Regennacht feucht und der wagemutige Kletterer noch bei der Arbeit oder in der Vorlesung. Machte auch nichts, denn die nächste Attraktion stand schon auf dem Plan.

Die Shannon Falls, Kanadas dritthöchste Wasserfälle waren von zwei leicht erreichbaren Aussichtsplateaus zu bewundern. Hier konnten wir auch schon mal einen Vorgeschmack auf den Regenwald bekommen. Üppiges Grün in Form von Farnen und Moosen und absterbenden Bäumen. Wir fanden auf unserer nun zwei Monate dauernden Reise durch Kanada und Alaska immer wieder schön, dass viele kleinere und größere Attraktionen gut und angenehm links und rechts vom Highway erreichbar sind und eine schöne Abwechslung auf langen Routen bieten. So wie heute die Shannon Falls.

Von Squamish aus ging es dann eine wunderbar gepflegte Straße am Howe Sound entlang. Die schneeweißen Schiffe von BC Ferries fuhren auf glatter See zwischen bewaldeten Buchten. Einfach nett. Nun sind wir in Capilano an der Lions Gate Bridge. Ist zwar etwas laut, aber zentral gelegen. Von hier können wir morgen leicht nach Downtown Vancouver oder zur imposanten Capilano Hängebrücke kommen. Mal sehen, nach was uns morgen ist. Heute Abend haben wir sehr amerikanisch bei Five Guys gegessen, nachdem wir durch das nahe gelegene Village, einem hippen Viertel rund um das Park Royal Shopping Center spaziert sind.

in Whistler, BC

Heute Morgen sah es ziemlich nach Regen aus. Also wanderten wir nach dem Frühstück ins Whistler Village. Als erstes stießen wir auf den Medals Pavillion. Hier im Schatten der Olympischen Ringe sah man im Geiste die Verleihungen der Medaillen. Irgendwie hatte der Platz etwas, auch wenn sich rund um das ehemalige olympische Feuer nun ein Kinderspielplatz und diverse Sportgeschäfte und Cafés gruppieren. Eine nette Plaza eben.

Überhaupt ist unser Eindruck, dass sich Whistler von dem Kanada, das wir gesehen haben, ziemlich unterscheidet. Weniger wild und ungezähmt, eher eine nette, ordentliche und organisierte Wildnis. In gewisser Weise wie viele andere Skiorte auf dieser Welt, aber auf jeden Fall empfehlenswert.

Leider fing es nun leicht an zu regnen, aber wir bummelten durch Whistler, wo man viel Geld ausgeben kann. Im Augenblick weniger für eine Skiausrüstung, denn die Pisten waren noch grasgrün. Downhill-Fahren war heute angesagt. Der Fitzsimmons Express brachte die wagemutigen Fahrer und ihre Fahrräder auf den Berg und dann ging es auf so rasanten Pisten wie „Heart of darkness“, „Ho Chi Min“ oder „Drop in Clinic“ den Berg hinunter. Im Auslauf, wo wir standen, war dann aber Coolness Pflicht. Es machte ziemlich viel Spaß zuzuschauen, auch wenn für mich noch nicht einmal „Old School“ oder „Captain Safety“ in Betracht gekommen wäre.

Da es dann richtig zu regnen anfing, wäre ein Ausflug auf den Berg nicht lohnenswert gewesen und damit auch nicht das Ziptreck. Eine rasante Fahrt an Seilen inbKlettergurten über Schluchten und Bäume hinweg.

nach Whistler, BC

Der Tag begann busy. Wir mussten mal wieder einen Schweißer aufsuchen, da die schon mehrmals reparierte Aufhängung vorn links am LKW erneut gebrochen war. Und wir fanden Chap´s. Eigentlich eine Autowerkstatt, die Unfallautos repariert. Ihr Motto war „We meet a lot of nice people by accident“. Sie hatten ein Einsehen mit uns und reparierten unser Auto besonders sorgfältig. Die Chefin bewirtete uns sehr herzlich mit Kaffee. Und dann bekamen wir noch eine Tasse mit dem oben genannten Firmenmotto, ein paar Stifte und die besten Wünsche mit auf unsere Weiterreise. Vielen herzlichen Dank.

