Cabo San Lucas

Heute ging es relativ früh los. Noch in Los Barriles standen plötzlich magere Kühe auf der Straße, so dass wir nicht sicher waren, ob wir uns in Mexiko oder Indien befanden. Aber unser erster Punkt heute sollte der Tropico de Cancer, der Wendekreis des Krebses sein. Hier steht am 21. Juni die Sonne senkrecht am Himmel und alles südlich dieses Punktes befindet sich geografisch in der Tropenregion unseres Planeten. Der Wendekreis des Krebses ist auch der Titel eines 1934 veröffentlichten Romans von Henry Miller, das im Stil von Tagebucheinträgen philosophische Überlegungen, Alltagssituationen und sexuelle Schilderungen enthält, weshalb das Buch lange Zeit in den USA nicht veröffentlicht werden durfte. Aber damit hatte die Skulptur zum geografischen Thema heute bestimmt nichts zu tun.

Unser nächster Stopp war in San José Deal Cabo. Angeblich das kleine Cabo San Lucas. Die Straße Mijares, die von der Plaza, am Restaurant Shooter´s entlang führt, ist eine einzige Tourist Trap. Man wird an jedem zweiten Laden angegekobert, ob man nicht etwas ansehen oder kaufen möchte. Wollten wir aber nicht. Wir haben ein paar Zigarrenläden besucht, aber die Preise waren eher touristisch. Eine Hermanos Upmann, die in Hamburg unter 10 Euro kostet, war hier nicht unter 25 Dollar zu bekommen. Nein danke. Sehr schön war ein Hinterhofcafé, das neu renoviert war und dort saß es sich sehr angenehm und kühl. Wir unterhielten uns mit der Besitzerin und ihrer Tochter, die im gleichen Hof eine Bäckerei betrieb.
Unser Ziel war heute der Playa Las Viudas. Ein öffentlicher Parkplatz, der zum gleichnamigen neu gestalteten Badestrand gehört und dort übernachten wir heute. Der Strand ist ein echter Geheimtipp. Nicht sehr groß und gepflegt, eingerahmt von Felsen links und rechts, auf denen Pelikane herum lümmeln, wenn sie nicht neben den Schwimmern im Sturzflug in das Wasser eintauchen, um einen Fisch zu fangen. Das sieht schon vom Strand abenteuerlich aus, wenn man aber im Wasser schwimmt und ein Pelikan im Abstand von 3 Metern neben einem tauchen geht, findet man das schon ein wenig schräg.
Viel Zeit hatten wir aber heute nicht, um das Strandleben zu genießen. Um 16.00 Uhr ging es in Cabo San Luca auf ein Schiff von Caborey, um an einer Dinner-Cruise teilzunehmen. Um 16.30 Uhr legte das Boot ab und den Gästen wurden auf dem Sonnendeck diverse Cocktails gereicht. Das Schiff verließ den Hafen und näherte sich den Felsen vor Cabo San Lucas, wo der der Golf von Mexiko und der Pazifik aufeinander treffen. Bei Sonnenuntergang ist das wunderschön. Außerdem spielte eine Band wirklich gute Klassiker aus der Jugend der meisten Besucher. Spätestens nach dem zweiten Cocktail war die Stimmung bei allen Gästen auf dem Schiff super.
So ging es bis zum Sonnenuntergang und dann wurde zum Dinner unter Deck gebeten. Das Essen war erstaunlich gut und der Service aufmerksam. Direkt nach dem Essen begann die Show. Mexikanische Folklore, ein mitreißendes Tango-Paar, ein Sänger mit Hundeblick und Schmelz in der Stimme, der das ein oder andere schwache Herz aus dem Takt brachte und ein engagiertes Performance-Künstler-Duo, das rhythmisches Geklacker auf die Bühne brachte. Die Show war wirklich sehr unterhaltsam und der ganze Abend gelungen, was aber auch an unser überaus heiteren Gruppe lag.

Surfboard oder Rollator

Heute ist unser zweiter Strandtag in Los Barriles. Was gibt es da zu tun? Rein alterstechnisch wäre da heute für uns Kite-Surfen oder Windsurfen angesagt gewesen. Hier gibt es wohl regelmäßig viel Wind, um diesem Hobby nachzugehen. Und im Januar/Februar viele sportliche Greyheads, die schon in jüngeren Jahren gelernt haben müssen, sich elegant und schnittig auf dem Wasser zu bewegen. Wenn man am Strand steht und den ein oder anderen Könner auf seinem Brett bewundert, wie flott gewendet und gehalst wird, dann ist man doch manchmal überrascht, dass die wendige Dame oder der wendige Herr die 60 schon einige Tage hinter sich gelassen hat. Mit Werbung für Rollatoren braucht man denen nicht zu kommen. Wirklich beeindruckend.

