Ein Fisch, zwei Fische, viele Fische

Nachdem wir schon in Monterey übernachtet haben, war es heute morgen ein Klacks, um zum Monterey Bay Aquarium zu kommen. Es steht am Ende der Cannery Row, wo vormals Fischfabriken standen, die Sardinen verarbeiteten und die im Roman „Cannery Row“ von John Steinbeck verewigt wurde. Heute sind in die ehemaligen Fabrikationshallen viele Restaurants und Shops eingezogen. Sie alle profitieren vom Monerey Bay Aquarium, das wirklich sehenswert ist.
Der Eintritt ist nicht billig, nein keine 50 Dollar, sondern 49,95. Aber dafür werden Meerestiere und Fische aller Art in einem zentralen und riesigen Aquarium präsentiert. Daneben gibt es jede Menge kleinere Bassins, wo winzigste Meeresbewohner gezeigt werden, als auch für uns völlig exotische Quallen, Medusen, Korallen, Oktopusse und Krebse. Auch silbrig glänzende Fischschwärme kann man in großen Aquarien beobachten. Für kleine und große Kinder gibt es offene Becken, wo man unter Anleitung manche Tiere auch anfassen darf. Es gibt eine arktische Sektion mit Pinguinen und Papageientauchern. In diesem Bassin konnte man beobachten, wie zwei Taucher zur Reinigung unterwegs waren. In kreisrunden Aquarien schwammen Sardinen im und man konnte beobachten, wie sie ihre Mäuler aufsperrten, um Nahrung aufzunehmen. Die meisten Aquarien wurden in dunkler Umgebung präsentiert, was das Ungewöhnliche, was es zu bestaunen gab, noch ungewöhnlicher machte.
Das Thema einer Sonderausstellung waren die Bewohner der Wüste und des Meeres in der Baja California. Inklusive Animation, wie sich das Klappern einer Klapperschlange anhört. Da wir bis letzte Woche dort waren, hat uns natürlich besonders interessiert, welche Tiere wir verpasst haben.
Das Monerey Bay Aquarium ist direkt am und über das Meer gebaut. Architektonisch interessant verbindet sich innen mit außen, d.h. Die präsentierten Meeresbewohner in den Aquarien korrespondieren mit der grandiosen Monterey Bay.

Ich hätte noch Stunden dort verweilen können, aber so langsam hatten wir auch Hunger und so haben wir eine Kleinigkeit beim italienischen Imbiss in der Cannery Row zu uns genommen. Bei Bubba Gump Shrimp haben wir nicht gegessen, aber kurz darüber nachgedacht, dass „das Leben wie eine Pralinenschachtel ist“.
Wir hatten heute noch die Idee, bei Clint Eatwood vorbeizuschauen. Der besitzt in Carmel, wo er von 1986 bis 1988 Bürgermeister war, ein Restaurant, die Mission Ranch. Wir sind auch vorbeigefahren, aber das war eher ein Platz, zu dem man mit dem Auto und nicht mit dem Wohnmobil fährt. Schön gelegen, mit Blick auf Weiden und grüne Hügel hätte man gediegen auf der Terrasse Platz nehmen können. Vielleicht nächstes Mal.
Dafür waren wir in Carmel im Supermarkt einkaufen. War auch gediegen.
Heute Nacht stehen wir im Seacliff Statepark, wieder direkt am Pazifik. Den Sonnenuntergang haben wir bei einem Glas Rotwein genossen, auch wenn es nicht gerade sehr warm ist. Aber Sundown ist Sundown, zumal hier am Pier ein versenktes großes Boot malerisch in der Abendsonne leuchtete.
Morgen wollen wir ja die amerikanische Dreifaltigkeit Appel, Google und Facebook sehen. Wir fahren ins Silicon Valley. Heute haben wir uns als Vorboten für alle zu erwarteten Nerds mit einem Camping-Nachbarn, Mike, unterhalten, der als digitaler Nomade von unterwegs arbeitet und spätestens nach drei Wochen weiterzieht. Gebt ihm WiFi und was zu essen und er funktioniert.
Mehr dazu morgen.

