Heute stand ein Fahrtag auf dem Programm. 360 Kilometer waren von La Paz bis Loreto zu fahren. Und die Strecke ist nicht gerade das, was man scenic nennen kann. Zuerst geht es mal 200 Kilometer fast kerzengerade bis nach Ciudad Constitución. Da kommt man an struppigen Prärien vorbei, auf denen vereinzelt Rinder stehen. Dann und wann steht ein festgebundenes Pferd am Wegesrand. Warum? Wissen wir auch nicht. Der Ort Cien zwischen durch hat seinen Namen daher, dass es von dort bis nach La Paz noch 100 Kilometer sind. Außerdem findet man dann und wann kleine dekorierte Betonhäuschen, die vielleicht 50 cm hoch sind und an die dort Verunfallten erinnern und oftmals bemalt sind oder so gestaltet sind, dass sie etwas über das Leben desjenigen, an den erinnert werden soll, erzählen. Und dann gibt es die offenen Gebäude, die vielleicht so groß sind wie ein Geräteschuppen und eher kleinen Kapellen ähneln. Oft steht hier eine Marienfigur oder es hängt ein Gemälde einer Maria an der Wand. Davor stehen Kerzen und Blumen und dann ganz viele kleine Dinge, die denjenigen gehören, die hier vielleicht einen Wunsch geäußert haben, als da sind Briefchen, Mützen, Taschentücher, Kinderschuhe, Kreuze, Sonnenbrillen, kleine Heiligenfiguren, ein angeschnittener Zopf.
Wenn man so bei relativ wenig Verkehr über die Landstraße schaukelt, gehen auch schon mal die Gedanken spazieren. Aber spätestens, wenn man einen Toppes übersehen hat, ist man wieder ganz bei der Sache. Hierbei handelt es sich um Betonschwellen, die besonders in und vor Ortschaften und bei Schulen die Autofahrer daran hindern, schnell zu fahren. Manchmal sind aber auch nur breite gelbe Streifen auf den Boden gemalt und es gibt gar keine Erhöhung, manchmal aber ist es gerade anders herum. Und das tut dem Auto wirklich nicht gut.
Was ist eine weitere Abwechslung auf der Straße? Die Kontrollen. Es gibt Polizeikontrollen. Hier wurden wir als Touristen immer nur durchgewunden. Und es gibt Militärkontrollen. Hier wird man befragt, woher man kommt und wohin man will. Manchmal werfen die Militärs auch einen Blick in das Fahrzeug. Aber wohl eher aus neugierigem Interesse. Aber egal, ob Polizei oder Militär, es ging immer freundlich zu.
Eine weitere Besonderheit haben wir heute wieder in Ciudad Constitución gesehen. Ein Straßendorf würde man sagen und hier besteht natürlich die Gefahr, dass der Durchgangsverkehr nur so durchbraust. Das weiß man mit Stopp-Zeichen, auf Spanisch ALTO zu verhindern, die auf der Hauptstraße in Höhe jeder einmündenden Nebenstraße aufgestellt sind. Es waren gefühlte 73 Stoppschilder.
So hatten wir Gelegenheit, in Ruhe nach dem Coffee-Shop Ausschau zu halten, an dem wir schon auf unserer Tour in den Süden Halt gemacht haben. Und auch heute war der Cappuccino hier super.
Frisch gestärkt ging es auf die zweite Hälfte unserer Strecke. Über Ciudad Insurgentes bogen wir ab nach Loreto. Nun ging es durch die Berge, die Sierra de la Gigante. Vor allem das letzte Stück ist optisch reizvoll und kurz bevor man bei Loreto wieder auf das Meer stößt blickt man plötzlich auf einen grasgrünen Golfplatz, der zu einem dort liegenden Resort gehört. Wirklich erstaunlich, was man mit Wasser alles erreichen kann.
Wir stehen nun in Loreto auf einem kleinen gepflegten Campground, der vor allem von Kanadiern besucht ist, die übrigens im Direktflug von Calgary bis nach Loreto fliegen können.
Mexico 2018
Hotel California
Wir wurden wieder um 7.00 Uhr morgens mit heiterer und lauter mexikanischer Volksmusik geweckt. Diese Musik erinnert in ihrem Humdada stark an bayerische Volksmusik, sodass wir uns gut vorstellen können, dass beim nächsten Oktoberfest zur Abwechslung auch mal mexikanische Volksmusikanten eingeladen werden. Gespielt wurde sie übrigens vom Servicedienst der mobilen Toiletten, die am Playa Las Viudas standen und dem Fahrer ein sonniges Gemüt bescheinigen.