Wir waren heute schwimmen, hingen ein bisschen am Meer herum, haben gelesen und sind ein wenig spazieren gegangen. Gegen Mittag gab es ein Briefing mit Waffeln und Kaffee. Die Waffeln hat Uli mit Unterstützung ihres Mannes Günter gebacken. Und sie waren superlecker. Danke dafür.
Vibeke hat mich heute mit interessantem Lesestoff versorgt. Zum einen mit der Gringo-Gazette und zum anderen mit den Angeboten eines örtlichen Immobilien-Maklers.
Wenn man den Strand von Los Barilles so betrachtet, gibt es noch Potential hinsichtlich einer touristischen Entwicklung. Ob das aber immer so ein Segen ist, sei dahingestellt. Denn am Strand geht es mit den Kite-Surfern ziemlich lässig zu, der Strand ist breit und nicht verbaut und die Strandbars verdienen auch diesen Namen. Auch die ATV-Fahrer gehen einem nicht auf die Nerven, weil sich ihre Anzahl noch in Grenzen hält. Los Barriles ist also eher ein ruhiger Ort. Die Immobilienpreise scheinen aber eher auf künftiges Wachstum ausgerichtet zu sein. Neben einigen Wohnungen in bewachten Resorts werden auch hübsche Villen zu Preisen von 399.000 USDollar bis zu 1,5 Millionen Dollar angeboten. Grundstücke sind dagegen vergleichsweise günstig zu erwerben. Allerdings glaube ich, dass es ganz schöne Nerven kostet, bis auf dem Lot dann eines Tages auch ein Haus steht. Man kann nach Cabo San Luca oder La Paz fliegen und dann hat man noch jeweils gute zwei Stunden mit dem Auto. Ich hebe den Prospekt mal auf, falls Interesse besteht.

Aber noch interessanter war die Gringo-Gazette (www.gingogazette.com). Gringo ist ja die etwas abschätzige Bezeichnung für Amerikaner in Mexiko. Aber es schein genügend von ihnen hier zu geben, dass sich ein Anzeigenblättchen lohnt. Neben so wichtigen Themen, wo man in Cabo recyceln kann und wie die Situation bezüglich der Wasserversorgung ist, werden im hinteren Teil der Zeitung die interessanten Themen abgehandelt: wie hoch ist die Grundsteuer in Mexiko, welche Events gibt es im Februar, wie bereitet man das mexikanische Gericht Tamales zu und ganz wichtig: Wer war der „Fish Killer of the week“? Die Antwort auf den Angelteil kann ich beantworten: es war der Rentner Larry Friesen, ein Feuerwehrmann aus British Columbia. Die Zubereitung von Tamales lest besser im Internet nach und bei den Steuern kann man diverse Nachlässe bekommen, je nachdem wie alt man ist und ob man seine Steuern auf einen Schlag bezahlen möchte.
Alles in allem, es war ein interessanter und entspannter Tag.

Strand in Los Barriles

Heute fahren wir nirgendwohin. Nachdem es gestern windstill war, kam heute eine frische Brise auf und sogleich spülte es einige Kitesurfer an den Strand. Begeisterte Schwimmer wie Joop, Véronique und ich mussten dann schon ein bisschen aufpassen, damit wir den pfeilschnellen Surfern nicht in die Quere kamen. Neben einigen wenigen jungen Wasserkünstlern gab es jede Menge ältere Beach-Bumbs und Strand-Queens, die elegant über die Meeresoberfläche sausten. Und man ist hier nicht am Ende der Welt, auch wenn man das aufgrund des leeren Strandes annehmen könnte. Einige Surfer benutzten Foils, andere das klassische Brett. Und einen einsamen Windsurfer gab es auch. Am Strand gab es natürlich wie immer Spaziergänger, aber da viele Gäste hier aus den USA und Kanada kommen, konnte man natürlich den Hund am Stand mit dem ATV ausführen. Soll er sich doch mal ein bisschen anstrengen der Hund.
Überhaupt kann man auch auf einem Platz wie diesem, auf dem viele lange über Winter stehen, seine Beobachtungen machen. Ein Paar aus Norddeutschland erzählte, dass es vier Wochen hier sei und man ansonsten jedes Jahr ein paar Monate in den USA sei und das Wohnmobil ansonsten über den Sommer in Californien stehen lasse. Die ganze Zeit überlegte ich, was an den beiden besonders sei. Und dann erzählten sie uns, wo man überall sparen kann und dass sie ihre Kleidung nur und ausschließlich im Thrift-Store kauften. Shorts für 3 Dollar. Nachhaltigkeit ist gut, aber auch im Thrift-Store gibt es, nehme ich an, Spiegel.
Neben unserer Gruppe stehen drei Off-Road Wohnmobile, die nun teilweise auf dem Weg nach Südamerika sind.
Dann gibt es eine Reisegruppe aus Kanada, die mit großen Class-A-Wohnmobilen und Fifth-Wheelern unterwegs sind. Auch das finde ich bei den schlechten Straßenverhältnissen bemerkenswert. Der Campground Playa Norte RV Park ist großzügig angelegt und man hat viel Platz. Die Versorgungseinheiten sind einfach, aber super gepflegt. Und es gibt eine Strandkneipe, wo von 13.00 Uhr bis 17.00 Uhr Happy Hour ist. Was will man mehr?

