La Bufadora

Der Tag begann mit Regen. Regen in Mexiko, das ist etwas, was wir uns bisher nicht so richtig vorstellen konnten. Aber für die Erdbeerfelder neben dem Campground kam der Regen bestimmt richtig. Nicht zu viel, damit die Erdbeeren nicht faulen, aber genug, das sie schmackhaft werden. Leider können wir nun keine mehr kaufen, da wir übermorgen wieder in die USA einreisen und wir unnötige Diskussionen beim Grenzübertritt vermeiden wollen.
Unser Weg führte uns wieder nach Norden über die MEX-1 über Camalú, Colonet, San Vincente und Santo Tomás. Die Orte, die voller mexikanischem Leben uns auf dem Weg nach Süden noch so unheimlich anders und staubig vorkamen, empfanden wir nun typisch mexikanisch normal. Nun gut, staubig waren sie zum Teil schon noch, was auch an der steifen Brise gelegen haben mag, die vom Pazifik herüber wehte. Aber ganz so ärmlich kamen sie uns nun nicht mehr vor. Unser Auge kann nun erkennen, dass es hier alles gibt, was wir verwöhnten Europäer auch haben. Bestimmt nicht in der Ordentlichkeit und der Perfektion, aber wir haben Labore gesehen, Zahnarztpraxen, Supermärkte, Schulen, Papierläden, Schuhgeschäfte, Restaurants, Kaffeeläden, Süssigkeitengeschäfte, Modeläden, Gemüsegeschäfte, Autowerkstätten, einfach alles, was der Mensch vermeintlich so braucht. So gesehen, war es gar nicht schlecht, dass wir die MEX-1 ein zweites Mal gefahren sind. Die Strecke zwischen Colonet und Santo Tomás ist sogar richtig gut ausgebaut und führt in schönen Kurven durch die Berge und die alte Weinstraße.

Kurz vor Colonet kamen uns zwei Schwertransporter, beladen mit riesigen Steinbruchmuldenkippern entgegen. Die Begleitfahrzeuge und die Fahrer der Schwertransporter hatten die Ruhe weg und so kamen wir ganz gut aneinander vorbei.

Unser touristisches Ziel war heute La Bufadora. Hier handelt es sich um den zweitgrößten Brandungsgeysir der Welt. Man fährt von der MEX-1 ab und die MEX-23 schlängelt sich entlang der großen Bucht, an der auch Ensenada liegt. Der Pazifik zeigte sich von wunderbarem Blau, die Sonne schien und da machte es schon nichts mehr aus, dass es nur 16 Grad Celsius waren. Der Ort La Bufadora ist voll auf den Tourismus ausgerichtet. Da gibt es zum einen große Parkplätze und viele Restaurants. Und dann muss man, um die eigentliche Attraktion, den Geysir, zu erreichen, eine Gasse voller Souvenirläden passieren. Es gab hier T-Shirts, Taschen, Hüte, Tassen, Süßigkeiten, Nüsse, Keramik, einfach Nippes aller Art zu kaufen. Aber ein freundlich und höflich vorgetragenes „No Gracias“ genügte, und man konnte weitergehen.
Der Brandungsgeysir selber funktioniert sehr zuverlässig. Die ankommenden Wellen werden in einen tiefen Felseinschnitt gedrückt. Das Wasser steigt dann mit einem lauten Pfeifgeräusch auf und verteilt sich als bis zu 30 Meter hoher und feiner Wassernebel. Ein wirklich beeindruckendes Spektakel.
Aber auch sonst steht man hier hoch auf den Felsen und hat eine schönen Blick über eine mit Felsen durchzogene Bucht. Und die Kraft des Wasser und die Gischt zu beobachten ist immer wieder toll.
Heute Nacht stehen wir in Las Cañadas, einem Natur-Freizeitpark. Hier könnte man Schwimmen, Angeln, Wandern, Zipline-Fliegen und vieles mehr. Wir aber haben heute Evas Geburtstag gefeiert und gratulieren ihr noch einmal von ganzem Herzen. Obwohl es ganz schön frisch war und ein strammer Wind wehte und es am Schluss auch noch regnete, war es wie immer lustig, zusammenzusitzen.