Übrigens Toiletten. Auch der Camper braucht Toilettenpapier. Also habe ich beim letzten Supermarkt zu einem Paket gegriffen, dass „facial quality“ versprach. Das Versprechen wurde gehalten, aber das Coconuss-Aroma ist schon sehr speziell. Man hätte eben auch das Kleingedruckte lesen sollen „con fresco aroma“.
Bei allerbestem Sonntagmorgenwetter haben wir dann den schönsten Strand unserer Reise, den Playa Las Viudas verlassen und uns auf den Weg nach Todos Santos gemacht. Diese Stadt hat eine wechselvolle Geschichte, die mit ihrer Gründung als Jesuitenmission 1723 begann. Da es Wasser und fruchtbaren Boden gab, entstand eine agrarische Wirtschaft, die in dem Intensivanbau von Zuckerrohr gipfelte, was zuletzt zum Absinken des Grundwassers führte und damit 1974 zum Aus der Zuckerindustrie. Aber dafür nahm ab den 1980er Jahren die Tourismusindustrie Fahrt auf und irgendjemand kam auf die Idee, dass das dortige Hotel California von den Eagels im gleichnamigen Song beschrieben wurde. Ob das nun stimmt oder ein genialer Marketinggag war ist völlig gleich, denn das Hotel ist eine Institution. Hübsch und prominent in der Ortsmitte gelegen, ist es nicht nur ein Hotel, sondern auch ein Restaurant, eine Bar und ein riesiger Souvenirladen.
In den Gassen rund um die Plaza gibt es allerlei Kunsthandwerk und Souvenirs zu kaufen. Mal schöner, mal touristischer, je nach Geschmack. Hübsch anzusehen ist auf alle Fälle der Majakalender.
So und dann ging es wieder auf die Straße, um nach La Paz zu fahren, auf den gleichen Campingplatz, wo wir schon auf unserer Tour nach Süden übernachtet haben. Patrick hat seinen Grill angeworfen, so konnten wir heute leckere Steaks und Salat essen. Und zum Nachtisch haben uns Veronique und Werner zum Eisessen eingeladen. Vielen Dank, dass war eine supernette Idee. Und wie so oft endet der Abend dann mit wirklich tollen Gesprächen über „ditt und datt“.
Eine Seefahrt, die ist lustig
Heute stand der zweite Tag in Cabo San Lucas auf dem Programm. Um 10.00 Uhr wurden wir mit einem Kleinbus abgeholt und zum Hafen gefahren. Eine Fahrt mit einem Glasbodenboot war geplant. Wir bestiegen eine Art Fischerboot für 15 Leute. In der Mitte waren zwei Guckkästen eingebaut, deren Böden verglast waren, um Fische im glasklaren Wasser zu betrachten. Der Bootsführer brachte uns bei leicht kabbelligem Wasser wie gestern wieder an die Felsen, die die Cortez-See vom Pazifik trennt.
Erster Programmpunkt: Jeder bekam ein wenig Toastbrot, um damit ein paar Fische anzulocken. Das gelang spielend und auch ein paar bunte Fische zeigten sich unter dem Glasboden. Aber in einer Gemeinschaft von Tieren spricht sich immer schnell herum, wenn es etwas zu fressen gibt und so dauerte es nicht lange, dass sich auch Möwen auf die Brotstückchen stürzten. Dann ging es weiter an den Felsen entlang und wir kamen am Strand der Liebenden vorbei. An diesem Strand, der auf die Cortez-See hinaus geht, kann man sich ausladen lassen, um dort zu schwimmen, oder aber man kann bequem durch die Felsen auf den gegenüberliegenden Strand der Geschiedenen laufen, der auf den Pazifik hinaus zeigt. Hier sollte man auf keinen Fall ins Wasser gehen, denn es gibt gefährliche Strömungen und einen ziemlichen Wellengang. Wir verzichteten auf den kleinen Landgang und fuhren weiter zu einem Punkt, an dem man durch die Felsen vom Boot aus von der Cortez-See auf den Pazifik sehen kann. Ein wenig weiter lümmeln ein paar übel riechende Seelöwen auf einem Felsen und machen ganz schön Krach. Man ist übrigens an all diesen Spots nicht allein. Immer drängeln sich mehrere Boote, um die geschilderten Attraktionen für die jeweiligen Gäste erfahrbar zu machen. Und dann sind inmitten dieses Verkehrs noch ein paar Schiffe mit Tauchern unterwegs, die an den Felsen das Meer von unten erkunden. Unser Bootsführer fuhr nun in den Pazifik und hier schaukelte das Boot schon ziemlich heftig. Man hat einen schönen Blick auf den Strand der Geschiedenen, ein paar dort liegende Hotels und auf ein paar im Hang gebaute Villen, die bestimmt einen großartigen Blick auf das offene Meer haben.