Los Barriles

Aus irgendeinem Grund sind Martin und ich immer die letzten, die morgens aufbrechen. Bis wir gefrühstückt, Zeitung gelesen und uns angezogen haben, dauert es einfach. Aber dann mit viel Schwung sind wir erst einmal einkaufen gegangen, denn die nächsten drei Nächte stehen wir in Los Barriles am Meer und da sind die Möglichkeiten, den Kühlschrank zu füllen eher gering. Also bin ich in den Supermarkt gegangen, was ich im Ausland überaus gerne mache, um dort das Angebot ausgiebig zu studieren. Martin hingegen findet fast immer über das Wohnmobil Gesprächspartner auf dem Parkplatz. So auch heute, als er auf einen Deutschen traf, der vor Jahrzehnten in die USA ausgewandert war und inzwischen in der Umgebung von La Paz lebt.
Auf unserem Weg nach Los Barriles haben wir einen kleinen Stopp in El Trufino eingelegt. Die Silber- und Goldminen dort wurden schon 1926 geschlossen, aber in jüngerer Zeit hat man einen Weg gefunden, die bunten und zum Teil restaurierten Häuser zum interessanten Touristenziel zu machen. Bei manchen Häusern hat man ein schnelles Make-up gewählt und nur die Fassaden bunt gestrichen, was fotogen, aber hinsichtlich einer Renovierung nicht nachhaltig ist. Hübsch anzuschauen ist es aber allemal. Besonders gut gefallen hat uns das Caffé El Triunfo. Hier ist es aufgrund des guten Wetters möglich, Innenbereichen und Außenbereiche ineinander übergehen zu lassen, was auch hier in diesem Café für reizvolle Sitzgelegenheiten sorgte. Ziegel, Holz, alte Möbel, Metall und Nischendekorationen sorgten für eine tolle Atmosphäre. Da versteht es sich von selbst, dass der Cappuccino etwas mehr kosten darf, als anderswo auf der Baja. Als Besonderheit wird hier ein Holzofenbrot verkauft, das hilft, den Entzug vom deutschen Bäcker, zu lindern. Dann haben wir hier noch Eva und Josef auf einen netten Plausch getroffen, bevor wir uns auf die Weiterfahrt nach Los Barriles gemacht haben.
Hier stehen wir nun auf einem Campingplatz, der direkt an den langen feinsandigen Strand grenzt. Es war heute bewölkt, aber warm und ein wenig drückend. Da verstand es sich von selbst, im Meer zu schwimmen. Klares Wasser, angenehme Temperaturen, Fische, die um einen herum aus dem Wasser springen, wir möchten niemanden neidisch machen, aber so kann es einem am 6. Februar auch gehen.
Und spätestens nachdem Patrick und Anton für unsere Reisegruppe heute Abend das Abendessen ausgerichtet haben, hat sich eine wunderbare entspannte Ferienstimmung eingestellt. Es gab Guacamole mit Tortilla-Chips, eingelegtes gegrilltes Rindfleisch, Huhn und Steaks, Brot und zweierlei Salate. Dazu Rotwein, Weißwein und Bier. Es hat wunderbar geschmeckt und wir wurden nicht nur bekocht, sondern auch noch bedient. Dafür lieber Patrick und lieber Anton möchten wir uns ganz herzlich bedanken. Das Wetter war den ganzen Abend angenehm warm und windstill und die Gespräche waren lustig und unterhaltsam. Ein ganz besonderer Sommerabend mitten im Februar.