Von Seekühen und Weingütern

Der Morro Dunes Campground in Morro Bay hat uns wirklich sehr gefallen. Man wacht morgens auf und blickt auf die Dünen und auf den eindrucksvollen Morro Rock. Es ist vielleicht nicht der neueste Campground, aber sehr gepflegt und sehr nett. Zum Abschied schenkte mir Caroll, unsere Nachbarin noch einen hübschen Halbedelstein, einen Handschmeichler. Darüber habe ich mich sehr gefreut und ich werde den netten Abend mit ihr, ihrem Mann Mike und dem Freund der Familie George in bester Erinnerung behalten.
Wir wollten heute den Pazifik Highway weiter bis nach Monterey erkunden. Aber wir kamen nur bis zum Reservat Piedras Blancas, kurz hinter dem Ort Cambria. An diesem Platz gibt es eine bemerkenswert große Kolonie von Seeelefanten und Seelöwen zu bestaunen. Die Tiere lagen zuhauf am Strand und bewegten sich kaum. Manche bellten ein bisschen vor sich hin, aber eigentlich war man eher relaxt. Der Morgen begann heute schon grau und als wir bei den Seeelefanten waren, begann es ziemlich stark zu regnen. Das störte die dickhäutigen Meeresbewohner aber auch nicht weiter.
Den Ranger dort befragten wir, ob die Küstenstraße 1 weiter nach Norden befahrbar sei. Leider nicht. Kurz hinter Cambria bis Monterey ist der Highway #1 gesperrt. Leider sind somit die angeblich besten 100 Meilen dieser Küstenstraße, die auch den Bereich von BIG SUR umfasst leider nicht erreichbar. Brände, gefolgt von außerordentlich starkem Regen haben dazu geführt, dass Bergrücken abgerutscht sind und der Highway #1 über weite Strecken nicht passierbar ist. Nun ja, schade. So mussten wir zurück bis kurz hinter Campbria und die #46 nehmen, um auf die #101 zu kommen. So schlecht war das aber nun auch nicht, denn beide Highways führen durch Weinberge und an Weingütern vorbei. „It never rains in Southern-California“ ist ein Mythos, denn heute regnete es ganz schön heftig. Also haben wir das Weingut Niner besucht. Schon von weitem wähnt man sich in der Toskana. Ein hübsch angelegtes Haus mit einer Fassade aus Feldsteinen, umgeben von einem olivenbaumbestandenen Garten. Alle hübsch und pretty. Innen gab es einen geschmackvoll gestalteten Tasting-Room und ein heute leider geschlossenes Restaurant. Ein erfolgreicher amerikanischer Geschäftsmann hat sich am Ende seiner Karriere, die ihm offenbar viel Geld eingebracht hat, entschlossen, ein Weingut aufzubauen. Und das hat er mit viel Professionalität und noch mehr Geld umgesetzt. Wirklich sehr schön, auch wenn wir es merkwürdig finden, wenn über einem italienisch angehauchten Weingut die amerikanische Flagge weht. Der Wein war auf alle gut, wenn auch kein Schnapper.
Nach den Weinbergen ändert sich die Landschaft zu einer fruchtbaren Ebene, auf der Gemüse angebaut wird, soweit das Auge reicht. Wirklich im industrielle Zuschnitt. Ohne mexikanische Einwanderer könnten die Bauern hier gar nicht existieren. Mexiko ist von hier nicht weit, was man an den Ortsname Soledad und Salinas erkennen kann und im Supermarkt von Salinas auch am Angebot sehen konnte.
Der 970 Kilometer lange Weg von San Diego bis nach San Francisco entlang des Highway #101 ist der Camino Real, der königliche Weg, der alle Missionen in Californien miteinander verbindet. Am Straßenrand sieht man alle paar Kilometer einen Bellmarker, der aussieht, wie eine Glocke an einem gebogenen Wanderstab.
Wir stehen heute Nacht im Veterans Memorial Park Campground in Monterey. Hoch auf einem Hügel in Nachbarschaft zu einer Kaserne. Heute war dort Wandertag, denn eine zeitlang liefen mit schweren Rucksäcken bepackte Soldaten und Soldatinnen an unserem Wohnmobil vorbei.