Zurück ging es wieder am Strand von Cabo San Lucas entlang. Wir bewunderten die vielen Hotels am Strand. Einige sind ganz hübsch als Residenzen mit Hotelbetrieb. Am Strand selbst gibt es viele Strandrestaurants, von denen einige solch Lustbarkeiten anbieten, dass man Tequilla „satt“ eingeflößt bekommt. Außerdem haben wir jede Menge Vermieter von Jetskis und Anbieter von Parasailing hinter einem Boot gesehen. Unser Guide war sehr stolz auf seine Stadt und gab uns noch eine kleine Führung durch die Marina von Cabo San Lucas. Und in der Tat, neben einigen Ausflugsbotten und Schiffen für das Hochseeangeln lag auch die ein oder andere ansehnliche Jacht im Hafen. Überhaupt ist der Hafen nett innerhalb der Stadt angelegt und erinnert durch die umgebenden Häuser und Restaurants ein bisschen an Marbella.
Wir hatten nun noch Gelegenheit, Cabo San Lucas selbst zu erkunden. Es gibt unendlich viele Bars und Restaurants und überall wird man angesprochen, ob man nicht essen, etwas kaufen oder aber eine Bootstour machen möchte. Ein einfaches „No Gracias“ aber reicht und man wird nicht weiter verfolgt. Aber irgendeine Sache, die man wirklich hätte haben wollen, haben wir nicht gefunden.
Also ging es zurück zur Playa Las Viudas. Ein echter Geheimtipp. Ein kleiner öffentlicher Strand, schön gelegen zwischen Felsen, neu angelegt mit Außenduschen und Holzstegen durch den Sand. Sauber und gepflegt. Die Brandung war heute nicht schlecht und es war ein wenig mühsam, wieder aus dem Wasser zu kommen, da es schnell sehr tief wird und an der Brechungskante die Unterströmung ganz schöne Kräfte entwickelt. Aber dafür schwimmt man mit Pelikanen, wo geht das schon?
Und dann verlässt uns heute Anton, einer der zwei Guides. Wir wünschen ihm gute Heimreise und es waren tolle zwei Wochen mit Dir. Danke dafür.
Cabo San Lucas
Heute ging es relativ früh los. Noch in Los Barriles standen plötzlich magere Kühe auf der Straße, so dass wir nicht sicher waren, ob wir uns in Mexiko oder Indien befanden. Aber unser erster Punkt heute sollte der Tropico de Cancer, der Wendekreis des Krebses sein. Hier steht am 21. Juni die Sonne senkrecht am Himmel und alles südlich dieses Punktes befindet sich geografisch in der Tropenregion unseres Planeten. Der Wendekreis des Krebses ist auch der Titel eines 1934 veröffentlichten Romans von Henry Miller, das im Stil von Tagebucheinträgen philosophische Überlegungen, Alltagssituationen und sexuelle Schilderungen enthält, weshalb das Buch lange Zeit in den USA nicht veröffentlicht werden durfte. Aber damit hatte die Skulptur zum geografischen Thema heute bestimmt nichts zu tun.
Unser nächster Stopp war in San José Deal Cabo. Angeblich das kleine Cabo San Lucas. Die Straße Mijares, die von der Plaza, am Restaurant Shooter´s entlang führt, ist eine einzige Tourist Trap. Man wird an jedem zweiten Laden angegekobert, ob man nicht etwas ansehen oder kaufen möchte. Wollten wir aber nicht. Wir haben ein paar Zigarrenläden besucht, aber die Preise waren eher touristisch. Eine Hermanos Upmann, die in Hamburg unter 10 Euro kostet, war hier nicht unter 25 Dollar zu bekommen. Nein danke. Sehr schön war ein Hinterhofcafé, das neu renoviert war und dort saß es sich sehr angenehm und kühl. Wir unterhielten uns mit der Besitzerin und ihrer Tochter, die im gleichen Hof eine Bäckerei betrieb.