Unser Weg führte uns heute nach Whistler. Durch Cattle Country an Orten mit so wunderbaren Namen wie 70 Mile House, 100 Mile House und 150 Mile House vorbei. Diese Entfernungen beziehen sich auf die Entfernung zum Ort Lilloet, denn es war als Mile 0 der Cariboo Wagon Route während der Zeit des Goldrausches eine der größten Städte nördlich von San Franzisko. Heute ist es ein kleiner Ort und liegt über dem tief eingeschnittenen Fraser River in einer sehr trockenen Umgebung. Nur dort, wo bewässert wird, blitzen grüne Spots in der Landschaft auf. Ansonsten ist das Land karg und überzogen von Salbeibüschen. Hinter Lillioet passiert man den grünen Seton Lake und dann geht es südwärts auf der Duffey Lake Road in unendlich vielen Kurven die Berge rauf und runter. Gefühlte 1500 Schaltvorgänge auf 150 km. Die Anstiege und Abfahrten haben es teilweise ganz schön in sich mit Steigungen von bis zu 14 Prozent. Jetzt sind wir ganz schön müde und haben uns in Whistler eingemietet. Morgen fahren wir nichts und erkunden Whistler zu Fuß.

Bella Coola und zurück

Wir wollten heute die 450 Kilometer zurück nach Williams Lake schnell hinter uns bringen. Also waren wir für unsere Verhältnisse früh um 9.00 Uhr auf der Straße. Außerdem wollten wir noch unseren Bärenplatz von gestern „Bär an Martin, alles roger“ erneut besuchen. Um 9.45 Uhr waren wir da. Der eingezäunte Beobachtungsposten war gut besucht von Bärenliebhabern ausgestattet mit Fotoapparaten und Teleobjektiven 500mm plus. Und kein Bär war zu sehen. Natürlich wurden wir belehrt, dass heute Morgen schon mehrere Bären zu sehen waren, aber dann muss man natürlich um 7.00 Uhr da sein und nicht erst jetzt. Und als wir darüber hinaus feststellten, dass wir mit Jeans und Poloshirt nicht wie die anderen wanderbeige gekleidet waren, war uns klar „wir gehören nicht dazu.“ Und in einem Punkt muss ich mich korrigieren. Ich erwähnte, dass ich keinen Grund sähe, erneut nach Bella Coola zu reisen. Das stimmt nicht für jeden und auch nicht für das deutsche Bärenspotterpaar, das wir trafen. Sie waren schon zum dritten Mal hier, nur um Gevatter Bär zu beobachten.

Also schnell weiter, The Hill wartete auf uns. Nun mit bis zu 18 Prozent Steigung. Das haben unser kleiner Mercedes und sein Teufelsfahrer Martin mit Bravour erledigt. Ich hätte das nicht fahren mögen. Ganz im Ernst. Weder runter noch rauf. Und dann ging es weiter durch die Prärie des Chilcotin. Das Land ist ziemlich trocken und verbrannt.

Heute hatte es noch 32 Grad Celsius und war recht windig. Um die vielen Rinder durch den Winter zu bringen, muss er Farmer für Heu sorgen. Und das schafft er nur, wenn er Graswiesen wässert. Das sieht dann ähnlich aus, wie die amerikanischen Golfplätze in der Wüste. Alles braun außen herum und dann eine grüne Oase. Aber abgesehen von diesen grünen Spots kennt jeder von uns diese Landschaft aus alten Cowboyfilmen. Das Licht hier lässt die einzelnen Bäume und Büsche gestochen scharf erscheinen, obwohl die weiter weg liegenden Berge immer wie mit einer Farbfolie überzogen aussehen. Interessant ist, wie viele unterschiedliche Arten von Zäunen es gibt, um die Kuh auf der Weide zu halten. Die auf den Fotos haben uns besonders gefallen.