Beach, Beach, Beach

Der Sonntag war heute ganz schön busy. Nach dem Frühstück standen wir noch kurz am Strand des Refugio State Park und von weitem winkten drei Delphine. Wie schön. Danach ging es auf die Straße und unser erster Stopp heute in Oceano. Kurz hinter Santa Barbara bis San Luis Obispo sieht man links und rechts der 101 jede Menge Weinberge. Leider gab es vom Pacific Highway nur wenige Hinweise auf die dazugehörigen Weingüter. Nur die Laetitia Vinery lud zur Weinverkostung ein. Da es aber noch relativ früh am morgen war, verzichteten wir zunächst.
Erst gab es in Oceano einen Cappuccino und dann ging es an den Strand. Man darf hier mit dem Auto an den Strand fahren, dort parken oder aber in die Oceano Dunes fahren. Eintritt: 5 Dollar. Der Strand ist ziemlich breit und erinnert ein bisschen an St. Peter Ording. Nur dass man dort nur auf den großen Parkplatz auf dem Strand fahren darf und nicht den ganzen Strand entlang von Ording bis Böhl. Bei schönstem Sonnenschein standen wir nun auf dem Strand und haben Mittag gemacht. Also Essen, Nickerchen und Spaziergang. Was man halt so macht am Sonntag. Der Strand war besucht, aber längst nicht überfüllt, es ist eben auch hier noch Nebensaison.
Danach ging es weiter nach Pismo. Hier ist zur Zeit der Monarch-Schmetterling zu beobachten. Wir haben vom Auto aus die Schmetterlingsfreunde und die Falter gesehen, aber nicht angehalten. Denn wir wollten in Pismo Beach Wein aus der Region kaufen. Also habe ich dort in einem der gut sortierten Weinläden eine kleine Verkostung von Rotweinen gemacht. Martin musste ja noch fahren. Wir wurden fündig und wollten eigentlich heute Abend zum Essen eine Feindegustation vornehmen. Aber es kam anders.
Unser nächstes Ziel war Morro Bay. Hier sollte es für heute Nacht der Morro Dunes Campground sein. Dieser liegt unmittelbar hinter Dünen und in Sichtachse zum 176 Meter hohen Morro Rock. Die Empfangsdame am Campground war ausnehmend nett und freundlich. Seit langem mal wieder ein Beispiel für echte herzliche Gastfreundschaft. Wir bekamen einen Platz mit einer schönen Aussicht und ziemlich nette Nachbarn. Wir verabredeten uns auf ein späteres Lagerfeuer und spazierten erst einmal 1 Meile nach Morro Beach zum House of Juju. Dort gab es leckere Burger, serviert mit Bratkartoffeln. Das Restaurant muss es schon länger geben, denn Oma Juju wurde so von ihren Enkeln genannt. So gestärkt spazierten wir noch ein bisschen durch Morro Beach, ein Fischerort, der sehr viel vom Tourismus lebt. Da aber noch keine Touristen hier sind, war es ganz gemütlich.
Zurück beim Wohnmobil hatte Mike schon ein Feuer angezündet. So saßen wir noch eine ganze Zeit draußen, und plauderten mit Mike, seiner Frau und George, der sich auch noch dazugesellte. Es war überaus interessant, was die drei so erzählten. So erfährt man viel über Land und Leute, und wie das Leben hier sich in vielen Dingen von dem Leben in Deutschland unterscheidet. Es war einfach ein entspannter Abend mit netten und freundlichen Nachbarn.