Von Catavina nach Vincente Guerrero

Heute waren wir schon früh wach. Frei nach dem Motto, „ich habe Kaffeedurst, aber keinen Strom“, also mache ich, Amerikaner, um 6.30 Uhr meinen Generator an. Gringos eben, dachten wir, und sind dann auch aufgestanden.
Mit Helen, Joop, Veronique und Werner haben wir uns dann auf den Weg zu einer kleinen Wüstenwanderung gemacht, die durch eine Fels- und Kakteenlandschaft bis zu einer Höhle mit ein paar Wandmalereien führte. Man konnte schöne Fotos machen und der kleine Spaziergang in der Gruppe war überaus unterhaltsam. Unser Guide Patrick hatte sich auch noch dazugesellt und so sind wir anschließend bestens gelaunt in unsere Fahrzeuge gestiegen und haben uns auf den Weg nach Vicente Guerrero gemacht. Zwischendurch kommt man in El Rosario vorbei, der Ort, der mit der Rally Baja 1000 eng verbunden ist. Patrick und Joop, beide große Taco-Liebhaber haben hier gleich mal einen Stopp bei einer der Taco-Buden eingelegt.
Wir aber sind weitergefahren zum Playa El Socorro. Hier biegt man von der MEX-1 ab auf eine palmbestandene Allee, die am Pazifik endet. Diese Allee ist Teil eines Immobilien-Entwicklungsprojektes. Man versucht hier Grundstücke und Ferienhäuser zu verkaufen. Noch stehen erst ein paar Häuser. Aber daneben kann man an den Strand fahren und dort haben wir Eva und Josef getroffen, die die schöne Aussicht auf den Pazifik genossen. Es dauerte nicht lange, da kamen zwei Mexikaner angelaufen, die uns freundlich und nett über das Immobilienprojekt berichteten und auch davon, dass der „wilde“ Platz am Strand zum Campground werden soll. Nächstes Jahr, wenn wir wiederkommen, würden wir staunen.
Der Strand ist leider nicht zum spazieren geeignet, da er mit großen Kieseln bedeckt ist, über die man schlecht gehen kann. Aber der Blick auf das Meer und die Wellen war für uns wunderbar und wenn man ganz genau hinhörte, konnte man das Rollen der Kiesel durch die Wellen hören. Schön war das. Ein Haus mit Grundstück soll hier übrigens 200.000 Dollar kosten. Das fanden wir ist für Mexiko und die Lage kein Schnapper.

Nun mussten wir uns schon sputen, um unser abendliches Briefing zu erreichen. Heute haben Uli und Günter ein Gläschen Sekt zum Abschluss unserer gemeinsamen Reise spendiert. Das war wirklich sehr aufmerksam von beiden.