La Paz

Der Tag begann mit einem gemeinsamen Ausflug nach La Paz. Der Bus hielt direkt vor dem Campground und für 10 Pesos (ca. 60 Cent) fuhren wir eine knappe halbe Stunde in die Innenstadt von La Paz. Unser erstes Ziel war der Mercado Bravo. Ein Gemüse-, Obst-, Fisch- und Fleischmarkt. Alles frisch, alles lecker. Beim Obststand entschieden wir uns für einen Smoothie mit dem Namen „Gringa“, was ja so ein wenig abschätzig „Amerikanerin“ bedeutet. Er bestand aus Ananas, Banane, Organge, Papaya und Honig. Lecker. Ein netter junger Mexikaner, der recht gut englisch sprach, erzählte uns stolz über La Paz, das sei die drittsicherste Stadt in Mexiko. Man habe vor ein paar Jahren ein paar Probleme mit der Sicherheit gehabt, aber das sei nun überwunden. Er wünschte uns noch eine gute Reise in Mexiko und verschwand.
Wir zogen mit unserer Gruppe weiter entlang mehrerer Gassen und Plätze Richtung Meer, Richtung Malecon. Dabei kamen wir an einem Geschäft vorbei, das nur Tortillas verkaufte, aus Mehl oder aus Mais. Diese werden dann zu Hause wie gewünscht gefüllt. In einem anderen Markt gab es neben Lebensmitteln auch Hüte aller Art, wie zum Beispiel bunt bestickte Sombreros, aber auch schlichte Cowboyhüte zu kaufen. Und es gab Schuhe. Ich aber habe in Erinnerung der Misswahl in Lopez Mateos ein glitzerndes Krönchen gekauft. Und ja ich bin keine fünf mehr, aber an meiner Bürowand der Merkwürdigkeiten aus aller Welt wird dieses Krönchen einen besonderen Platz bekommen.
Auf der Plaza Constitutión saßen an zwei Plätzen mehrere Frauen zusammen, die ihre selbstgestrickt es Jacken, Pullover, Mützen und Schals verkauften. Sehr schön, nicht teuer, aber wir als Hamburger brauchen bei 25 Grad Celsius keinen Pullover, eher ein T-Shirt.
Am Malecon, der schön gestalteten Promenade am Meer spazierten wir noch ein paar Minuten, bis sich die Gruppe trennte und jeder La Paz auf eigene Faust genauer erkundete. Martin und ich hatten ein wenig Hunger und wir fanden ein nettes Lokal, das unter einem Strohdach gegrillte Hähnchen mit allerlei Beilagen wie Salat, Gemüse, Pommes Frites, Kartoffelbrei oder Reis servierte. Der Ober erkundete sich danach, ob wir Amerikaner wären. Als wir ihm erklärten, dass wir aus Hamburg seien, überschlug er sich vor Freundlichkeit.
La Paz ist eine nette und geschäftige Stadt. Patrick erzählte uns, dass hier mehr als überall in Mexiko verdient wird, nämlich 28 Dollar am Tag.
Mit diesen Eindrücken von La Paz sind wir dann mit dem Taxi zurück zu unserem Wohnmobil gefahren, teuerer als der Bus, aber mit 180 Pesos für uns immer noch ein Schnapper. Der Zusammenhang von Verdienst, Preisen und Zufriedenheit hier im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz war dann auch ein ergiebiges Gesprächsthema in der Reisegruppe.