Nicht gefallen haben uns einzelne Behausungen, die umgeben sind von alten Autos, Schrott und Sperrmüll. Das sieht man auf dem Land schon öfter. Offensichtlich kostet Land mitunter so wenig, dass man nicht sehr sorgsam damit umgehen muss. Und wo etwas war, dass man nicht mehr braucht, baut man neu daneben und lässt das Alte einfach verkommen.

Kurz vor Williams Lake überquert man den Fraser River, ein Habitat für Lachse, das es zu schützen gilt. Ein Witz, wenn man überlegt, wie viele Fischer ihnen nachstellen. Aber vielleicht gibt es ja so viele. Wir wissen es nicht.

 

Bella Coola, BC

Heute Nacht standen wir ohne irgendein Außenlicht direkt am Clearwater Lake und ich kann berichten, dass man aus unserem Dachfenster einen wunderbaren klaren Sternenhimmel bewundern konnte. Der Tag begann sonnig und mit einem schönen Frühstück in der Lodge und dann ging es los. Bella Coola, der Ort, an dem die Straße endet. Über eine Schotterpiste befährt man den Heckmans Pass und dann, wenn man auf 1524 m Höhe ist, beginnt „The Hill“. In mehreren Serpentinen und Gefällstrecken von bis zu 18 Prozent geht es hinab ins Tal. Selbstredend, dass es keine Leitplanken gibt und es seitlich tief, ganz tief nach unten geht. „Ruhig Blut und kleiner Gang“ und dann geht das schon. Das ist der Thrill.

Und dann ist man im Bella Coola Valley. Ich möchte nicht so weit gehen, wie der Autor des Lonely Planet Autors des Kanada Reiseführers, der von einem Shangri-La ohne Mönche spricht und spirituelle Orte sieht. Vielleicht abends nach dem fünften Canadian. Also wir sahen eine schöne durch hohe Zedern führende Straße und ab Hagensborg links und rechts schöne Häuser. Die Berge ragen dahinter steil auf. Und dann standen wir in Bella Coola und was gibt es dort zu sehen? Nichts. Der Ort selbst bietet original nichts, was diese lange Anreise lohnenswert machen würde. Er liegt am Ende eines langen Fjordes, den zu erkunden man aber eine Fährverbindung mit BC Ferries buchen müsste. Das aber wiederum ist weitgehend reizlos, da die Fähre jetzt nur freitags fährt und man also eine Woche hier verbringen müsste, wo es nichts gibt, es sei denn man möchte fischen.

Aber das Wetter ist heute toll. Sonne und blauer Himmel. Also beschlossen wir, in Hagensborg Halt zu machen und uns einen netten Samstag Nachmittag zu gönnen.

Eine Sache muss ich aber noch berichten. Kurz hinter „The Hill“ wurde durch eine Tafel am Straßenrand angezeigt, dass man hier Bären beobachten könne. Also nichts wie hin. Bei der Basisstation meldete man uns nach einer kurzen Belehrung (verbal disclaimer) mit einem Walky Talky der Besuchsstation an und dann durften wir selbstständig 8 (!) Meter zu einem mit einem Elektrozaun eingezäunten Areal gehen. Dort wurde unser Empfang mit einem Walky Talky der Station 1 zurückgemeldet. Von der Besuchsstation überblickte man den Fluss und tatsächlich waren in der Ferne ein paar Bären zu sehen. Aufgeregte Walky Talky Kommunikation setzte ein. Und dann verschwanden die Bären im Gebüsch. Das war´s. Meldung per Walky Talky und wir saßen wieder in unserem Auto.

Katrin an Martin: „Fahr los“.