Immer wieder Catavina

Gerade komme ich von unserem abendlichen Lagerfeuer, das Patrick für uns auf dieser Reise schon mehrmals angezündet hat. Das sind immer ganz entspannte Abende mit schönen Gesprächen und Gedanken. Wir sind wieder mitten in den Bergen inmitten einer variantenreichen Kakteenlandschaft und schauen in einen sagenhaften Sternenhimmel. Da es so gut wie kein Streulicht gibt, leuchten die Sterne umso intensiver. Der große Platz in Cataviña, auf dem wir stehen gehört zu einer Ranch und es gibt kein Wasser und keinen Strom. Es ist einfach still und schön. Und da außer uns nur noch drei weitere Fahrzeuge hier stehen, gibt es auch keinen Lärm durch Generatoren, die von kanadischen und amerikanischen Campern auf trockenen Plätzen gerne verwendet werden.
Den Nachmittag haben wir mit einer kleinen Wanderung verbracht. Ein Mitglied der Rancherfamilie hat uns durch die felsige Kakteenlandschaft geführt und uns die Besonderheiten der einen oder anderen Pflanze erklärt. Die struppigsten Büsche werden teilweise für die Herstellung von Tee oder Salben verwendet, die gegen allerlei Beschwerden helfen. Es gibt aber auch Früchte, die Beschwerden bereiten, wenn man sie konsumiert. Es hilft also, sich ein wenig auszukennen. Aber wenn man mit offenen Augen durch solch eine Landschaft spaziert sieht man natürlich viele schöne Dinge, die vom Auto aus gar nicht zu erkennen sind. Die Blüte eines Busches fand ich besonders toll, denn sie sah aus wie aus roten Federn gemacht. Die sandige und felsige Umgebung lässt die Pflanzen aber auch besonders wirken, jeder Steingärtner hätte hier seine Freude.
Schon gegen 17.30 Uhr sind wir hier zum Essen bei der Rancherfamilie gewesen. Diese bieten ein Gericht an: Zwei Tacos mit einem Enchilada zusammen mit Reis und Bohnen. Sehr lecker. Teller und Besteck bitte mitbringen. Dafür kostet das authentische Essen mit einer Büchse Bier nur 120 Pesos (6,50 Euro).
Der Weg von Guerrero Negro nach Cataviña war nicht ganz so nett, denn die MEX-1 ist über weite Teile in überaus schlechtem Zustand. Neben dem Umstand, dass die Fahrbahn eng ist und ohne Bankett angelegt ist, ist sie von Schlaglöchern der Klasse exquisit durchzogen. Solange kein Gegenverkehr kommt, kann man dem einen oder anderen Loch noch elegant ausweichen, aber wenn dann etwas entgegenkommt, bleibt nur noch Zähne zusammenbeißen und mit dem Auto mitleiden, wenn die Reifen mit lautem Rumms über die Löcher fahren. Schnell fahren kann man auch nicht, aber dadurch, dass es die letzten Tage geregnet hat, hatte man den Eindruck, dass die Kakteen vom Staub befreit schön grün waren. Das ganze in der Kombination mit Felsen, Sonne und klarem blauen Himmel macht einfach gute Laune. Und so waren wir schnell in Cataviña und konnten den Samstag wie oben beschrieben genießen.

Vorsichtig fahren

Ein kleiner Nachtrag noch zu gestern. Als wir gegen 17.30 Uhr zu unserem abendlichen Meeting zusammensaßen, tat es plötzlich eine Schlag, gefolgt von zwei merkwürdigen Geräuschen und wir konnten gerade noch zusehen, wie von der Straße, die oberhalb des Campgrounds lag, sich ein roter PKW den Abhang hinunter überschlug und auf dem Dach liegenblieb.
Sofort rannten einige unserer Mitreisenden und ein paar Leute vom Campground zu der Unfallstelle, riefen die Ambulanz und sahen zu, dass sie bei dem Unfallopfer blieben. Die Polizei, der Rettungswagen und die Feuerwehr waren innerhalb von 10 Minuten zur Stelle, was wirklich eine Leistung ist, da der Campground noch vor dem Dorf Mulegé lag. Das Unfallopfer, eine Frau, wurde in das nächstgelegene Krankenhaus gebracht und wir wünschen ihr gute Genesung. Innerhalb einer Stunde war der Spuk vorbei, der Abschleppdienst hatte das Unfallauto abgeholt und nichts mehr deutete auf diesen Schreck hin. Für uns aber war es Warnung, am nächsten Tag umso vorsichtiger zu fahren, denn aufgrund fehlender Bankette, schmaler Straßen und entgegenkommender LKW´s kann man hier auf der Baja ganz schnell von der Straße abkommen.