Die Misswahl der Miss Wal

Ich muss mich bezüglich der Feiergewohnheiten der Mexikaner korrigieren. Gestern war ja das 25igste jährlich stattfindende Fest zu Ehren des Grauwales, der sich auch in den Gewässern vor Lopez Mateos wohl fühlt und dort seine Jungen zur Welt bringt und soweit aufzieht, dass er ab Mitte April mit der Familie wieder nach Alaska schwimmen kann. Um 19.00 Uhr hatten wir uns ins „Getümmel“ gestürzt, was noch gar keines war. Wir schlenderten über den Platz, wo es allerlei Spielbuden gab, die angenehm altmodisch daherkamen. Da gab es einen Platz, an dem man mit sechs Murmeln in ein Löcherfeld treffen musste. Jedes Loch stand für eine bestimmte Punktzahl. Man durfte so lange probieren, bis alle sechs Murmeln versenkt waren. Das fand ich ziemlich fair. Und meine Geduld wurde mit einem gepunkteten rosa Sparschwein belohnt. Interessant fand ich auch einen Schießstand und die Becken, aus denen man Enten angeln konnte. Außerdem gab es verschiedene Fahrgeschäfte und Karussell für kleine Kinder, eine Vorrichtung für den simulierten Ritt auf einem Stier und ein relativ modernes Fahrgeschäft, das mit richtig lauter Musik beschallt wurde und Halbwüchsige als Kunden anlockte.
Dann gab es noch eine große Bühne und auf deren Programm warteten wir nun. Das angebotene Tecate-Bier in Dosen war sehr billig (90 Cent) und so vertrieben wir uns die Zeit mit Warten, Bier trinken und netten Unterhaltungen mit einigen unserer Mitreisenden. Gegen 21.00 Uhr ging es los und so langsam füllte sich auch der Festplatz. Nun kamen auch die Einheimischen. Mit einer folkloristischen mexikanischen Tanzeinlagen ging es los. Dann kam eine recht talentfreie mexikanische Sängerin. Aber dafür war der Gesang megalaut. Es folgte eine weitere Tanzeinlage. Dann kam Carusos Enkel. Mittelalter, sehr fesch in roter Gaucho-Uniform. Schmacht. Interessant war, dass er nur auf Männer zuging, die dann zum Teil mit ihm sangen. Man hätte ja erwartet, dass die Damen aus dem Publikum, von denen einige auch nicht mehr ganz jung waren, ihm zumindest Kusshändchen zugeworfen hätten. Aber nein. Überhaupt war das sitzende Publikum merkwürdig steif. Es gab kaum Applaus und mitgetanzt hat auch keiner. Offenbar sitzen wir hier einem kulturellen Irrtum auf, dass Mexikaner bei einer solchen Veranstaltung wie die Derwische mitgehen. Aber dafür gab die nächste folkloristische Tanzgruppe alles. Laut und bunt. Überhaupt haben mir die wechselnden Kostüme sehr gut gefallen.
Und dann ein Höhepunkt: die Wahl der Miss Wal. Durch den Mittelgang zwischen den zwei mit bestuhlten Sitzblöcken wurde ein ca. 20 Meter langer roter Teppich ausgerollt. Und dann kamen sie: die Miss Wal des Jahres 2017 und die Aspirantinnen für das Jahr 2018. Alles junge und hübsche Mädchen. Wie vermutet gewann die hübscheste Aspirantin in einem seegrünen Taftkleid mit langer Schleppe den Wettbewerb. Die Krone wanderte Miss Wal 2017 zu Miss Wal 2018. Und dann stürmten sie, die mittelalterlichen Honoratioren, allesamt männlich, auf die Bühne, um die Mädchen mit Küsschen und Umarmungen zu beglückwünschen. Da waren der Bürgermeister, ein Abgesandter des Fischereiverbandes, jemand von der Regionalregierung und so fort. Es folgten ewig lange Reden und dann gab es ein Feuerwerk.
Und danach begann, was Dante wohl das Inferno genannt hätte. Immer lauter werdende Musik auf der Bühne mit hämmernden Bässen, die megalaute Musik des modernen Fahrgeschäfts und dazwischen die in Endlosschleife laufende Filmmusik aus „Der Clou“ vermischten sich zu einem Klangteppich, der den uns und allen Mitreisenden das Schlafen sehr schwer machten. Das ganze ging so bis 3.30 Uhr. Und gerade, als wir dachten, jetzt ist Ruhe, fing ein Sänger zu angenehmer Gitarrenmusik an, auf Spanisch zu singen. Darüber, ich schwöre, bin ich dann endlich eingeschlafen.
Entsprechend müde und lustlos sind wir dann heute zu unserem Etappenziel La Paz gestartet. Highlight auf der ansonsten eher reizarmen Straße MEX-1 war der Cappuccino-Laden in Ciudad Constitución. Sehr empfehlenswert.
Wir stehen nun in La Paz, das wir morgen erkunden werden. Heute waren wir einfach zu müde.

Walfest in Lopez Mateos

Vom Strand Playa Santispac sind wir heute morgen gemütlich die Bahia Conception weitergefahren. Dabei kommt man an einigen schönen Stränden vorbei, die man von der sich am Berg schlängelnden Straße gut beobachten kann. Strand in der ursprünglichen Form, mit ein paar Strandhütten und Wohnmobilen fast an der Wasserkante. An der Straße gab es noch das ein oder andere Café oder winziges Lebensmittelgeschäft. Das war es aber auch. Wer hier überwintert muss besonders die Sonne und das Meer lieben.