Santa Barbara

Der Malibu Beach RV Park war wie immer schön. Es hat schon etwas, wenn man morgens aufwacht und über den Pazifik schaut, der sich am Horizont mit dem knallblauen Himmel vereint. Nach ein paar Schnacks mit den Nachbarn ging es los. Nur ein paar Kilometer, denn schon gab es Kaffee bei Starbucks. Ein Einkaufszentrum, das, wie es sich für Malibu gehört, sehr schick und hipp war. So im Vintage-Stil, also mit grob gehobelten Brettern verkleidet. Dafür gab es dann in den einzelnen Boutiquen Strandkleidchen, Surfbretter, Skateboards, ein bisschen Interior, einen Frisör, ein Kindergeschäft und einen Supermarkt. Letzterer war gut sortiert, allein beim Wasser war ich überfordert. Aber er hatte auch eine Fleischtheke (!) und war ansonsten eher auf der teueren Seite angesiedelt.
Bei Starbucks wurde mir vor Augen geführt, was „clean eating“, der neueste Ernährungstrend ist. Also, in einer Plastikverpackung verbargen sich zwei gepellte hartgekochte Eier, ein paar Möhrensticks, Apfelschnitze und Weintrauben. Und ein ganz kleines bisschen Ziegenkäse. Dazu hatte die Kundin sich noch ein stilles Wasser (heißt bei Starbucks Ethos) geleistet. Also Verzicht ist der neue Genuss. Ich habe für Martin und mich zwei Cappuccino und ein Buttercroissant bestellt. Habe also auch auf das zweite Croissant verzichtet. Ein Anfang.
Nun ging es weiter die Küstenstraße nach Norden. Am Straßenrand wurden Erdbeeren aus Oxnard verkauft. Die schmecken wirklich süß und sahen auch sehr gut aus. Der Verkäufer meinte, dass sie bis nach Europa exportiert werden. Das wiederum fanden wir fragwürdig.
Egal, als wir durch Oxnard kamen, haben wir die vielen Freiland-Erbeerfelder gesehen. Und wie mühsam es ist, sie zu ernten. Außerdem wird rund um Oxnard Gemüse angebaut. Auch unter Folienzelten wie in Spanien. Das letzte große Obst- und Gemüseanbaugebiet haben wir im Norden der Baja California gesehen.
Unser Tagesziel war heute Santa Barbara. Ein Promi-Ort, der, wäre er nicht so geleckt, wie eine mexikanische Kleinstadt aussehen würde. Alles trés chic. Wir haben die Mission Santa Barbara besucht. Sie steht seit 1786 hier und wirkt mit ihren ockerfarbenen Säulen sehr trutzig. Sie gilt als schönste der 21 spanischen Missionen, die man in Kalifornien finden kann. In die Kirche konnten wir leider nicht, denn es war gerade Messe. Aber in den Klostergarten und den Friedhof. Es ist eine noch heute aktive Mission der Franziskaner.
In der Sonne war es recht warm, aber in den säulenbestandenen Gängen des Gartens war es gleich merklich kühler, ein Effekt, der im Sommer sicherlich von den Bewohnern und Gästen geschätzt wird. Hier entstand übrigens auch das Schattenselfie von Martin und mir, das wir Ingrid widmen. Übrigens haben wir schon mehrmals auf dieser Reise von Ingrid´s Strickkünsten profitiert, wenn es so kalt war, dass ihre selbstgestrickten Wollsocken zum Einsatz kamen. Danke dafür.
Heute Nacht stehen wir in einem Statepark etwa 30 Kilometer hinter Santa Barbara, direkt am Strand.

Pacific Coast Highway bis Malibu

Die Welt ist ein seltsamer Ort. Warum sonst springt ein Mann wieder aus seinem Auto, nachdem er getankt hat, zieht seinen linken Schuh aus und wirft ihn in den Kofferraum. Steigt wieder ein und fährt los.

Lieber Patrick, liebe Véronique, lieber Werner, heute sind wir so gegen 16.30 Uhr durch einen Tunnel unterhalb des Flughafens Los Angeles durchgefahren. Das müsste ja dann auch so in etwa die Zeit sein, zu der ihr nach Frankfurt los geflogen seid.