Unser Ziel war heute der Playa Las Viudas. Ein öffentlicher Parkplatz, der zum gleichnamigen neu gestalteten Badestrand gehört und dort übernachten wir heute. Der Strand ist ein echter Geheimtipp. Nicht sehr groß und gepflegt, eingerahmt von Felsen links und rechts, auf denen Pelikane herum lümmeln, wenn sie nicht neben den Schwimmern im Sturzflug in das Wasser eintauchen, um einen Fisch zu fangen. Das sieht schon vom Strand abenteuerlich aus, wenn man aber im Wasser schwimmt und ein Pelikan im Abstand von 3 Metern neben einem tauchen geht, findet man das schon ein wenig schräg.
Viel Zeit hatten wir aber heute nicht, um das Strandleben zu genießen. Um 16.00 Uhr ging es in Cabo San Luca auf ein Schiff von Caborey, um an einer Dinner-Cruise teilzunehmen. Um 16.30 Uhr legte das Boot ab und den Gästen wurden auf dem Sonnendeck diverse Cocktails gereicht. Das Schiff verließ den Hafen und näherte sich den Felsen vor Cabo San Lucas, wo der der Golf von Mexiko und der Pazifik aufeinander treffen. Bei Sonnenuntergang ist das wunderschön. Außerdem spielte eine Band wirklich gute Klassiker aus der Jugend der meisten Besucher. Spätestens nach dem zweiten Cocktail war die Stimmung bei allen Gästen auf dem Schiff super.
So ging es bis zum Sonnenuntergang und dann wurde zum Dinner unter Deck gebeten. Das Essen war erstaunlich gut und der Service aufmerksam. Direkt nach dem Essen begann die Show. Mexikanische Folklore, ein mitreißendes Tango-Paar, ein Sänger mit Hundeblick und Schmelz in der Stimme, der das ein oder andere schwache Herz aus dem Takt brachte und ein engagiertes Performance-Künstler-Duo, das rhythmisches Geklacker auf die Bühne brachte. Die Show war wirklich sehr unterhaltsam und der ganze Abend gelungen, was aber auch an unser überaus heiteren Gruppe lag.
Surfboard oder Rollator
Heute ist unser zweiter Strandtag in Los Barriles. Was gibt es da zu tun? Rein alterstechnisch wäre da heute für uns Kite-Surfen oder Windsurfen angesagt gewesen. Hier gibt es wohl regelmäßig viel Wind, um diesem Hobby nachzugehen. Und im Januar/Februar viele sportliche Greyheads, die schon in jüngeren Jahren gelernt haben müssen, sich elegant und schnittig auf dem Wasser zu bewegen. Wenn man am Strand steht und den ein oder anderen Könner auf seinem Brett bewundert, wie flott gewendet und gehalst wird, dann ist man doch manchmal überrascht, dass die wendige Dame oder der wendige Herr die 60 schon einige Tage hinter sich gelassen hat. Mit Werbung für Rollatoren braucht man denen nicht zu kommen. Wirklich beeindruckend.
Wir waren heute schwimmen, hingen ein bisschen am Meer herum, haben gelesen und sind ein wenig spazieren gegangen. Gegen Mittag gab es ein Briefing mit Waffeln und Kaffee. Die Waffeln hat Uli mit Unterstützung ihres Mannes Günter gebacken. Und sie waren superlecker. Danke dafür.
Vibeke hat mich heute mit interessantem Lesestoff versorgt. Zum einen mit der Gringo-Gazette und zum anderen mit den Angeboten eines örtlichen Immobilien-Maklers.
Wenn man den Strand von Los Barilles so betrachtet, gibt es noch Potential hinsichtlich einer touristischen Entwicklung. Ob das aber immer so ein Segen ist, sei dahingestellt. Denn am Strand geht es mit den Kite-Surfern ziemlich lässig zu, der Strand ist breit und nicht verbaut und die Strandbars verdienen auch diesen Namen. Auch die ATV-Fahrer gehen einem nicht auf die Nerven, weil sich ihre Anzahl noch in Grenzen hält. Los Barriles ist also eher ein ruhiger Ort. Die Immobilienpreise scheinen aber eher auf künftiges Wachstum ausgerichtet zu sein. Neben einigen Wohnungen in bewachten Resorts werden auch hübsche Villen zu Preisen von 399.000 USDollar bis zu 1,5 Millionen Dollar angeboten. Grundstücke sind dagegen vergleichsweise günstig zu erwerben. Allerdings glaube ich, dass es ganz schöne Nerven kostet, bis auf dem Lot dann eines Tages auch ein Haus steht. Man kann nach Cabo San Luca oder La Paz fliegen und dann hat man noch jeweils gute zwei Stunden mit dem Auto. Ich hebe den Prospekt mal auf, falls Interesse besteht.