Unser Ziel heute war Guerrero Negro, kurz vor der Grenze zwischen Baja California Sur und Baja California. In Santa Rosalia haben wir noch kurz beim Supermarkt Ley eingekauft, bevor es weiter durch den von Vulkanen geprägten Teil der Baja California Sur ging. Dabei kommt man auch ein wenig durch die Berge, von denen man einen wunderbaren Blick über die kakteenbestandene Ebene hat. Leider gibt es hier an der Straße keine Spots, an denen man halten kann. Somit kommt eigentlich nur der Beifahrer in den Genuss dieser schönen Aussicht.
San Ignacio, die Palmenoase, die wir schon auf unserem Hinweg besucht haben, ließen wir dieses Mal links liegen. Nach einem kleinen Imbiss am Wegesrand, mit Blick auf eine hinreißende Kakteenlandschaft, garniert von einem dramatischen Wolkenhimmel, waren es noch ca. 100 Kilometer bis Guerrero Negro. Hier stehen wir nun dicht an dicht hinter dem Hotel Malarrimo. Wir haben heute zusammen hier im Hotel gegessen und das dreigängige Menü hat wirklich sehr gut geschmeckt und war nett angerichtet. Ein Essen jenseits von Tacos und Enchilladas, auch wenn es einen kleinen Klecks mit Bohnen gab.

Hang Loose

Eine Strecke von 40 Kilometern war heute zurückzulegen, die kürzeste unserer ganzen Tour. Das bedeutete, dass wir uns am Playa Requeson Zeit lassen konnten. Es war zwar etwas bedeckt, aber mit 25 Grad Celsius ganz schön warm. Das besondere an der Lagune Requeson ist, dass man ganz nahe an der Wasserlinie stehen kann. Wenn man also morgens aufwacht und aus dem Fenster schaut, sieht man smaragdgrünes Wasser, weißen Sand, Kakteen und ein paar Berge im Hintergrund. Nicht, dass meine Aussicht in Hamburg aus dem Schlafzimmer schlecht wäre, aber das hier ist schon eine Liga für sich.
Am morgen kamen verschiedene Händler vorbei und boten frischen Fisch, Garnelen, Gemüse, Schnitzereien, Armbänder und Teppiche an. Ein kleiner Spaziergang führte uns aus unserer Bucht um einen kleinen Bergrücken herum in die nächste Bucht. Man kommt an vielen trockenen und struppigen Pflanzen und Kakteen vorbei, die es offenbar gewohnt sind, ohne viel Wasser auszukommen. In der nächsten Bucht gab es auch weißen Strand, blaues Meer, keine Leute, dafür aber jede Menge Seevögel und ganz viele verschiedene Kakteen.
Diese Strände wie der in Requeson haben den Reiz der Unbeschwertheit, der Anarchie oder des Reisens, ohne viel Geld haben zu müssen. Dem „Host“ gibt man 100 Pesos und schon entfaltet sich vor einem das Paradies. Leider aber hatte auch das Paradies so seine Schattenseiten. Und hier bedeutet es, dass auf der dem Meer abgewandten Seite jede Menge Schrott und Sperrmüll liegt. Und da es keine ordentliche Versorgung mit Toiletten gibt – die zwei Dixiklos machten schon von weitem keinen vertrauenserweckenden Eindruck.
Aber genug davon, schön war es schon am Strand. Und immer wieder nett sind die Unterhaltungen mit anderen Touristen.
Gegen Mittag haben wir uns dann doch auf den Weg nach Mulegé gemacht. Hier stehen wir nun auf einem Platz, an dem es vor zwei Tagen geregnet hat. Auch das gibt es wohl und für uns ist das vielleicht die Gelegenheit, später auf unserer Reise noch blühende Kakteen zu sehen.