Unser nächstes Reise-Teil-Projekt ist die Küstenstraße von San Diego bis nach San Francisco. Gestern sind wir schon bis Carlsbad gekommen und haben auf dem wunderschönen State Campground dort übernachtet. Es war heute morgen ganz schön windig, sonnig und die Wellen des Pazifik waren auch nicht von schlechten Eltern. Zu unserer Überraschung waren aber keine Surfer zu beobachten. Carlsbad ist eine schöne Stadt mit einer gut aussehenden Army and Navy School. Hier konnten wir Schüler weit unter 18 Jahren beobachten. Nett war auch zu sehen, wie am Freitag morgen auf einer Wiese mitten im Ort eine Hundeshow für Collies stattfand. Da wurde gebürstet, gesprayt und gepost.
Neben dem Pacific Coast Highway (A101) laufen parallel Schienen, die zu einem Pendelverkehr nach San Diego gehören. Das passt zu San Diego, denn der Verkehr war dort nicht so grauenvoll wie in Los Angeles. Wir fanden, dass San Diego eine lebenswerte Stadt ist. Am Aliso Beach, der zur Stadt Laguna Beach gehört, haben wir eine Pause gemacht. Das Meer war so verführerisch blau, der Strand so gepflegt und hell und das Wetter zwar kalt, aber sehr schön. Neben dem Parkplatz war am Posten des Lifeguard eine Notiz angebracht, dass man sich zu Auswahlrunden als Lifeguard bewerben kann. Also, wer in diesem Sommer noch nichts vorhat, schwimmen kann und das kalifornische Leben genießen möchte, sollte über diese Möglichkeit mal nachdenken. Schön ist es hier schon. Und noch schöner waren die Villen oberhalb der Bucht. Sie hatten alle einen gigantischen Blick auf den Pazifik und einen Zugang zum Strand.
So gepflegt es in diesen Küstenorten ist, so sehr kann man sich hier auch vom gesunden kalifornischen Leben inspirieren lassen. Beim Ortseingang von Laguna Beach wird man gleich darauf hingewiesen, dass dies eine rauchfreien Gemeinde ist. Und mit gesundem Leben kann man nie früh genug anfangen, wie das Geschäftsschild von „Organic Babies“ verkündet. Und zwischen den am Pazifik gelegenen und überaus gepflegten Orten fährt man immer wieder an schönen Küstenabschnitten vorbei. Und immer sieht man jemand joggen, walken oder Fahrrad fahren.
In Laguna Beach, einstmals eine Künstlerkolonie reihen sich nun noble Gallerien, Antiquitätengeschäfte, Cafés, Interiorläden und Restaurants aneinander.
Langsam aber sicher näherten wir uns Los Angeles. Vor Long Beach durchquert man ein Hafengebiet. Hier gibt es ähnlich wie in Hamburg viele LKW´s, die mit Containern beladen sind. Ein also eher industriell geprägter Küstenabschnitt.
Dann fährt man am Torrance Beach, Redondo Beach, Hermosa Beach und Manhatten Beach bis man nach Venice kommt. In Redondo Beach haben wir wieder eine Pause gemacht und bei Kirari West, einem Organic Café, etwas Gesundes zu uns genommen: Süßkartoffel-Quiche mit Bratkartoffeln, linksdrehend. 28 Dollar später fühlten wir uns wie neu.
Ab Venice steht man für rund 20 Kilometer durch Santa Monica, Pacific Palisades bis nach Malibu. Aber wann steht man schon mal so schön mit Sonnenuntergang über dem Pazifik im Stau. Und nun übernachten wir noch einmal auf dem Malibu Beach RV Park und freuen uns über die schöne Aussicht.

San Diego

Bevor wir von heute berichten, möchten wir unserem Neffen Björn von ganze Herzen zum Geburtstag gratulieren. Alles Gute und lass Dich heute ausgiebig von Deiner Familie feiern.