Aber noch interessanter war die Gringo-Gazette (www.gingogazette.com). Gringo ist ja die etwas abschätzige Bezeichnung für Amerikaner in Mexiko. Aber es schein genügend von ihnen hier zu geben, dass sich ein Anzeigenblättchen lohnt. Neben so wichtigen Themen, wo man in Cabo recyceln kann und wie die Situation bezüglich der Wasserversorgung ist, werden im hinteren Teil der Zeitung die interessanten Themen abgehandelt: wie hoch ist die Grundsteuer in Mexiko, welche Events gibt es im Februar, wie bereitet man das mexikanische Gericht Tamales zu und ganz wichtig: Wer war der „Fish Killer of the week“? Die Antwort auf den Angelteil kann ich beantworten: es war der Rentner Larry Friesen, ein Feuerwehrmann aus British Columbia. Die Zubereitung von Tamales lest besser im Internet nach und bei den Steuern kann man diverse Nachlässe bekommen, je nachdem wie alt man ist und ob man seine Steuern auf einen Schlag bezahlen möchte.
Alles in allem, es war ein interessanter und entspannter Tag.
Strand in Los Barriles
Heute fahren wir nirgendwohin. Nachdem es gestern windstill war, kam heute eine frische Brise auf und sogleich spülte es einige Kitesurfer an den Strand. Begeisterte Schwimmer wie Joop, Véronique und ich mussten dann schon ein bisschen aufpassen, damit wir den pfeilschnellen Surfern nicht in die Quere kamen. Neben einigen wenigen jungen Wasserkünstlern gab es jede Menge ältere Beach-Bumbs und Strand-Queens, die elegant über die Meeresoberfläche sausten. Und man ist hier nicht am Ende der Welt, auch wenn man das aufgrund des leeren Strandes annehmen könnte. Einige Surfer benutzten Foils, andere das klassische Brett. Und einen einsamen Windsurfer gab es auch. Am Strand gab es natürlich wie immer Spaziergänger, aber da viele Gäste hier aus den USA und Kanada kommen, konnte man natürlich den Hund am Stand mit dem ATV ausführen. Soll er sich doch mal ein bisschen anstrengen der Hund.
Überhaupt kann man auch auf einem Platz wie diesem, auf dem viele lange über Winter stehen, seine Beobachtungen machen. Ein Paar aus Norddeutschland erzählte, dass es vier Wochen hier sei und man ansonsten jedes Jahr ein paar Monate in den USA sei und das Wohnmobil ansonsten über den Sommer in Californien stehen lasse. Die ganze Zeit überlegte ich, was an den beiden besonders sei. Und dann erzählten sie uns, wo man überall sparen kann und dass sie ihre Kleidung nur und ausschließlich im Thrift-Store kauften. Shorts für 3 Dollar. Nachhaltigkeit ist gut, aber auch im Thrift-Store gibt es, nehme ich an, Spiegel.
Neben unserer Gruppe stehen drei Off-Road Wohnmobile, die nun teilweise auf dem Weg nach Südamerika sind.
Dann gibt es eine Reisegruppe aus Kanada, die mit großen Class-A-Wohnmobilen und Fifth-Wheelern unterwegs sind. Auch das finde ich bei den schlechten Straßenverhältnissen bemerkenswert. Der Campground Playa Norte RV Park ist großzügig angelegt und man hat viel Platz. Die Versorgungseinheiten sind einfach, aber super gepflegt. Und es gibt eine Strandkneipe, wo von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr Happy Hour ist. Was will man mehr?
Los Barriles
Aus irgendeinem Grund sind Martin und ich immer die letzten, die morgens aufbrechen. Bis wir gefrühstückt, Zeitung gelesen und uns angezogen haben, dauert es einfach. Aber dann mit viel Schwung sind wir erst einmal einkaufen gegangen, denn die nächsten drei Nächte stehen wir in Los Barriles am Meer und da sind die Möglichkeiten, den Kühlschrank zu füllen eher gering. Also bin ich in den Supermarkt gegangen, was ich im Ausland überaus gerne mache, um dort das Angebot ausgiebig zu studieren. Martin hingegen findet fast immer über das Wohnmobil Gesprächspartner auf dem Parkplatz. So auch heute, als er auf einen Deutschen traf, der vor Jahrzehnten in die USA ausgewandert war und inzwischen in der Umgebung von La Paz lebt.