Car Wash

Es war heute wenig zu fahren, 90 Kilometer von Loreto nach El Requeson. Da wir innerhalb unserer Gruppe eh immer diejenigen sind, die als letzte vom Platz fahren und meist die letzten sind, die ankommen, haben wir uns auch heute Zeit gelassen.
In der Straße in der auch der Campground gelegen war, gab es einen Platz zum Autowaschen. Nachdem wir schon gestern die Dienstleistung des Wäschewaschens in Anspruch genommen haben, durften wir heute zusehen, wie zwei nette junge Männer unser Wohnmobil von Hand gewaschen haben. Einer kletterte behende über das Ersatzrad am Wagenende auf das Dach, um die Dachfenster und die Solaranlage vom Schmutz zu befreien. Mit anschließendem Trockenreiben. Die Scheiben rund um das Auto glänzen nun, jeder Spalt und jeder Dreck wurde rund um die Spiegel und die Front entfernt. Für uns wurde noch eine Autorückbank in den Schatten geschoben, sodass wir bequem das Treiben beobachten konnten. Es ist schon merkwürdig, wenn andere für einen arbeiten, aber unangenehm ist es auch nicht. Nach gut einer Stunde, inzwischen hatte ich einige Süßstückchen beim Bäcker um die Ecke für die fleißigen Jungs und uns geholt, war das Auto fertig. Inklusive Trinkgeld kostete es keine 20 Euro. Die etwas niedrig hängende Stromleitung wurde kurzerhand mit Hilfe eines Besens angehoben und schon konnten wir uns mit eine blitzblanken Auto auf den Weg nach El Requeson machen.

Die Straße war nett angelegt, kurvig, aber mit Aussicht auf Kakteenwälder und dahinterliegende Berge. In einer Kurve verabschiedete sich unsere zweite Schublade, die mit lautem Gerumse aus der Schiene sprang, da sich der Verschluss gelockert hatte. So langsam stellen sich schon einige Dinge ein, die nach dieser Reise dringend überholt werden müssen. Die bisher nicht nur auf guten Straßen gefahrenen knapp 30.000 Kilometer verlangen ihren Tribut.

Dafür wurden wir in El Requeson von einem überaus reizvollen Strand empfangen. Wir stehen hier auf einer sandigen Halbinsel, die in eine Lagune ragt. Das Wasser ist relativ flach und eignet sich nicht zum Schwimmen, dafür aber zum Spazierengehen. Auch im Wasser, aber Obacht, es soll hier kleine Stachelrochen geben und wenn man auf die tritt, kann es ziemlich schmerzhaft werden. Aber ich hatte mir ja bei Walmart ein paar Badeschuhe gekauft.

Heute Abend haben wir den morgigen Tag besprochen und gleichzeitig erfahren, wie Tequila schmeckt und wie er hergestellt wird. Patrick hatte eine Flasche der Klasse Reposada gekauft, was bedeutet, dass der bernsteinfarbene Tequilla zwischen 3 Monaten und einem Jahr im Eichenfass gereift ist. Das nimmt ihm das Spritige des ansonsten durchsichtigen weißen Tequilla, der überwiegend in Drinks verwendet wird. Tequilla wird aus dem Herz der blauen Agave gewonnen, wobei die Pflanze zwischen 8 und 9 Jahren alt sein muss und dann 50 bis 80 Kilogramm wiegt. Dieses Pflanzenherz wird dann zerkleinert, gekocht, abgekühlt und der auslaufende Sirup wird fermentiert und dann gebrannt.
Mezqual ist der Oberbegriff für diese Art von Alkohol, aber nur der aus der blauen Agave hergestellte, darf sich Tequilla nennen. Prost.
Und weil es so schön war, hat Patrick für uns mit Einbruch der Dunkelheit ein Feuer am Strand entzündet und so saßen wir noch lange bei milden Temperaturen gut gewärmt um den Feuerring und hatten einen ganz entspannten und unterhaltsamen Abend. Und die Tequilla-Flasche konnte er später auch entsorgen. Danke Patrick für die tolle Organisation.

Loreto

Ein Pausentag war heute in Loreto angesagt. Diese kleine Stadt verfügt über eine schöne Strandpromenade und einen lang gezogenen Strand, der aber leider dunkelsandig ist und damit nicht ganz so traumhaft aussieht. Der Bucht vorgelagert liegt die Isla Coronado. Die ist unbewohnt, aber man kann zu einem Bootsausflug dorthin fahren. Hübscher und interessanter ist die kleine historische Innenstadt rund um den die Plaza Civica und die Mission „Nuestra Señora de Loreto“. Hier gibt es viele kleine Geschäfte, die Souvenirs verkaufen, Cafés, Silbergeschäfte und Bars. Man kann unter schattigen Bäumen flanieren und insgesamt ist Loreto eine entspannte Stadt.
Praktischerweise gab es gegenüber des Campgrounds eine Wäscherei, wo eine Waschmaschinenladung 70 Pesos kostete. Dafür wurde die Wäsche gewaschen, getrocknet und zusammengelegt. Alles picobello. Umgerechnet sind 70 Pesos übrigens ungefähr 3 Euro. Da freut sich die Hausfrau.
Heute Abend haben wir als Gruppe auf der Plaza Civica gemeinsam Pizza gegessen. War auch lecker und eine willkommene Abwechslung zu mexikanischen Hausmannskost.