Am Morgen gab es ein letztes „Auf Wiedersehen und lass von Dir hören“ mit Joop, Helen, Kristen, Vibeke, Werner, Véronique und Patrick. Ihr wart eine tolle Truppe und die Reise hat viel Freude gemacht. Dann sprangen alle in ihre Wohnmobile und schon waren wir wieder die letzen, die in den Tag starteten.
Unser Ziel war heute der San Diego Zoo. Dieser Zoo soll der größte der USA sein und der beste. Als begeisterte Zoobesucher von Hagenbecks Tierpark wollten wir das heute überprüfen. Zum stolzen Preis von 54 Dollar pro Person waren wir drin und am Donnerstag um 10.00 Uhr morgens nicht die einzigen. Er war relativ gut besucht. Im Eingangsbereich drängen sich Café, Souvenirshop, Toiletten und Busterminal. Das Gelände ist recht groß und da versteht es sich in den USA natürlich von selbst, dass man die größeren Attraktionen vom Bus aus betrachten kann. Wer wie wir näher an die Freigehege und Käfige möchte, muss aber auch hier zu Fuß gehen. Diese sind wirklich großzügig angelegt, aber für unseren Geschmack zu clean. Und das Elefantengehege mit dem Elephant Care Center war eine einzige Enttäuschung. Es gab vier einzelne Elefanten zu sehen, die sich an einer Art „Vending Machine“ ihr Heu aus irgendwelchen Tonnen und Gittern zogen. Sie standen alle ziemlich vereinzelt, nicht wie wie wir es aus Hamburg kennen, im Familienverband. Ein Wärter war weit und breit nicht zu sehen. Es gab daher weder eine Interaktion mit den Tieren, noch mit den Besuchern. Nein, wenn ich Elefant wäre und im Zoo leben müsste, würde ich lieber in Hamburg, denn in San Diego leben.
Schön war das Wasser-Land-Gehege der Nilpferde. Hier gab es eine Mutter mit Baby-Nilpferd zu bestaunen. Und auch der Eisbär war nett anzusehen. Dann gab es noch diverse Affenbereiche, viele Volieren, Löwen, Pandas, Giraffen und einiges mehr zu sehen. Nicht schlecht, aber auch nicht supercool. Wirklich überzeugend war die üppige Fauna, deren gutes Gedeihen wahrscheinlich auch dem Klima geschuldet ist. Alles in allem ein eher disneysierter Zoo.

Was aber wirklich schön war und wo man einige Zeit verbringen kann ist die Ansammlung einiger Museen am Prado zwischen Plaza de Balboa und Museum of Man. Die mexikanisch beeinflusste Architektur ist sehenswert und schön von außen anzuschauen. Man muss nicht in die Museen gehen. Überall gibt es nette begrünte Plätze, an denen man sich ausruhen kann und die schöne Umgebung auf sich wirken lassen kann. Die Casa del Prado bietet eine hübsche Fassade, die Innenhöfe laden zum flanieren ein und wenn die Sonne allzu stark scheinen sollte, gibt es genügend schattige Laubengänge. Auf dem angrenzenden kleinen Markt, der umstanden war von kleinen Galerien, kann man gemütlich einen Kaffee trinken und dem Treiben zuschauen. Liebe Helen, lieber Joop, falls Ihr morgen noch in San Diego seid, der Balboa Park ist ein lohnenswertes Ziel. Ich habe mir nur ein Museum angeschaut, „The San Diego Museum of Art“. Hier gab es eine Ausstellung zur lateinamerikanischen Künstlern, die unterschiedliche Epochen thematisierte. Die Präsentation der übrigen Säle mag nicht übermäßig originell sein, war aber solide.

Als ich das Museum verließ, regnete es wie vorausgesagt. Das war aber nun egal, da die Füße eh schmerzten und wir noch eine knappe Stunde unterwegs nach Carlsbad waren, wo wir heute Nacht mit Meeresrauschen direkt über dem Pazifik stehen. Den Sonnenuntergang haben wir noch bei einem Glas Rotwein genossen, aber nun sitzen wir im Wohnmobil, denn draußen ist es inzwischen dunkel und ganz schön schattig.

San Diego

Heute morgen war noch ein bisschen Zeit und so bin ich an der Bucht, an die der Campground Mission Bay grenzt spazieren gegangen. Und was soll ich sagen? Nicht alles in Kalifornien glänzt und glitzert. Neben dem Campground gab es einen aufgelassenen Mobil-Home-Park. Die Mobilhomes stammten alle aus den 1960er und 1970er Jahren. Viele Details und Ornamente dieser Bauzeit waren zu bestaunen. Und gleichzeitig war es eine Geisterstadt, die nur auf die Abrissbirne wartete. An einem Schild war zu lesen, dass dieses Grundstück der Stadt San Diego gehöre und das Betreten verboten sei. Auf dem Campground erzählte man uns, dass die Grundstücke von Mobilhome-Parks oft nur gemietet sind. Und da wurde das schöne Grundstück mit der fabelhaften Aussicht auf die Bay eben leergezogen, um es neu, schick und teuerer verkaufen zu können. Logisch aus der Sicht der immer nach Geld suchenden Kämmerer. Aber mit ein wenig Wemut kann man auch dem Verlust eines Stücks des alten Kaliforniens nachtrauern.