Beim Aussichtspunkt Mirador Frida hatten wir einen tollen Blick über das Meer und vorgelagerte kleine Inseln. Ein grandioser Ausblick. Wenn man hätte wollen, hätte man noch frische Kokosnuss kaufen können und dann war noch ein temporäres Zelt für eine Radelgruppe aufgebaut. Die haben wir dann später noch überholt. Der Antstieg in die Sierra de la Giganta war nicht ohne. Aber bei ambitionierten Fahrradfahrern offenbar beliebt, denn es kamen uns noch eine ganze Menge Rennradfahrer entgegen.

Dann kamen wir an Loreto vorbei. Kurz hinter diesem Städtchen sieht man einige gepflegte Golfresorts und wir haben gehört, dass man nach Loreto von den USA aus hinfliegen kann. Hier hat man dann schönes Wetter, das Meer und amerikanische Perfektion. Danach fährt man durch die kakteenbestandene Weite, mit einem grandiosen Himmel, bis man nach Lopez Mateos abbiegt, unser heutiges Ziel.

Ein kleiner Fischerort auf der Pazifikküste, wo heute das jährliche Walfest gefeiert wird. Unsere Gruppe hatte am Nachmittag eine Waltour gebucht. Bei schönstem Sonnenschein fuhren wir über das Wasser und sahen auch ein paar Wale. Nicht zu vergleichen mit der Waltour in der Laguna Ojo de Liebre, aber auf seine Weise auch sehr hübsch. Da das Walfest stattfindet, waren wir nicht allein, weder auf dem Wasser noch an Land.
Hier am Anleger ist ein kunterbunter Budenzauber aufgebaut mit Spielbuden, Bierbuden und Taccobuden. Inmitten allem thront eine Bühne und der Parkplatz, auf dem wir heute Nacht stehen, füllt sich langsam. Bin mal gespannt, wann das Fest richtig anfängt. Es ist jetzt 19.00 Uhr und noch geht es für mexikanische Verhältnisse leise zu. Die Größe ist vergleichbar mit dem Kronacher Schützenfest und jetzt werden wir uns ins Getümmel stürzen.

Strandleben

Heute morgen haben wir uns noch ein wenig mit einem Mitglied der anderen Reisegruppe, die mit Cross-Maschinen unterwegs waren, unterhalten. Sie stammten aus der Nähe von San Francisco und machten die Sandpisten abseits der MEX-1 unsicher. Leider hatten sich zwei Mitglieder ziemlich schwer verletzt und für einen der beiden endete der Urlaub im Krankenhaus. Oh je und gute Besserung.
Wir aber machten uns auf den Weg nach Santa Rosalia an der Cortez See. Die Cortez See ist der durch die Baja vom Pazifischen Ozean abgetrennte Meeresarm zwischen dem mexikanischen Festland und der Baja. Santa Rosalia ist eine alte und neue Industriestadt, die über einen Hafen verfügt und vom Kupferabbau lebt. Eine geschäftige Stadt, die vom Meer ins Landesinnere aufsteigt. Es gibt einige schöne alte und restaurierte herrschaftliche Gebäude, ein schönes Museum über die Minenarbeit, das nette Hotel Francés, wo wir versuchten, unseren Blog zu aktualisieren und die von Gustav Eiffel erbaute Kirche Iglesias Santa Barbara. Diese aus Stahlträgern und Blechen genietete Kirche wurde von Gustav Eiffel anlässlich der Weltausstellung 1889 in Paris gebaut und später hierher transportiert. Um die Mittagszeit haben wir einen kleinen Rundgang durch die Stadt unternommen, sind am Krankenhaus vorbei geschlendert und haben ein leckeres Eis gegessen. Dann mussten wir noch im Ley Supermarkt einkaufen. Es gibt hier alles, was man so braucht. Besonders gefällt mir, wie dünn geschnittenes Rindfleisch angeboten wird, das man für die Tacos braucht, aber aus dem sich auch sonst viele nette Dinge zaubern lassen. Auch die Gemüseabteilung ist umfassend bestückt. Das größte Angebot gibt es bei Tomaten, Avocados und Kartoffeln. Ich glaube, wir haben noch nie so viele Avocados gegessen wie auf dieser Reise. Eine Besonderheit gibt es beim Brot. Man nimmt sich ein rundes Blechtablett und eine Zange und bedient sich an den offen angebotenen Brötchen und Teilchen. Mit dem gefüllten Tablett geht man an eine Theke, wo die Ware verpackt und mit einem Preis ausgezeichnet wird. Dann kann man zur Kasse gehen.
Frisch mit Lebensmitteln ausgestattet, haben wir uns dann auf den Weg Richtung Playa Santispac gemacht. Dabei kommt man in Mulegé vorbei. Hier haben wir das schöne Stadttor und die deutsche Werbung für Zigarren fotografiert, auf die uns der aus seinem Laden eilende Verkäufer aufmerksam gemacht hat.
Wir stehen heute Nacht direkt an dem Strand Playa Santispac, einen der vielen Strände der Bahia Concepción. Diese geschützte Bucht im Golf von Kalifornien (Cortez See) ist Ziel von vielen amerikanischen und kanadischen Rentnern. Und tatsächlich, wir sind heute mit unserer Gruppe hier nicht allein. Lauter gut gebräunte Pensionäre genießen die Wintermonate hier. Es ist billig (100 Pesos kostete für uns die Standgebühr) und jeden Tag kommen Händler, die Wasser, Lebensmittel und Fisch verkaufen. Man braucht sich also nicht zu bewegen, kann ein wenig abhängen und abends mit Freunden die Musik hören, die man schon vor 40 Jahren als junger Mensch gut fand.