Am Straßenrand

Heute stand ein Fahrtag auf dem Programm. 360 Kilometer waren von La Paz bis Loreto zu fahren. Und die Strecke ist nicht gerade das, was man scenic nennen kann. Zuerst geht es mal 200 Kilometer fast kerzengerade bis nach Ciudad Constitución. Da kommt man an struppigen Prärien vorbei, auf denen vereinzelt Rinder stehen. Dann und wann steht ein festgebundenes Pferd am Wegesrand. Warum? Wissen wir auch nicht. Der Ort Cien zwischen durch hat seinen Namen daher, dass es von dort bis nach La Paz noch 100 Kilometer sind. Außerdem findet man dann und wann kleine dekorierte Betonhäuschen, die vielleicht 50 cm hoch sind und an die dort Verunfallten erinnern und oftmals bemalt sind oder so gestaltet sind, dass sie etwas über das Leben desjenigen, an den erinnert werden soll, erzählen. Und dann gibt es die offenen Gebäude, die vielleicht so groß sind wie ein Geräteschuppen und eher kleinen Kapellen ähneln. Oft steht hier eine Marienfigur oder es hängt ein Gemälde einer Maria an der Wand. Davor stehen Kerzen und Blumen und dann ganz viele kleine Dinge, die denjenigen gehören, die hier vielleicht einen Wunsch geäußert haben, als da sind Briefchen, Mützen, Taschentücher, Kinderschuhe, Kreuze, Sonnenbrillen, kleine Heiligenfiguren, ein angeschnittener Zopf.
Wenn man so bei relativ wenig Verkehr über die Landstraße schaukelt, gehen auch schon mal die Gedanken spazieren. Aber spätestens, wenn man einen Toppes übersehen hat, ist man wieder ganz bei der Sache. Hierbei handelt es sich um Betonschwellen, die besonders in und vor Ortschaften und bei Schulen die Autofahrer daran hindern, schnell zu fahren. Manchmal sind aber auch nur breite gelbe Streifen auf den Boden gemalt und es gibt gar keine Erhöhung, manchmal aber ist es gerade anders herum. Und das tut dem Auto wirklich nicht gut.
Was ist eine weitere Abwechslung auf der Straße? Die Kontrollen. Es gibt Polizeikontrollen. Hier wurden wir als Touristen immer nur durchgewunden. Und es gibt Militärkontrollen. Hier wird man befragt, woher man kommt und wohin man will. Manchmal werfen die Militärs auch einen Blick in das Fahrzeug. Aber wohl eher aus neugierigem Interesse. Aber egal, ob Polizei oder Militär, es ging immer freundlich zu.
Eine weitere Besonderheit haben wir heute wieder in Ciudad Constitución gesehen. Ein Straßendorf würde man sagen und hier besteht natürlich die Gefahr, dass der Durchgangsverkehr nur so durchbraust. Das weiß man mit Stopp-Zeichen, auf Spanisch ALTO zu verhindern, die auf der Hauptstraße in Höhe jeder einmündenden Nebenstraße aufgestellt sind. Es waren gefühlte 73 Stoppschilder.
So hatten wir Gelegenheit, in Ruhe nach dem Coffee-Shop Ausschau zu halten, an dem wir schon auf unserer Tour in den Süden Halt gemacht haben. Und auch heute war der Cappuccino hier super.
Frisch gestärkt ging es auf die zweite Hälfte unserer Strecke. Über Ciudad Insurgentes bogen wir ab nach Loreto. Nun ging es durch die Berge, die Sierra de la Gigante. Vor allem das letzte Stück ist optisch reizvoll und kurz bevor man bei Loreto wieder auf das Meer stößt blickt man plötzlich auf einen grasgrünen Golfplatz, der zu einem dort liegenden Resort gehört. Wirklich erstaunlich, was man mit Wasser alles erreichen kann.
Wir stehen nun in Loreto auf einem kleinen gepflegten Campground, der vor allem von Kanadiern besucht ist, die übrigens im Direktflug von Calgary bis nach Loreto fliegen können.