Wir machten uns dann auf den Weg, eine Haftpflichtversicherung unseres Baja-California-Trips zu besorgen. Wir nahmen die letzte Ausfahrt vor dem Grenzübergang Tijuana, um bei einem der dort ansässigen Büros eine Versicherung abzuschließen. Zurück konnten wir den Andrang beobachten, der am Ende der Interstate Richtung Grenze herrscht.
Wir aber fuhren zurück nach Coronado. Im dortigen Coronado-Hotel, das in einem Zuckerbäckerstil errichtet wurde. Mehrere Gebäudeteile gruppieren sich um einen Pool und besonders schön ist die rot gehaltene Dachkonstruktion. In diesem Hotel haben wir zu Mittag gegessen. Die Terrasse ist zum Meer hin mit Panomora-Scheiben vor dem Wind geschützt. Wir kamen uns vor wie in St. Peter-Ording. Die Temperaturen waren heute auch vergleichbar mit einem durchschnittlichen Sommertag dort, 16 Grad Celsius und Wind. Es war also ein wenig frisch.
Nach einem kleinen Spaziergang durch den Ort Coronado ging es dann zum Silver Strand State Beach RV Campground. Hier steht man hinter einer Düne direkt am Meer. Als wir heute Nachmittag hier ankamen, bin ich ein wenig am Strand entlanggelaufen. Denn ich war neugierig. Schon zum zweiten Mal konnten wir bei einer Strandhochzeit zusehen. Mit blumengeschmückten Bogen und weißen Holzstühlen für die Gäste. Ach wie romantisch.

San Diego und Cuisine americano

Heute morgen hatten wir leichten Wind und einen ziemlichen Wellengang. Nett war es, die Surfer in ihren Neopren-Anzügen zu beobachten, die wie die Wale auf ihren Brettern auf die beste Welle warteten. Danach ging es für uns zum Shoppen nach Carlsbad. Wir brauchten noch Wasser und Kaffee und ein bisschen Notration (Nudeln und Tomatensoße), falls es auf unserer Tour durch die Baja California mal nichts geben sollte, wovon wir allerdings nicht ausgehen. Völlig erschöpft von unseren Einkäufen gab es ein frühes Mittagessen im Bistro „Saint Tropez“. Völlig überraschend boten die eine Auswahl an leckeren Tarts und Croissants an. Denn ein französischer Name allein gilt in den USA nicht unbedingt als Garant für gutes Essen.

Übrigens Essen. Wir sind ja nun in Californien und von hier kam ja schon der ein oder andere Ernährungstrend, der uns alle einfach nur gesund, fit und hübsch halten soll. Im Augenblick scheinen viele Leute sich von Kale (Grünkohl) zu ernähren. Hierbei werden die Grünkohlblätter leicht blanchiert und dann gerne im Salat verwendet. Aber es gibt sie auch gefriergetrocknet als Chips, natürlich im Smootie und als Bestandteil von Brot. Bei einer Unterhaltung mit einer jungen Amerikanerin erzählten wir, dass Grünkohl in Norddeutschland ein traditionelles Gericht ist. Und dass Grünkohl hier lange gekocht und zusammen mit süßen Kartoffeln und eher fetten Würsten verzehrt wird. Daher braucht man nach dem Essen auf alle Fälle einen Schnaps, am besten mehrere. Vor allem die Sache mit dem Schnaps fand sie bemerkenswert.
Und dann gibt es das zweite „In-Gemüse“: Rosenkohl. Nein, natürlich nicht mit Speck und im ganzen. Nein, die Blätter werden abgezupft und dann in der gesunden Form wieder blanchiert und mit einer Vinaigrette übergossen. Um den Gesundheitsgedanken noch zu verstärken, findet man dann auch noch Gojibeeren und/oder Cranberries, auf alle Fälle aber ein paar ohne Fett geröstete Mandelsplitter im Rosenkohlsalat. Schmeckt nicht so schlecht, wie es klingt. Besser gefiel mir dann schon die Variante, als Rosenkohlblätter in Öl ausgebacken in einer kleinen Schüssel mit Parmesan überbacken/bestreut als Beilage serviert wurde.
Wie auch immer, kohlgestärkt geht es dann auf die Bahn zum Joggen, Radeln oder Surfen. Besonders nett finde ich immer die Einlagen, wenn Treppen bewältigt werden. Nein, Treppen werden nicht einfach hochgelaufen. Entweder wird die Treppe mehrmals bewältigt oder aber auf jeder Stufe wird ein Bein nach hinten, nach oben oder zur Seite geworfen. Gerne auch unterstützt von intensiver Armarbeit. Treppenballett sozusagen.