Aber der Strand ist auch wirklich schön, man schaut auf einige vorgelagerte kleine Inseln, das Wasser ist klar und man kann lange hinauslaufen, bis das Wasser tiefer wird. Unser Guide Patrick hat uns dann noch gezeigt, wie man Callo Muscheln öffnet und zubereitet, die er zuvor direkt aus dem Meeresboden gezogen hatte. Man erhält weißes Muskelfleisch, das man gebraten oder auch roh essen kann. Unsere Mitreisenden haben es sehr lecker gefunden.

Wale und Delfine

In der Laguna Ojo de Liebre leben von Januar bis April bis zu 2000 Grauwale mit ihren Jungen. In dieser geschützten Bucht, die mit 20 Metern nicht sehr tief ist, herrschen gute Vorraussetzungen für die Geburt und Aufzucht von Jungen. Das sollten wir uns heute „walnah“ ansehen dürfen. Um 9.00 Uhr trafen wir uns an einem Steg beim Campingplatz, um mit zwei Booten auf Wal-Beobachtungstour zu gehen. Wir fuhren zunächst ca. 15 Minuten raus auf die Bucht. Schon von weitem konnte man den Blast der Grauwale sehen. Als wir uns näherten, drosselte der Guide den Motor und nun tuckerten wir leise an die Wale heran oder aber die Wale näherten sich uns. In manchen Gruppen tauchten Wale gemeinsam mit Delphinen. Das war wirklich beeindruckend. In einem dritten Boot mit Gästen spielte ein Mann Geige. Und warum auch immer näherten sich diesem Boot die Wale mit ihren Jungen ganz neugierig. Wale kann man, wie wir gehört haben, anhand der Fluke und der Seepocken, die sich auf ihrem Rücken tragen, unterscheiden. Wir natürlich nicht. Aber ich hätte nicht gedacht, dass vor allem die älteren und größeren Tiere stark mit Seepocken bewachsen sind. Auf den Booten ging es ganz leise zu und auch wenn wir alle probierten ein Stück von diesem besonderen Erlebnis auf Bildern mit nach Hause zu nehmen, so genossen wir doch auch diese eigentümliche Stimmung, sehr große und freundliche Tiere in ihrem Habitat zu beobachten. Einmal tauchte ein Wal ziemlich nahe auf und wir konnten die feinen Nebel seines Blasts spüren. Zum Schluß und gewissermaßen als Höhepunkt tauchte ein sehr großer Wal unter unserem Boot durch. Gewissermaßen konnte man sich auf Armeslänge diesen wunderbaren Tieren nähern und eine Idee davon bekommen, wie groß sie sind. Ich denke, wir waren nach den zwei Stunden alle tief beeindruckt.