Hotel California

Wir wurden wieder um 7.00 Uhr morgens mit heiterer und lauter mexikanischer Volksmusik geweckt. Diese Musik erinnert in ihrem Humdada stark an bayerische Volksmusik, sodass wir uns gut vorstellen können, dass beim nächsten Oktoberfest zur Abwechslung auch mal mexikanische Volksmusikanten eingeladen werden. Gespielt wurde sie übrigens vom Servicedienst der mobilen Toiletten, die am Playa Las Viudas standen und dem Fahrer ein sonniges Gemüt bescheinigen.
Übrigens Toiletten. Auch der Camper braucht Toilettenpapier. Also habe ich beim letzten Supermarkt zu einem Paket gegriffen, dass „facial quality“ versprach. Das Versprechen wurde gehalten, aber das Coconuss-Aroma ist schon sehr speziell. Man hätte eben auch das Kleingedruckte lesen sollen „con fresco aroma“.

Bei allerbestem Sonntagmorgenwetter haben wir dann den schönsten Strand unserer Reise, den Playa Las Viudas verlassen und uns auf den Weg nach Todos Santos gemacht. Diese Stadt hat eine wechselvolle Geschichte, die mit ihrer Gründung als Jesuitenmission 1723 begann. Da es Wasser und fruchtbaren Boden gab, entstand eine agrarische Wirtschaft, die in dem Intensivanbau von Zuckerrohr gipfelte, was zuletzt zum Absinken des Grundwassers führte und damit 1974 zum Aus der Zuckerindustrie. Aber dafür nahm ab den 1980er Jahren die Tourismusindustrie Fahrt auf und irgendjemand kam auf die Idee, dass das dortige Hotel California von den Eagels im gleichnamigen Song beschrieben wurde. Ob das nun stimmt oder ein genialer Marketinggag war ist völlig gleich, denn das Hotel ist eine Institution. Hübsch und prominent in der Ortsmitte gelegen, ist es nicht nur ein Hotel, sondern auch ein Restaurant, eine Bar und ein riesiger Souvenirladen.
In den Gassen rund um die Plaza gibt es allerlei Kunsthandwerk und Souvenirs zu kaufen. Mal schöner, mal touristischer, je nach Geschmack. Hübsch anzusehen ist auf alle Fälle der Majakalender.

So und dann ging es wieder auf die Straße, um nach La Paz zu fahren, auf den gleichen Campingplatz, wo wir schon auf unserer Tour nach Süden übernachtet haben. Patrick hat seinen Grill angeworfen, so konnten wir heute leckere Steaks und Salat essen. Und zum Nachtisch haben uns Veronique und Werner zum Eisessen eingeladen. Vielen Dank, dass war eine supernette Idee. Und wie so oft endet der Abend dann mit wirklich tollen Gesprächen über „ditt und datt“.