Wir stehen nun in San Diego. Wir hatten nette Gespräche über dies und das mit unseren Nachbarn. Internet gibt es leider nur sehr schlechtes, da Freitag Abend und voller Platz. Da möchte jeder eben gerne seine Lieblingsserie sehen. Also ist morgen früh als erstes Starbucks angesagt.

Carlsbad

„It never rains in Southern California“ ist nicht richtig. Heute waren die Berge über Malibu Wolkenverhangen und es nieselte leicht. Keine Sonne, eher grau. Das war dann die Aufforderung für uns, weiter zu ziehen. Unser Grobziel war San Diego und rein theoretisch müsste man die Entfernung Los Angeles – San Diego in gut zwei Stunden schaffen. Praktisch ist das aber unmöglich, da der Verkehr grauenvoll ist. Und wir waren über die Mittagszeit unterwegs. Die Fotos sind so zwischen 12.00 Uhr und 14.00 entstanden. Wir sind den größten Teil über die I-405 gefahren, die dann an der Küste, kurz vor San Clemente zur I-5 wird. Hier fährt man immer mit Sicht auf das Meer, das von einer Eisenbahnlinie und militärischen Militärgelände von der Interstate getrennt liegt. Man sieht Übungsgebäude für den Häuserkampf, Millitärcamps und Hubschrauberplätze. Bei Oceanside haben wir dann die I-5 verlassen, um der S-21 direkt am Beach zu folgen. Hier reihen sich Ortschaft an Ortschaft aneinander, die Straße ist gesäumt von Palmen und dahinter liegen die üblichen Restaurants, Microbrauereien, Surf- und Bikinigeschäfte und Hotels. Wir stehen nun in Carlsbad auf einem State-Campground hoch über dem Meer an der Kante der Steilküste und hören das Meer laut und deutlich, denn der Wind hat aufgefrischt. Das hat den Vorteil, dass man die Generatoren der umliegenden Wohnmobile nicht hört. Dieser Platz hat, was ziemlich unüblich ist, keine Strom- und Wasseranschlüsse. Das bedeutet für amerikanische Wohnmobile im allgemeinen, dass man ohne Generator nicht überleben kann, denn der Fernseher braucht nun mal Strom.

Heute früh habe ich auf dem Campground in Malibu noch Bettwäsche gewaschen. Deshalb nun ein Exkurs in Sachen Waschen und außerdem ist Waschmaschinenkunde ja seit Tagen ein neues politisches Ding. Die heute von mir genutzte Maschine stammte von LG, war also ein südkoreanisches Produkt und war für amerikanische Verhältnisse supermodern, denn sie sah aus, wie ein Frontlader in Deutschland. Mit Bullauge. Trotzdem sind auch diese Maschinen amerikanisiert, denn sie waschen maximal 38 Minuten. Daher braucht man Waschmittel mit dem HE (High Efficiency) Zeichen. Die vom amerikanischen Hersteller Whirlpool vertriebenen Maschinen und die man meistens vorfindet, sehen anders aus. Toplader mit einer Art Quirl in der Mitte, der die Wäsche hin und her ruckelt. Auch hier dauert die Wäsche maximal 35 Minuten. Da es auch nur drei Programme gibt (heiß, warm und kalt) operieren viele Hausfrauen zusätzlich mit Bleiche, um ein einigermaßen zufrieden stellendes Waschergebnis zu erzielen. Sie wirken plump und gestrig, genießen aber ein großes Vertrauen. Und wenn es mal in einem Waschsalon konventionelle und neue Maschinen gibt, kann man sicher sein, dass die konventionellen eher belegt sind. Man hängt eben an dem, was man kennt. Das ist wohl universell.