Auf unserem Weg nach Los Barriles haben wir einen kleinen Stopp in El Trufino eingelegt. Die Silber- und Goldminen dort wurden schon 1926 geschlossen, aber in jüngerer Zeit hat man einen Weg gefunden, die bunten und zum Teil restaurierten Häuser zum interessanten Touristenziel zu machen. Bei manchen Häusern hat man ein schnelles Make-up gewählt und nur die Fassaden bunt gestrichen, was fotogen, aber hinsichtlich einer Renovierung nicht nachhaltig ist. Hübsch anzuschauen ist es aber allemal. Besonders gut gefallen hat uns das Caffé El Triunfo. Hier ist es aufgrund des guten Wetters möglich, Innenbereichen und Außenbereiche ineinander übergehen zu lassen, was auch hier in diesem Café für reizvolle Sitzgelegenheiten sorgte. Ziegel, Holz, alte Möbel, Metall und Nischendekorationen sorgten für eine tolle Atmosphäre. Da versteht es sich von selbst, dass der Cappuccino etwas mehr kosten darf, als anderswo auf der Baja. Als Besonderheit wird hier ein Holzofenbrot verkauft, das hilft, den Entzug vom deutschen Bäcker, zu lindern. Dann haben wir hier noch Eva und Josef auf einen netten Plausch getroffen, bevor wir uns auf die Weiterfahrt nach Los Barriles gemacht haben.
Hier stehen wir nun auf einem Campingplatz, der direkt an den langen feinsandigen Strand grenzt. Es war heute bewölkt, aber warm und ein wenig drückend. Da verstand es sich von selbst, im Meer zu schwimmen. Klares Wasser, angenehme Temperaturen, Fische, die um einen herum aus dem Wasser springen, wir möchten niemanden neidisch machen, aber so kann es einem am 6. Februar auch gehen.
Und spätestens nachdem Patrick und Anton für unsere Reisegruppe heute Abend das Abendessen ausgerichtet haben, hat sich eine wunderbare entspannte Ferienstimmung eingestellt. Es gab Guacamole mit Tortilla-Chips, eingelegtes gegrilltes Rindfleisch, Huhn und Steaks, Brot und zweierlei Salate. Dazu Rotwein, Weißwein und Bier. Es hat wunderbar geschmeckt und wir wurden nicht nur bekocht, sondern auch noch bedient. Dafür lieber Patrick und lieber Anton möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Das Wetter war den ganzen Abend angenehm warm und windstill und die Gespräche waren lustig und unterhaltsam. Ein ganz besonderer Sommerabend mitten im Februar.
La Paz
Der Tag begann mit einem gemeinsamen Ausflug nach La Paz. Der Bus hielt direkt vor dem Campground und für 10 Pesos (ca. 60 Cent) fuhren wir eine knappe halbe Stunde in die Innenstadt von La Paz. Unser erstes Ziel war der Mercado Bravo. Ein Gemüse-, Obst-, Fisch- und Fleischmarkt. Alles frisch, alles lecker. Beim Obststand entschieden wir uns für einen Smoothie mit dem Namen „Gringa“, was ja so ein wenig abschätzig „Amerikanerin“ bedeutet. Er bestand aus Ananas, Banane, Organge, Papaya und Honig. Lecker. Ein netter junger Mexikaner, der recht gut englisch sprach, erzählte uns stolz über La Paz, das sei die drittsicherste Stadt in Mexiko. Man habe vor ein paar Jahren ein paar Probleme mit der Sicherheit gehabt, aber das sei nun überwunden. Er wünschte uns noch eine gute Reise in Mexiko und verschwand.
Wir zogen mit unserer Gruppe weiter entlang mehrerer Gassen und Plätze Richtung Meer, Richtung Malecon. Dabei kamen wir an einem Geschäft vorbei, das nur Tortillas verkaufte, aus Mehl oder aus Mais. Diese werden dann zu Hause wie gewünscht gefüllt. In einem anderen Markt gab es neben Lebensmitteln auch Hüte aller Art, wie zum Beispiel bunt bestickte Sombreros, aber auch schlichte Cowboyhüte zu kaufen. Und es gab Schuhe. Ich aber habe in Erinnerung der Misswahl in Lopez Mateos ein glitzerndes Krönchen gekauft. Und ja ich bin keine fünf mehr, aber an meiner Bürowand der Merkwürdigkeiten aus aller Welt wird dieses Krönchen einen besonderen Platz bekommen.