Eine Seefahrt, die ist lustig

Heute stand der zweite Tag in Cabo San Lucas auf dem Programm. Um 10.00 Uhr wurden wir mit einem Kleinbus abgeholt und zum Hafen gefahren. Eine Fahrt mit einem Glasbodenboot war geplant. Wir bestiegen eine Art Fischerboot für 15 Leute. In der Mitte waren zwei Guckkästen eingebaut, deren Böden verglast waren, um Fische im glasklaren Wasser zu betrachten. Der Bootsführer brachte uns bei leicht kabbelligem Wasser wie gestern wieder an die Felsen, die die Cortez-See vom Pazifik trennt.
Erster Programmpunkt: Jeder bekam ein wenig Toastbrot, um damit ein paar Fische anzulocken. Das gelang spielend und auch ein paar bunte Fische zeigten sich unter dem Glasboden. Aber in einer Gemeinschaft von Tieren spricht sich immer schnell herum, wenn es etwas zu fressen gibt und so dauerte es nicht lange, dass sich auch Möwen auf die Brotstückchen stürzten. Dann ging es weiter an den Felsen entlang und wir kamen am Strand der Liebenden vorbei. An diesem Strand, der auf die Cortez-See hinaus geht, kann man sich ausladen lassen, um dort zu schwimmen, oder aber man kann bequem durch die Felsen auf den gegenüberliegenden Strand der Geschiedenen laufen, der auf den Pazifik hinaus zeigt. Hier sollte man auf keinen Fall ins Wasser gehen, denn es gibt gefährliche Strömungen und einen ziemlichen Wellengang. Wir verzichteten auf den kleinen Landgang und fuhren weiter zu einem Punkt, an dem man durch die Felsen vom Boot aus von der Cortez-See auf den Pazifik sehen kann. Ein wenig weiter lümmeln ein paar übel riechende Seelöwen auf einem Felsen und machen ganz schön Krach. Man ist übrigens an all diesen Spots nicht allein. Immer drängeln sich mehrere Boote, um die geschilderten Attraktionen für die jeweiligen Gäste erfahrbar zu machen. Und dann sind inmitten dieses Verkehrs noch ein paar Schiffe mit Tauchern unterwegs, die an den Felsen das Meer von unten erkunden. Unser Bootsführer fuhr nun in den Pazifik und hier schaukelte das Boot schon ziemlich heftig. Man hat einen schönen Blick auf den Strand der Geschiedenen, ein paar dort liegende Hotels und auf ein paar im Hang gebaute Villen, die bestimmt einen großartigen Blick auf das offene Meer haben.
Zurück ging es wieder am Strand von Cabo San Lucas entlang. Wir bewunderten die vielen Hotels am Strand. Einige sind ganz hübsch als Residenzen mit Hotelbetrieb. Am Strand selbst gibt es viele Strandrestaurants, von denen einige solch Lustbarkeiten anbieten, dass man Tequilla „satt“ eingeflößt bekommt. Außerdem haben wir jede Menge Vermieter von Jetskis und Anbieter von Parasailing hinter einem Boot gesehen. Unser Guide war sehr stolz auf seine Stadt und gab uns noch eine kleine Führung durch die Marina von Cabo San Lucas. Und in der Tat, neben einigen Ausflugsbotten und Schiffen für das Hochseeangeln lag auch die ein oder andere ansehnliche Jacht im Hafen. Überhaupt ist der Hafen nett innerhalb der Stadt angelegt und erinnert durch die umgebenden Häuser und Restaurants ein bisschen an Marbella.
Wir hatten nun noch Gelegenheit, Cabo San Lucas selbst zu erkunden. Es gibt unendlich viele Bars und Restaurants und überall wird man angesprochen, ob man nicht essen, etwas kaufen oder aber eine Bootstour machen möchte. Ein einfaches „No Gracias“ aber reicht und man wird nicht weiter verfolgt. Aber irgendeine Sache, die man wirklich hätte haben wollen, haben wir nicht gefunden.

Also ging es zurück zur Playa Las Viudas. Ein echter Geheimtipp. Ein kleiner öffentlicher Strand, schön gelegen zwischen Felsen, neu angelegt mit Außenduschen und Holzstegen durch den Sand. Sauber und gepflegt. Die Brandung war heute nicht schlecht und es war ein wenig mühsam, wieder aus dem Wasser zu kommen, da es schnell sehr tief wird und an der Brechungskante die Unterströmung ganz schöne Kräfte entwickelt. Aber dafür schwimmt man mit Pelikanen, wo geht das schon?
Und dann verlässt uns heute Anton, einer der zwei Guides. Wir wünschen ihm gute Heimreise und es waren tolle zwei Wochen mit Dir. Danke dafür.