Und es ging zurück auf die MEX-1. Durch den kleinen Ort Vizcaino und an einer weiteren Militärkontrolle vorbei. Landschaftlich fuhren wir in einiger Entfernung am Meer entlang und durch weites Land. Das wurde immer grüner, je näher wir uns unserem Tagesziel San Ignacio näherten. In der Palmenoase San Ignacio gibt es einen mit großen grünen Bäumen umstandenen Dorfplatz. An dessen Stirnseite steht die Missionskirche San Ignacio de Kadakaamàn. Ihre Gründung geht auf das Jahr 1728 durch Pater Juan Bautista zurück. Ihre dicken Mauern sind aus Lavasteinen gebaut und innen an der Stirnseite ist sie vergoldet. Man betritt sie durch ein reich verziertes Holztor, das, wie die ganze Kirche maurische Elemente trägt. Vielleicht kamen die Padres, die hier wirkten, ja auch Südspanien. Besonders gut hat mir eine Figur im Inneren gefallen, der Schutzpatron aller Hausfrauen und Hausmänner mit einem Besen in der Hand.
Rund um den Platz gibt es Geschäfte, Cafés und Restaurants. Der Platz machte einen netten , aber auch einen ziemlich verschlafenen Eindruck obwohl ja Wal-Saison ist und damit Hauptsaison hier. Mañana, mañana, nur keine Eile.
Wir stehen heute Nacht auf dem Campground Rice and Beans und hatten etwas zu feiern, nämlich den 38. Hochzeitstag von Kristen und Vibeke. Gratulation. Darauf haben wir angestoßen und noch ein bisschen geschnackt. Das Essen im zum Campground und Hotel gehörigen Restaurant war rustikal aber lecker.

Von defekten Spiegeln

Heute ging es von Cataviña zur Laguna Ojo je Liebre. Zunächst ging es rund 160 km entlang der MEX-1. Erst noch hügelig durch Kakteenwälder. Nach rund 20 Kilometern weitete sich die Landschaft. Wir waren auf ca. 850 Metern Höhe, es waren keine Menschen und zeitweise auch keine Kakteen mehr zu sehen. Die Straße schlängelte sich so durch die Landschaft. Mal gab es schnurgerade kilometerlange Stücke, dann wieder großzügig kurvige Teile. Man konnte sehr weit sehen, was gut war, denn die Straße war streckenweise in erbärmlichem Zustand. Man musste großen Schlaglöchern ausweichen und manchmal übersah man doch einen oder es kam Gegenverkehr und dann war man schon mit lautem Getöse ins Loch gefahren. Und dann war die Straße auch noch ziemlich eng, links und rechts gab es keine Bankette, sondern es fiel ganz schön steil in den Sand ab. Ein Abkommen von der Straße wäre hier dramatisch gewesen. Immer wenn LKW´s entgegen kamen, habe zumindest ich ganz schön ausgeatmet, als ob uns das schmaler gemacht hätte. Und dann kam das Unvermeidliche, ein entgegenkommender LKW war zum Teil auf unserer Spur, blinkte noch kurz auf, es tat einen ordentlichen Schlag und dann war unser Außenspiegel weg. Nur die Halterung war noch in Teilen da. Das passierte kurz vor der Grenze zwischen den Provinzen Baja Norte und Baja Sur. Gott sei Dank gab es hier entgegen unserer Annahme Handy-Empfang. Ein kurzer Anruf bei Patrick, unserem Reiseleiter. Er wartete im nächsten Ort, Guerrero Negro auf uns. Und er kannte einen Glaser, der Maß nahm und uns für 200 Pesos (10 Dollar) mit Duck-Tape einen wunderbaren und funktionierenden Rückspiegel montiert hat. Das hat uns natürlich gefallen, wie selbstverständlich und praktisch man hier „Probleme“ lösen kann. Und Danke Patrick für Deine Hilfe.
Nach einem Beruhigungs-Cappuccino und einem Kuchen ging es zur Laguna Ojo de Liebre. Hier handelt es sich um eine Lagune, in die jedes Jahr bis zu 2000 Grauwale aus der Beringsee kommen, um hier ihre Jungen zur Welt zu bringen und zeitweise großzuziehen, bis sie den Sommer über wieder im Norden sind. Grauwale können bis zu 34 Tonnen schwer, bis 14 Meter lang und 60 Jahre alt werden. Um zu diesem Ort zu kommen, muss man von der Nationalstraße 1 abbiegen und noch einmal 25 km über eine geschotterte Straße durch ein Gebiet voller Wasserbecken zur Salzgewinnung fahren, bis man an einem Strand ankommt, der an die Lagune grenzt. Ein sehr schöner Ort, wo wir nun ohne weitere Versorgung stehen, dafür aber in vollem Mondlicht und unter einem schönen Sternenhimmel. Und der Coyote, der an unserem Lagerfeuer vorbeilief, störte sich auch nicht an uns und wir, unsere Reisegruppe auch nicht an ihm.