Auf der Plaza Constitutión saßen an zwei Plätzen mehrere Frauen zusammen, die ihre selbstgestrickt es Jacken, Pullover, Mützen und Schals verkauften. Sehr schön, nicht teuer, aber wir als Hamburger brauchen bei 25 Grad Celsius keinen Pullover, eher ein T-Shirt.
Am Malecon, der schön gestalteten Promenade am Meer spazierten wir noch ein paar Minuten, bis sich die Gruppe trennte und jeder La Paz auf eigene Faust genauer erkundete. Martin und ich hatten ein wenig Hunger und wir fanden ein nettes Lokal, das unter einem Strohdach gegrillte Hähnchen mit allerlei Beilagen wie Salat, Gemüse, Pommes Frites, Kartoffelbrei oder Reis servierte. Der Ober erkundete sich danach, ob wir Amerikaner wären. Als wir ihm erklärten, dass wir aus Hamburg seien, überschlug er sich vor Freundlichkeit.
La Paz ist eine nette und geschäftige Stadt. Patrick erzählte uns, dass hier mehr als überall in Mexiko verdient wird, nämlich 28 Dollar am Tag.
Mit diesen Eindrücken von La Paz sind wir dann mit dem Taxi zurück zu unserem Wohnmobil gefahren, teuerer als der Bus, aber mit 180 Pesos für uns immer noch ein Schnapper. Der Zusammenhang von Verdienst, Preisen und Zufriedenheit hier im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz war dann auch ein ergiebiges Gesprächsthema in der Reisegruppe.
Die Misswahl der Miss Wal
Ich muss mich bezüglich der Feiergewohnheiten der Mexikaner korrigieren. Gestern war ja das 25igste jährlich stattfindende Fest zu Ehren des Grauwales, der sich auch in den Gewässern vor Lopez Mateos wohl fühlt und dort seine Jungen zur Welt bringt und soweit aufzieht, dass er ab Mitte April mit der Familie wieder nach Alaska schwimmen kann. Um 19.00 Uhr hatten wir uns ins „Getümmel“ gestürzt, was noch gar keines war. Wir schlenderten über den Platz, wo es allerlei Spielbuden gab, die angenehm altmodisch daherkamen. Da gab es einen Platz, an dem man mit sechs Murmeln in ein Löcherfeld treffen musste. Jedes Loch stand für eine bestimmte Punktzahl. Man durfte so lange probieren, bis alle sechs Murmeln versenkt waren. Das fand ich ziemlich fair. Und meine Geduld wurde mit einem gepunkteten rosa Sparschwein belohnt. Interessant fand ich auch einen Schießstand und die Becken, aus denen man Enten angeln konnte. Außerdem gab es verschiedene Fahrgeschäfte und Karussell für kleine Kinder, eine Vorrichtung für den simulierten Ritt auf einem Stier und ein relativ modernes Fahrgeschäft, das mit richtig lauter Musik beschallt wurde und Halbwüchsige als Kunden anlockte.
Dann gab es noch eine große Bühne und auf deren Programm warteten wir nun. Das angebotene Tecate-Bier in Dosen war sehr billig (90 Cent) und so vertrieben wir uns die Zeit mit Warten, Bier trinken und netten Unterhaltungen mit einigen unserer Mitreisenden. Gegen 21.00 Uhr ging es los und so langsam füllte sich auch der Festplatz. Nun kamen auch die Einheimischen. Mit einer folkloristischen mexikanischen Tanzeinlagen ging es los. Dann kam eine recht talentfreie mexikanische Sängerin. Aber dafür war der Gesang megalaut. Es folgte eine weitere Tanzeinlage. Dann kam Carusos Enkel. Mittelalter, sehr fesch in roter Gaucho-Uniform. Schmacht. Interessant war, dass er nur auf Männer zuging, die dann zum Teil mit ihm sangen. Man hätte ja erwartet, dass die Damen aus dem Publikum, von denen einige auch nicht mehr ganz jung waren, ihm zumindest Kusshändchen zugeworfen hätten. Aber nein. Überhaupt war das sitzende Publikum merkwürdig steif. Es gab kaum Applaus und mitgetanzt hat auch keiner. Offenbar sitzen wir hier einem kulturellen Irrtum auf, dass Mexikaner bei einer solchen Veranstaltung wie die Derwische mitgehen. Aber dafür gab die nächste folkloristische Tanzgruppe alles. Laut und bunt. Überhaupt haben mir die wechselnden Kostüme sehr gut gefallen.
Und dann ein Höhepunkt: die Wahl der Miss Wal. Durch den Mittelgang zwischen den zwei mit bestuhlten Sitzblöcken wurde ein ca. 20 Meter langer roter Teppich ausgerollt. Und dann kamen sie: die Miss Wal des Jahres 2017 und die Aspirantinnen für das Jahr 2018. Alles junge und hübsche Mädchen. Wie vermutet gewann die hübscheste Aspirantin in einem seegrünen Taftkleid mit langer Schleppe den Wettbewerb. Die Krone wanderte Miss Wal 2017 zu Miss Wal 2018. Und dann stürmten sie, die mittelalterlichen Honoratioren, allesamt männlich, auf die Bühne, um die Mädchen mit Küsschen und Umarmungen zu beglückwünschen. Da waren der Bürgermeister, ein Abgesandter des Fischereiverbandes, jemand von der Regionalregierung und so fort. Es folgten ewig lange Reden und dann gab es ein Feuerwerk.
Und danach begann, was Dante wohl das Inferno genannt hätte. Immer lauter werdende Musik auf der Bühne mit hämmernden Bässen, die megalaute Musik des modernen Fahrgeschäfts und dazwischen die in Endlosschleife laufende Filmmusik aus „Der Clou“ vermischten sich zu einem Klangteppich, der den uns und allen Mitreisenden das Schlafen sehr schwer machten. Das ganze ging so bis 3.30 Uhr. Und gerade, als wir dachten, jetzt ist Ruhe, fing ein Sänger zu angenehmer Gitarrenmusik an, auf Spanisch zu singen. Darüber, ich schwöre, bin ich dann endlich eingeschlafen.
Entsprechend müde und lustlos sind wir dann heute zu unserem Etappenziel La Paz gestartet. Highlight auf der ansonsten eher reizarmen Straße MEX-1 war der Cappuccino-Laden in Ciudad Constitución. Sehr empfehlenswert.
Wir stehen nun in La Paz, das wir morgen erkunden werden. Heute waren wir einfach zu müde.
Walfest in Lopez Mateos
Vom Strand Playa Santispac sind wir heute morgen gemütlich die Bahia Conception weitergefahren. Dabei kommt man an einigen schönen Stränden vorbei, die man von der sich am Berg schlängelnden Straße gut beobachten kann. Strand in der ursprünglichen Form, mit ein paar Strandhütten und Wohnmobilen fast an der Wasserkante. An der Straße gab es noch das ein oder andere Café oder winziges Lebensmittelgeschäft. Das war es aber auch. Wer hier überwintert muss besonders die Sonne und das Meer lieben.
Beim Aussichtspunkt Mirador Frida hatten wir einen tollen Blick über das Meer und vorgelagerte kleine Inseln. Ein grandioser Ausblick. Wenn man hätte wollen, hätte man noch frische Kokosnuss kaufen können und dann war noch ein temporäres Zelt für eine Radelgruppe aufgebaut. Die haben wir dann später noch überholt. Der Antstieg in die Sierra de la Giganta war nicht ohne. Aber bei ambitionierten Fahrradfahrern offenbar beliebt, denn es kamen uns noch eine ganze Menge Rennradfahrer entgegen.
Dann kamen wir an Loreto vorbei. Kurz hinter diesem Städtchen sieht man einige gepflegte Golfresorts und wir haben gehört, dass man nach Loreto von den USA aus hinfliegen kann. Hier hat man dann schönes Wetter, das Meer und amerikanische Perfektion. Danach fährt man durch die kakteenbestandene Weite, mit einem grandiosen Himmel, bis man nach Lopez Mateos abbiegt, unser heutiges Ziel.
Ein kleiner Fischerort auf der Pazifikküste, wo heute das jährliche Walfest gefeiert wird. Unsere Gruppe hatte am Nachmittag eine Waltour gebucht. Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir über das Wasser und sahen auch ein paar Wale. Nicht zu vergleichen mit der Waltour in der Laguna Ojo de Liebre, aber auf seine Weise auch sehr hübsch. Da das Walfest stattfindet, waren wir nicht allein, weder auf dem Wasser noch an Land.
Hier am Anleger ist ein kunterbunter Budenzauber aufgebaut mit Spielbuden, Bierbuden und Taccobuden. Inmitten allem thront eine Bühne und der Parkplatz, auf dem wir heute Nacht stehen, füllt sich langsam. Bin mal gespannt, wann das Fest richtig anfängt. Es ist jetzt 19.00 Uhr und noch geht es für mexikanische Verhältnisse leise zu. Die Größe ist vergleichbar mit dem Kronacher Schützenfest und jetzt werden wir uns ins Getümmel stürzen.